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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#1

Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:50
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Musik löst in mir keine Farben aus, sondern pure Emotion.
Manchmal fürchte ich mich davor und lasse sie Tage lang nicht an mich heran. Dann aber packt es mich wieder.

Diese Leidenschaft, die sich automatisch in das Herz legt. Ja, ich verstehe den dionysischen Rausch, ich verstehe ihn so sehr, wenn ich bestimmten Klängen lausche.
Wagner würde mir nie etwas geben, er ist hart und "modern", aus ihm heraus ist das Dionysische eines Nietzsche geboren, aber eine Maria Callas weckt in mir unglaubliche Wellen an Emotionen. Die Arie ist nicht meine Erfüllung, aber diese Frau packt mich in ihrer Art, in ihren Möglichkeiten, in ihrer eigenen Leidenschaft zum Gesang. Man spürt diese völlige Hingabe.
Das weiche Gesicht geformt bei all diesen Klängen ... ach, wie könnte man sich nicht auflösen in dieser Einzigartigkeit an Empfindung, ähnlich, als wenn man sich in das Gemälde eines beliebten Malers versenkt.

Und Jazz ist mir immer Erfüllung. Dem Melodischen so verfallen, wenn ein Mensch das Saxophon an seine Lippen hält, verharre ich, lausche ich, bin ganz ich selbst. Wenn jemand über die Tasten streicht, in seine Seiten brummt, in die Percussion verfällt.
Keith Jarreth in seinem Gestöhn und Spiel, Brad Mehldau in seiner Traurigkeit, Miles Davis in seiner Arroganz, Bill Evans in seiner Fröhlichkeit, Jan Garbarek in seiner Intensivität an Klangemälde. Wie viele könnte ich nennen, wie viele würde ich vergessen.
Alle, so ein Rausch der Sinne.

Aber auch eine Janis Joplin, ein Jimie Hendrix, ein Jim Morrison packen mich, weil sie ihre Idee lebten und gleichzeitig nicht wussten, was ihre Idee ist. Eine ewige Suche, und auf diesem Weg nahmen sie so viele Menschen mit, prägten ihre Zeit...

Ich laufe durch die Strassen und lausche den Strassenmusikanten. Sie dudeln und wischen halbherzig über ihre Instrumente. Doch dazwischen zischt auf einmal das Blut eines Piazollas. Man möchte in den Strassen tanzen, und mit dem Lächeln der Musiker läuft man weiter.
Musik ist unglaublich in ihrer Wirkung auf den Menschen. Nie verstehen werde ich die, die dem oberflächlichen Klanggebilde frönen. Nur Tiefe kann mich packen, das, was wehtut und gleichzeitig diese unerträglich wundervollen Besinnungen auslöst. Alles wird auf einmal klar. Nichts ist zu erkennen, nur zu fühlen, der Verstand wird völlig ausgeschaltet. Ich gehe in diesen Klängen auf, als wären sie Atmung.




Surreale Vorstellungen
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#2

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:50
von Moulin
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Musik ist ein ständiger Wegbegleiter, eine Hilfe, meine Gefühle zu verstärken, meine Stimmung zu verbessern oder zu verschlechtern, auch, mich an Vergangenes zu erinnern, denn kaum etwas schafft mich so in den Bann zu ziehen wie Musik, was sicher damit zu tun hat, dass ich mich uneingeschränkt auf sie einlasse.
Erstaunt bin ich immer wieder, wenn mich Menschen danach fragen, welche Musikrichtrung ich denn hören würde und ich darauf keine beschränkende Antwort geben kann, da ich mich von Klassik bis Punk - Rock in allen Richtungen finden kann.
Als mir vor vielen Jahren ein befreundeter Gitarrist im Proberaum ein paar Blätter mit dem Basslauf zu Hendricks 'Foxy Lady' in die Hand drückte und meinte, er habe Schwielen auf der Zunge und wolle diese nun endlich mal zum Einsatz bringen, staunte ich nicht schlecht, da wir zum Proben eine ganz andere Richtung geplant hatten. Aber so wurde dann 'Foxy Lady' unser Stück zum 'warm werden' und das konnte gelegentlich zwei Stunden dauern.
In der Musik ist es nicht das Mechanische, das etwas in uns auslöst, sondern ein äußerer, emotionaler Schlüssel, der in unser inneres Schloss passt und die Tür zu unserem Sein zu öffnen vermag.
Aus der Bescheidenheit und der inneren Ruhe heraus lässt sich Musik am Besten genießen. So kann es gelingen, mit ihr eine Übereinkunft zu finden, die wir sonst von zwei sich bedingungslos liebenden,
verschmelzenden Körpern kennen.

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#3

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:51
von Jo
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Hallo miteinander.

Was hörst du denn für Musik?

Ja, die Frage wundert mich auch immer. Ich könnte mich nicht festlegen, früher konnte ich es. Da gab es nur bestimmte Richtungen, die ich gerne gehört habe. Nirwana.
Mittlerweile langweilt mich besonders die sogenannte Hitparade. Entweder, sie war damals genauso schlecht und ich nur zu jung, um das zu erkennen, oder aber es ist die ständige Wiederholung.
Meine Cds haben viele Richtungen, manchmal hilft Musik auch, Anspannungen zu lösen, in dem man einfach aufspringt und sich dazu bewegt, manchmal lauscht man auch gerne auf die Texte. Ich fühle mich oft von bestimmten Texten angesprochen. Rhythmus und Text, die Melodie darf auch mal eine Nebenrolle spielen.

Es grüßt
jo

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#4

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:51
von Kyra
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Ich mag Musik, auf die man tanzen kann. Südamerikanische Rhythmen, Samba, R & B.
Jazz mag ich nur live, dann ist die Stimmung anders.

Hitparaden sind doch immer nur kommerziell, oder? Genauso wie die Radiosendungen, die von morgens bis abends die gleichen Songs spielen. Ziemlich nervig.

LG
Kyra

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#5

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:51
von Taxine
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Musik, bei der die Melodie eine Nebenrolle spielt... hm.
Ich kann mich nur Klängen, Melodien, der ganzen Dramatik musikalischer Besinnung ergeben.
Aber, ich meinte auch eher den abendlichen Hörgenuss im eigenen Wohnzimmer.

Hinaus, in die Welt, der Tanz in den Nächten. Na, da muss Rhythmus herrschen.

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#6

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:51
von Moulin
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Hey Jo,
(das klingt schon wie Musik, ne?)

der Musikgeschmack verändert sich bei den meisten Menschen im Laufe des Lebens, obwohl ich denke, dass sich das nur auf Äußerlichkeiten bezieht, wie katalogisierbare Stilrichtungen.
Ich denke, grundlegende Parameter wie z.B. Harmonie o.ä. sind aber für den eigenen Geschmack bestimmend.
So kann einem 'Waterloo' von ABBA genauso gefallen wie 'Don´t call me white' von NOFX, wenn beide grundverschiedene Stücke die innere Vorstellung der eigenen Harmonie ansprechen.

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#7

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:52
von Jo
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Ja, aber ich schaff's noch nicht, mit den Zähnen zu spielen.

Der Geschmack ändert sich, das stimmt.

Bei mir geht es in der Musik nicht unbedingt um Harmonien, sondern um Rhythmen. Wenn mit verschiedenen Beats und Umschwüngen gearbeitet wird, die mich überraschen, die eigentlich nicht hintereinander zusammengehören und doch durch den richtigen Einsatz in Genauigkeit nahtlos ineinander übergehen, bin ich immer Feuer und Flamme.
Und ein guter Text spricht mir dann aus der Seele.
Darum sind die Melodien auch zweitrangig, sie sind nur Beiwerk.

Es grüßt
jo

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#8

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:52
von Martinus
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Hallo,

Die Melodie spielt eine große Rolle. Es ist sehr schwer Melodien zu erfinden, die um die ganze Welt gehen. Ravel ist das mit seinem Bolero gelungen oder wer kennt nicht Melodien von Cole Porter oder Elton John.

In der E-Musik ist natürlich nicht allein Melodie ausschlaggebend, sondern die ganze Harmonie eines Orchesters oder eines Klaviers.

Musik geht voll auf's Gefühl, da kann ich mal berauscht sein, hinhören, genießen. Im Jazz reißen mich unendliche Improvisationevielfalt und jazzige Harmonien hin, ein Geistliches Chorwerk kann mich zu Tränen rühren.

Insbesondere zielt die Rockmusic auf Melodie und Rhythmus hin. Ich mag dort einiges, sicher, aber wirklich Tiefe, mehr Glück, mehr Leben schenken mir Mozart, Beethoven, Chopin, Brahms, Strawinski, Richard Strauss, Puccini u.a.

Wenn ich eine Opernarie von Strauss oder Puccini höre, könnte ich ausrasten. Da pulsieren Atome unter der Haut, es sprudelt durch die Synapsen. Die menschliche Stimme ist himmlisch schön.
Sogar Richard Wagner schafft das manchmal

Ich bin halt so ein Musikliebhaber....

Liebe Grüße
Martinus

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#9

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:53
von Taxine
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Mir ergeht es da ähnlich. Rockmusik, all das, was uns durch das Radio andudelt, ist ein bisschen Hintergrund-Geschmetter, nichts, was ins Innere dringt.
Den wahrhaft dionysischen Rausch, der stellt sich bei mir nur in klassischen Stücken ein, manchmal im melodischen Jazz, wenn die Laune dafür vorhanden ist.
Ich meine dieses völlige Versinken, sich Mitreißen lassen, in all diese Klänge, die ein Empfinden von Unendlichkeit, Fall, Treiben, Schweben auslösen, die zu Tränen rühren, pure Euphorie auslösen, sich wie ein schwerer Druck auf die Brust legen.

Und gerade die Arie. Lässt man sich hier völlig fallen, ohne Ablenkungen, tut also nichts anderes, als lauschen, dann erlebt man einen unglaublichen Rausch der Emotionen.

Jazz und Blues, die rhythmischen Bewegungen, die mich auch ab und zu faszinieren, sind Raumklänge. Man kann sie laufen lassen und daneben lesen, malen, schreiben.
Bestimmte klassische Sachen aber fordern den ganzen Geist. Man kann nicht hören und dabei lesen.
Manchmal bin ich wahrhaft überwältigt.

Liebe Grüße
Taxine

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#10

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:53
von Moulin
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All diese Musikstile sind Individuen unterschiedlicher Art. Was sie gemeinsam haben, ist dieses Intensive Erleben der jeweiligen Emotion, die sie tragen.

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#11

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:53
von Martinus
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ja, die Musikstile sind sehr verschieden und individuell. So ist es doch bemerkenswert, dass ich in meiner Jugend sehr viel Beethoven gehört habe, Mozart kam sehr viel später. Ich glaub, da muss man in die Jahre kommen, um diesem Klanggenie näher zu kommen. Vielleicht liegt das aber auch nur an mir.

Und heute abend im 3Sat, ich kann es nicht lassen, höre und sehe ich Richard Wagners "Tannhäuser". Dazu habe ich mir ein Büchlein von Kurt Pahlen besorgt. Kurt Pahlen hat in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als ich noch Musiknoten verkauft habe, Opernführer geschrieben, die in der Reihe Goldmann/Schott erschienen sind. Ich gebe gerne zu, das ist jetzt sehr speziell, wollt auch nur sagen, ich habe zur heutigen Wagneraufführung Text und Erläuterungen zum Werk. Richard Wagner hat ja in seinem Schaffen ein wenig Philosophie darin und beschäftigte sich auch mit Schopenhauer.

Musik ist immer eine Geschmacksfrage, gell? und wer hält nun drei Stunden im Opernsessel aus?
Ich bin sehr gespannt auf das Wagnergebläsel, die Ouvertüre kennt ihr doch bestimmt auch, läuft öfters im Radio. Sehr schön für das Gemüt.

Liebe Grüße
Martinus

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#12

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:54
von Moulin
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Hallo Martinus.

Im Gegensatz zu Dir bin ich erst spät zur klassischen Musik gekommen. Das lag mitunter am Umfeld meiner Freunde, die , wie Kinder und Jugendliche häufig so sind, die ankonditionierten Ängste ihrer Eltern weiter tragen und Musikrichtungen, die dem allgemeinen Mainstream nicht entsprechen, ablehnen oder sogar zu verteufeln.

Wenn ich mich zurückerinnere gab es in den beginnenden 80 -ger Jahren so einen Klassik - Mix, in dem die bekannten Klassikstücke angespielt und durch Takt und Klatschen miteinander verbunden waren. Ich glaube das hieß " Hooked on Classics" oder so.
Das wurde wiederum von eingefleischten Klassik - Fans empört abgelehnt, hat aber eine Menge Jugendliche dazu gebracht, sich der klassischen Musik zu öffnen.

So kann es manchmal gehen.

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#13

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:54
von Taxine
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Hallo Martinus,

du hast mal Noten verkauft?
Ich habe auch zuerst Beethoven im Hörgenuss "verschlungen", weil mir in meiner Jugend immer die Moll-Töne eher das Herz rührten. Mozart entdeckte ich, als sich mein Wesen ein bisschen wandelte, sich gefunden hatte. Da genoß ich dann die fröhlichen Klänge. Das "Requiem" natürlich ist grausam, tragisch, zieht ganz schön hinab in düstere Tiefen.

Hallo Moulin,

durch den Geigenunterricht habe ich viele klassische Stücke gespielt, aber, wenn ich Musik gehört habe, dann habe ich auch anderen Klängen gefrönt. Nur, wenn ich Hausaufgaben machen musste (erstaunlicher Weise), dann schaltete ich einen klassischen Sender an, auch wenn ich traurig war. Diese Melodien haben mein Inneres irgendwie immer beruhigt.

Mittlerweile wühlen sie auf oder lassen in "andere Welten" treiben.
Irgendwo muss man sich auf diese Art der Musik eben völlig einlassen.

Liebe Grüße
Taxine

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#14

RE: Musica

in Gedanken vom Tag 16.08.2007 17:54
von Martinus
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Hallo Taxine,

In Göttingen und Regensburg habe ich Noten verkauft. Meist Klassik, bzw. E-Musik, aber auch Rockmusic. Naja, die jungen Leute wollen mitsingen...
Manche Geschmäcker ändern sich mit den Jahren. Das gilt auch für die Musik. Manches bleibt aber immer, z.B. Chopin, Brahms, Benny Goodmann.

Hallo Moulin,

habe in den siebzigerm "New Look für KLassiker" im NDR gehört. Verjazzter Bach, Jazzchopin und die "Swingle Singers". Meine Musiklehrerin habe ich lieber nichts davon erzählt. In der Schule haben 'se gedacht, ich hör' nur so was ernsteres. Dabei habe ich als Jungteenie mit einem Minitransistorgerät unter der Bettdecke das "Schlagerderby" vom Deutschlandfunk gehört und tagsüber meine Cassettenaufnahmen mit Arthur Rubinstein usw.

Mit so einem Miniradiogerät hörte ich auch erstmals Stravinsky (Concerto in ré). Das musste ich jetzt loswerden.

Liebe Grüße
Martinus

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#15

Blues

in Gedanken vom Tag 08.01.2008 19:39
von Moulin • 395 Beiträge
Der Abend dämmert. Menschen schrubbern mit vermackten Stühlen teilnahmslos über
vertrocknete Holzdielen. Bier schwappt aus Bechern und verbindet sich mit dem
Staub vergangener Tage zu einer schleimigen Masse.
Ein alter Mann, ein noch älterer Bass, ein von Motten zerfressenes Sakko, ein
zerschundener Barhocker, eine brummende, flimmernde Leuchtstoffröhre, eine abgeschrabbte,
fleckige Tapete, ein bröselnder Holzfußboden auf dessen gelöster Fußleiste eine
Küchenschabe, im Schatten des Musikers, im Takt des Louisiana - Blues das Weite
sucht.
Ein Rülpser. Ein versoffenes Gesicht.

Ich träume von einem Auftritt...
zuletzt bearbeitet 09.01.2008 08:54 | nach oben springen


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