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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#16

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 12.01.2008 20:05
von Martinus • 3.194 Beiträge
Zitat von Taxine
Wenn man aber liest, um etwas über eine Zeit zu erfahren, dann ist es ratsam, sich hier nicht ablenken zu lassen. Nach meinen ... eben ... neusten Erkenntnissen.


Da fällt mir ein. Als ich in den achtziger Jahren an einer Studienreise nach Ägypten teilgenommen habe, habe ich etwa vier-fünf Monate vorher ausschließlich nur Bücher aus dem Bereich der Ägyptologie gelesen. Davon ist mir heute noch einiges hängengeblieben.

In der Literatur habe ich es leider nie so intensiviert, obwohl ich immer wieder, literarisch gesehen, in die Thomas Mann-Generation zurückkehre. Schwerpunkte bilden sich schon heraus.



„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 12.01.2008 20:06 | nach oben springen

#17

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 12.01.2008 20:13
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Zum Glück muss man sich hier keinen Gesetzen unterwerfen.

Befasst man sich einen längeren Zeitraum mit einer "Zeit", einem Thema, bleibt davon mehr hängen, als die sporadischen Einblicke. Allerdings...
Es gibt aber auch ein paar Bücher, die für sich alleine stehen und doch tief im Gedächtnis haften bleiben.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 12.01.2008 20:26 | nach oben springen

#18

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 12.01.2008 23:18
von larifant • 270 Beiträge
Zitat von Taxine

Es darf mich nicht in meiner Ansicht bestätigen oder mich in meiner Meinung streicheln!


Auch nicht, wenn es deine Ansicht auf eine solidere Basis stellt oder auf eine dir bislang unbekannte Weise bestätigt?
Manchmal ist die Begründung interessanter als die These selbst.

Zitat von Taxine

Es reicht nicht, mich ein bisschen zu unterhalten.


Mir reicht das, aber ich bin auch ein mit den Jahren zunehmend mäkeliger Leser, und die meisten Bücher unterhalten mich gar nicht.

Am wichtigsten ist mir die Eignung zur vielfachen Lektüre.
Ein gutes Buch liest man alle paar Jahre und findet etwas Neues darin.
Viele Lieblingstexte habe ich erst nach ein paar Jahren wirklich verstanden (wenn überhaupt), insbesondere Lyrisches oder Experimentelles.

Gruß,
L.

zuletzt bearbeitet 12.01.2008 23:20 | nach oben springen

#19

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 13.01.2008 10:25
von Moulin • 395 Beiträge
Liebe Freunde,

Glaubt Ihr nicht, dass wir uns zu einem Großteil Bücher unserer Art aus dem großen Topf der Literatur fischen? Dass die Bücher selbst unser gesamtes Denken nicht unbedingt verändern, sondern eine, ansich im Inneren schon fortlaufende Änderung, in Form eines Impulses zu einer geistigen Neugburt führt?

Nehmen wir eine Linie, die in eine von uns geplante Richtung führt. Die Linie, stellvertretend für unsere psychische Entwicklung passiert verschiedenste Punkte geistigen Inputs. Wonach richtet sich nun, was wir aufnehmen, was wir für uns übernehmen, was wir für uns als bestimmendes Organ einer Änderung zulassen.

Ein anderer Schriftsteller?

Ich glaube, es ist der uns eigene Geist, der nur zulässt, was an ihn adaptierfähig ist, was wir ohnehin schon in uns haben, wovon wir zehren.

Eine grundlegende Veränderung durch Andere gibt es daher meiner Meinung nach nicht im Sinne dieses Wortes, sondern im Sinne eines Impuls gesteuerten Erwachens.

Le Moulin


.
zuletzt bearbeitet 13.01.2008 10:27 | nach oben springen

#20

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 13.01.2008 12:09
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von Moulin
Glaubt Ihr nicht, dass wir uns zu einem Großteil Bücher unserer Art aus dem großen Topf der Literatur fischen? Dass die Bücher selbst unser gesamtes Denken nicht unbedingt verändern, sondern eine, ansich im Inneren schon fortlaufende Änderung, in Form eines Impulses zu einer geistigen Neugburt führt?


Absolute Zustimmung, Moulin.

Auch wenn es den Vorgang etwas willkürlich erscheinen lässt:
Eine Lektüre ist ein Picknick, zu dem der Autor die Worte besteuert und der Leser den Sinn.

Ein Buch mit zwanzig gelesen ist ein anderes Buch als dasselbe mit achtzig gelesen.

Gruß,
L.



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#21

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 13.01.2008 15:02
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Zitat von larifant
Auch nicht, wenn es deine Ansicht auf eine solidere Basis stellt oder auf eine dir bislang unbekannte Weise bestätigt?



Hm, das ist ein interessanter Gedanke. Muss ich mir erst "sichtbar" machen, wie genau das geschehen kann.

Meine Veränderung durch ein Buch, Moulin, habe ich darum ja auch mit einem "Wachwerden" verglichen.
Sicherlich ist im eigenen Inneren schon etwas geöffnet, verändert, um dann durch ein Buch in die richtige Richtung gelenkt zu werden.

Das Buch zu verschiedenen Zeiten mehrmals lesen ergibt immer wieder andere und auch neue Eindrücke. Man interpretiert (gerade Lyrik) in jeweiliger Zeit sehr unterschiedlich, was beweist, dass der Mensch immer etwas von sich selbst in fremde Zeilen legt. Das Buch als Spiegel...
In letzter Zeit habe ich einige Bücher noch einmal gelesen - dabei ist auch die Selbstbetrachtung aufschlußreich, wie sich das eigene Denken und die Art zu Lesen verändert hat.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 13.01.2008 16:20 | nach oben springen

#22

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 13.01.2008 15:12
von Moulin • 395 Beiträge

In Antwort auf:
Zitat Taxine,
Meine Veränderung durch ein Buch, Moulin, habe ich darum ja auch mit einem "Wachwerden" verglichen.


Sorry, das hatte ich irgendwie überlesen.

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#23

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 13.01.2008 16:17
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Das war eher als Bestätigung deiner Gedanken denn als „Vorwürfchen“ gemeint.


Zitat von Moulin
Glaubt Ihr nicht, dass wir uns zu einem Großteil Bücher unserer Art aus dem großen Topf der Literatur fischen?

"Unserer Art" - Dazu folgende Gedanken. Was wäre, wenn man das Lesen anders nutzt? Wenn man sich mit völlig neuen Themen konfrontiert? Wenn man nicht aus Interesse, sondern ohne besonderen Grund zu einem Buch greift und mitgerissen wird?
Natürlich wird man durch eine innere Stimme dorthin gelenkt, und sei es eine Art Neugierde, um das Gebiet kennenzulernen. Aber, lässt man sich unvoreingenommen auf Zeilen ein, dann öffnen sich auch neue Sichtweisen, mit denen man nicht gerechnet hat und die vielleicht auch nicht "unserer Art" entsprechen. Diese verändern einen schon, wenn sie etwas im Inneren bewirken können.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 13.01.2008 16:18 | nach oben springen

#24

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 13.01.2008 22:49
von headprint • 135 Beiträge

Bücher bewirken sicher etwas, ganz sicher bringen sie
auch neue Aspekte auf oder konfrontieren den Leser mit
eher unwillkommenen Sichtweisen (ebenso mit erhofften)
- aber die wirkliche Leistung - beim Lesen und Wirken
dadurch - erbringt natürlich der Leser, nicht das Buch.

Das Buch ist Energie im Dauerzustand, quasi die Energie,
die der Autor reingepackt hat, aber wieviel davon wieder
freigesetzt werden kann, das liegt in der Hand (Buch) und
vor Allem im Kopf (Lesen) des Lesers.

Ich will Bücher nicht abwerten dadurch, aber auch nicht so
tuen, als ob es hauptsächlich am Buch liegt und der Leser
nur jemand ist der das Lesezeichen weiterschubst und ohne
das Buch vollkommen sinnlos rumhockte.


*sssscrrreeeeaaaaach!!!*
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#25

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 13.01.2008 23:31
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
In Antwort auf:
Das Buch ist Energie im Dauerzustand, quasi die Energie,
die der Autor reingepackt hat, aber wieviel davon wieder
freigesetzt werden kann, das liegt in der Hand (Buch) und
vor Allem im Kopf (Lesen) des Lesers.


Gut formuliert!

Wir wachsen ja nicht nur an den literarischen Einblicken, die wir gewinnen. Die Literatur ist nur ein Teil eines Ganzen (Kreis). Wir folgen allerdings nicht einer Linie, bei der wir uns Punkt für Punkt verändern, vielmehr lässt sich aus dem Mittelpunkt begriffen - was heißt: unserem Standpunkt - jeder mögliche Radius nach außen begehen. Und mit jedem neuen Schritt, jeder neuen Sichtweise verändert sich auch der Mittelpunkt. Das ergibt unzählige Möglichkeiten, und dabei sind die ganzen Krümmungen und Abweichungen noch nicht einbezogen.
Darum ist es auch nicht verwunderlich, wenn uns ebenso etwas völlig Neues/Unbekanntes beeinflusst, das nicht durch unser Innen geleitet wird. Ich meine, wir treffen als Mensch immerhin noch auf die Welt und gestalten sie nicht in ihrer Struktur. Wir gestalten lediglich unsere Sicht von ihr.
Der Mensch wird durch so viele Dinge beeinflusst (negativ wie positiv, geistig wie emotional, usw.), und das "gute Buch" ist ein Wegweiser (also ein Vorschlag) in eine Richtung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 14.01.2008 00:27 | nach oben springen

#26

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 14.01.2008 17:37
von Moulin • 395 Beiträge

Im Prinzip ist das alles richtig, doch ändern kann mich nur, was ich für mich zulasse.
Neue Sichtweisen können durch ein Buch vermittelt werden, und Dinge, die ich noch nicht wusste können aufgezeigt werden.
Ein Buch, dass nach außen zeigt, was es inhaltlich bietet, zieht mich mehr an, so kaufe ich es dann. In etwa wie 'Tender Bar'. Da bin ich natürlich voll auf die Werbung eingestiegen. Schon die Farbe des Einbandes zog mich in einen Sog des Vertrauten. Wobei die Werbung, in diesem Fall die emotionale Symbiose zwischen Leser und Schreiber getragen hat. Nicht mal negativ. Es passte alles von Anfang bis Ende.

Die Empfehlung zu Henry Miller trägt schon deinen oben aufgeführten Gedanken, liebe Taxine. Ich hätte es nicht ohne diese Empfehlung gelesen. Aber hat es mich verändert? Ich glaube nicht. Vielleicht ist ein Buch tatsächlich im Verständnis durch die Sichtweise des jeweiligen Lesers geprägt?

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#27

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 14.01.2008 17:52
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Natürlich, lieber Moulin, ist jede Sichtweise in ein Buch vom jeweiligen Leser geprägt. Du ziehst deine Schlüsse und Eindrücke aus einem Buch, und ich meine, und diese unterscheiden sich. Ich meinte, dass wir nicht unbedingt nur nach Büchern "unserer Art" greifen.
Bsp. Ein Mensch, der sich für Literatur interessiert und auf einmal auf ein biologisches Thema trifft, was ihm gar nicht liegt, wofür er sich nie interessiert hat. Aber durch seine Neugierde und den unvoreingenommenen Blick öffnet sich eine neue Sicht und ändert seine Einstellung, sein Denken, usw. Das muss er gar nicht direkt zulassen, es reicht, wenn die "neue Sicht" plausibel ist.
Du meinstest ja, dass man eigentlich nach den Büchern greift, die unbewusst die eigene Sichtweise erweitern, dass also im Inneren bereits etwas vorhanden ist, dass man überhaupt nach einem Buch "unserer Art" greift und dass ein Buch uns nicht wirklich verändert, sondern eine bereits fortschreitende und vielleicht noch unbemerkte Änderung in uns selbst lediglich sichtbar macht. Dem kann ich, nach obiger Begründung, nicht zustimmen. Musste aber ein bisschen darüber nachdenken.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 14.01.2008 18:00 | nach oben springen

#28

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 15.01.2008 10:11
von ascolto • 1.289 Beiträge
Werte Belegschaft,werte tAxine

Verändern?!

Im Buddismus gibt es die Feststellung: Alle Phänomäne entstehen aus Ursache und Wirkung.
Wenn man diesen Lehrsatz auf ein Buch, bzw. auf das rezepieren einer Lektüre bezieht, so erwachsen mir ein paar neue Frag-mentchen?!
Bis Hier bin ich zu einer Festellung geschlossen: Nur das Greifen nach dem Ich grenzt ab?! Demnach ist unser Körper wie Geist in einer ständigen Veränderung, ergo, nie starr oder fest, immer fließend und verwehend?!
Der Geist, dessen Erkentnis ist wie eine Wolke, ständig in der Transformation......

Aus dem Herzel einen Gruß,
dadd A

zuletzt bearbeitet 15.01.2008 10:12 | nach oben springen

#29

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 15.01.2008 13:14
von Moulin • 395 Beiträge

In Antwort auf:
Zitat Taxine
Ich meinte, dass wir nicht unbedingt nur nach Büchern "unserer Art" greifen.


O.K., möglicherweise trifft das auch gar nicht auf Dich zu, sondern nur auf mich.
Alle Bücher, die ich bislang gelesen habe sind Bücher, auf die ich mich eingelassen habe und die meinen Weg dadurch geprägt haben. Sei es auf das eigene Gefühl begründet oder auf eine Empfehlung eines Menschen, der ich Vertrauen schenkte.

Manche der Bücher, die mir früher gefielen würde ich heute sicher nicht mehr lesen (z.B. etwa 10 Romane von Simmel) aber für ihre Zeit waren sie schon passend zu mir.

Auch bei Büchern, die ich zwangsgelesen habe (Schule) waren einige dabei, die mich bewegen konnten, weil sie, ich glaube meiner Linie irgendwie entsprachen, die anderen hatten keine Chance.

In Antwort auf:
Zitat Taxine
Aber durch seine Neugierde und den unvoreingenommenen Blick öffnet sich eine neue Sicht und ändert seine Einstellung, sein Denken, usw.


Das ist aber Taxine. Nicht 'Neugierde und unvoreingenommenen Blick' irgendeines beliebigen Menschen. Der Blick der Taxine und in dem Sinne eben ein Mensch, der diesen neugierigen, unvoreingenommenen Blick sein eigen nennt, der damit einen Teil einer inneren, hohen Qualität bildet. Ein Anderer hätte eben nicht diese 'Veränderung ' durchlaufen, die meiner Meinung nach daher auch keine ist, sondern nur Bestätigung oder Entwicklungsschritt.

...Aber, seid mir nicht böse. Ich kann mich zu dem Thema auch nur immer wiederholen. Erklären kann ich es nicht besser.





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#30

RE: Die Art zu Lesen

in Gespräche über Kunst und die Welt 15.01.2008 18:45
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Werter Ascolto,

ich stimme uinen in jedem Punkt zu!

Werter Moulin,

Taxine trifft aber eben nicht immer die Wahl, sondern stößt, ohne, dass sie hier interessiert ist, auf manches Buch, das ihr den Horizont neu öffnet, sie zu neuen Gedanken, und noch besser ganz unerwartet zu neuen Ideen anregt.
Vielleicht gestehen wir dem Lesen einfach unterschiedliche Priorität zu. Für mich ist es teilweise Atmung, warum ich hier auch Veränderung voraussetze.

Festzustellen wäre noch, dass jedes "gute" Buch nachwirkt, dass es längst wieder im Regal steht, wenn es seine ganze Wirkung entfaltet. Während des Lesens öffnen sich Horizonte, versetzen den Leser in Erstaunen, Verwirrung, er wälzt sich hier mit Freude im Hedonismus (das wollen wir ja auch nicht vergessen ), aber erst, wenn der Kopf sich ohne die Zeilen vor Augen damit beschäftigt, zieht man wirkliche Schlüsse daraus, bemerkt man die Veränderung.

Seid an dieser Stelle herzlich gegrüßt
Taxine



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 15.01.2008 18:50 | nach oben springen


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