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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#1

September 2017

in Lektüreliste 07.09.2017 15:30
von LX.C • 2.720 Beiträge

Warum nicht: Maron - Zwischenspiel vom Grabbeltisch. Aber deswegen nicht weniger gut. Ich fühl mich immer wieder wohl, in den zutiefst menschlichen Regungen Marons Figuren und ihrer Prosodie.


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#2

RE: September 2017

in Lektüreliste 16.09.2017 22:10
von Taxine • Admin | 5.950 Beiträge

Mathias Énard "Zone" - der moderne Krieg, die Bestie Mensch, der Soldat als "Opfer und Täter", die Zerstörung und das Verdauen danach ... Ein Roman wie ein langer Satz ohne Punkt und Ende.




Surreale Vorstellungen
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#3

RE: September 2017

in Lektüreliste 22.09.2017 13:34
von Jatman1 • 1.156 Beiträge

Fritz Raddatz "Taubenherz und Geierschnabel" - Heinrich Heine (Eine Biographie)

Nachtrag.
Bin immer noch dran, werde hier aber nicht hinschmeißen.
Das Buch lässt den Heine für mich immer „offen“, obwohl es sehr konkret ist - trotz seiner immer wieder bemüht originellen Form.
Zumeist entwickelt sich Gleichgültigkeit oder eine Tendenz bei Biographien für die Person und ihr Oevre.
Für Heine stellt es sich bei mir nicht ein. Ich weiß absolut nicht, was ich von ihm halten soll. Es gibt klar Verwerfliches und es gibt klar Bewundernswertes. Die Waage neigt sich einfach zu keiner Seite.

Was haltet ihr von dem, wo „ordnet“ ihr den ein? Habt ihr eine Meinung zu dem? Kennt ihr eine alternative Biographie? . . . Ich werde wohl nicht umhinkommen, noch eine weitere zu lesen.

Auf der Suche nach Heine bin ich auf diese faszinierende Seite gestoßen: http://www.hhp.uni-trier.de/Projekte/HHP/briefe

Warum gibt es das nicht für Dostojewski


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 22.09.2017 13:34 | nach oben springen

#4

RE: September 2017

in Lektüreliste 22.09.2017 15:08
von LX.C • 2.720 Beiträge

Ja, das geht mir wie Dir. Einerseits ein genialer Dichter, literarischer Kämpfer und Chronist. Andererseits weckt er menschlich einen Zwiespalt in einem.

Bei Heine muss man bedenken, dass er einer der ersten Autoren der Moderne ist, der das Autorendasein nach modernem Verständnis zum "Beruf" gemacht hat. Entsprechend kokettierte er, forderte er und auch instrumentalisierte er, um das seiner Vorstellung nach Angemessene zu erhalten.

Andererseits hatte er literarisch ein sehr großes Geltungsbewusstsein, war davon überzeugt und arbeitete auch bewusst darauf hin, der Nachwelt "erhalten" zu bleiben.

Beides macht ihn nicht unbedingt sympathischer, vor allem, wenn man seinen Schriftverkehr sichtet. Und beides wirkte sich auch auf sein Schaffen selbst aus, das im Bezug auf das Zeitzeugentum nicht immer für bare Münze gehalten werden kann, sondern sich der Dichtung des "Berufsautors" und dem Ego des "Selbstdarstellers" beugt.


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zuletzt bearbeitet 22.09.2017 15:09 | nach oben springen

#5

RE: September 2017

in Lektüreliste 22.09.2017 15:15
von LX.C • 2.720 Beiträge

Thematisch bin ich momentan sehr nahe bei Taxine. Politkovskaja - Tschetschenien. Die Wahrheit über den Krieg


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#6

RE: September 2017

in Lektüreliste 23.09.2017 16:30
von Jatman1 • 1.156 Beiträge

Wie schafft ihr es, mit doch großer Konsequenz am Thema Krieg und Unterdrückung dranzubleiben?! Mein Eindruck: immer und immer wieder.
Ich könnte das nicht aushalten. Es würde mich platt machen . . .
Deswegen jetzt Peter Gabriel - Biographie, Daryl Easlea

Heine
Selbstdarsteller geht ja noch in Ordnung. Kultur und Kunst ist halt das Metier für Selbstdarsteller. Aber seine ungezügelte Respektlosigkeit den Menschen gegenüber und das hoch sensitive Angepisstsein, um in Folge ohne Anstand und würdelose Eindreschen auf sein Gegegnüber, sucht doch seines Gleichen.
Und dass er sich unzählige Episoden, Umstände und Geschehnisse einfach immer wieder nach seinem Gusto zusammengesponnen hat, amüsiert mich schon wieder etwas.


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 23.09.2017 16:32 | nach oben springen

#7

RE: September 2017

in Lektüreliste 23.09.2017 18:09
von Taxine • Admin | 5.950 Beiträge

Heines Charakter kommt besonders gut in den Briefen zur Geltung. Gibt vom Aufbau-Verlag eine "Biografie in Briefen", die ich damals nur gekauft habe, weil der Titel gut war und aus seinen Briefen zitiert: "Heinrich Heine - Leben Sie wohl und hole Sie der Teufel".
Schon die Briefe an die Mutter zeigen den Charakter von Heine sehr schön.

"Und Du alte süße Katze, wie geht es Dir?
Wenn Du stirbst, ehe ich Dich wiedersehe, schieße
ich mich todt. Merke Dir das für den Fall, dass Dir
Anwandlungen kämen Deine Dammthorwohnung
gegen ein noch schlechteres Logis zu vertauschen!
Merke Dir das, und Du wirst keine solche
Niederträchtigkeit begehen ..."

(Brief an die Mutter Betty Heine, 18. September 1843)

Unterhaltsam jedenfalls ist er. Und sichtbarer wird er auch. Dichtet oft am Anfang.


Krieg - ja, das ist und bleibt ein immer gleiches Thema. Alle wissen, dass es falsch ist, banal, unsinnig und natürlich tödlich, und doch ist all das ja viel zu einseitig. Wenn von Krieg profitiert wird, wird getötet. Um Land und Öl, wegen Atomwaffen und Terrorismus ... Der Feind ist immer der "Feind". Und nebendran erziehen sie uns zur Gewaltlosigkeit oder umerziehen uns zum perfekten Kanonenfutter. Der heutige Krieg findet ferngesteuert statt. Aber der Mensch stirbt weiterhin wirklich.
Énard versucht den ganzen Umriss, vom Holocaust bis zu den israelischen Schandtaten an den Palästinensern (und umgekehrt). Dann der Jugoslawienkrieg, Serben, Kroaten ... Russen, Deutsche ... alles Menschen, alles Feinde. Vergewaltigung, Rache, wie der Hass geschürt wird. Der Genozid an den Armeniern... wahrlich keine leichte Kost, schon gar nicht in Énards ganz eigenen "Gedanken"-Stil. Eine sehr lange aufreibende Zugfahrt eines Spions, der die Verbrechen aufdecken möchte.
Warum ich das lese? Immer wieder auch darum, um nicht zu vergessen, in was für einer kranken Welt wir leben. Wie dort die Zeiten parallel zueinander verlaufen. Wir - verwöhnt und satt - irgendwo anders das Chaos mit Blut und Verderben. Anhand der Geschichte erfährt man die Tendenzen, wie unsere Zukunft sich gestaltet, auch was wir jetzt sind, in Hinblick auf Gesellschaft, Degeneration, Moral und Verlust von Glauben usw. Auch darum. Oder gerade deshalb!




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 23.09.2017 18:24 | nach oben springen

#8

RE: September 2017

in Lektüreliste 24.09.2017 12:37
von Jatman1 • 1.156 Beiträge

So nebenbei Beethoven Biographie, Kurt Pahlen. So ein kleines Diogenes Büchleinchen.
Kompakt, Spannend, Kurzweilig
Sollte es viel mehr geben. So könnte man gezielter suchen, was einen interessiert

Die zuvor angeführte Mozart-Biographie hat ein Leseszeichen bekommen - obwohl es die doch nicht mehr geben sollte. Wenn aber allein schon dem Vater Mozarts 30 Seiten (wenn auch interessant) gewidmet werden, übersteigt es meine Geduld. Ich schwächle - es steht im Regal und liegt nicht in der Tonne

Immer wieder streife ich bei den Biographien, die französische Revolution und muss feststellen, so richtig weiß ich garnicht was da abging.
Gibt es vielleicht eine Epmpfehlung / Hinweis auf ein Buch, das unterhalsame Abhilfe schaffen könnte?


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#9

RE: September 2017

in Lektüreliste 24.09.2017 14:19
von LX.C • 2.720 Beiträge

Ja das ist ein wahnsinnig umfangreiches Thema und die "Französische Revolution" an sich gibt’s im Grunde auch gar nicht, sondern das sind in sich viele abgeschlossene Kapitel, die ineinander übergreifen. Sturm aus die Bastille mit Vor- und Nachgeschichte, Republikanisierung, Terrorzeit, wieder Republikanisierung, Napoleons Putsch und napoleonisches Frankreich, Restauration, Revolution, Bürgerkönig und wieder Revolution und so weiter und so fort
Also man kann sich einerseits über Kapitel nähern, die einem am spannendsten erscheinen wie den Beginn der Revolution oder die Jakobinerzeit. Selbst über Heine und seine "Französischen Zustände" kann man sich der Spätphase der Revolutionsgeschichte Frankreichs nähern. Er lebte ja vor allem im Frankreich des Bürgerkönigs und war sehr verdrießlich, als diese Phase ihr Ende nahm. Auch, weil dadurch mal wieder ein schmaler Taler wegfiel. Einen guten Gesamtüberblick bietet u.a.: Das Blut der Freiheit von Rolf Reichardt. Kürzer noch über Wolfgang Kruse: Die Französische Revolution. Auch ein Experte auf dem Gebiet, aber doch schon wieder in der Sprache etwas wissenschaftlicher gehalten. Ansonsten handelt es sich vielmals über bändeweise Abhandlungen, weil das Thema eben so umfangreich ist.


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zuletzt bearbeitet 24.09.2017 14:27 | nach oben springen

#10

RE: September 2017

in Lektüreliste 30.09.2017 21:40
von Jatman1 • 1.156 Beiträge

Danke LXC.
Ja, eben weil das Thema komplex ist und überall durchschimmert, würde mir ein Gesamtüberblick tatsächlich genügen. Bei vielen Biographien kann ich mit dem Gesamtüberblick zumindest ein Gefühl für die dann hintergründigen Geschehnisse entwickeln. Um das große „Lernen“ geht es ja nicht.
Zudem ist die „französische Revolution“ eine geläufige Formulierung wie Wasserbecken oder Holzschraube und ich habe keine Peilung davon. Das beunruhigt mich etwas.
Das Ding von Kruse. Da ist er bloß Herausgeber und hat Texte aus der Zeit zusammengestellt. Das ist dann doch eine Nummer zu hoch;-)


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#11

RE: September 2017

in Lektüreliste 01.10.2017 12:27
von LX.C • 2.720 Beiträge

Na die Textsammlung meinte ich nicht. Unter dem Titel gibt es von 2005 auch eine Gesamtdarstellung von ihm, die mit ca. 193 Seiten doch sehr kurz ist. Zudem enthält das Buch zahlreiche Abbildungen.


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#12

RE: September 2017

in Lektüreliste 01.10.2017 19:32
von Jatman1 • 1.156 Beiträge

Francois Cavanna, Das Lied der Baba
hatte ich bereits schon erwähnt, habe mich aber von anderen Büchern verleiten lassen und nun mal wieder zugegriffen.
Mir ist es ein Bedürfnis es nochmals zu erwähnen. Seht es mir nach.

Nun lese ich auch vom Krieg. Der Autor war ab 1943 Zwangsarbeiter in Deutschland. Einfach fesselnd. Lakonisch aber nicht fatalistisch. Nicht dramatisch aber spannend. Nicht rührselig, aber mir gehts ans Herz. Schlichte kurz gesetzte Sätze. Gelegentlich poetische Bilder. Aber so kurz, dass ich "aushalte" ;-) Dann verfällt er wieder in seinen drastischen Ton. Mit scheinbar schlichtem Text, berührt er einen und lässt einen gelegentlich die Luft anhalten.
Ein wütendes Buch.
Eins, wie ich es noch nicht gelesen habe (Tendenz bestens zu Im Westen nicht Neues von Remarque)
Werde demnächst Wiederholungen vermeiden. Sorry.

Ach, ist übrigens seit 1970 Herausgeber des "Charlie-Hebdo" gewesen.

Noch ein Ach - du Scheiße. Wollte gerade schauen, wie lang er Herausgeber war. Da sehe ich, dass er 1985 den Roman "Maria" geschrieben hat. Die Maria lernt er in meinem jetzigen kennen . . . und ich lese unter Wikipedia gleich hinterher, dass er die Maria nach dem Krieg über Jahre intensiv gesucht hat und nie gefunden. Nach dem bisher gelesenen, blieb mir eben auch gerade mal die Luft weg. Puh - um so intensiver wird wohl nun das Weiterlesen.
Ich werde etwas Max Goldt einschieben müssen und wollen.

Soviel erstmal vom Live-Ticker des Kreuz- und Querlesers ;-)


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zuletzt bearbeitet 01.10.2017 19:33 | nach oben springen

#13

RE: September 2017

in Lektüreliste 02.10.2017 11:03
von LX.C • 2.720 Beiträge

Hört sich sehr interessant an. Werds mir vormerken.


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#14

RE: September 2017

in Lektüreliste 03.10.2017 13:40
von Zypresserich • 2.878 Beiträge

Zitat von Jatman1 im Beitrag #8
Immer wieder streife ich bei den Biographien, die französische Revolution und muss feststellen, so richtig weiß ich garnicht was da abging.
Gibt es vielleicht eine Epmpfehlung / Hinweis auf ein Buch, das unterhalsame Abhilfe schaffen könnte?



=> Friedrich Sieburg - Robespierre


https://zumabgesaegtenast.wordpress.com
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#15

RE: September 2017

in Lektüreliste 03.10.2017 23:10
von Jatman1 • 1.156 Beiträge

@ Zypresserich
Danke - Da passt die Form auch wieder. Überzeugt und schon bestellt.

zu Francois Cavanna
Er lernt jetzt wegen ihr extra russisch. Sie ist russische Zwangsarbeiterin.
Nee, da ich ich jetzt weiß, dass es in echt eine über jahrzenhntelange unerfüllte Liebe werden wird, kann ich dieses tolle Buch nicht zu Ende lesen. Geht mir zu nahe. DAS geht aber nicht in die Tonne. Vielleicht habe ich ja mal die Kraft es zu Ende zu lesen . . .


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