Viktor Pelewin
Ich kenne den Roman als Empfehlung, habe ihn aber noch nicht gelesen. Ich begegne den gehypten Büchern in der Regel skeptisch, die sich mit Russland beschäftigen, aber nicht aus Russland stammen. Trotzdem werde ich einmal einen Blick riskieren. Was meinst du damit, ihn nicht "inhaltlich verifizieren zu können"?
#17
Zitat von Taxine im Beitrag #16
Ich kenne den Roman als Empfehlung, habe ihn aber noch nicht gelesen. Ich begegne den gehypten Büchern in der Regel skeptisch, die sich mit Russland beschäftigen, aber nicht aus Russland stammen. Trotzdem werde ich einmal einen Blick riskieren. Was meinst du damit, ihn nicht "inhaltlich verifizieren zu können"?
Das ist bei mir genauso, gehypte oder mit Preisen überhäufte Bücher kommen mir nur selten unter. Diesen Roman aber empfahl mir die russische Ehefrau eines alten Freundes aus Hamburg; auch dessen Ex-Frau, ebenfalls Russin, hielt ihn für gut. Und ich meinte nur, dass ich natürlich nichts darüber sagen kann, ob das reale Vorbild Wladislaw Surkow gut getroffen ist oder Putin selbst, das Buch also ein Schlüsselroman ist. Ich habe mich jedenfalls gut unterhalten gefühlt und man liest Sätze, die sicher nicht pro-westlich und antirussisch sind. Klar, die werden von den Russen gesprochen, aber sie wirken nach.
Klingt interessant. Als Hintergrundrecherche vielleicht dann doch noch das: Empoli ist der Gründer von Volta, einem progressiv-linken, sozialdemokratischen und pro-europäischen Think Tank aus Italien mit Sitz in Mailand, Rom und Brüssel. Er wurde vor allem in den 2010er-Jahren bekannt und gehört zum Netzwerk Global Progress (dem progressiven Pendant zu konservativen oder liberalen internationalen Think-Tank-Netzwerken).
Themen sind hier: Europapolitik, Digitalisierung, Demokratie, Populismus-Bekämpfung, transatlantische Beziehungen, grüne/soziale Ökonomie.
Das schreckt natürlich eher ab, aber ich werde ihn trotzdem lesen, schon aus Neugierde, wie Putin hier karikiert wird. "Zar" deutet jedoch schon auf einiges hin. 
#19
Zitat von Taxine im Beitrag #13
Sorokin besaß auch schon vorher eine Wohnung in Berlin und pendelte zwischen den Welten, sehr international geprägt. Jetzt lebt er natürlich ganz in Deutschland.
...
Jerofejew floh ebenfalls 2022 aus Russland, das ist richtig, aber auch er war davor ständig im Ausland unterwegs.
Dass russische oder sowjetische oder wieder russische Schriftsteller und Intellektuelle zeitweilig, länger oder auf Dauer im Westen leben; ist ja sozusagen ein Naturgesetz seit spätestens dem 19. Jahrhundert und die Dauerfehde zwischen Westlern und Ostlern gab es ja auch in der Musik. Ich möchte also den Befund wagen, dass die russische Literaturgeschichte ohne die Ausflüge und Übersiedlungen gen Westen gar nicht denkbar ist, vielleicht sind sie sogar konstituierend.

Das zeigt die Vergangenheit (wie verschiedene Einflüsse überhaupt immer eine Kultur bereichern), die aber mit dem Jetzt nicht vergleichbar ist. Die heutigen diversen russischen Autoren, die im Westen ihre Bücher verkaufen möchten, erfüllen vor allem die Anforderungen der Verlage. Und was von diesen gefördert und vermarktet wird, müssen wir wohl kaum vertiefen. Je mehr auf Russland geschimpft wird, desto mehr Bücher werden verkauft. Im gleichen Zug werden in Russland populäre Bücher boykottiert, wie auch vieles andere. Wer sich dagegen kritisch über das Verhalten des Westens gegenüber Russland äußert oder auch nur Aspekte der russischen Seite vertiefen wollte, um eine vielschichtige Sichtweise zu vermitteln, hätte kaum Chancen, in Deutschland verlegt zu werden, das bewusst auch in der Literatur den Hass auf Putin und die Russen schürt, um die eigene schlechte Politik und Kriegsgeilheit zu verschleiern.
Wir haben erlebt, was russischen Persönlichkeiten der Kultur in den letzten Jahren geschehen ist, selbst denen, die sich weder für noch gegen Russland ausgesprochen haben. Sogar die neutrale Position war im deutschen Sumpf nicht angemessen und wurde bestraft. So etwas in einem Land der Kultur und Bildung zu erleben, war erschütternd, aber auch nicht neu. Deshalb kann ich kaum noch Bücher ertragen, die mir diesem Zweck dienlich erscheinen. Das muss nicht zwangsläufig auf Sorokin und Jerofejew zutreffen, allerdings ist deren momentane Themenwahl schon sehr bezeichnend und sicherlich, aus nachvollziehbaren Gründen, auch von echtem Hass geleitet.
#21
- Anmeldung
- Information zur Anmeldung
- Gedanken um die Literatur
- Lektüreliste
- Buchvorschläge
- Die schöne Welt der Bücher
- Sachen gibt's - Sachbuch
- Das "andere" Buch
- Literatur im Verriß
- Blicke auf Menschen
- Zitate
- Überlegungen
- An der Literatur orientierte Gedanken
- An der Philosophie orientierte Gedanken
- An der Kunst orientierte Gedanken
- An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken
- Kritzeleien
- Gedanken vom Tag
- Yoricks literarische Nachtgedanken bei Tage
- Lennies Gedankenschnipsel
- Flümmerey/ La Vista di AscOltO
- Die Zeiten sind, waren, werden sein: so und so
- Die realistischen Gedanken des Monsieur Moulin
- Autorenforum
- Prosa
- Poesie
- Lyrik
- Spielereien
- Gespräche
- Gespräche über Kunst und die Welt
- Kunst im Gespräch
- Bargeflüster
Jetzt anmelden!
Jetzt registrieren!
