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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#31

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 27.04.2012 15:03
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Zitat von Martinus

Das wissen wir doch.



Und ich dachte, ich wäre ein einfacher Leser. Dabei bin ich Bibliomane. Und dazu auch noch ein eingefleischter...
Das war ein echter Schock für mich...




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#32

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 27.04.2012 15:11
von Martinus • 3.194 Beiträge

Mania ist erschreckend, ja. Ich denke, ich bin noch Normalleser, weil es wirklich fast nicht vorkommt, dass ich alles von einem Schriftsteller gelesen habe. Von Thomas Mann habe ich "Königliche Hoheit" auch noch nicht gelesen. Alle anderen Romane schon. Von Leo Perutz habe ich alle Romane gelesen, und dann hört es schon auf. Warscheinlich fehlt mir diese Verbissenheit, unbedingt alles lesen zu müssen oder zu wollen. Ich tingele mehr zwischen Büchern herum.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 27.04.2012 15:12 | nach oben springen

#33

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 27.04.2012 17:34
von Krümel • 499 Beiträge

Zitat von Martinus
Ich tingele mehr zwischen Büchern herum.



Das trifft es bei mir auch, bei mir ist das so unkomplettes von allem mal Lesen, mit dem Bewusstsein, dass man eh nicht alles Wissen wird. Th. Mann, Hesse und Márai, von denen habe ich wohl am meisten gelesen, ich besitze auch nicht die Ausdauer alles von einem Autor zu lesen. Ausdauer bringe ich irgendwie nur bei Handarbeiten zutage

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#34

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 27.04.2012 19:36
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Auch ein Phänomen Bibliomaner:

„Ich verschenke jedes Jahr mindestens fünfzig Bücher an meine Studenten und schaffe es trotzdem nicht, ein neues Bücherregal oder die nächste Doppelreihe zu vermeiden; schweigsam und unschuldig breiten sich die Bücher im ganzen Haus aus und es gelingt mir nicht, sie aufzuhalten.“

(Aus Carlos Maria Dominguez „Das Papierhaus“)




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#35

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 29.04.2012 14:30
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Ich bin kein Bibliomane, denn es gibt so viele Autoren, von denen ich am liebsten alles lesen möchte, dass dies rein quantitativ nie zu schaffen sein wird ... (Zugegeben: Mit dem Homer bin ich durch.)

Der Satz "Hast du die Bücher alle gelesen?!" begleitet mich allerdings auch schon seit Jahrzehnten. Verstehe ich gar nicht. Neulich war ich bei Nachbarn eingeladen in ihre klinisch reine, komplett regallose Wohnung, und da war ich dann sehr versucht, die Frage zu stellen: Wie schafft ihr es, diese ganzen Nicht-Bücher nicht zu lesen?!




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
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#36

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 08.05.2012 20:37
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von Martinus
Warscheinlich fehlt mir diese Verbissenheit, unbedingt alles lesen zu müssen oder zu wollen.


Warum auch?

Welchen Wert hat denn "Vollständigkeit"?
Kann allenfalls zur Prahlerei verwendet werden.

Das Leben ist zu kurz, um Bücher der "Vollständigkeit" halber zu lesen.
Auch wenn man jung ist.

Gruß,
L.


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#37

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 09.05.2012 00:12
von Martinus • 3.194 Beiträge

Ich möchte diese Vollständigkeit auch keineswegs anstreben. Es gibt so viel anderes noch im Leben, was wichtig(er) ist.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#38

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 09.05.2012 16:40
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Zitat von larifant


Welchen Wert hat denn "Vollständigkeit"?
Kann allenfalls zur Prahlerei verwendet werden.




Aus dem Geheimleben der Bibliomanen kann ich gestehen, dass die eingefleischten derartige Eitelkeit überwunden haben, beziehungsweise nie daran interessiert waren. Sie lesen schlicht aus Genuss an der Literatur, lesen ein Buch, weil es ihnen gefallen, sie begeistert, möglichweise etwas „geöffnet“ hat. Dann möchte der eingefleischte Bibliomane ganz einfach mehr des von ihm geschätzten Schriftstellers lesen. Wenn das nächste Buch ebenfalls begeistern kann, folgt ein weiteres, vielleicht eine Biografie oder eine kritische Auseinandersetzung mit dem Werk. Hat das zweite oder dritte Werk weniger gefallen, verflüchtigt sich das Interesse wieder. Selbst bei einem Bibliomanen. Er sammelt keine Bücher, die ihm nicht gefallen. Von Vollständigkeit kann demnach also nicht die Rede sein.
Bei wirklicher Begeisterung für ein Buch, so nehme ich an, möchte jeder sicherlich eine ähnliche Erfahrung machen. Hat ein Roman bzw. Werk begeistert, möchte man mehr von dem Schriftsteller erfahren. Ich kenne wohl in dieser Hinsicht kaum jemanden, der das Buch, das ihn tief bewegt hat, zur Seite legt und keinerlei Interesse hat, was der Autor noch so geschrieben hat. Mit Verbissenheit, Vollständigkeit oder gar Prahlerei hat das wenig zu tun. (Ich frage mich überhaupt, wo es derartige Leute gibt, die mit den Kenntnissen ihrer literarischen Erfahrungen prahlen. Wozu? Was ist so toll daran, dass man Bücher gelesen hat? Dass man Romane schätzt? Klassische bis moderne Fantasie und Literatur? Das sind ja nun keine Sachkenntnisse oder ein Wissen, mit dem sich prahlen ließe und wenn, wäre so ein Mensch in meinen Augen sehr bedenklich. Aber überhaupt: wer sollte auf derartige Erfahrungen neidisch sein? Sind sie nicht vielmehr ein individueller Genuss? Was ist denn daran nun so wichtig, hervorzukehren, dass man die Werke eines Schriftstellers kennt, den man schätzt? Und wen beeindruckt denn nun, im Zeitalter der Medien und flimmernden Bilder, ein Mensch, der Bücher liest? Jene Bibliomanie, von der ich sprach, ist die ausgeprägte Liebe zu Büchern, mit etwas mehr Verlangen nach weiteren Leseerfahrungen, die bis zur Sucht gereichen (können - das gebe ich zu), allerdings ohne Verbissenheit, aus dem reinen Vergnügen und etwas (bis etwas mehr) Gier nach mehr Lesestoff.
Dass es mehr im Leben gibt, als das Lesen, scheint mir im Zusammenhang doch eher unwichtig, denn einmal ist das natürlich Ansichtssache, zum anderen lebt man ja nicht in der Literatur, sondern nur mit oder ohne sie.


(P.S. Neben den beiden bereits von mir genannten Werken werde ich auch noch in die "Geschichte des Lesens" von Alberto Manguel hineinschauen. )




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zuletzt bearbeitet 09.05.2012 17:47 | nach oben springen

#39

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 09.05.2012 17:22
von Krümel • 499 Beiträge

Zitat von Taxine
(Ich frage mich überhaupt, wo es derartige Leute gibt, die mit den Kenntnissen ihrer literarischen Erfahrungen prahlen. Wozu?



Wozu weiß ich nicht, aber das es sie "gibt" (habe ich erfahren müssen), wobei ich mir aber nie sicher bin/war, ob sie wirklich alles gelesen haben/hatten, denn man kann ja heutzutag alles im Netz finden und klugscheißerische Antworten gaben.

Wenn ich deinen Post so lese, dann habe ich immer eine schlechte Reihenfolge erwischt, so dass mich meist der Autor nicht mehr derart begeistern konnte, als dass ich alles von ihm lesen wollte. Bei Thomas Mann war mein drittes Werk nach "Felix Krull" und "Buddenbrooks", der "Zauberberg" und meiner bescheidenen Meinung nach - kommt kein weiteres Werk von ihm daran. Bei Hesse ähnlich - "Das Glasperlenspiel" las ich wohl zu früh.

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#40

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 09.05.2012 17:27
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Zitat von Krümel
Wenn ich deinen Post so lese, dann habe ich immer eine schlechte Reihenfolge erwischt, so dass mich meist der Autor nicht mehr derart begeistern konnte, als dass ich alles von ihm lesen wollte.



Sagen wir es einmal so: wenn es bereits einen Schriftsteller gibt, von dem man alles gelesen hat, samt Bei-Werk, dann kann man sich unter die Bibliomanen rechnen. (Hier zählt nicht Vollständigkeit in der gesamten Literatur, sondern der Drang, mehr erfahren zu wollen und sich die Bücher nach und nach zu beschaffen). Roquairol und (fast auch) Martinus sind's, zumindest nach den Äußerungen, die sie nebenbei gemacht haben (hehe). Bei mir sind es dann allerdings neben Dostojewski auch recht wenige Schriftsteller, deren Werk ich ganz kenne (und selbst bei Dostojewski ist das Werk "Der Jüngling" immer noch offen, wird es aber dann auch nicht bleiben). Es zählen auch Schriftsteller, die nur zwei Werke geschrieben haben oder gar... eins.

Zitat von Krümel
Wozu weiß ich nicht, aber das es sie "gibt" (habe ich erfahren müssen), wobei ich mir aber nie sicher bin/war, ob sie wirklich alles gelesen haben/hatten, denn man kann ja heutzutag alles im Netz finden und klugscheißerische Antworten gaben.


Und wie drückt sich dann jene Prahlerei aus?




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zuletzt bearbeitet 09.05.2012 17:43 | nach oben springen

#41

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 09.05.2012 17:34
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Zitat von Krümel
Bei Thomas Mann war mein drittes Werk nach "Felix Krull" und "Buddenbrooks", der "Zauberberg" und meiner bescheidenen Meinung nach - kommt kein weiteres Werk von ihm daran.


Schön, dass du diese Gedanken äußerst. Jetzt einmal von Thomas Mann abgesehen, ist diese Erfahrung ja eigentlich recht häufig. Die Romane haben irgendwie selten gleiche Qualität, es sei denn, man ist mehr an dem Schriftsteller interessiert und will sein Werk genau studieren, dann kommt es auf die Qualität weniger an. Ich machte deine Erfahrung mit T. Mann z. B. bei den sehr unterschiedlichen Werken von Hamsun (der fällt mir gerade ein). Da baumelte das Lesegefühl zwischen völliger Begeisterung und völliger Ernüchterung.

Andererseits, so geht es mir, möchte ich manchmal auch einen Vergleich der verschiedenen Werke haben. Wenn das nächste mich gar nicht packt, dann folgt meistens auch kein weiteres, und wenn doch, dann ist es jener "Zufall", dass das Buch nun wieder mich gefunden hat (auf den eigenartigsten Wegen).

Und manchmal sind auch in weniger guten Werken trotz allem Perlen, die den Ausgleich schaffen. Auch diese Erfahrung konnte ich machen.




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zuletzt bearbeitet 09.05.2012 23:08 | nach oben springen

#42

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 09.05.2012 17:52
von Martinus • 3.194 Beiträge

Zitat von Krümel
"Felix Krull" und "Buddenbrooks", der "Zauberberg" und meiner bescheidenen Meinung nach - kommt kein weiteres Werk von ihm daran. Bei Hesse ähnlich - "Das Glasperlenspiel" las ich wohl zu früh.



Nun, ich bin froh, dass ich nicht mit "Felix Krull" begonnen habe, sonst hätte ich vielleicht nichts weiter gelesen. Meine Mann'sche Erstlektüre war "Joseph und seine Brüder", ein großartiges Werk, was ich gerne mal wiederlesen möchte. Mit dem "Zauberberg" hätte ich mit gutem Gewissen auch beginnen können.

zu Hesse: Tja, "Das Glasperlenspiel" ist ja auch gar nicht einfach. Habe ich auch viel zu früh gelesen. Wenn du doch mal wieder Hesse schnuppern möchtest, empfehle ich gerne seine Erzählungen, die für mich ein Schatz sind, ebenso die "Märchen". Natürlich auch die "Gedichte".




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 09.05.2012 17:57 | nach oben springen

#43

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 09.05.2012 20:04
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von Taxine
Selbst bei einem Bibliomanen. Er sammelt keine Bücher, die ihm nicht gefallen. Von Vollständigkeit kann demnach also nicht die Rede sein.


Sorry, bin mitten in die Diskussion hereingesprungen und hatte nur Martins Beitrag kommentiert.

Das mit dem "Bibliomanen" habe ich erst jetzt nachgelesen.
Allerdings hätte ich mir darunter eher so etwas wie den Grafen Libri (!) Carruci vorgestellt.
Von dem ist in der aktuellen Ausgabe der Buchladenzeitschrift zu lesen: "Ein Dieb aus Leidenschaft für Bücher".

Gruß,
L.


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#44

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 09.05.2012 20:52
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Hehe... der gehört sicherlich dann wieder in jene Reihe an Bibliophilen, die sich Wohnungen zulegen, um ihre Bücher unterzubringen, nicht Bücher, um ihre Wohnung damit zu füllen. Auch verkaufte er seine gestohlene Sammlung für horrende Summen. Es ist also keine Liebe zum Buch gewesen, sondern die Gier nach Wert, damit dann die andere Kategorie, die der bibliomanen Sammler, nicht Leser. (Bei solchen Sammlern muss ich spontan an "Die neun Pforten" denken, nicht an das satanische Buch, sondern an die wahnsinnigen Bibliotheken der Sammler, die jeweils eines der drei Exemplare besaßen, und an ihre Gier, auf "Teufel" komm raus... wertvolle Bücher zu besitzen und zu "erjagen"...)

Kennst du das Buch von Eco "Die Kunst des Bücherliebens", larifant? Und wenn ja, ist es zu empfehlen?




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zuletzt bearbeitet 09.05.2012 21:02 | nach oben springen

#45

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 09.05.2012 23:08
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Zitat von Martinus
Meine Mann'sche Erstlektüre war "Joseph und seine Brüder", ein großartiges Werk, was ich gerne mal wiederlesen möchte.



Das könnte eine neue Leserunde werden, werter Martinus. Irgendwann vielleicht. Denn bei diesem Werk bin ich auf jeden Fall dabei.




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zuletzt bearbeitet 09.05.2012 23:13 | nach oben springen


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