November 2011

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11.11.2011 12:47 (zuletzt bearbeitet: 11.11.2011 12:47)
#16
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Umberto Eco: "Der Friedhof in Prag": Es geht um eine Fälschung, ein Dokument über eine jüdische Weltverschwörung. Der Roman spielt im neunzehnten Jahrhundert. Hauptprotagonist ist der Antisemit Simone Simonini. In diesem Roman ist viel historisches enthalten und wunderbar intelligent, raffiniert, erzählt. Ach, Sigmund Freud kommt vor, Charcot, usw. Das Paris des neunzehneten Jahrhunderts und dann dieser lungenkranke Künstler mit seiner entarteten Freundin, die in Hosen rumläuft, findet auch Erwähnung. Köstlich, das Buch (threadverdächtig).



„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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11.11.2011 13:49
avatar  Krümel
#17
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Dito Klein Krümel liest immer das was mArtinus liest


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12.11.2011 15:06 (zuletzt bearbeitet: 12.11.2011 15:30)
avatar  LX.C
#18
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Zitat von LX.C

Zitat von Martinus
Heute beginne ich mit Angelika Klüssendorf: Das Mädchen. Der Roman steht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises, ich hoffe berechtigter Weise.
Ein Mädchen muss sich in unsäglicher Umgebung durchs Leben boxen. Der Vater ein Trinker, die Mutter tyrannisch, bürokratischer Staatsapparat usw. Der Roman ist in der DDR angesiedelt.



Lese den Roman des Gewinners:
Ruge - In Zeiten des abnehmenden Lichts

Ebenfalls (hauptsächlich) in der DDR angesiedelt, umfasst das Familienepos eine Spanne von 1952 bis 2001.
Damit schon das zweite DDR-Familienepos nach Telkamp, das den Deutschen Buchpreis gewonnen hat. Nach den ersten Seiten muss ich sagen, dass Ruge sich ganz großartig und unverkrampft liest, dabei trotz aller Ernsthaftigkeit einen gewissen lebensnahen Humor nicht vermissen lässt.
Ich bin durch einen Bekannten auf das Buch aufmerksam gewornen, der mir sagte, dass Teile des Buches in meinem Heimatort spielen würden. Vorher hatte ich mich gar nicht um den diesjährigen Buchpreis gekümmert.
Ich bin sehr gespannt. Es scheint sich diesmal wirklich zu lohnen.




Was für ein großartiger Roman! Eine Art Nachkriegs-Buddenbrooks. Abstieg und Zerfall einer "linientreuen" Familie, könnte man es umschreiben. Ironisch, oftmals aber auch traurig, mal mehr, mal weniger historisch (abgesehen von der eingefangenen Atmosphäre der erzählten Zeit, die ja ohnehin historisch ist). Der Erzählstiel passt sich den Hauptprotagonisten der Kapitel an, wenngleich sie nicht die jeweilige Erzählinstanz sind, dadurch lassen sich auf unverkrampfte Weise die verschiedenen Generationen darstellen und Generationenkonflikte verdeutlichen. Ich hatte lange nicht so viel Freude beim Lesen und möchte es daher uneingeschränkt empfehlen.


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16.11.2011 21:26
avatar  Jatman1
#19
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Malwida von Meysenbug "Stimmungsbilder"
Eine sehr gute Freundin Herzens gibt in kurzen Texten progressive Stimmungsbilder ihrer Zeit zu verschiedensten Themen ab. 1900 erschienen. Nix Schwerwiegendes. Aber scheinbar unterhaltsam.


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16.11.2011 22:26 (zuletzt bearbeitet: 17.11.2011 02:10)
avatar  Taxine
#20
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Admin

Auf welche Lektüre du immer so stößt... (ob sie dir gefällt?) Malwida von Meysenburg war übrigens auch die Freundin und Gönnerin von Nietzsche oder mit Wagner befreundet. Ich habe ihre "Memoiren einer Idealistin".


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17.11.2011 17:55
avatar  Jatman1
#21
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Bisher gefällt es mir ganz gut. Habe natürlich hinten angefangen; ist über Herzen ;-) Nein, es folgt noch Nitzsche.
"Memoiren einer Idealistin" erwänt sie wiederholt.
Auf welche Lektüre du immer so stößt... > Was Du aber auch immer so kennst . .


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19.11.2011 15:10
avatar  Taxine
#22
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Admin

So, Nabokov ist bald in all seinen Büchern geschafft. Nun folgt "Ada oder das Verlangen".


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19.11.2011 15:30 (zuletzt bearbeitet: 19.11.2011 15:31)
#23
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Zitat von Taxine
Nun folgt "Ada oder das Verlangen".



Der Roman ist, so lese ich immer wieder von Leuten, die den Roman gelesen haben oder abgebrochen haben, äußerst schwierig, bin mir aber sicher, dass du das bewältigst. Vor allem, bin ich neugierig, was du dann zu diesem Roman zu sagen hast.

Und ich bin am überlegen, ob ich Umberto Ecos Roman "Der Friedhof im Park" in die Verrisse einsortieren soll oder nicht. Mir fällt ein Verriss eben sehr schwer, auch wenn er leider verdient ist, weil "Der Name der Rose" zum Besten gehört. Fürchterlich, nicht wahr? "200 Seiten lese ich noch darin.



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19.11.2011 15:38 (zuletzt bearbeitet: 19.11.2011 15:43)
avatar  Taxine
#24
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Admin

Ja, Nabokov erwähnt in seinen Vorwörtern immer wieder, dass dieser oder jener Roman "noch nicht so ausgereift" wie sein "Ada oder das Verlangen" ist. Bin gespannt.

Ecos Werk wurde allgemein sehr unterschiedlich aufgenommen, so dass sich Lob und Verriss die Waage halten.
Bücher, aus denen nur der Gelehrte spricht, wenn sie doch Roman sein sollen, um so seine Gelehrtheit zu demonstrieren, sind irgendwie immer etwas fragwürdig. (Auch gefällt mir die Geschichte an sich nicht. Jüdische Weltverschwörung und ein Antisemit, der der Protagonist ist... Meine Güte.)


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19.11.2011 15:48 (zuletzt bearbeitet: 19.11.2011 15:50)
#25
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Zitat von Taxine
(Auch gefällt mir die Geschichte an sich nicht. Jüdische Weltverschwörung und ein Antisemit, der der Protagonist ist... Meine Güte.)



Ja, sicher, dieser Simonini ist ein Graus. Er ist die Personifikation des Antisemitismus im neunzehnten Jahrhundert. Das Böse an sich. Die Fälschung dieser jüdischen Weltverschwörung hat es wirklich gegeben. Das Fatale ist, dass viele daran geglaubt haben. Darüber schreibe ich noch (Menschen glauben manchmal jeden Mist).



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19.11.2011 16:51
avatar  Krümel
#26
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Zitat von Martinus
Ja, sicher, dieser Simonini ist ein Graus. Er ist die Personifikation des Antisemitismus im neunzehnten Jahrhundert. Das Böse an sich. Die Fälschung dieser jüdischen Weltverschwörung hat es wirklich gegeben. Das Fatale ist, dass viele daran geglaubt haben. Darüber schreibe ich noch (Menschen glauben manchmal jeden Mist).



Ich habe mich oft gefragt, wie es dazu kommen konnte, dass es diesen allgemeinen Judenhass gegeben hat. Das offenbart nun dieser Roman, und anhand dessen ist es schon interessant, allerdings schwer verdaubar, wenn man ständig und immer diese Hetzreden lesen muss, das ermüdet.


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19.11.2011 17:52
#27
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Hallo Krümel,

Antisemitismus gab es schon in der Antike. Warum, ist mir auch rätselhaft. Auch Martin Luther hat gehetzt (siehe den Eco). Im 19. Jahrhundert, also zur Zeit des Eco-Romans, war der Antisemitismus schon sehr unangenehm aufgeflackert. U.a. hat der Historiker Fritz Stern darüber geschrieben ("Gold und Eisen"). Auch in Gustav Freytags Roman "Soll und Haben" soll es antisemitische Tendenzen geben. Kein schönes Thema, aber Historie.

Liebe Grüße
mArtinus



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19.11.2011 18:57
#28
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Zitat von Martinus


Antisemitismus gab es schon in der Antike. Warum, ist mir auch rätselhaft.



Hallo Martinus,
das kann ich dir sagen: Weil die Juden im Unterschied zu den sie umgebenden polytheistischen Gesellschaften beanspruchten, an den einzig wahren Gott zu glauben. Eine polytheistische Kultur hat nicht nur selbst viele Götter, sondern respektiert auch die Götter anderer Kulturen als Realität (deshalb der berühmte Altar für die "unbekannten Götter" in Athen). Die Juden haben die Götter der anderen Kulturen nicht respektiert, sondern als Götzen bezeichnet, und damit machten sie sich allgemein unbeliebt.

19.11.2011 20:50
#29
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Danke Roquairol. Die Sachlage bei den Christen ist ja ähnlich. Weil sich Christen von der römischen Gesellschaft abgespalten haben, den Cäsarenkult nicht annehmen wollten, sagte Tacitus über diese Sekte, sie hätten einen Odium humani generis. Die Römer spinnten zwar, meinte Asterix, aber in Sachen religiöser Toleranz zeigten sie Größe.



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20.11.2011 11:12
avatar  Krümel
#30
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Danke ihr Zwei, das war sehr hilfreich.


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