Preis verdächtig?

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22.01.2026 18:21
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#16
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Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #14
Es gibt natürlich auch bemerkenswerte Ausnahmen: Ich würde beispielsweise Daniel Kehlmann so eine nennen wollen.


Ich kenne wirklich kaum ein Buch von ihm, das nicht gelungen ist, höchstens waren darunter einige, die mich vom Thema weniger fesselten. Aber Kehlmann kann man natürlich auch nicht gerade einen Vielschreiber nennen, und den Bestseller hat er sich tatsächlich mehr als verdient.

Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #14
Natürlich muss er leben und seine Familie versorgen, aber er hat immer auch die Wahl, ob er sich ins Joch der Stroh zu Blattgold spinnenden Quantität spannen lässt oder einen künstlerischen Anspruch nie aus den Augen verliert.

Das trifft zu. Ich stelle mir auch vor, dass Autoren hier selbst Wert darauf legen, hinter den eigenen Büchern stehen zu können. Wenn ich manchmal von den Selbstzweifeln lese, mit denen große einstige Schriftsteller und Dichter rangen und die soweit führten, dass sie ihre immer noch wunderbaren Werke wieder versuchten, zurückzuerlangen, um sie im Anschluss vernichten zu können, dann frage ich mich wirklich, worauf die heute üblichen Bestseller-Autoren so stolz sind, die ihre Bücher dem Zeitgeschmack anpassen. Auf hohe Verkaufszahlen? Auf eine gute Vermarktung? Wahrscheinlich träumen sie insgeheim von dem einen Werk, das sie bald schreiben werden, das ganz anders sein wird, ganz eigene Stimme, und wundern sich dann auf einmal, dass die Jahre so schnell vorübergezogen sind.


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22.01.2026 20:45
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#17
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Zweig machte einmal den Vorschlag, alle Klassiker der Weltliteratur neu herauszugeben, mit einer Streichung all der Stellen, die überflüssig oder langatmig wären. So ein Bestseller würde mir gefallen.

Sehr schön und passend auch dieses Zitat (aus der oben genannten Biografie) :

«Der Künstler, der an Gerechtigkeit glaubt, kann nie die Massen faszinieren und kann ihnen keine Schlagworte liefern, um die sie sich scharen. (...) Der Intellektuelle sollte nah bei seinen Büchern bleiben. In der Weltgeschichte war kein Intellektueller jemals angemessen ausgestattet mit dem, was es braucht, um das Volk zu führen.»

Das wäre natürlich zu reflektieren.


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23.01.2026 10:41
#18
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Zitat von Taxine im Beitrag #17
Zweig machte einmal den Vorschlag, alle Klassiker der Weltliteratur neu herauszugeben, mit einer Streichung all der Stellen, die überflüssig oder langatmig wären. So ein Bestseller würde mir gefallen.




Also prinzipiell wäre ich dagegen. Aber hin und wieder auch nicht, gerade jetzt, da ich Jean Paul wieder habe ohrfeigen mögen; wie er es schafft, dass ich für Das Kampaner Tal wenigstens zwei Wörterbücher und viel Geduld brauche, um die herrlichen Stellen zu finden. Stefan George hat ja für ihn eine Blütenlese veranstaltet, aber ein Bändchen ist da natürlich viel zu wenig.


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25.01.2026 11:05
#19
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Zitat von Taxine im Beitrag #16

Ich kenne wirklich kaum ein Buch von ihm, das nicht gelungen ist, höchstens waren darunter einige, die mich vom Thema weniger fesselten.

Da hatte ich bisher Glück und mit "Lichtspiel" hat er mich bis ins Mark erschüttert, da ich ein großer Fan des deutschen Stummfilms der 20er Jahre bin. Zuletzt dazu die Dokumentation Von Caligari zu Hitler: Das deutsche Kino im Zeitalter der Massen (2014) von Rüdiger Suchsland nach dem gleichnamigen Buch (1947) von Siegfried Kracauer. Im Unterricht setzte ich früher auf die Dokumentation Dämonische Leinwand - Der deutsche Film der zwanziger Jahre (1998) von Peter Buchka. Inzwischen kann man fast alle großen Filme von Fritz Lang, Georg Wilhelm Pabst oder Murnau als Blue-ray kaufen oder streamen.


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25.01.2026 13:12
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#20
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Admin

Ich mag besonders seine älteren Werke, begonnen mit der "Vermessung der Welt" über "Ich und Kaminski" bis zu "Mahlers Zeit". Kehlmann erzählt souverän und erschafft sehr sympathische Figuren. Die, die mich thematisch nicht gepackt haben, waren "F" und "Beerholms Vorstellung".


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