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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#1

Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 14.02.2008 16:57
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Philosophie betrachte ich immer nur als Anregung, nicht als gültige Antwort auf meine Fragen. Letztendlich liegt die Antwort immer nur in einem selbst.
(Wer dieses für zu standardisiert (für dahergeredet) hält, der hat nicht weit genug in sich hineingehört oder sollte ruhig einmal tiefer graben. Denn jeder Standard trägt seinen Kern der Erkenntnis, und diese Erkenntnis liegt nun einmal darin, dass die Antwort, die man findet, nur die Antwort ist, die man sich selbst beantworten WILL und für sich selbst begreift. Man mag von überall Antworten erhalten, jedoch bleibt diejenige am Ende glaubhaft, die man selbst für sich akzeptiert, und somit dann die eigene ist, weil verinnerlicht.

Philosophie betrachtet das Leben und Sein immer aus einer etwas verrückten Perspektive. Um es einmal so zu sagen: Es gibt Menschen, die werden sich irgendwann ihrer selbst bewusst, hinterfragen sich und ihr Leben, und es gibt Menschen, die brabbeln ein Leben lang nur nach, was sie irgendwo aufschnappen oder z. B. aus den Medien vernehmen. Einige wenige der Erstgenannten kristalisieren ihr Denken heraus und schaffen dann die Gedankenexperimente in schriftliche und mal mehr und mal weniger verständliche Überbleibsel zu fassen.
Der Philosoph erhebt sich nicht über den Menschen, aber er betrachtet aus dem „inneren Blickwinkel“ oder blickt vom Rand der Welt auf die Welt oder fasst aus dem Gegebenen und Gesehen zusammen. Das, was dann dabei herauskommt, ist keine allumfassende Wahrheit, sondern nur eine Möglichkeit, ein Vorschlag. Es gibt keine verpackte Portion Bedeutung oder die richtigen Antworten, die sich auf jeden Menschen anwenden lassen, denn wir sind in unserer Individualität eben unterschiedlich, ebenso in der inneren Stärke.

De Nerval sagt in „Aurelia“:
… niemals habe ich Trost finden können in dieser Philosophie, die nur Lebensregeln des Egoismus oder bestenfalls die Gegenseitigkeit, eitle Erfahrung, bittere Zweifel bietet; - sie bekämpft die moralischen Schmerzen, indem sie die Empfindlichkeit vernichtet; wie die Chirurgie kann sie nur das schmerzende Organ wegschneiden.

Etwas Wahres liegt in diesen Worten, darum muss der Mensch endlich begreifen, dass er in der Philosophie selbst keine allumfassenden Antworten auf seine Zweifel, Widersprüchlichkeiten, Ängste und Fragen erhält, die kann er eben nur in sich selbst aufdecken.
Der Mensch, der nach Richtlinien und Trost sucht, findet dies vielleicht eher in der Religion, in der gemeinsamen Umarmung (vieler Denker und Köpfe und lächelnder Wesen, womit ich auch sagen will: das ist nicht abwertend gemeint!), während die Philosophie Einsamkeit, einsame Erkenntnis abverlangt, vielleicht wirklich nur den standfesten, "starken" Menschen auf sich selbst stößt.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 14.02.2008 17:57 | nach oben springen

#2

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 14.02.2008 17:34
von Hyperion (gelöscht)
avatar
Aha, interessant! Wie immer bin ich auch zu diesem Gedanken-Experiment zu nächstmöglicher Stunde durch kontroversen Diskurs, dialektisch-mephistophelisch, mindestens aber faustisch angehaucht, eine Lanze für die Philosophie qua Wissenschaft, der bekanntlich Hegel eine Krone aufgesetzt hatte, zu brechen und darzulegen erbötig.

Bis dann,
Hyperion
zuletzt bearbeitet 14.02.2008 17:35 | nach oben springen

#3

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 14.02.2008 17:42
von Martinus • 3.194 Beiträge
Philosophie oder auch andere Wissenschaften können niemals letztendlich gültige Antworten eigener Fragen liefern, höchstens Denkanstöße. Wir sind manchmal sehr angetan davon, was aus einem großen Philosophengeist entspringt. Von manchem sind wir so eingenommen, dass wir etwas davon für unser eigenes Weltbild übernehmen, oder wir haben Muße, darüber nachzudenken. Letzte gültige Antworten wird es niemals geben, darum hat die Sicht in sein eigenes Inneres großen Wert. Scheinbar entgültige Antworten aus Religion, können mich nicht zufrieden machen.
Gut ist, wenn sich der eigene Geist denkend bewegt.



„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 14.02.2008 17:43 | nach oben springen

#4

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 14.02.2008 17:48
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Werter Hyperion:

das freut zu hören, (wo man oft genug auf Solche trifft, die da behaupten, dass die Philosophie nicht auf diesen, den graugesichtigen Alltag, anwendbar wäre (will sie das denn überhaupt?), weil sie etwas Verlässliches suchen, eine bestimmte und alleinige Wahrheit, in der sie sich suhlen oder spiegeln können);und wo Hegel zu seinen Zeiten da längst behauptet, "des Materials sei schon zu viel" und "die Zeit wäre schon zu überklug", während es an der "Verarbeitung" fehle, und wo Nietzsche vielleicht ebensowenig Unrecht hat, wenn er sagt, dass die Wissenschaft den dionysischen Geist der philosophischen Gedankenhöhenflüge etwas abkühlt, diese Höhen, in die man sich durchaus "grundlos hineinsteigern" kann, lässt sich dieses Thema sicher gerade auch in diesem Punkt von mehreren Seiten betrachten.
Apropos, bei de Nerval ist eine schöne Szene als Traum gestaltet, wo er auf ein Gebäude trifft, dass in verschiedene Räume und zwei Bereiche unterteilt ist. Einmal die, die dem Studium und zum anderen die, die der Unterhaltung oder der philosophischen Diskussion gewidmet sind. Darüber hinaus erklingt dann ein Gemurmel, dass wie das Gebet zur Göttin Mnemosyne wirkt. Irgendwie bezeichnend für diesen ewigen Kampf, einerseits in der gemachten Einteilung, wie auch im Darübergelegten.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 15.02.2008 02:39 | nach oben springen

#5

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 14.02.2008 18:10
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Zitat von Martinus
Wir sind manchmal sehr angetan davon, was aus einem großen Philosophengeist entspringt. Von manchem sind wir so eingenommen, dass wir etwas davon für unser eigenes Weltbild übernehmen, oder wir haben Muße, darüber nachzudenken.


Werter Martinus,
und es ist nicht nur die Bewunderung für einen "Elefantengeist", sondern auch ein Wiederfinden von eigenen Erkenntnissen und Erfahrungen! Der Geist bewegt sich unter vielen Umständen, man muss nicht in mächtige Höhen fliegen, um für sich zu erkennen. Es reicht manchmal schon die Neugierde. Aber, dankbar sind wir für die, die es getan haben.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 15.02.2008 02:17 | nach oben springen

#6

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 15.02.2008 13:55
von Moulin • 395 Beiträge
Ich habe mal vor langer, langer Zeit auf einem Plakat gelesen:

Der Denkende lebt in der Fremde.

Das hat mich schon nachhaltig immer wieder dazu gebracht, darüber nachzudenken, ob es denn Sinn mache, alles Mögliche zu hinterfragen, um sich mit neu erworbenen Kenntnissen immer weiter zu isolieren.

Eine Wahl hatte ich aber nicht. Ich bin wie ich bin.

Etwa zur gleichen Zeit hatte ich meine zwei besten Freunde. Alle drei hatten wir Jahre in Freunschaft verbracht, und alles an Gedanken und Gefühlen geteilt, und plötzlich kamen wir an den Punkt, an dem der Eine der Beiden im Gegensatz zu uns Rest nicht damit begann, über sein Leben und Handeln in der Form nachzudenken, wie wir es taten. Damit war der erste Schritt für ein Scheiden der Freunschaft getan, die sich zunehmend löste, weil sich das Verständnis von Weiterentwicklung zu sehr unterschied. Unentwegt gingen wir unsere Wege, jeder in seine Richtung, ohne dass das jemand von uns hätte aufhalten können.

Ich traf daraufhin in meinem Leben auf viele Menschen und sah die Unterschiede der verschiedenen Entwicklungsrichtungen. Die Einen, die jeden Tag auf´s neue ihre Oberflächlichkeiten, sogar auf Kosten anderer auslebten und zu genießen schienen, und die Anderen, die intelligent und voller Wissen um sich und die Welt in der Einsamkeit versanken.
Ich hatte vor beiden Zuständen Respekt, um nicht Angst zu sagen. Ich dachte, jeder der Gruppen macht das, was für ihn richtig ist, doch wie sollte man einerseits die Oberflächlichkeit und andererseits die Einsamkeit mit dem eigenen Wusch glücklich zu sein in Einklang bringen?

Doch wer mir nun mit der Aussage, "Du hast es geschafft," gegenübertitt, den muß ich leider enttäuschen, denn hätte ich es geschafft, wäre damit der erste Schritt getan, mich mit einem erreichten Zustand abzufinden, und der Weg in den Stillstand wäre damit besiegelt worden.

Und hier kommt wieder Rilke in´s Spiel.

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge zieh ´n.
Ich werde den Letzten wohl nicht vollbringen
aber versuchen will ich ihn.
zuletzt bearbeitet 15.02.2008 13:56 | nach oben springen

#7

RE: Philosophie als Wegweiser? -- Edited --

in Gedanken vom Tag 15.02.2008 19:46
von headprint • 135 Beiträge
Durch die - meist ungewollten - feedbacks zur Gegenwart, die ich
zur Zeit so aufnehme, werde ich in meinen Gedanken und Entwicklungen
nur bestärkt.
Erst heute habe ich - ich vergaß mir die Ohren zu versiegeln, bevor
ich in die Stadt bahnte - zwei gute, weltoffene, normale Männers
ihre Schlüsse über die Brandstiftungen in von Türken bewohnten Häusern
ziehen hören. Sie konnten sich leicht einigen, daß es weder türkenfeind-
lich, noch sonstwie verwerflich wäre, wenn man zukünftige Schäden dadurch
verhindern würde, daß man die Türken dahin schickt, wo sie herkommen.
Keine Türken, keine Brände.
Ich war genervt, denn ich suchte schon am dritten Ständer nach einer grauen
Cordhose in meiner Größe, fand aber nur Riesenklopper, W35/ L36 oder größer,
andererseits konnte ich mich durchaus beherrschen, den kryptofaschistischen
Stützen der Gesellschaft den Tag zu versauen. Die meisten Türken, die ich
kenne kommen nämlich daher, wo sie wohnen oder einem Ort ganz in der Nähe, wo
sie geboren wurden.
Hätte ich das also gesagt, hätten mir diese anständigen Knaben gesagt, daß sie
diese ja gar nicht meinten, nein, es geht nur um die, die ganz fremd herkämen
und es bleiben wollten.. geflüstert: Parallelgesellschaft Flüsterausrufezeichen.
Dann hätten mir die good ole boys auf die Schulter gehauen und gesagt: "Nicht, daß
du denkst, wir wären solche, was, haha." Und hätten mir ihre SPDCDUFDPGrüneLinke-
Parteiausweise, ihre Gewerkschaftsmitgliedsbeitragsabrechnungen und ihre Bundesver-
dienstkreuze gezeigt, wie Karten auf den Tisch gekloppt: Meine Demokratie, mein
Auto, meine Gewerkschaft, mein Haus, mein Bundesverdienstkreuz (mit Eichenlaub und
Schwertern, wenn's das so gibt), mein Boot, mein Ferienhaus, mein Zweitwagen, meine
Frau, meine Kinder, mein Kühlschrank, mein - oha! - ääh Opa in Uniform eines Generals
der Waffen-SS...
Ich kenne das schon so lange, wie es Verwerfungen gibt, mit den allzu flachen Meinungen
Anderer: sie meinen nie die, die man als Beispiel anführt, sie schließen alle wirklichen
Personen, die man anführt als Beispiele für die Nicht.Wahrheit ihrer Behauptungen aus.
Nein, den/ diese, meinen wir nicht. Wie kommst du darauf, daß wir die meinen könnten?
Hör mal! Ich rede hier über übles Pack - nicht über die, die du als Beispiel anführst.

Erst wenn sie unter sich sind, wird Gegenmeinungslos das bestätigt, was ihre Gegner vorher
thematisiert haben. Pauschale Urteile und kenntnislose Behauptungen - es ist doch egal, es
geht hier um das Schaffen einer reibungslosen Gemeinschaft, wo pipiwarme Wohligkeit, unge-
stört durch abweichende Meinungen und daraus entstehenden Diskussionen, das blablaen in
ge)wissenslosen Zusprachesektoren ermöglicht, jeder der im Besitz der richtigen Geburt ist,
kann mittuen. Vom Alltag gehetzte StiefelleckerInnen bei einem nationalen Rollenspiel, wo
endlich nur sie was zu sagen haben und zwar Alle das Selbe. Streicheleinheiten für die spät-
arische Seele, Strichrichtung nach Vorschrift.

Wer das liest kann durchaus denken, daß ich übertreibe, daß ich sogar weit übertreibe, ja:
maßlos und jede Grenze des Anstands und guten Geschmacks zersprengend.
Und das ist genau das, was die von mir Beschriebenen nicht denken, aber sagen.

Nach dieser ellenlangen Einleitung, werden die Sätze kürzer. Wenn man vorstehendes
als Hypothese gelten läßt (ich will von keinem Leser, keiner Leserin hier eine Seit-
enwahl fordern, nicht, um nur diesen Beitrag lesen zu können..), ist es auch leicht
sich vorzustellen, daß Philosophie als Wegweiser genauso die Kür sein kann und nicht
zwingend erforderlich ist. Wir leben in einer Gesellschaft, die mehrheitlich meinungs-
los ist. Die diese Meinungslosigkeit über die Hierarchie der Generationen als Erfolgs-
modell weiter gibt. Meinungslosigkeit als Voraussetzung für Karriere und Anhäufen von
materiellen Gütermengen. Dabei ist ein auffallendes Merkmal dieser Meinungslosigkeit,
daß eine gewiße Zeit lang jede Meinung angenommen/ unterstützt werden kann, ohne daß
deren Träger einen para-schizophrenen Bruch wahrnimmt oder etwa unwissentlich oder auch
wissentlich, eventuell sogar bewußt, unter Umstanden sogar verantwortlich, darunter
litte. Einer solchen Armada von persönlichen Vorankommern gegenüber stehend, kann man
eigentlich nur sagen: "Philosophie als Wegweiser? Wozu? Ich bin in der Puddingwüste
und alles Harte auf das ich treffe, ist zu 90% aus Projektion eigener Machtlosigkeit
und Enttäuschung über die eigenen Geschlechtsorgane entstanden.
"

Wenn das philosophische Lenor-Gewissen aus einem heraustritt, weil man (mal wieder)
selbst gemerkt hat, daß man an einem hohen Meinungsüberschuß leidet, während die
ganze Welt sich anscheinend in bequemen Gewissenssesseln rakelt, mit der Feststell-
ung, daß eine neue Kenntnis über eine gerade vor sich gehende Ethnitätenermordung
eigentlich nur bedeutet: "Hey, vielleicht wird es im Fernsehen übertragen!" und
alle Lippenbekenntnisse zu ungeheuerlichen Vorfällen in der Welt weit weg, an der
Tagesbörse der Hippness notiert werden, was ihren Wert zu einer vernachlässigbaren
Größe macht. Kommt Montag eine neue Unterhaltungsmaschine auf den Weltmarkt, hat
die Armee X mit den Angehörigen des Y-Stammes böses, leichtes Spiel, für ganze Tage.
Warum auch nicht? Die Industrie der BetroffenheitsBevölkerung boomt schließlich auf
Tod und Vernichtung, nicht auf die Möglichkeit, daß Etwas passieren könnte. Die ganzen
Hilfsorganisationen würden blöde aus der Wäsche schauen, wenn das Meiste verhindert
werden könnte, ganze Zuliefererzweige könnten dicht machen und das ist härter als das,
was ich so formuliert habe. (Müßten die dann ihre Aktien verkaufen? Die von den Misch-
konzernen, die ellenbogentief im Rüstungsgeschäft stecken??)

Da wird aus der Philosophie als Wegweiser (als Kür, ich erinnere..) Etwas, das wie ein
alter Sattel an der Wand hängt. Oder war es doch so ein Ochsenjoch? Diese Gesellschaft
will keine Philosophie, sie will Abwechslung in der Unterhaltung. Diese Gesellschaft
verträgt keine Philosophie vom Einzelnen, die Werke von irgendwelchen promovierten
Gesellschaftsmanagern, die nachträglich staatliche Entwicklungen zu rechtfertigen
versuchen, sind gerade noch so im Bereich des Ignorierbaren, doch wenn der Einzelne
dem Einzelnen mit Philosphie kommt, die er von zu Hause mitgebracht hat, wird's dem
Einzelnen zu gefährlich. Er überblickt nicht mehr, wo er bedenkenlos zustimmen kann
und wo er es nicht sollte, weil das nur mit eigener Meinung, Ansicht, Übersicht und
Absicht gut geht.
So wird dem, der neben Thermoskanne und Butterbrote auch ein sorgsam eingewickeltes
Päckchen Philosophie mitnimmt, etwas der Spaß daran genommen. Doch da springt der
Generator der Selbstphilosophie drauf an und dessen Getriebe reißt tiefe Schlieren
in den Schlamm, wenn die Kolben Kraft pumpen, denn auch die Philosophie ist kein
Kind von Traurigkeit, wenn es darum geht den Massen zu spotten. Das ist zwar schade,
würden Spitzweg oder Bierce gemeint haben, aber durchaus spaßig.

Nachtrag:
Natürlich meine ich mit Philosophie nie solche, die nur von promovierten oder sonstwie
akademisch befangenen Personen ausschließlich in elfenbeinernen Türmen gefangen gehalten
wird und dort darauf dressiert wird ökonomische, staatliche Verhaltensweisen zu rechtferti-
gen oder die Führung der anonymen Masse Mensch in blöde Worte zu fassen. Die postmoderne
Philosophie, sagen wir: aus der Schröder-Zeit, muß Jedem, der sich dafür - in jeder Beziehung,
da noch - interessiert hat, gezeigt haben, daß der Faden endgültig ab ist.



*sssscrrreeeeaaaaach!!!*
zuletzt bearbeitet 16.02.2008 16:37 | nach oben springen

#8

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 17.02.2008 14:16
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Dass Philosophie in die Isolation führt, hat ja keiner behauptet. Wenn ich davon rede, dass die Erkenntnis immer eine einsame ist, während das Gemeinsamdenken der Religionen Trost spendet, dann meine ich, dass jede philosophische Schrift in die eigene (damit einsame) Selbsterkenntnis führt. Dass aber dadurch ein Rückzug vor Mensch und Gespräch besteht, wirkt auf mich eher wie ein Auszug aus dem Leben eines Eremiten , denn soweit kommt es doch nicht. Man wächst ja immernoch zwischen Welt und Gesellschaft auf, wo ein Rückzug gar nicht erst möglich ist. Außerdem führt eine intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Denken und dem Denken anderer nicht dazu, dass man damit die Welt außen vor lässt.
Das, was man aus der Philosophie gewinnt, ist das eigene Weiterblicken, wobei die Philosophie hier genügend Anstöße gibt, die man ohne den Blick auf bereits bestehende Überlegungen von Philosophen, vielleicht ein Leben lang selbst erarbeiten müsste oder nie in dieser Ausführlichkeit erkennen und dann für sich selbst ausbauen könnte. Die aber, die eine philosophische Schrift aufschlagen und sie nach einigen Zeilen wieder zuschlagen und behaupten, dass wäre doch gar nicht auf das Leben anwendbar, dass wäre doch eher etwas Geistiges (bis hin zum Elfenbeinturm), nichts, was dem Alltag dienlich wäre, die zeigen eben, was sie in der Schrift suchen. Etwas, was ihnen das eigene Denken abnehmen soll. Eine Antwort auf alle Lebensfragen. Und das, als Wegweiser betrachtet, ist sinnlos oder verfälscht. Die Erkenntnis aus der Schrift findet man nur in sich selbst. Damit ist es eine einsame Erkenntnis, aber keine, die in die Einsamkeit treibt.

Liebe Grüße
Taxine



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 17.02.2008 15:17 | nach oben springen

#9

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 19.02.2008 20:24
von headprint • 135 Beiträge

Tja, das Denken Anderer, darauf lasse ich mich wirklich
gerne ein - kommt aber nicht so oft vor, wie ich es gerne
hätte. (Im allgemeinen Umgang mit der Welt - je näher mir,
desto denk, klar..)

Wenn also die Dick.Schriften der Philosophen dabei helfen
das eigenen Denken über solch Behuf zu befördern und zu
vervollständigen, dann würde es doch ohne diese noch viel
schneller gehen müssen! Immerhin haben die meisten dieser
Meister Ideen, die vernünftig auf drei, vier Seiten Platz
hätten auf 300 bis 3000 Seiten ausgewalzt, dabei in graus-
liger Art und Weise kodiert und einen Haufen Schund dazu
gepackt: die Veröffentlichungsmode des 19. Jahrhunderts
läßt grüßen.

(Ich drück ganz schön auf die Tube, ich weiß..)


*sssscrrreeeeaaaaach!!!*
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#10

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 19.02.2008 20:32
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Zugegeben führt manche philosophische Schrift in die absurdesten Labyrinthe und stößt einen selbst auf Fragen, die man sich vielleicht nie selbst gestellt hätte und erst dadurch, dass man auf sie aufmerksam gemacht wurde, gerät man in die eigene Verschachelung und Verwirrung, um sich durch die Überlegung auch stückweit von sich selbst zu entfernen.
Trotzdem gibt es genügend Hinweise auf Fragen, die man sich stellt, denen man aus der eigenen Beantwortung heraus unsicher gegenüber stehen würde, weil es schwierig ist, sich ausschließlich auf das eigene Echo zu verlassen. Mit den Jahren reift man natürlich und erkennt, dass gerade dieses Echo die einzige Lösung ist, um für sich das Sein und Nichtsein zu erfassen. Bis dahin ist es aber ein schwieriger Weg auf wackligen Beinen, wobei sich der geistig Hungrige in den vielen dicken Schriften so mancher Philosophen auch gestärkt und gesättigt hat.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 19.02.2008 20:34 | nach oben springen

#11

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 01.03.2008 16:12
von Ferro • 154 Beiträge
In Antwort auf:
Zugegeben führt manche philosophische Schrift in die absurdesten Labyrinthe und stößt einen selbst auf Fragen, die man sich vielleicht nie selbst gestellt hätte


So geht's mir öfter bei einigen philosophischen Schriften. Da kommt beim Lesen der Verdacht auf, dass die Dinge immer weiter ins Detail getrieben werden, bis sie einen ganz eigenen Sinn ergeben, den des jeweilig Philosophierenden.
Aber, das Erfinden bestimmter Begriffe und Hinterfragungen ist wiederum auch Aufgabe der Philosophen.

Cogito Ergo Sum - daraus erschließt sich auch: Ich erschaffe neue Begriffe und Fragen, also bin ich Philosoph.

Ergo: Die Philosophie erhebt noch da Fragen, wo der Mensch längst glaubt, alles zu wissen und wirft alles, was vorhanden ist, wieder über den Haufen. Das ist auch gar nicht so schlecht, denn wer glaubt alles zu wissen, stellt vielleicht irgendwann keine Fragen mehr.

Mit Grüßen
der Ferro
zuletzt bearbeitet 01.03.2008 16:38 | nach oben springen

#12

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 19.01.2010 15:33
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Damals an der Uni hatte ich mal einen Geschichtsprof, der sagte immer "Die Philosophen wissen nicht, wann sie aufhören müssen" (mit den Fragen, meinte er).
Aber die reinen Fakten, Fakten, Fakten der Geschichte sind mir zu langweilig und nichtssagend.

Dicke Philosophiebücher mögen verwirrend sein, aber man muß immer bedenken, daß es sich hier um Dialoge handelt - Dialoge mit den zahllosen Philophen der früheren Jahrhunderte. Sie sind so verwirrend wie die Gespräche von fremden Leuten auf einer Party, deren Zusammenhänge und Hintergründe man nicht kennt.

Philosophie "nur" als Wegweiser? Und man selbst bleibt "außerhalb"? Aber wenn man sich auf die Philosophie einlässt, steht man auch auf der Grundlage der Philosophie. Denn das Reich der Philosophie ist so groß, daß man darin sogar die Philosophie selbst kritisieren kann, aber trotzdem Philosoph bleibt ... Wer einmal gelernt hat, was logische Argumentation ist, der kann nicht mehr irrational argumentieren, es sei denn, dies wäre seine bewusste Entscheidung, was der Sache wieder eine ganz neue Qualität gäbe.
Es gibt wenig Auswege aus der Philosophie - der Sprung in die Religion ist einer.
Absichtliches Nicht-Denken - schwierig!




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#13

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 19.01.2010 18:18
von LX.C • 2.666 Beiträge

Zitat von Roquairol
Philosoph bleibt ... Wer einmal gelernt hat, was logische Argumentation ist



Mein Philosophie Prof., der vermutlich sogar auch einer deiner war, sagte einmal sinngemäß, wer jetzt immer noch nicht kapiert hat, was logisches Argumentieren ist, der sollte am besten seine Sachen packen. Daraufhin packte ich meine Sachen, und ging für immer.


--------------
Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
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#14

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 19.01.2010 18:50
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Roquairol

Absichtliches Nicht-Denken - schwierig!



Hmmm. Das dachte ich früher auch einmal und das allen ernstes.
Bis ich dann die christlichen Fanatiker und Fundamentalisten aller Schattierungen kennen - lernen durfte.
Unglaubliches, unbeschreibliches, nie gehörtes und nie gelesenes tat sich mir dann kund.
Oh doch, wenn man es will, dann ist das Nicht - Denken (wollen) so einfach, wie das Atmen.

Mir wäre es lieber gewesen, ich hätte diese ganze Christentümelei nie in meinem Leben kennen - gelernt. So taten sich dann Abgründe auf, die ich bis heute nicht überwunden habe, und vielleicht auch nicht mehr überwinden will. Es ist das Grauen, oft und schlechthin.

Zurück zur Philosophie. Ich meine, und bitte belehrt mich da eines besseren wenn ich irre, also ich meine, für die Philosophie muss man geboren sein.
Sie liegt nicht jedem Menschen, warum das so ist, nun ja, vielleicht liegt es an der Philosophie!



Grüße,
Peter

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#15

RE: Philosophie als Wegweiser?

in Gedanken vom Tag 19.01.2010 19:35
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Zitat von LX.C

Mein Philosophie Prof., der vermutlich sogar auch einer deiner war,



Watt? Wer? Ich will Namen!




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