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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#16

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 17:53
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Diese Männer habe ich zum Glück schon getroffen, sind alle Teil meines Freundeskreises.

Nein, vielmehr ist ein Mensch, der viel liest und dich, als Millerleser, seltsam ansieht, nicht fähig, Miller in seiner Aussage zu begreifen. Als ob es da ausschließlich nur ums "Ficken" geht. Hier kannst du dann lächeln und dein Gegenüber zu deuten versuchen.




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#17

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 17:57
von Martinus • 3.194 Beiträge
da fällt mir ein, als der Film "Lolita" mit Jeremy Irons in die Kinos kam, wurde in Regensburg geblökt, man solle den Film boykottieren. Ich bin natürlich trotzdem 'reingegangen. Meine Mutter hat mich damals, als ich den Roman zum ersten Mal gelesen habe, verstohlen angeschaut. Naja, die ham's alle nicht gelesen. Also, könnte man aufgrund von Fehlinformation in die falsche Ecke bugsiert werden.



„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 04.11.2007 17:58 | nach oben springen

#18

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 17:59
von Moulin • 395 Beiträge

Die Tatsache, dass das Wort "Ficken", von einer Person geistig höher stehenden Niveaus ausgesprochen, durchaus nicht mehr primitiv, sonder eher elitär klingt, gibt mir zu denken.

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#19

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 18:00
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Das sollte es auch, denn es gerät doch immer nur aus dem Ohr des Betrachters ins Elitäre... Ich meinte es in genau dieser Banalität!




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zuletzt bearbeitet 04.11.2007 18:01 | nach oben springen

#20

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 18:10
von Moulin • 395 Beiträge

Haha.


Um beim Thema zu bleiben. Man sollte auch niemanden nach nur einem Buch bewerten. Wie Martinus hier irgendwo schon schrieb, es spricht nichts dagegen, sich auch mal einen Tatort zu gönnen. Das macht den Menschen sicher nicht schlechter.


Als ich letztens in der Bücherei war, sind mir diese bunt illustrierten Romane auch aufgefallen. Das ist sicher auf ähnlichem Niveau wie die sogenannten Bollywoodfilme. Das als Literatur für Frauen abzutun finde ich ebenfalls abwertend. Als Mann kennt man das auch, wenn man im Katalog die propagierte neue Wintermode sucht und dann nur Arbeitskleidung vorfindet.




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#21

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 18:14
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Nein, darum war die Frage auch nur in der Theorie gestellt.
Den Menschen beurteilt man sicher nach vielen Aspekten.
Sicher gibt es auch die wenigen Genies, die nie ein Buch in der Hand hatten und doch philosophieren, indem sie einfach ihre Sicht der Dinge gut ins Wort fassen können.



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zuletzt bearbeitet 04.11.2007 18:14 | nach oben springen

#22

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 18:21
von Moulin • 395 Beiträge

In Antwort auf:
Zitat Taxine
Ist man geneigt, den Charakter eines fremden Menschen über seinen Lesegeschmack zu beurteilen?
Und wenn man das tut, unterliegt man dann einer Täuschung oder gewinnt man durch das Benennen der Bücher einen Hinweis, wie dieser Mensch denkt oder ist?


Ich glaube, nach anfänglichen Zweifeln, dass es so ist und komme zu dem Schluss, dass ich unter Berücksichtigung meiner Gedanken, die sich nun darüber gebildet haben damit nicht ganz falsch liegen würde.

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#23

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 18:28
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Da fällt mir noch etwas zum Thema Passendes ein. (Und wo ich ihn gerade höre...)
Leonard Cohen macht in meinen Augen wunderbare Musik, sein Buch "Schöne Verlierer" war ein Werk, das sich ausschließlich aus Obszönitäten und sogar darüber hinaus Gedachtes zusammensetzte.
Was hat er nun für ein Bild bei mir hinterlassen, wenn er mich in der Musik völlig einnehmen kann, in der Literatur aber tatsächlich zum Räuspern bringt? Wie ich gerade erkenne, kein anderes, als zuvor, als ich seine Literatur noch nicht kannte.



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zuletzt bearbeitet 04.11.2007 18:31 | nach oben springen

#24

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 18:36
von Moulin • 395 Beiträge

Letztendlich ist vieles Beeinflussung.
Musik ist dabei der schnellste Weg, Menschen zu erreichen.

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#25

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 18:37
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Musik und Geist und ... ein Lächeln!




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#26

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 18:59
von larifant • 270 Beiträge

In Antwort auf:
Als ich letztens in der Bücherei war, sind mir diese bunt illustrierten Romane auch aufgefallen.


Und ein Buch nicht nach der Aufmachung bewerten. Und erst recht nicht nach dem Klappentext.

Zum Beispiel stehen hier einige Romane im Regal:

1) Fantasy
2) Taschenbücher
3) aus dem berüchtigten Bastei-Verlag
4) mit unglaublich kitschigen Covern

Also allerunterste Schublade.
Das wird aber relativiert, wenn man weiß, dass

a) sie zwischen 1910-1930 verfasst wurden (Klassikerfreunde denken oft, was alt ist, sei auch gut.)
b) und zwar von James Branch Cabell.

Die meisten, die diese Bände wegen 1)-4) gekauft haben, dürften auf ähnliche Weise enttäuscht worden sein wie viele "Lolita"-Käufer.

Gruß,
L.






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#27

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 19:50
von Jo • 65 Beiträge
In Antwort auf:
Ist man geneigt, den Charakter eines fremden Menschen über seinen Lesegeschmack zu beurteilen?


Ich selbst komm irgendwie selten zu einer Diskussion über die Literatur. Meistens beschränkt sich eine Unterhaltung nur auf die persönlichen Erlebnisse eines Menschen oder seine beruflichen Interessen.
Oder wenn ich es anders sagen müsste: Die Leute reden lieber über intime Probleme als über die Bücher, die sie lesen.
Über den Geschmack der Bücher entdeckt man bestimmt Gemeinsamkeiten, aber zu einer verlässlichen Einschätzung des Menschen reicht es nicht.

Es grüßt
Jo
zuletzt bearbeitet 04.11.2007 19:53 | nach oben springen

#28

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 04.11.2007 20:17
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Lieber Jo - verlässlich ist wahrscheinlich sowieso nicht viel.

Zitat von larifant
Klassikerfreunde denken oft, was alt ist, sei auch gut.


Diesen Eindruck gewinne ich auch bei so manchen alten Filmen, bei denen mir der Verdacht kommt, dass sie als gut bezeichnet werden, weil sie einen gewissen unangreifbaren Status erreicht haben.

Der bunte Einband ist ein Klischee, das stimmt schon. Aber, erwähnt man es auf diese Weise, weiß fast jeder, was gemeint ist. Groschenromane wäre eine andere Bezeichnung.

Ein mir liebes Buch von den Strugazkis "Die gierigen Dinge des Jahrhunderts" ist in absurder Illustration gestaltet, und (woanders erwähnte ich es schon) Romane von Banville haben mich zuvor immer durch den an Historische Romane erinnernden Einband abgeschreckt, wogegen der Inhalt mir bis jetzt immer zugesagt hat.
Da sollte man sich wirklich nicht täuschen lassen.
So gesehen darf man der "Industrie" ruhig ein Lob aussprechen. Die meisten neuen Einbände sind geschmackvoll gestaltet - das heißt: dezent!




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#29

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 27.04.2012 14:50
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Ich kann jetzt mit Sicherheit von mir behaupten, dass ich ein eingefleischter Bibliomane bin. Bei Jacques Bonnet "Meine vielseitigen Geliebten" heißt es, man sei einer, sobald man... "beispielsweise alle Bücher eines Schriftstellers las, dann alle Bücher über ihn, schließlich alle eines anderen Autors*, dann alles, was es zu einem bestimmten Thema gab oder zu einer Epoche, einem Land und so weiter. Wenn dann dazu noch der Wunsch kommt, die gelesenen Bücher, eins ums andere, behalten zu wollen und die bestehende Bibliothek um solche Titel zu erweitern, die zu bereits vorhandenen irgendwie in Beziehung stehen, so dass sich einzelne Interessengebiete wie von selbst herauskristallisieren - dann haben wir den bibliomanen Leser vor uns."

Nach exakt diesen Kriterien besorge ich mir meine Bücher.

Auch gehöre ich zu den bibliomanen Lesern, nicht Sammlern. Bücher zu sammeln, weil sie einen gewissen Wert besitzen, ist nicht mein Ding, mich interessiert lediglich der Inhalt. Oder wie Diogenes sagt: "Bücher zu besitzen, ohne sie zu lesen, ist, als säße man vor einem gemalten Fruchtkorb."

Und ich glaube diese Situation kennt wirklich jeder von uns:

Zitat von Bonnet
"Berauscht stellten Pontiggia und ich Vergleiche an zwischen den Reaktionen unbekannter Besucher auf den überraschenden Anblick, der sich ihnen darbot, wenn sie unsere Wohnungen betraten. Denn auf die diversen "Ohs" und "Ahs" folgten unweigerlich die nämlichen Kommentare: "Wie viele Bücher haben Sie denn?" Oder: "Haben Sie das wirklich alles gelesen?" Und: "Wie finden Sie die nur alle?" Uns hingegen verwunderte es, beim Betreten einer fremden Wohnung mit der totalen Abwesenheit von Büchern konfrontiert zu werden oder auf die von Schwindsucht befallene Bibliotheks-Magerausgabe eines angeblich Bibliophilen zu stoßen. Oder auf perfekt in Reih und Glied stehende Bücher, die vielleicht auch noch hinter Glas standen und so mehr als deutliche erkennen ließen, dass ihre Präsenz nichts weiter war als Staffage."



Und dann gibt es noch die Bibliomanen, die sich ganze Wohnungen für ihre Bücher zulegen... 100 000 Bücher verteilt über zehn Wohnungen... Das ist Sucht.


--------
(* Hier gilt für mich der Zusatz: alle Bücher eines anderen Autors, der schon einmal über den mir wichtigen Schriftsteller geschrieben hat.)




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zuletzt bearbeitet 27.04.2012 14:57 | nach oben springen

#30

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 27.04.2012 15:00
von Martinus • 3.194 Beiträge

Zitat von Taxine
Ich kann jetzt mit Sicherheit von mir behaupten, dass ich ein eingefleischter Bibliomane bin.


Das wissen wir doch.

Wohnungen, die von Bücherleerheit gähnen, habe ich viele gesehen. Mir ist auch aufgefallen, ich besuche manchmal literarische Lesungen. Vielen Leuten gefällt auch auch, was vorgelesen wird, trotzdem ist der Bücherverkauf an solchen Abenden spärlich. Solch eine Lesung wird als Unterhaltung verstanden, aber ein Buch dann zu kaufen, das scheint dann was ganz anderes zu sein.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 27.04.2012 15:01 | nach oben springen


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