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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#31

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 19:54
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Zitat von Bea


Jetzt verstehe ich ihn wieder nicht...



Ich schon ...




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
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#32

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 19:55
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Roquairol
Übrigens kam ich heute wieder an einem Beerdigungsinstitut in der Nähe vorbei, und da dachte ich so: Hat eigentlich ein Bestatter auch zu seinem eigenen Tod ein professionelleres Verhältnis? Ist er für ihn eine Selbstverständlichkeit, wie für den Koch, wenn er an seinem freien Tag zuhause ein Schnitzel brät, oder der Elektriker, wenn er im eigenen Wohnzimmer eine Lampe anschließt?

Wohl eher nicht, was?



Naja, aber immerhin lebt so ein Bestatterchen in der ruhigen Gewissheit, das sein leibliches Einkuhlen mit immensen Rabatten und enormen Preisnachlässen vonstatten geht...

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#33

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 19:58
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Bea


Zitat
Die Seele oder was da auch immer sein mag, ist da aus etwas heraus gerissen und muss sich erst wieder finden, wieder einrenken.



Jetzt verstehe ich ihn wieder nicht...




Wenn du Nietzsche endlich einmal, irgendwann in diesem Äon, verstanden hast, dann verstehst du auch, auch mich...
(Jetzt aber schnell weg hier.)

zuletzt bearbeitet 19.02.2010 20:03 | nach oben springen

#34

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 20:08
von Bea • 680 Beiträge

Zitat
Wenn du Nietzsche endlich verstanden hast, dann verstehst du auch, auch mich...



Nee umgedreht wird ein Schuh draus, zum Donnerwetter...! (oder ein Paar Schuhe - Heidegger) Im irdischen Leben kommen wir wohl niemals auf einen grünem Zweig...?!




Der Bezug des Menschen zu Orten und durch Orte zu Räumen beruht im Wohnen. Bauen/ Wohnen/ Denken - Heidegger Martin

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#35

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 20:12
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Bea

Zitat
Wenn du Nietzsche endlich verstanden hast, dann verstehst du auch, auch mich...



Im irdischen Leben kommen wir wohl niemals auf einen grünem Zweig...?!




Auf einen grünen Zweig wohl nicht, liebe Bea, aber, aber vielleicht woanders hin...



(Jetzt gehe ich aber wirklich auf Sehrohrtiefe.)

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#36

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.02.2010 20:30
von Bea • 680 Beiträge

Zitat
aber vielleicht woanders hin...



Oh Schreck, wir beide auf dem selben Fleck...dat gehet net jut, dat gehet net jut




Der Bezug des Menschen zu Orten und durch Orte zu Räumen beruht im Wohnen. Bauen/ Wohnen/ Denken - Heidegger Martin

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#37

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 21.02.2010 08:32
von Martinus • 3.194 Beiträge

Lieber ascolto

Zitat von ascolto
Die meisten (Westlichen) Menschenwesen sterben heute in Institutionen, nicht im eigenen Bette. Im Todeskampf, besonders in nicht absehbaren Konstellationen, hängen sie an lebensversorglichen Apparaten, umgeben von Menschen deren Beruf es ist hier zu versorgen oder gegebenenfalls zu heilen.....Selten ergreift uns der Tod im Kreise unser Liebsten und hier die Frage, wenn und was sehen (wahrnehmen) wir zuletzt?



Es besteht natürlich die Möglichkeit einer Patientenverfügung, einer speziell formellen Willenserklärung, dass man festschreibt, unter bestimmten Umständen, nicht an irgendwelche lebensverlängernden Maschinen herangehängt zu werden, man hat sogar das Recht, zu Hause zu sterben. Trotzdem, egal wie der Tod, einen Atemzug entfernt, wir wissen nicht welcher Atemzug das ist, darum können wir, auch wenn wir zu Hause sterben, trotzdem alleine sein, wenn es so weit ist. Meine Großmutter ist im Hause einer ihrer Töchter gestorben. Im Moment des Sterbens, des Nachts im Schlafe wohl, war sie allein. Sie hatte niemals Angst vor dem Tod, darum habe ich sie als junger Kerl bewundert.

Ich bin nun nicht der Mensch, der gezielt nach Trostliteratur sucht. Nach Trost zu suchen, ist ein Zeichen, dass Furcht da ist. Bei mir ist Furcht da, dass habe ich gemerkt, weil ich vorgestern unerwartet auf einen Text gestoßen bin, der mich getröstet hat. Dazu muss ich sagen, in meinen jungen Jahren habe ich nie gedacht, dass mich ein Absurdist, Existentialist trösten könnte. Damals hielt ich diese Denker für ziemlich kalt und abgebrüht. Heute ist das längst nicht mehr so.

Zitat von Albert Camus
Ich lerne, dass es kein übermenschliches Glück gibt und keine Ewigkeit außer dem Hinfließen der Tage....Die anderen „idealen“ Wahrheiten zu begreifen, fehlt es mir an Seele...Ich weiß nur dies: dass der Himmel länger dauern wird als ich.

(aus "Hochzeit in Tipasa", 1936/37)

Zitat von Albert Camus
Je mehr ich mich von der Welt trenne und mich anklammere an das Los des lebenden Menschen, statt in den überdauernden Himmel zu schauen, desto größer wird meine Todesangst. Bewusst sterben bedeutet: die Kluft zwischen uns und der Welt verringern und freudlos und im Bewußtsein, dass die Herrlichkeit dieser Welt für immer vorbei ist, das Ende auf sich nehmen.

(aus "Der Wind in Djemila", 1936/37)

Sterben ist Hingabe.

Liebeste Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 21.02.2010 09:26 | nach oben springen

#38

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 21.02.2010 09:56
von Bea • 680 Beiträge

Zitat
Trotzdem, egal wie der Tod, einen Atemzug entfernt, wir wissen nicht welcher Atemzug das ist, darum können wir, auch wenn wir zu Hause sterben, trotzdem alleine sein, wenn es so weit ist


Diese Erfahrung konnte ich mit meiner Schwiegermutter machen. Sie war schwer Herzkrank (67 Jahre) und deswegen ständig im Krankenhaus. An ihrem letzten Tag bekam sie kein Essen mehr und erzählte mir das. Ich konnte darauf nicht richtig reagieren, weil ich nur wenig Zeit hatte. Ich versprach ihr am nächsten Tag zu kommen um das zu klären und sagte zu ihr: "Ich komme 14 Uhr!" Es wurde etwas später und ich ging gerade die Treppe zum Krankenhaus hoch, da klingelte mein Handy. Schwiegermutter ist soeben verstorben! Als ich dann in ihr Gesicht sah, war ihr Mund geöffnet und ich dachte, sie muss Angst gehabt haben. Dieses Bild und diese Schuld zu spät gekommen zu sein, lässt mich nicht wirklich ruhen.

Deine Zitate von Camus schreibe ich mir noch auf, Danke!

Ich finde das Buch sehr schön von Hermann Hesse: "Mit der Reife wird man immer jünger" - über das Alter




Der Bezug des Menschen zu Orten und durch Orte zu Räumen beruht im Wohnen. Bauen/ Wohnen/ Denken - Heidegger Martin

zuletzt bearbeitet 21.02.2010 12:12 | nach oben springen

#39

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 21.02.2010 15:15
von ascolto • 1.289 Beiträge

Werte Bea,


nur mal so, dazwüschen gefunkelt und dies im Skerzel...... Die Schuld, an der Du anhaftest könntest Du schon damit bissl bereinigen in dem Du das HANDY, zumindest in einem Krankenhaus ausmachst!(Nur nen kleener Hinweis zur Sozialkompetenz)

Ich bin immer wieder erstaunt wieviel Grobheit hier geperlt, mit welcher Unreflektion mir die Füß weg gelüftet und uich pöscher. Was lernt man denn daheraus ohne sich in/an der Schuld zu weiden. Hellhörig dem Nächsten lauschen, insbesondere wenn dieser krank? Und vor allem sich so zu sammeln dass man sich nicht immer selbig im Weg? Zeit in das LAUSCHEN zu INVESTIEREN? Dann ist man hellhörig und dies ist gut so. Dann vernimmt man ev. auch die Sprach des Gegenüber und des Anvertrauten.

Und ruhen, Werteste...ist nicht ein Weg der Schuld und Sühne sondern der Konzentration, des sich sammeln.......

Denn auch uich verfüge Sandalen und die Pantriller und lüfte, wenn uich mag, kurz Heras Röckchen!

So, und nun weil mir dedd Gephrase ein wenig im Schädel quietschet, was ist denn an diesem Hesse so erquickend, wie kann ich daran teilhaben?

Gruss vom ollen A


zuletzt bearbeitet 21.02.2010 15:36 | nach oben springen

#40

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 21.02.2010 15:47
von Bea • 680 Beiträge

Zitat
Die Schuld, an der Du anhaftest könntest Du schon damit bissl bereinigen in dem Du das HANDY, zumindest in einem Krankenhaus ausmachst!(Nur nen kleener Hinweis zur Sozialkompetenz)



Wenn man in unserem Krankenhaus rein gehen will, muss man erst eine Treppe hoch zur Eingangstüre laufen. Im Gebäude habe ich immer mein Handy aus, versteht sich!

In diesem Buch kann man die gesamten Augenblicke von Hesses Leben auffangen. Wie durch einen Spiegel betrachtet er seinen Weg ins Alter mit allem Glück und Leid. All seine Gedanken gebündelt in Betrachtungen und Gedichten. Ein wahrer Genuß und eine wahre Freude daran teilhaben zu dürfen. Auch die selbst gezeichneten Bilder gefallen mir gut. Ehrlicher kann ein Mann nicht über sich schreiben, denke ich.
Kennst du das Buch? Habe ja auch viele andere Bücher von ihm gelesen...




Der Bezug des Menschen zu Orten und durch Orte zu Räumen beruht im Wohnen. Bauen/ Wohnen/ Denken - Heidegger Martin

zuletzt bearbeitet 22.02.2010 02:09 | nach oben springen

#41

RE: Sterben ein Schreck?

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 22.02.2010 23:55
von ascolto • 1.289 Beiträge

Ach, werte Bea...

was für Ergonomen die Krankenhauskonstrukteure....hoch hinauf die "alten Leuth, die Hünkenden und Rollenden...."

Nun, Hesse uisch schoan sehr laaang her...also dadd Übliche...vom Sidharta über dadd Glasperlenspül zum Goldmündchen...näch... aber dies Büchle kenn ich net..

Na Ehrlichkeit uisch tja dü Voraussetzung für "guthe Literatür".

Gruss vom ollen A


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