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Vielleicht hatten sie dort schlicht Sorgen wegen des maximalen Speichervolumen ihres Hosting-Pakets, wenn da nicht gar eigene Servern verwendet wurden.
Tellkamps Turm las ich seinerzeit bei meinen Eltern, die das Buch von einer davon beeindruckten rheinländischen Ärztin erhielten. Für mich war er einer der Romane, bei denen es vor allem ums Erzählte geht, mit stark traditionell geprägter Form. Gut getroffen hat er jenes in den 80ern in der beschriebenen Art vom Aussterben bedrohte altbürgerliche Milieu. Das Ende des Romans war jedoch auf eine Weise übertrieben, dass es angesichts des sonstigen Erzählstils wenig souverän wirkte, und Satire sollte dies wohl nicht sein. Insgesamt lesenswert, obwohl (oder weil) etwas deprimierend und in dieser Beziehung ähnlich wie André Kubiczeks Junge Talente, der sich freilich kürzer fasste. Dagegen bei dem Dresdner frei nach dem Geheimrat: Warum komprimieren, wenn es auch langatmig geht. Wobei Tellkamp auch kurz und bündig formulieren kann, was mir persönlich eher zusagt, weshalb ich hier mal aus Der Turm Entsprechendes zitiere:
"Es ging um Anspruch und Wirklichkeit, wie so oft, und um den stacheldrahtbestückten Zaun dazwischen." (378)
"Herr Rohde ist verschwiegen wie die Prawda" (680)
oder, um auch die Klassik einzubinden:
"Die Schallplatte dreht sich wie eine Schiffsschraube, der Dampfer Tannhäuser legt ab, nimmt mich mit in die Zeiten ... "(361)
#17
Zitat von Taxine im Beitrag #15
Maron wiederum hat mich in ihren späteren Romanen immer mehr enttäuscht.
Spätestens seit "Munin oder Chaos im Kopf" schreibt sie eher Manifeste und Pamphlete denn Romane oder Erzählungen. Ich verstehe das insoweit, als ihre Ansichten oft die meinen sind, künstlerisch freilich ist das zu wenig. Und auch wenn ich als Hundeliebhaber "Bonnie Propeller" süß fand, wer über Haustiere schreibt, hat jeden Ehrgeiz verloren und biedert sich an.

#18
Zitat von Salin im Beitrag #16
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Zitat von Salin im Beitrag #16
Für mich war er einer der Romane, bei denen es vor allem ums Erzählte geht, mit stark traditionell geprägter Form. Gut getroffen hat er jenes in den 80ern in der beschriebenen Art vom Aussterben bedrohte altbürgerliche Milieu.
Ja, das würde ich so unterschreiben.
Meine Lieblingszitate:
Uwe Tellkamp: Der Turm, Frankfurt am Main 2008, S. 147f.:
"Niklas erzählte von vergangenen Inszenierungen. In das Klingen der „Abtsuhr“, Ezzos Übungen auf der Geige nebenan, Gudruns Deklamationen von „Hach, wer ist der Schurke, sprich“, in die Gongschläge der Standuhr mit dem Messingzifferblatt, die über dem Teppich, vor der Schrankwand mit „Dehio“-Bänden, alphabetisch geordneten Musiker-Biographien und alteuropäischen Briefwechseln verebbten, mischten sich die Namen aus der Glanzzeit der Oper und der Musik, die für Niklas eine deutsche Kunst war, bei allem Respekt vor den Beatles und ABBA, über die er in den Themenabenden im „Freundeskreis Musik“ (beim Musikkritiker Lothar Däne in der Schlehenleite) kenntnisreich zu referieren wußte. „Die Pentatonik … nun, wenn die Kapelle in Japan spielt, können sie von unserer Musik nicht genug bekommen. Mozart auf pentatonisch, nun ja. Amerika hat den Dschäß und Dschordsch Görschwin, es hat Börnschdeins West Seid Schdori und Ju Jork … Schön, schön. Es heißt immer, die Deutschen seien das Volk der Dichter und Denker; ich würde eher sagen, sie sind das Volk der Musiker. In keinem anderen Bereich ist der Beitrag der Deutschen so einmalig wie in der Musik. Wenn man von Verdi und Berlioz absieht, Puccini und Vivaldi … viel bleibt nicht übrig! Noch ä paar Russen, Tschaikowski, Mussorgski, Borodin, aber das ist schon speziell, schon Randerscheinung. Schostakowitsch noch und Prokofjew, Strawinski, der aber zu erklügelt ist, zu kopfig … Die Musik ist eine deutsche Kunst, es bleibt dabei.“
Uwe Tellkamp: Der Turm, Frankfurt am Main 2008, S. 365:
"Der gelbe Nebel zog durch ihre Zimmer, laugte an den Häusern, machte den Dresdner Sandstein porös, überkrustete die Dächer, fraß an den Schornsteinen, ließ die Kittfassungen der Fenster brüchig werden, aber die Türmer hörten Tannhäuser in sieben verschiedenen Aufnahmen und verglichen sie miteinander, um sich über die „beste, die höchste, die schönste, die Standard-Aufnahme“ zu streiten …"
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