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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#1

Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 06.04.2008 17:16
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Den gesamten Hausstand auf die Größe eines Koffers zu reduzieren, ist gar nicht so einfach.
Trotzdem trennt man sich von all diesen Dingen ganz gerne. Ich muss zugeben, das hätte ich so gar nicht gedacht, aber alles, was als zusätzlicher Ballast erscheint, wird zum "Klotz am Bein", was die Entscheidungen wesentlich leichter macht. Man muss immer agil und beweglich sein, wenn man sich auf die Reise begibt. Es sind zwar die gemütlich, geliebten Gegenstände, die einen täglich umgeben, auf und neben denen man sich wohlfühlt, aber nichts, auf das man nicht verzichten kann.
Wenig bleibt übrig.
Wenig darf übrig bleiben.
Noch bin ich von so viel Vertrautem umgeben.
Was mich erwartet?
Eine mächtige Wohnung mit drei großen Räumen. Ich kenne sie gut, sie ist alt und möbliert. Auf der einen Seite ist der große Balkon, von dem aus man über ganz Thessaloniki blicken kann. Man sieht in der Weite das Meer glitzern, die Häuserdächer und dazwischen die verschiedenen Kirchen mit ihren riesigen, runden Kuppeln.
Auf der anderen Seite ist ein Balkon, der auf den Innenhof hinausführt. Dort hängen die Wäscheleinen übereinander gespannt, auch mein Balkon enthält ein paar seltsam drahtige Stangen, die sehr unstabil aussehen und unter denen ein "Raum" ist, zu dem man von keiner Seite durchdringen kann, es sei denn, man steigt durch das winzige Fenster im unteren Flur, was schwierig ist und den Aufwand nicht lohnt. Als ich vor drei Jahren dort meinen Urlaub verbrachte, verlor ich drei Röcke, eine Jeanshose und ein Oberteil. Ich bin gespannt, ob sie immernoch dort liegen, wenn ich dort auf ein Neues die Fensterläden öffne, die Sonne hineinlasse, ordentlich durchatme und mich dann auf jeden Fall erst einmal vorsichtig umsehe, da es durchaus passieren kann, dass sich auf dem kleinen Balkon noch andere Mitbewohner eingenistet haben, nämlich die unfreundliche Sorte der Wespen, die, falls man sie nicht entdeckt und damit durch die eigene Ahnungslosigkeit stört, ziemlich gefährlich und angriffslustig werden können. Ich hatte damals Glück, dass ich am Abend ankam, wo die Wespen wohl gerade ruhten. Ich entdeckte das Nest rein zufällig und hatte dann einen riesigen Aufwand (auch musste ich mir erst einmal bewusst machen, um was es sich da überhaupt handelte, denn diese Nester sind ziemlich klein und rund und sehen seltsam aus). Ich stülpte also ein Glas darüber, schnitt es vom Fensterrahmen mit einem Messer ab, das Glas immer noch darüber, schob ich ein Stück Pappe unter die Öffnung, und tat dann das ganze Gefüge mit einer schnellen Bewegung in eine Wasserschüssel, wo sich das Glas mit dem Nest dann langsam mit Wasser füllte. Wenn ich so zurückdenke, dann hatte ich wirklich Glück, denn tagsüber wäre mir diese leichtfertige Aktion sicherlich nicht so gut gelungen. Die Wespen lebten und wüteten in diesem Wasserglas übrigens noch drei Tage und Nächte, bevor sie dann endgültig den Geist aufgaben. Das waren ganz schön hartnäckige Biester.
Die Wohnung ist ansonsten sehr schön und offen. Ich freue mich darauf, dort eine Weile unterzukommen.
Sie liegt in einer Strasse, die sich etwas oberhalb der eigentlichen Stadt befindet, darum ist der Ausblick auch ein Fest für die Sinne. Besonders, wenn man abends dann die Sonne untergehen sieht und die Lichter der Stadt an. Zu Fuß ist man in zehn Minuten im Geschehen, mit dem Auto natürlich schneller. Die staubigen Wege sind abenteuerlich, ebenso die vielen freilaufenden Hunde. Sie laufen dort auch zwischen den Ruinen und prächtigen Plätzen herum, leben fast gleichberechtigt neben den Menschen.
Thessaloniki ist eine Studentenstadt. Hauptsächlich ist man also von jungen, fröhlichen Menschen umgeben. Man könnte sich mit Verwunderung fragen, woher diese Leute ihre Zeit nehmen, denn durchstreift man gegen Nachmittag die Stadt, dann sind die Bars und Cafés täglich gefüllt. Vielleicht hält es die Griechen nicht in ihren Häusern, besonders in den sommerlich, heißen Temperaturen tummeln sie sich überall auf den Strassen. Es gibt Buchhandlungen, die wenige deutschsprachige, aber auch englische Bücher verkaufen. Die Stadt wird besonders in den Abendstunden glanzvoll, wenn der "weiße Turm" beleuchtet ist und mit seiner grausigen Geschichte am Hafen thront. Dort an den Zinnen hingen einst die Köpfe griechischer Gefangener, die die Türken zur Abschreckung dort aufhängten, um ihre Eroberung zu demonstrieren. Das Blut von diesen Köpfen rann den Turm hinab und war auf diesem weißen Untergrund umso abschreckender. Ein Stück weiter fahren stündlich die sogenannten "Barschiffe", ganz in der Nähe, wo auch in erhabener Pose das "Alexanderdenkmal" zu sehen ist. Man zahlt keinen Eintritt, sondern betritt über einen Holzsteg die verschiedensten Schiffe (vom kleinen Holzschiff bis zum mächtigen Dampfer, alle mit verschiedener, lauter Musik) und fährt dann auf das Meer hinaus und am Hafen entlang, um die Stadt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Eine beleuchtete Bar auf dem Wasser. Was mich besonders fasziniert hat, waren die unstabilen Barhocker, die an der Reling entlang aufgestellt standen. Die Griechen nehmen es nicht so ernst mit der Sicherheit, der Anker wird krachend eingeholt, die Menschen trinken und tanzen ungeachtet der einsetzenden Bewegung, und im Wasser sieht man kleine Fische in die Höhe springen. Da braucht man wirklich einen Drink, wenn dann unter einem das ganze Schiff knarrt und ächzt.
Überhaupt sind die Griechen an völlig andere Zeiten als wir Deutschen gewöhnt. Sie essen erst gegen zehn Uhr abends richtig, weil es tagsüber zu heiß ist. In den Abendstunden kühlen die Temperaturen auf 25 Grad Celsius ab, da lässt es sich schon etwas leichter atmen. Dort finden dann in den lauten und fröhlichen Tavernen die menschlichen Begegnungen statt. Man isst nicht schnell, um gesättigt zu sein, sondern man isst nebenbei, um sich den täglichen Klatsch zu erzählen. Man isst auch selten ein Gericht, sondern sitzt umgeben von vielen kleinen Speisen und Tellern, während der Duft an Gegrillten den Appetit ins Unermessliche steigert. Gut ist, dass man nachmittags ins Meer springen kann, um die reichhaltige Nahrung nicht auf den Knochen lasten zu lassen. Dafür muss man allerdings aus der Stadt hinausfahren. Mit dem Taxi kostet der Spaß in etwa drei bis fünf Euro.
Aber, zurück aus den überschwänglichen Vorfreuden in das umkämpfte Möblierte der jetzigen Umgebung.
Was ich vermissen werde: Den Ausblick. Hier lässt sich Köln so herrlich überblicken, all diese Bewegungen bleiben mir in neuem Anblick zwar erhalten, aber nicht aus dieser phantastischen Höhe.
Die Bücher reduzieren sich nach und nach auf das Wesentliche. (Hier wird dieser Begriff neu geschrieben, neu erfahren.) Doch das, was ich nicht sofort mitnehmen kann, wird dann einfach in Kartons verpackt und zu gegebener Zeit nachgeschickt. Alles andere erscheint mir fast schon unwichtig. Die Klamotten sind schnell gepackt, das "Innere" in Schrift und Bild ebenso. Die Briefe und Notizbücher werden mit mir den Weg nach Griechenland antreten. Der Laptop als Handgepäck, und schon bin ich für die Weite gerüstet.
Nun gilt es vielleicht noch, grob (sehr grob) die Sprache zu erlernen. Die Griechen können zwar englisch, aber ich möchte mich mit ein paar wenigen Brocken schon verständigen können.
Ob es mich dort hält, weiß ich noch nicht. Dass es mich in Deutschland nicht mehr hält, das ist eine Tatsache. Die Welt wartet und ruft mich.
Was bleibt mir anderes übrig, als diesem Ruf zu folgen.

(Fortsetzung folgt!)



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 06.04.2008 18:12 | nach oben springen

#2

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 06.04.2008 23:19
von larifant • 270 Beiträge

Spannend.

Wandel und Mazedonien hast du ja neulich schon angedeutet, aber als wohlerzogener Mensch unterdrückt man ja seine Neugier und hält sich mit Fragen zurück.

In Thessaloniki gibt es also kein Unicenter?

Gruß,
L.


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#3

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 07.04.2008 13:50
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Es sind hauptsächlich weiße Flachbauten. Mediterran eben. Das höchste Haus hatte, glaube ich, zehn Stockwerke. Es sei denn, ich ziehe in die Ano Poli, wo die alten Häuser und kleinen, verschachtelten Gassen den Berg hinauf bis zu der byzantinischen Stadtmauer führen. Von dort müsste der Ausblick ähnlich weit sein. (Dort lassen sich (nach altem Brauch) immer die Hochzeitspaare fotografieren, dabei stehen sie nur vor dieser riesigen Mauer. Es wäre eigentlich interessanter, wenn sie in die andere Richtung fotografieren würden, dort, wo man in die Weite guckt. (Die spinnen..., die Griechen!))
Aber das Unicenter werde ich schon a bissl vermissen.
Zum "Ausblicken" komme ich aber wohl nicht so schnell. Wenn ich dort angekommen bin, werde ich erst einmal auf Tour gehen, mit Freunden im Kleinbus über die Finger, die Küsten entlang.
Noch weiß ich nicht, ob ich mit Auto oder Flugzeug reise. Es ist eine Frage der „Gewichtsklasse“. Im Auto kann ich mehr mitnehmen, als im Flugzeug. Aber, der Flug dauert natürlich nicht so lange und ist wesentlich günstiger. Mal sehen. Noch ist etwas Zeit.
(Ich habe vor, eine Art Reisetagebuch zu verfassen. Immer, wenn eine Möglichkeit ist, ins Netz zu kommen, werde ich meine Erlebnisse auch hier einstellen. Darum sind mir natürlich die „neugierigen Fragen“ immer willkommen!)



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 07.04.2008 14:18 | nach oben springen

#4

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 07.04.2008 16:40
von Martinus • 3.194 Beiträge
Zitat von Taxine
Wenn ich dort angekommen bin, werde ich erst einmal auf Tour gehen, mit Freunden im Kleinbus über die Finger, die Küsten entlang.


das ist wunderbar - wie Peter Bamm zu seiner Zeit An den Küsten des Lichts.

und berichtens...wir freuen uns auf jedes Gezeil

Wenn's doch Sehnsucht nach einem Büchel haben, falls dort keine Unibibliothek in der Nähe, dann orderns beim Martinus/Donau((Mein Angebot:die ersten fünf Bücher frei Haus). Kein Witz!!

Liebe Grüße von der Donau
Martinus



„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 07.04.2008 16:42 | nach oben springen

#5

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 07.04.2008 22:26
von Moulin • 395 Beiträge

Ich hoffe, meine Abwesenheit im Forum hat Dich nicht gleich in die Auswanderung getrieben?

Na ja, Spaß beiseite.
Ich finde das ganz toll und beeindruckend, dass Du Deinen Traum leben wirst. Ich denke, dass das ein ganz großer, weiterer Schritt zur eigenen Persönlichkeit ist. Unabhängig natürlich davon, was man tut, sondern in Bezug darauf, dass man das tut, was einen innerlich bewegt.

In Antwort auf:
Zitat Taxine
Es sind zwar die gemütlich, geliebten Gegenstände, die einen täglich umgeben, auf und neben denen man sich wohlfühlt, aber nichts, auf das man nicht verzichten kann.



Was man zurück lässt, sind Dinge, die einen Teil des eigenen Lebens umgeben haben. Wichtige Dinge, die aber eigendlich ihren Teil nur in dem Moment erfüllen, den man mit ihnen teilt. Man verliert es nicht mehr, wa man einmal gelebt hat.
Ein zurückgelassenes Buch sollte man nicht fest klammern. Immer mit Freude an die Zeit denken, die man mit diesem Buch verbrachte aber weiter im Jetzt leben, das Jetzt genießen.
Ich hatte mal meine Single Wohnung vor langer zeit so weit umgerüstet, dass ich so wenige Möbel hatte, dass ich schnell mal weggekonnt hätte. Die paar Sachen hätten in meinen alten VW Bus gepasst, den Rest hätte ich leicht entsorgen können. Wenig ist viel.
Ich bin aber letztendlich damals geblieben, meine beste Freundin ging.

In Antwort auf:
Zitat Taxine
Ich habe vor, eine Art Reisetagebuch zu verfassen.



Ich werde mich freuen Dich zu lesen...

Le Moulin




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#6

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 08.04.2008 20:38
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Oh, Martinus, das ist aber lioab... Dankeschön. Mal sehen, wenn's hart auf hart kommt, dann bestell' ich bei dir.
(Wird sicher nur eine Liste über ungefähr 3 Mio. Bücher...)

Nein, im Ernst. Ich freue mich.

Lieber Moulin,

oh ja, weil du so lange weg warst, musste ich mich auf andere Dinge besinnen.
Damit treibt es mich also wech... hinfort... ins Weite.

Ich hoffe nur, dass sich mit meiner "winzigen Abwesenheit" (ich kehre immer wieder ein, vergesset datt nicht!) das Forum nicht ganz verliert... Ihr wisst schon: Wüste... über den Boden wehen trockene und hölzerne Gebilde, keiner hat watt zu sagen, keiner will watt sagen... Nutzet diese Fläche ... Ich freue mich immer über euer Wort.

Ich grüße euch lich
Taxine



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 09.04.2008 19:58 | nach oben springen

#7

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 08.04.2008 22:07
von Moulin • 395 Beiträge
Liebe Taxine.

Was ich im Leben gelernt habe ist, nicht an irgendeiner Beständigkeit zu klammern.
Was für den Moment schön ist, das lohnt zu leben. Im Moment, für den Moment.

Sicher wäre es schade, wenn sich dieses Forum mal verlieren würde, doch sollte es mal anderen Dingen weichen müssen, dann ist es ein Teil, ein Fundament des Neuen, was da auch immer für die Einzelnen kommen wird.
Ich weiß nicht, ob ich es schon geschrieben habe. Ich hatte kürzlich den Kontakt zu einem Freund aufgenommen, den ich 14 Jahre nicht gesehen habe und wir verstehen uns wie immer ausgezeichnet gut, haben Spaß. Was ich damit sagen will ist: Gutes geht nicht verloren, auch wenn es mal für eine Zeil lang pausiert, also mache Dir keine Gedanken, wenn Du mal keine Zeit für das Forum haben wirst, wenn Dich andere Dinge mehr interessieren oder in Anspruch nehmen. Es wird viel Neues auf Dich zukommen, was Deine Zeit und geistige Kraft in Anspruch nimmt. Es wird auch anstrengend, aber ohne Anstrengung keine neue Inspiration für die Kunst im Leben.
Irgendwann wachst Du vielleicht in Deinem Bett auf, die welt um Dich hat sich verändert, die Sonne lacht durch das Fenster, Du blickst hindurch und da steht plötzlich der Blechmann, der Löwe, die Vogelscheuche...

Ich bin sicher nicht mehr der Auswanderer Typ, der voller Spontanität in eine neue Welt springen kann, doch trotzdem beneide ich Dich gerade sehr um diese Freiheit, die Du Dir gönnst.
zuletzt bearbeitet 08.04.2008 22:10 | nach oben springen

#8

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 09.04.2008 20:00
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Zitat von Moulin
Ich bin sicher nicht mehr der Auswanderer Typ...


Nicht mehr? Erzähl... Hast du früher mal überlegt?




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#9

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 01.05.2008 18:00
von Moulin • 395 Beiträge

Früher hatte ich für kurze Zeit mit dem Gedanken gespielt. Die Faszination für ein anderes Land war da. Habe begonnen die Sprache zu lernen um dort am Anfang nicht ganz blöd da zu stehen.
Im Nachhinein bin ich mir aber gar nicht mehr sicher, ob ich für mich diesen Weg wählen wollte um mir zu beweisen, dass ich so etwas machen kann.


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#10

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 02.05.2008 14:53
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Ja, darum hast du es dann wahrscheinlich auch nicht gemacht, eben weil du dir lediglich etwas beweisen wolltest.




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#11

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 02.05.2008 16:19
von Moulin • 395 Beiträge

Aber irgendetwas ist hängen geblieben, sonst würde mich nicht dieses innere Fieber packen, wenn ich lese, was Du geschrieben hast.

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#12

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 02.05.2008 17:55
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Mensch, wenn ich bedenke, wie "feige" ich früher war, da kam so etwas gar nicht in Frage, da reichten die Bücher und Überlegungen, um zu reisen.
Irgendwie ist es erstaunlich, wie der Mensch sich selbst verändert, auf einmal mehr benötigt, mehr sehen möchte.
Vielleicht musste ich mich erst selbst durchschauen und finden, um den nächsten, mir sinnhaltig erscheinenden Schritt zu gehen. Wäre er ein Fieber oder ein Wagnis, würde ich ihn nicht machen. Vielleicht war mein Leben früher noch zu unausgeglichen, (war ja irgendwie alles noch im Aufbau), was sich dann mit der Zeit langsam eingependelt hat. Für den weiteren Schritt muss man schon tief in sich etwas festgelegt, bis ins Detail hinterfragt haben, was man für sich vom Leben erwartet. Der eine zieht das vor, was er erreicht hat und beibehalten will, der andere zieht weiter. Mir selbst reicht ein immer wieder sich ähnlich gestaltendes Leben nicht mehr aus, auch wenn es eine ganze Weile angenehm und gemütlich war. Die Gemütlichkeit lässt sich natürlich an anderen Orten ebenso wieder neu erschaffen, falls sie denn notwendig wird. Im Moment freue ich mich so sehr darauf, weil der Abstand zum Aufbruch immer kleiner wird und die innere Sicherheit immer größer. Das beruhigt einen schon.
Man könnte es vielleicht auch eine lange Reise nennen.
Denn, wer kann schon sagen, wohin es mich noch führt.

P.S. Und, wer weiß, Moulin, wenn deine Bass-Proben erfolgreich sind, wenn du erst in kleinen Clubs und dann in ganz Deutschland auf Tour gehst, vielleicht treibt es dich dann auch weiter in die Welt.



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zuletzt bearbeitet 02.05.2008 18:10 | nach oben springen

#13

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 03.05.2008 17:34
von larifant • 270 Beiträge

Vor einiger Zeit auf dem Canapé in einen ungewöhnlich tiefen Nachmittagsschlaf versunken geträumt, zehn Jahre seien vergangen; aber nicht in der Art eines Rip van Winkle, sondern ganz normal; mir sei nur entfallen, was in den letzten zehn Jahren geschehen sei und habe mir dann im Traum den Kopf zermartert.
War wirklich beängstigend und vor allem - aufgrund gleichförmiger Lebensumstände - sehr realistisch.

Trost: um so älter man wird, um so mehr lernt man das Einerlei zu schätzen.

Gruß,
L.


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#14

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 04.05.2008 14:09
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Angenommen, man verschläft tatsächlich zehn Jahre, dann wäre die Betrachtung aus diesem Blick zurück vielleicht gar nicht einmal so tragisch. Aus dieser Perspektive verfängt man sich wenigstens nicht in Rücklasten (Gedankenwirrungen und mögliche "Wie konnt' ich nur..." oder "Ach, was waren das für Zeiten, als ich noch...") und schaut lediglich nach vorne.

Grüße
Taxine



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 04.05.2008 14:19 | nach oben springen

#15

RE: Vorbereitungen auf die Weite

in Gedanken vom Tag 05.05.2008 12:13
von ascolto • 1.289 Beiträge

Werte Dame,

nun, Weite, ein geflügeltes Posaunenterzett für schoan Erkundetes? Will sagen, in meiner Logosschale schafft es nur der Synapsensprung ün dü Weite, der net weiß was kömmt, ergo; ein Loßlassen des Weges ohne Zielkonstrukt....
Dennoch, auch uins Mykenische, uins Azur uim Kalk, da würd muir schwindelig, wenn uich in meinen Büldchens krame und die Sehnsucht mir den Brei köchelt, der da wüll: Hinaus zum Danzen, uins Land ded poetischem Chaos sowie gegrillter Schmaushappen.
Traurig macht mich dad Ängstchen- zum Henker im Wasserglasel? Dad üsch Massenmord! Karmisch buddh.
Hier währe es doch angebracht dadd zugedeckelte Glasel an einem Ort der Einsamkeit wieder zu lüften????
Oder der Einflugschneise dedd Gebrumms eine Lenkung-Umgehung (Pflanzen usw.) zu ermöglichen....

Tja, denn Sortierkram, also dadd Lösen von dem Gebrauchsmateriellen, dadd war meine Sternstunde uin den Übergang uins Reisen. 240 m² Looft uin die Tüten, Kartonias und uin die Lagerung, inzwischen verschenkt...verschenkt und nochmals verschenkt! Geblieben, waren meine Meißel, ein Satz jap. Stecheisen, die Küchenmesser aus Osaka und Tauschwäsche in einer Reisetasche....Dazu mein Köter, dadd Blechmonster und mein Versuch Büldung zu erweitern..... Nach Gaurdiagrelle, Paris bis Plön, die würkliche Lüftung erfolgte beim Eintritt ins Studium..... Nur, wadd solls, an der Armbanduhr hängt er noach.....

Gerne gelesen, vielleicht kömmt tja demnöchst noach wadd?

Herzensgrüße, dadd A


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