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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#46

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 10.05.2012 11:14
von Krümel • 499 Beiträge

Zitat von Taxine
Und wie drückt sich dann jene Prahlerei aus?



In gewissen Foren - und man kommt sich dann ziemlich klein und wertlos vor, wenn man mit seiner eigenen naiven, da eben unvollkommen, Ansicht Dinge erklärt, die dann scheinbar im Ganzen nicht so ganz passen (können). Auffallend dabei ist, dass diese Statements oft, wenn man dann recherchiert, den gleichen Wortklang haben wie beispielsweise bei wikipedia nachzulesen ist, und das ist es was mir dann am meisten aufstößt. Ich bin zu blöd dazu

Vielleicht bin ich dann, wenn man lebenslänglich bekommt, am Ende dessen doch eine Bibliophile in Sachen Thomas Mann und Hermann Hesse.

zuletzt bearbeitet 10.05.2012 11:14 | nach oben springen

#47

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 10.05.2012 12:49
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Also meiner Meinung nach, ist Literatur immer Ansichtssache. Es gibt keine allgemeingültigen Deutungen, auch wenn diese dennoch gemacht werden und sie hin und wieder sehr aufschlussreich sind und möglicherweise einige Sätze klarer machen, sollten sie in einem bestimmten Zusammenhang stehen und vom Autor gemeint sein.
Aber grundsätzlich finde ich es lächerlich, wenn man die Nase hoch trägt, weil man sich in einem Roman auskennt. Romane sollten letztendlich eher gefühlt sein als verstanden. Ein Verstehen (oder doch vielmehr - ein Erfassen) kann ruhig individuell geschehen, denn im Ganzen weiß nur der Autor selbst, was er gemeint hat und sagen wollte. Jeder deutet und liest heraus, was seinem Geist entspricht, insbesondere bei sehr guten Romanen, denn diese ermöglichen häufig eine Art Offenheit, keine festgelegte Richtung, die es zu begreifen gibt.
So gesehen kann auch keine naive Meinung entstehen. Ein Buch ist ein Buch und jede Ansicht darüber, die beim Lesen entstand, hat seine Berechtigung. Man liest ja schließlich nicht als Masse, sondern als Individuum. So können sich die Deutungen eben auch unterscheiden.

Aber klar, derartige Klugscheißer gibt es haufenweise. Ich frage mich nur, worauf sie sich etwas einbilden. Ich meine, hätten sie das Leben begriffen... aber ein Buch. Ein Buch... Wahnsinnig beeindruckend.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 10.05.2012 14:27 | nach oben springen

#48

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 11.05.2012 09:44
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Krümel

Zitat von Taxine
Und wie drückt sich dann jene Prahlerei aus?



In gewissen Foren - und man kommt sich dann ziemlich klein und wertlos vor, wenn man mit seiner eigenen naiven, da eben unvollkommen, Ansicht Dinge erklärt, die dann scheinbar im Ganzen nicht so ganz passen (können). Auffallend dabei ist, dass diese Statements oft, wenn man dann recherchiert, den gleichen Wortklang haben wie beispielsweise bei wikipedia nachzulesen ist, und das ist es was mir dann am meisten aufstößt. Ich bin zu blöd dazu





Vielleicht kommt es davon, gutes Krümelchen, das du Bücher mit dem Herzen liest, verstehst und verarbeitest. Damit bist du jedem literarisch brambardisierenden Edelbibliomanen um Welten voraus! Das was du - naiv nennst, das ist die Sprache deiner schönen Seele, die immer mitliest, dir eine Brücke baut, zwischen dir und dem ewigen Geheimnis.
So ist es und so war es und so wird es immer sein.

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#49

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 11.05.2012 09:58
von Martinus • 3.194 Beiträge

Zitat von Taxine
. Jeder deutet und liest heraus, was seinem Geist entspricht, ....



Genauso sehe ich das auch und merke das z.Zt. wieder in meiner Stephen King - Lektüre, wo an einem anderem Ort im Netz jede Story dem literarischen Garaus gemacht wird, obwohl ich doch mehr differenziere und in einigen Stories doch interessantes entdecke. Differenzierte Sichtweisen gibt es doch immer in der Literatur und ist legitim. Es gibt auch diese festgefahrenen äh Klugscheißer, die in Hemingway und Hesse nur Jugendliteratur sehen wollen. Kann auch mal nerven so was, trotzdem ist es legitim, dass ich oder jemand anders eine andere Meinung vertritt. Ich meine, "Fiesta" von Hemingway gehört zu den schönsten Romanen meiner Leserey und ist definitiv kein Jugendroman. "Das Glasperlenspiel" auch nicht.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 11.05.2012 10:02 | nach oben springen

#50

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 11.05.2012 22:22
von LX.C • 2.672 Beiträge

Jedem literarischen Werk liegt aber eine Intention des Schriftstellers zugrunde. Insofern gibt es schon objektive Kriterien, die sich rekonstruieren oder analysieren lassen, was nicht heißen soll, dass man sie als Leser übernehmen muss, das natürlich nicht, nein. Literatur lebt ja schließlich von ihrer Deutungsvielfalt


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 11.05.2012 22:30 | nach oben springen

#51

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 11.05.2012 22:34
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Ich z. B. schätze ja insbesondere die Literatur-Welten, die wachsen, wenn der Leser sie betrachtet.




Surreale Vorstellungen
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#52

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 12.05.2012 22:34
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von Taxine

Kennst du das Buch von Eco "Die Kunst des Bücherliebens", larifant?


Leider nicht, habe nur im Laden darin geblättert.
Es geht wohl vorwiegend um Ecos Sammler-Hobby, eine Leidenschaft die ich nicht teile.

Gruß,
L.


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#53

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 12.05.2012 22:44
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von Patmöser
Das was du - naiv nennst, das ist die Sprache deiner schönen Seele, die immer mitliest, dir eine Brücke baut, zwischen dir und dem ewigen Geheimnis.
So ist es und so war es und so wird es immer sein.


Wer das Reich der Hochliteratur nicht empfängt wie ein Kindlein, der wird nicht hineinkommen.

Gruß,
L.


zuletzt bearbeitet 13.05.2012 00:08 | nach oben springen

#54

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 16.05.2012 11:50
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Zitat von LX.C
Jedem literarischen Werk liegt aber eine Intention des Schriftstellers zugrunde. Insofern gibt es schon objektive Kriterien, die sich rekonstruieren oder analysieren lassen, was nicht heißen soll, dass man sie als Leser übernehmen muss, das natürlich nicht, nein. Literatur lebt ja schließlich von ihrer Deutungsvielfalt



Die Literaturwissenschaft ist aber inzwischen über die Intention des Schriftstellers als Beurteilungskriterium hinausgewachsen. Die klassische Lehrerfrage "Was will uns der Dichter damit sagen?" ist längst nicht mehr zeitgemäß.

Ich wollte mal einen Roman schreiben über einen Studenten, der unter Pseudonym einen Roman veröffentlicht hat und dann später auf den grandiosen Gedanken kommt, über seinen eigenen Roman eine Magisterarbeit zu verfassen (seine Profs wissen nicht, dass er der Autor ist) - denn wer würde die Intention des Schriftstellers besser kennen als er? Aber bald muss er erkennnen, dass dies ein fataler Irrtum war ...

Ist leider ein Fragment geblieben ...




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
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#55

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 16.05.2012 12:02
von LX.C • 2.672 Beiträge

Obsolet ist in jedem Fall die alleinige Einfühlungshermeneutik. Die Intention des Schriftstellers bleibt immer bestehen. Als alleiniges Beurteilungskriterium (Verstehenskriterium würde ich als Begriff bevorzugen) reicht das sicher nicht aus. Ich sprach auch davon, dass es diese Kriterien gibt (weil ich dachte, dass sie bestritten wurden; so hat's Taxine aber doch nicht gemeint, urteile ich heute ), nicht dass sie herangezogen werden müssten. Und geben tut es sie, unabhängig davon, ob die Methodik nun darüber hinauswächst oder nicht.


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 16.05.2012 12:40 | nach oben springen

#56

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 17.05.2012 20:14
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Ein Buch hat durchaus das "Grundmuster" des Autors, aber jeder Leser setzt seine ganz eigene Bedeutung in den Text. Gelesen wird immer mit der eigenen Erfahrung, den eigenen Vorstellungen, Gefühlen, Ansichten. Damit wächst das Buch zu einem ganz persönlichen Buch, das erst nach dem Lesen möglicherweise die Intention des Autors offenbart oder sichtbar macht. Während des Lesens ist es eine eigene Welt und Deutung. Nichts ist ja auch schlimmer, als Bücher, die etwas beweisen wollen. Von denen fühlt man sich schnell gelangweilt.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 17.05.2012 20:16 | nach oben springen

#57

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 18.05.2012 16:36
von LX.C • 2.672 Beiträge

Natürlich. Es sind eben auch zwei verschiedene Paar Schuhe, ob man ein lit. Werk für sich liest oder es mittels einer Methodik analysiert werden soll. Der Strukturalismus beispielsweise hat mit "verstehendem Lesen" oder mit dem hineinlegen "der eigenen Erfahrung, den eigenen Vorstellungen, Gefühlen, Ansichten" nun so gar nichts mehr gemein. Oder mit der Frage "Was will uns der Autor sagen?". Insofern ist es unsinnig zu sagen, dass die Methodik über Kriterien hinauswachsen würde. Nein, der Zweck heilig auch in der Literatur die Mittel. Die Literaturkritik beispielsweise wird die Frage, was der Autor mit seinem Text will auch niemals ganz verwerfen. Und viele andere Beispiele gebe es. Das was Du sagst Taxine ist für Deinen Fall richtig, für den vieler anderer Leser, auch für mich in den meisten Fällen, aber es gibt eben auch andere Herangehensweisen, die mehr oder weniger nach objektiven Kriterien fragen, das wollte ich nur unterstreichen.

Ich glaube auch nicht, dass Du nur "naiv" an den Text gehst. Du wirst immer gucken, wer hat den Text geschrieben, wie war das Leben des Autors, was kann ihn motiviert haben, den Text und den Text eben so zu schreiben wie er ihn geschrieben hat, wie waren die Zeitumstände (z.B. Literatur aus dem Samsidat) und andere Fragen, die Dich in Deinem rein subjektiven Empfinden und in Deiner subjektiven Analyse, bzw. Textrezeption schon mehr beeinflussen als Du denkst.


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 18.05.2012 16:57 | nach oben springen

#58

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 18.05.2012 17:45
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Zitat von LX.C
Das was Du sagst Taxine ist für Deinen Fall richtig, für den vieler anderer Leser, auch für mich in den meisten Fällen, aber es gibt eben auch andere Herangehensweisen, die mehr oder weniger nach objektiven Kriterien fragen, das wollte ich nur unterstreichen.



Ich habe nicht gegen dich angeredet , einfach nur noch einmal (für mich) zusammengefasst, was ich meinte. Wir redeten (zuvor) ja von Romanen, in denen manche meinen, sich auskennen zu müssen.
Literatur ist wesentlich mehr und reicht sicherlich immer auch über die Roman-Welt und den Leser-Deutungsbereich hinaus.
Und dann all die Bücher über die Gulags, den Holocaust, Erfahrungsberichte, Tagebücher, Briefe, Biografien, Bücher aus dem Samisdat, Bücher, die das Zeitgeschehen einfangen, über Kriege und Missstände berichten und so weiter, ja, in solchen Werken ist keinerlei eigene Interpretation möglich (und wäre sicherlich auch fatal). Sie haben eine bestimmte Aussage, einen ganz bestimmten Grund, warum sie geschrieben wurden. Gleiches gilt dann auch für Satiren, autobiografische Werke oder Romane, in denen Fiktion und Wirklichkeit ineinander verschmelzen. Da kann man den Autor oder seine Absicht sicherlich nicht einfach ausschließen. Der Drang, im Text nach dem Autor zu suchen, ist ja auch noch eines dieser Beispiele, der selbst dann manchmal aufkommt, wenn das Werk nichts mit dem Leben des Autors gemein hat. Man versucht ihn hinter seinen Zeilen zu erahnen, so oder so...

Aber Romane und klassische Werke lasse ich mir selten durch Vor-Interpretationen anderer verderben. Die genieße ich tatsächlich ganz "naiv" und informiere mich hinterer über den Hintergrund und die Intentionen des Autors.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 18.05.2012 18:03 | nach oben springen

#59

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 10.03.2013 14:25
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Zitat von Taxine im Beitrag #31

Und ich dachte, ich wäre ein einfacher Leser. Dabei bin ich Bibliomane. Und dazu auch noch ein eingefleischter...



„Über Sammler und Bibliophile gibt es wirklich nur Gutes zu berichten. Sie sind weise. Sie sind bescheiden und sorgfältig. Und selbst wenn es stimmt, dass sie die Bücher, die ihre Regale schmücken, nicht lesen (und die Gemälde nicht ansehen), so bewahren sie diese doch für ihre Nachkommen auf, die große Freude haben werden, sie vorzufinden. Sie vorzufinden und – so hoffe ich – sie so zu behandeln, wie man Bücher behandeln soll. Damit meine ich: sie ein bisschen herumzuschubsen, die Ecken umzubiegen, kleine persönliche Bemerkungen an die Seitenränder zu schreiben, sie in Augenblicken der Begeisterung in die Luft zu werfen oder gar mit Füßen zu treten. (Damit meine ich nicht: sie zu verbrennen. Man kann zur Not Stuhlbeine verheizen, um sich zu wärmen, aber niemals Bücher. Ein wahrer Leser begreift das sehr schnell.)“

(Jean Paulhan)




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#60

RE: Die Leserfrage

in Gespräche über Kunst und die Welt 12.03.2013 19:13
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Taxine im Beitrag #59
Zitat von Taxine im Beitrag #31

Und ich dachte, ich wäre ein einfacher Leser. Dabei bin ich Bibliomane. Und dazu auch noch ein eingefleischter...



„Über Sammler und Bibliophile gibt es wirklich nur Gutes zu berichten. Sie sind weise. Sie sind bescheiden und sorgfältig. Und selbst wenn es stimmt, dass sie die Bücher, die ihre Regale schmücken, nicht lesen (und die Gemälde nicht ansehen), so bewahren sie diese doch für ihre Nachkommen auf, die große Freude haben werden, sie vorzufinden. Sie vorzufinden und – so hoffe ich – sie so zu behandeln, wie man Bücher behandeln soll. Damit meine ich: sie ein bisschen herumzuschubsen, die Ecken umzubiegen, kleine persönliche Bemerkungen an die Seitenränder zu schreiben, sie in Augenblicken der Begeisterung in die Luft zu werfen oder gar mit Füßen zu treten. (Damit meine ich nicht: sie zu verbrennen. Man kann zur Not Stuhlbeine verheizen, um sich zu wärmen, aber niemals Bücher. Ein wahrer Leser begreift das sehr schnell.)“

(Jean Paulhan)




Weise? Ich weiß nicht, weiß nicht..., aber sorgfältig wurde ich durch das Lesen ganz bestimmt nicht. Und bescheiden?
(Ich sag da wohl lieber nichts...)

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