Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3
Ich erlebe so viele Menschen, die verbissen das politische Geschrei und den Sud der Medien wiederkäuen, völlig unfähig, abseits der allgemeinen Akzeptanz zu denken, dass ich immer wieder auf den Grund der Tatsachen gestoßen werde, dass wir nichts wissen, dass nichts, was wir glauben zu wissen, auch nur ansatzweise dem wirklichen Hintergrund entspricht, dass selbst die Geschichte immer nur das ist, was uns überliefert wurde, nie das Erlebte, nie das, was tatsächlich geschehen ist. Wenn die Vergangenheit schon schwierig zu beurteilen ist, wie schwer ist es dann, ein Korn Wahrheit zu finden, wenn man mittendrin ist? Ich würde sagen, es ist so gut wie unmöglich.
#452
Ich habe über zehn Jahre lang versucht, gegen diese Tendenzen anzuschreiben. Seit einem halben Jahr schaue ich weder Nachrichten noch lese ich Zeitungen noch irgendetwas Politisches im Internet. Es hat keinen Sinn. Ich mache mein Kreuz zu den Wahlen und damit gut. Man reibt sich auf für nichts und wieder nichts, ruiniert sich die mentale Gesundheit, gefährdet als Staatsbediensteter seine Versorgungsansprüche und am Ende ändert man ohnehin nichts. Nein, nein; die Zeit, die einem bleibt, sollte man besser zu nutzen verstehen. Und seien wir ehrlich, in den guten Büchern steht das alles schon drin, was wir heute erleben, selbst wenn sie vor 100 oder 2500 Jahren geschrieben wurden.
Tatsächlich war ich nie politisch orientiert, bis sich die Welt komplett änderte und wieder Dinge geschahen, die ich zuvor für unmöglich hielt. Ich kann mich dieser gefräßigen Entwicklung leider nicht entziehen, auch wenn ich das alles aus Büchern nur zu gut kenne. Machtlos ist man, so oder so. Die Welt verändert sich, mit ihren neuen Regeln und Gesetzen, lediglich wir empfinden es mit nostalgischem Bedauern, können aber dadurch auch umso besser erkennen, wann der Mensch freier war und wann er es nicht mehr sein wird. Erschreckend bleibt, wie rasend schnell sich das vollzieht.
Ich denke, der am häufigsten in Romanen verwendete Satz, der Atmosphäre wiedergeben soll, ist: "Ein Hund bellte."
Wir sind noch gewohnt, dass Politik auf Verhandlungsbasis stattfindet, dass das Völkerrecht gültig ist. Das Völkerrecht entstand bekanntlich im Westfälischen Frieden 1648, nach 30 Jahren religiösem Massenmord. Es entstand, weil sie irgendwann merkten, dass permanenter Krieg teuer, chaotisch und auf Dauer selbstmörderisch ist und dass es sinnvoller wäre, sich gegenseitig in Schach zu halten, statt Berge an Leichen zu produzieren. Dieses Völkerrecht wird nun nicht zum ersten Mal gebrochen. Den Krieg im Namen der Gerechtigkeit, ihn für den Frieden, die Befreiung und die Selbstverteidigung zu führen, ist immer die Aussage der Angreifer. Die Logik dahinter ist simpel. Sie greifen an, bevor die anderen angreifen. Sie töten, um nicht selbst getötet zu werden. Sie zerstören, um sich sicher zu fühlen, und erzeugen so genau die Bedrohung, die sie bekämpfen wollen.
Es wirkt auf mich fast schon so, als ob längst eine Linie überschritten wurde und als ob nun jeder machen kann, was er will. Die Leute, die jubeln und das alles richtig finden, die das Geschehen pathologisch kalt von der bequemen Couch beurteilen, als würden keine Menschen sterben, als wären es nur Objekte und Ziele, die ausgeschaltet gehören, zeigen wohl am besten, in welche neue Phase wir geraten sind. Griechenland hat die Militärbereitschaft auf Stufe 1 erhöht. In Zypern, in Akrotiri, wurde die britische Luftwaffenbasis durch eine Drohne getroffen, wobei unklar ist, wer sie losgeschickt hat. Zyperns Präsident Nikos Christodoulides erklärte in Bezug auf das Ereignis:
"Ich möchte klarstellen: Unser Land beteiligt sich in keiner Weise an militärischen Operationen und hat auch nicht die Absicht, sich daran zu beteiligen."
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