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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#16

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 18.02.2010 20:16
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Martinus


Zitat
Drum ist kein Wissen
Noch Können so gut,
Als das man alles Schwere
Alleine tut



(Hermann Hesse, aus "Allein" )





Ja.

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#17

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 18.02.2010 20:47
von marlenja • 303 Beiträge

Möchten wir sterben? Wollen wir leben?
Wie strahlt das Kindergesicht, das frohe - leben aus.
Kraftvoll und unbezwingbar wirkt der Mann, in seinen besten Jahren.
Was für eine Erlösung, darf ein kranker, alter Mensch - sterben.
Wer Mensch und Tier verloren, weiss, wie schmerzhaft es sich anfühlt: Trennung.

Möchten wir sterben und nicht viel lieber leben?
Ohne Krieg, in Liebe, mit Freude und nie vergehendem Glück?
Ist das die Sehnsucht - Deines, meines, unseres Herzens?


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#18

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 12:35
von ascolto • 1.289 Beiträge

Werte Belegschaft,

ach.... wer will dort hinschauen und verweilen...... in dem Schreck, in dem uns umfangenen Vergehen?

Ich lese mehrere Konzeptchens, verschiedene Denkmuster und viel Distanz...soweit ist er, der Tod, noch fremdelig?

In meinen Berührungen mit dem Körperende, ob vorausahnend (Krankenhaus/Chemo) oder im Beisein, erfuhr ich aus den Augen, aus dem Gemüth der sich am Ende befindlichen, ein tiefes Seufzen, eine sonderbare Erregung sowie schiere pure Angst. Dies nicht nur bei Personen in den jüngeren Jahren, nein auch die Menschen im Alter reagieren so. Denn alle dachten an den Bettod im hohen ihnen angemessenen Alter (ihren Anmassungen), in Jahren, wohlmöglich schlafend und waren wenig darauf vorbereitet.Entweder fügten Sie sich und hielten in Rolle der Schweigens inne, oder aber Sie welkten im Selbstmitleid, nur wenige reden offen und werden damit erhört?Im Ableben begann bei vielen ein Kampf, manchmal sehr sichtbar für den Aussenstehenden, manchmal nur im Inneren vermutbar, wenige sterben friedvoll und dies sieht man in der Todesmimikri. Die Totenmaske zeigt nicht nur die Spuren des vergangenen Lebens, nein sie erhellt uns auch über die Todeserfahrung. Es gibt natürlich auch Menschenwesen für die der Tod, weil ungewichtiges Leid sie quält, ihr Tod ist ihnen dann auch Erlösung, aber die Mehrzal ist überrascht und vom Sterbeprozeß gepeinigt.
Die meisten (Westlichen) Menschenwesen sterben heute in Institutionen, nicht im eigenen Bette. Im Todeskampf, besonders in nicht absehbaren Konstellationen, hängen sie an lebensversorglichen Apparaten, umgeben von Menschen deren Beruf es ist hier zu versorgen oder gegebenenfalls zu heilen.....Selten ergreift uns der Tod im Kreise unser Liebsten und hier die Frage, wenn und was sehen (wahrnehmen) wir zuletzt?
Warum sciptiere ich dies, weil dies unvermeidbar und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Tod des Rezipienten dieser Zeilen ist. Weil es keinen Ausweg daheraus gibt und dieser Prozeß deren Zeitpunkt wir nicht kennen uns bevorsteht? Er steht uns nicht immer mit dem Wissen bevor das wir uns an diesen Momment gewöhnen, er kommt auch häufig unverhofft und sogar plötzlich. Er birgt nicht nur die Herausforderung des endgültigen Loslassen von dieser Welt, aus unserem Fleisch, er verbirgt auch häufig den Körperschmerz, er zerstörrt Wünsche und Sehnsüchte, er entlässt, hinterlässt gegebenenfalls die Zugeneigten im Loslasspozeß, also in viel Trauer und er ist in uns, jederzeit!
Man könnte vielleicht behaupten: Der Todesweg ist die Herausforderung des Lebens und es währe jedem zu wünschen dass hier dies im friedvollen Geist akzeptiert der diesen Prozeß begleitet. Doch wie soll ein friedvoller Geist dann in dieser existenzielen Erfahrung im Gleichmut verweilen wenn er schon im Leben, also Atemzug um Atemzug, nicht sehr stark ausgeprägt? Wenn dieser Geist durchflutet von Zweifel, von Sorgen und damit ambivalent, den sobenannten "Gefühlen" ausgesetzt. Wenn Assoziationsketten ihn durchdringen die nicht mit dem leidbehafteten Leben friedvoll und großzügig umgehen? Die aus der Empörung, dem Ärger, der Wut, dem Verlust sowie dem Unglück gekettet. Lassen wir die politische Situation, der Gier, der Macht und des sogar geführten Krieges beiseite. Wo sind denn all die friedvollen (Gleichmütigen) Geister zur Lebenszeit? Und die sollen nur im Körperende sich abfinden, wenn sie nicht mal mit einer Lebensunleidvollen(Todesabstinenz) Zeit zurecht kommen. Ich meine hiermit, diese unüberbrügbare Unzufriedenheit, die einen antrauert wenn man durch die Urbanen streift? Sollen denn diese Gemüter, die schon unbefriedbar weil sie ev. nicht erfüllte Erwartungen im Partnerschaftsprozeß erleiden, den Tod, ihre endgültige Erwartungsvernichtung friedvoll annehmen? Sollen die welche um Materie sich zanken, die sich aus Neid oder Gier streiten im Tode friedvoll? Sollen die großzügig die Kleinlich, sollen die unverkrampft die Verkrampft, sollen Diese deren Leben aus ihrem Image bestehen denn hier in dieses unvermeidbaren ihnen ein Ende, sich gütig und friedlich aus dem Leben gehen?
Dies zu hoffen ist wohl ein Scherz, eine Anmassung?
Man braucht nur kurz die Augen zu schließen und in die Stille hineinzuhören. Ein Todesschrei von einem Lebewesen und das Mark erstarrt! Ob dies dann ein Tier das diesen kehlt oder der Mensch der überrascht, es ist "unvergesslich" wenn man es nicht in die hinterste Schublade der Demenz anrichten möchte. Diesen Schrei, ob "stumm" oder gekehlt werden wir auch hinausklöngeln, wir werden es mit größter Wahrscheinlichkeit, weil der Todesumstand nicht so sein wird wie erwünscht, weil er keine Erwartungen erfüllt? Und weil es kein Geschichtchen aus der Literatür oder der Flümmerey, weil es uns dann wirklich fordert, weil es dann präsent ist!
Somit hilft vielleicht nur die befriedung des Geistes wenn er im Körper noch inne, wenn er sich vorbereiten kann und darf, auf unser größtes Experiment dass unsere fleischliche Einsamkeit beschaulich, dass uns fordern wird wie niemals zuvor? Der Tod ist/nicht nur kein Meister aus Deutschland, Sulamin, er ist unser aller letzter Atemzug und der ist ungewiss.
Sollten man in diesen Meister hineinspiegeln und dies nicht kurzatmig oder gleich die Vorhänge aus Konzeptchen konstruieren und damit wieder das Klare dunkeln, ist er uns nur das Wert?
Ich meine nein, ich meine dass wenn man hineinspiegelt und sich gewiss ist dass dieser Prozeß einem auch unvermittelt bevorstehen kann, man sein Leben danach ausrichtet. Das man überprüft welche Glückskonzepte nicht realisierbar und wenn man an ihnen festhält wieviel Leid dadurch empfangen. Ich halte es für äußerst wichtig an seinem friedvollen Geist zu werkeln, ihn zu schulen und zu lernen, wie man ihn konstant trägt, nicht nur in den Mommenten der von uns projezierten gewünschten Harmonie sondern in jedem Atemzug, in gerade den größten Disharmonien. Egal welche Schule einem hilft, egal welche Übungen dafür und für den eigenen Geistesaspekt geeignet, friedvoll, sanft und zährtlich soll er sein. Immer zu einem Lächeln und Späßchen bereit und genießen soll er, bis jeder Atemzug ein Orgasmus. Er soll das Leben mit all seinem Mitgefühl streicheln und damit aus der Liebe nur so quellen, aus den Tugenden, einer Ethik gebaut, die von der Rücksicht über die Höflichkeit bist zur Klugheit erwacht. Er soll hilfsbereit in jedem Atemzug und teilen in jedem Augenblick. Er soll verständig und offen für ein jedes Wesen und er soll solange wachen bis auch der letzte und roheste, gewalttätigste Geist dies erlernt.
Ein friedfertiger in sich ruhender Geist transformiert jeden Geistesaspekt in diese Leere, denn jede Eregung endet in der unvermeidlichen Leere.

Ich wünsche allen Lesern dieser Zeilen, einen friedvollen Begleiter im Körperende, hoffe auf den Eigenen, wenn dies nicht, so hoffe ich auf den friedvollen Begleiter in anderer Persona...

om a hum

ps. In aller erster Substanz verstehe ich eine Religion als Schulung, die Roheit zu besänftigen, den Sanftmut zu schulen. Dies beinhaltet aber nicht das in dem Konstrukt der Schule auch Roheit praktiziert. Die Schulen, ihre Schriften sind uns voraus, wenn dem nicht mehr so, braucht sie der Einzelne nicht mehr. Bei der Mehrzal an Wesen, auch in den Schulen sehe ich noch viel Bedarf


zuletzt bearbeitet 19.02.2010 12:56 | nach oben springen

#19

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 12:39
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Ich halte solche Gedanken wie "ist alles nicht so schlimm, weil ich es ja nicht mehr mitkomme" oder "Sterben ist nur ein Aufbruch in ein tolles unbekanntes Land" für eitel Selbstbetrug zur Selbstbeschwichtigung.

Egal ob man daran glaubt, dass nach dem Tod noch "etwas" kommt oder nicht - man sollte sich klar machen, dass es keine erstzunehmende Religion gibt, die behauptet, das Ich in seiner aktuellen irdischen Form würde den Tod überdauern. Also was auch immer den Tod überdauert, es wird nicht das "Ich" sein, das ich jetzt bin.

Jener Schreck wird meiner Ansicht nach sehr schön durch einen Satz von Marcel Reich-Ranicki (dem ich ja sonst eher selten zustimme) verdeutlicht: "Der Gedanke, dass am Montag der neue 'Spiegel' erscheint, und ich kann ihn nicht mehr lesen, ist einfach unertrrrrräääglich!" Alle Nicht-Spiegel-Leser können hier natürlich entsprechendes einsetzen: Der Gedanke, dass Taxine oder Martinus im Forum etwas neues schreiben etc ...




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
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#20

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 13:47
von Taxine • Admin | 5.886 Beiträge

Werter Ascolto, anhand dieser Gedanken wird mir doch bewusst, dass ich noch in der Furcht vor dem Tod schwebe, denn ein Schrei eines Sterbenden, der würde mich tief erschüttern. Mein eigener Tod, der ist mir gleichgültig, darum wohl noch nicht klar, ich kann ihn nicht erfassen. Ich erschrecke auch nicht über ihn als Vorstellung (denke, wie Lennie, auch gerne darüber nach, ohne in Angst zu kippen), doch weite ich die Betrachtung "Tod und Schreck" auf alle Menschen, auf das Sein aus, so ist gerade der gewaltvolle, durch Krieg und Hass verschuldete, immer grausam und furchtauslösend.

Dass Menschen nun, die im Leben rastlos und wirrend sind, den Tod nicht als Beruhigung oder Erlösung hinnehmen, ist einleuchtend. Gleichmut entsteht ja nicht einfach, es sei denn, der Mensch findet sich mit seinem Tod ab. Dass das aber vielleicht erst mit dem Bewusstsein Sterben möglich ist, weil das Leben die reine Kontemplation darüber oft genug nicht zulässt, ist leider auch nicht abwegig.
Das Bewusstwerden Tod ist eine der schwierigsten Lebens-Bedingungen.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 19.02.2010 13:48 | nach oben springen

#21

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 14:35
von Bea • 680 Beiträge

Einen Schreck bekomme ich nur, wenn ich daran denke, wer alles an meinem Tod verdienen will!




Der Bezug des Menschen zu Orten und durch Orte zu Räumen beruht im Wohnen. Bauen/ Wohnen/ Denken - Heidegger Martin

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#22

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 15:46
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Taxine

Das Bewusstwerden Tod ist eine der schwierigsten Lebens-Bedingungen.





Och, manchmal geht das schnell.

Im Rahmen der sozialistischen Umerziehung und Wiedergutmachung wurde ich einstens, im real existierenden Blablabla, als Handlanger und Jüngelchen für alles, an das hiesige pathologische Institut überführet.
Dort sah es des des frühen Morgens, in der "Eingangshalle", oft aus wie in einem Konzentrationslager. Wenn die Zinkwannen für die, ähem, Neuzugänge nicht mehr ausreichten, dann lagen die Leichen auf den blanken Fliesen kunterbunt herum. Nach Lust und Laune des nächtichen Fleischtransporters entweder schicklich dahingebettet, oder einfach auf den Fliesenboden ausgekippet; Junge über Ältere, Männchen über Weibchen. Für das Beseitigen jeglich anfallenden Gekröses, das bei den täglichen Schlachtfesten dann so anfiel, dafür war ich dann, unter anderem, auch zuständig. Leichen aller "Öffnungsgrade" wurden ein täglicher Anblick.
Mir half damals nur das Studium einer ganz speziellen Literatur und ein guter Schluck kräftigen norddeutschen Doppelkornes über dieses tägliche Inferno hinweg. Nach einer Woche kann man den Korn weglassen, das Lesen ganz bestimmter Bücher sollte man allerdings beibehalten.

Der Tod kann so etwas von trivial sein...

zuletzt bearbeitet 19.02.2010 16:09 | nach oben springen

#23

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 16:17
von Bea • 680 Beiträge

Zitat
Der Tod kann so etwas von trivial sein...



Trival? Also das erinnert mich etwas an Benn...




Der Bezug des Menschen zu Orten und durch Orte zu Räumen beruht im Wohnen. Bauen/ Wohnen/ Denken - Heidegger Martin

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#24

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 16:36
von marlenja • 303 Beiträge

Zitat von Roquairol
Also was auch immer den Tod überdauert, es wird nicht das "Ich" sein, das ich jetzt bin.



Woher nimmst Du diese Sicherheit?


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#25

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 18:41
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Bea

Zitat
Der Tod kann so etwas von trivial sein...



Trival? Also das erinnert mich etwas an Benn...




Benn?
Es sollte dich mehr an das Leben erinnern, so wie es ist, Bea!

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#26

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 19:26
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Zitat von Patmöser


Der Tod kann so etwas von trivial sein...





Ich hatte auch mal im Rahmen eines Benn-Seminars die Möglichkeit, den Medizinstudenten beim Leichen-Sezieren zuzusehen, weil in unserem Seminar ein Ex-Medizinprofessor saß, der in seinem Ruhestand noch einmal Germanistik studierte - sonst kommt man da als Nichtmediziner ja nicht rein. War schon recht impressiv

Nur mit dem ... Tod hat das nichts zu tun.

Heidegger unterscheidet völlig zu Recht den Tod von den am Lebensende eintretenden physiologischen Zerfallsprozessen, die er als "Ableben" bezeichnet. Diese sind philosophisch völlig unerheblich.

Der Tod ist immer mein eigener. Wenn ich also über "den Tod" reflektiere, dann muss dies mein eigener sein - alles Nachdenken über Särge, Novalis' Hymnen an die Nacht oder Oma sind im Vergleich dazu Pippifax.

Der Tod bedeutet das Ende all meiner Pläne und Entwürfe. Ohne Gedanken an den Tod kann ich jeden Tag aufs neue davon phantasieren, gleich morgen mit meinem großen Roman anzufangen, aber heute noch nicht, heute hänge ich noch den ganzen Tag lang sinnlos vor dem Fernseher rum ...

Der Gedanke an den Tod, und gerade der damit verbundene Schreck, ist notwendig, um mich dazu zu bringen, meine Möglichkeiten entschlossen zu ergreifen.




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#27

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 19:39
von Bea • 680 Beiträge

Zitat
Nur mit dem ... Tod hat das nichts zu tun.



Hast es gut erfasst meinen Gedanken zu Benn! (deshalb ja auch etwas an Benn) Patmöser ist oft schwer zu verstehen... Ja Entschlossenheit ist eine feine Sache...




Der Bezug des Menschen zu Orten und durch Orte zu Räumen beruht im Wohnen. Bauen/ Wohnen/ Denken - Heidegger Martin

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#28

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 19:42
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Roquairol

Zitat von Patmöser


Der Tod kann so etwas von trivial sein...






Nur mit dem ... Tod hat das nichts zu tun.




Doch, Roqairol, wenn du jeden Tag mit Leichen zu tun hast, also jeden Tag viele Stunden lang (und das über viele Monate hinweg, Roquairol, auch mit den Leichen von jungen und sehr jungen Menschen), dann meditierst du, meditierst du im Wachen und im Schlafen, jedenfalls eine gewisse Zeit lang. Die Seele oder was da auch immer sein mag, ist da aus etwas heraus gerissen und muss sich erst wieder finden, wieder einrenken. Zen Buddhisten medierten früher inmitten von Schlachtfeldern, als Schulung, ich habe das, was ich da damals machen musste, auch als Schule verstanden, freilich erst viel später.

Zitat
Der Tod ist immer mein eigener. Wenn ich also über "den Tod" reflektiere, dann muss dies mein eigener sein - alles Nachdenken über Särge, Novalis' Hymnen an die Nacht oder Oma sind im Vergleich dazu Pippifax.



Ja, alles andere wäre Flucht, Flucht nicht nur vor sich selbst. Ich weiß nicht ob Novalis Hymnen oder Hölderlins Christus - Gesänge, ob die Bibel oder buddhistische Sutras diese Reflektion erleichtern, warum auch nicht, was mich aber nicht daran hindern wird, es in meinem Leben immer wieder einmal zu versuchen - hinter den Vorhang zu schauen.

zuletzt bearbeitet 19.02.2010 19:45 | nach oben springen

#29

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 19:49
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Übrigens kam ich heute wieder an einem Beerdigungsinstitut in der Nähe vorbei, und da dachte ich so: Hat eigentlich ein Bestatter auch zu seinem eigenen Tod ein professionelleres Verhältnis? Ist er für ihn eine Selbstverständlichkeit, wie für den Koch, wenn er an seinem freien Tag zuhause ein Schnitzel brät, oder der Elektriker, wenn er im eigenen Wohnzimmer eine Lampe anschließt?

Wohl eher nicht, was?




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#30

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 19:51
von Bea • 680 Beiträge

Eigentlich hatte ich ja dann doch auch Patmöser richtig verstanden. (Benn - Aster)Aber...

Zitat
Die Seele oder was da auch immer sein mag, ist da aus etwas heraus gerissen und muss sich erst wieder finden, wieder einrenken.



Jetzt verstehe ich ihn wieder nicht...




Der Bezug des Menschen zu Orten und durch Orte zu Räumen beruht im Wohnen. Bauen/ Wohnen/ Denken - Heidegger Martin

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