background-repeat

Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#31

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.12.2008 00:47
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von Taxine
Das moderne Leben aber nach eurem Ermessen (larifant und Moulin) kann auch zurück bis zu Tolstoi reichen. Modern war es immer in den Erneuerungen, dem technischen Fortschritt, den Aufklärungen (die heute wahrscheinlich wieder wunderbar verwirrt und verknotet werden ).

Für mich ist die Moderne das Zeitalter, in dem aufgrund technischer Fortschritte erstmals in der Menschheitsgeschichte ein Massenwohlstand ereicht worden ist, auf dessen Basis alle positiven und negativen gesellschaftlichen und kulturellen Phänomen der 1) Vermassung und 2) Individualisierung entstanden sind.
1) und 2) sind nur ein scheinbarer Wiederspruch.

@Lennie: dein Link auf die Darstellung des modernen Lebens ist sehr treffend. Respekt.

Gruß,
L.


nach oben springen

#32

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 19.12.2008 00:51
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Selbst der Massenwohlstand ist nur ein Gerücht.
Denn, ... was muss genährt werden, um sich wohlfühlen zu können?

Ein "Massenwohlstand" ist noch lange nicht erreicht!



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 19.12.2008 00:52 | nach oben springen

#33

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 07:57
von Moulin • 395 Beiträge

Zitat von Taxine
Selbst der Massenwohlstand ist nur ein Gerücht.
Denn, ... was muss genährt werden, um sich wohlfühlen zu können?
Ein "Massenwohlstand" ist noch lange nicht erreicht!


Wohlstand bedeutet für mich eher, durch eine Verfassung garantierte und umgesetzte rechtstaatliche Sicherheit. Auch das genießt auch nur ein sehr kleiner Teil der Weltbevölkerung.


In Antwort auf:
Zitat Taxine
Ein Mensch, der sich sein Essen in der Mikrowelle aufwärmt, hat für einen kurzen Augenblick die Werte eines todkranken Menschen.
Aber, ich... ...stelle mich dann doch lieber zehn Minuten länger an den Herd!


Wenn man bedenkt, dass der Herd dabei mehr Strom verbraucht, der dann in einem Atomkraftwerk produziert werden muß, an dessen Fuße Kühe weiden, deren Milch sich gerade im Topf auf besagtem Herd befindet...
Ich habe sie gesehen, die strahlenden Kühe von Cattenom.
Klingt lustig. Was ich damit aber sagen will: Das moderne Leben bietet uns kaum Alternativen.

nach oben springen

#34

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 15:16
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Hey Moulin, guter Einwand.

Erstes war von mir natürlich überspitzt dargestellt.
Zum Zweiten: Es ging mir mehr darum zu zeigen, wie kopflos wir die modernen Entwicklungen benutzen, ohne die Konsequenzen zu hinterfragen. Und wenn wir sie hinterfragen, dann zucken wir trotzdem mit den Schultern und denken: Ach, mir wird schon nichts passieren.

Alternativen wären nach deinem Beispiel dann: Zurück zum Feuer...

Aber mal ernsthaft: Man kann heutzutage durchaus auf das Kochen verzichten und sich von Brot und Salat ernähren. Hm...



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 20.12.2008 15:22 | nach oben springen

#35

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 16:19
von larifant • 270 Beiträge
Zitat von Moulin

Wohlstand bedeutet für mich eher, durch eine Verfassung garantierte und umgesetzte rechtstaatliche Sicherheit. Auch das genießt auch nur ein sehr kleiner Teil der Weltbevölkerung.


Der Punkt ist, dass es in der Moderne erstmals in der Menschheitsgeschichte "Massen" gibt, die rechtsstaatliche Sicherheit genießen, auch wenn sie global deutlich in der Minderheit sind.

Aber wichtiger in diesem Zusammenhang ist die beispiellose Entwicklung des materiellen Wohlstands in den "reichen" Ländern.

Gemessen an unseren Maßstäben waren in der "Vormoderne" nicht nur auch die reichen Länder arm, sondern sogar ein großer Teil der reichen Leute in den reichen Länder. Beispiel: Die Urlaubsreisen der Buddenbrooks gehen gerade einmal von Lübeck nach Travemünde.

Gruß,
L.

zuletzt bearbeitet 20.12.2008 16:20 | nach oben springen

#36

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 16:31
von Lennie • 829 Beiträge

Gibt ja so Grüppchen, die leben bewusst noch auf dem Entwicklungsstand des 18. oder 19. Jahrhunderts und lehnen alles, was danach gekommen ist, aus ideologischer Überzeugung ab...
Man muss vielleicht nicht gleich von einem Extrem ins andere überwechseln. Auf den Komfort unseres modernen Lebens würde ich ungern verzichten, das gebe ich ehrlich zu!
Das muss nicht bedeuten, dass man blind alles mitmacht, was gerade neu entwickelt oder medienwirksam "in den Vordergrund der potentiellen Käufer" gespielt wird. Ein kritisches Verantwortungsbewusstsein ist ja nicht verboten, modern muss nicht gleich doof sein .

Brot und Salat ist was Feines. Jetzt im Winter lob ich mir allerdings auch ein gepflegtes Gratin Dauphinois aus dem Ofen oder ein heisses Süppchen...


nach oben springen

#37

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 18:27
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge


Die Herstellung von Brot und anderen, vielleicht schon fertigen Produkten wird allerdings durch Maschinen und "größere Öfen" bewältigt, wobei wir wieder beim Moulin'schen Ausgangsproblem wären. Die Kühe blicken trotz Umgehungsmaßnahmen und Vorschläge immernoch traurig. Hm...

Bleibt nur noch der Salat oder der Grill im Garten.
(Es wird allerdings unterschiedlich Strom erzeugt, das sollte vielleicht auch noch bedacht werden, und nicht jeder Haushaltsherd wird durch Atomkraft in Gang gesetzt...)

Zitat von larifant
Gemessen an unseren Maßstäben waren in der "Vormoderne" nicht nur auch die reichen Länder arm, sondern sogar ein großer Teil der reichen Leute in den reichen Länder. Beispiel: Die Urlaubsreisen der Buddenbrooks gehen gerade einmal von Lübeck nach Travemünde.



Reichtum und Wohlstand existierten durchaus in einem üblich kleinen Kreis. Das Geld floß vielleicht nicht in Reisen, sondern in Anlagen und Wertgegenstände. Reisemöglichkeiten waren eben aufgrund fehlender Technik, brüchigem Gesundheitszustand usw. begrenzt, dafür gab es Angestellte, Diener und private Köche. Es stimmt aber durchaus, dass wir heutzutage in einem Mittelstand mehr Möglichkeiten und vielleicht sogar "Luxus" besitzen, als die reichen Leute damals. (Man betrachte hier alleine die medizinischen Aspekte, auch eine Form des Luxus.) Grundsätzlich aber waren reiche Menschen, auch aus heutiger Sicht, niemals wirklich arm.
Und, was wir heute scheinbar "sicher" besitzen, ist fragwürdig. In den zwanziger Jahren glaubten die Menschen auch, sie könnten ewig Spaß und Überfluss erleben, und auf einmal brach der Markt dann zusammen. Was glaubt ihr, was uns heute bevorsteht? Nur, weil wir die Finanzkrise noch nicht "sichtbar" spüren, kann sie uns trotzdem irgendwann (trotz Moderne) mit aller Gewalt überrollen. Dann ist (für bestimmte Menschen, das heißt: die Masse) der Reichtum und Wohlstand nur noch in Zahlen zu messen und besitzt ansonsten höchstens noch einen fiktiven Wert.

Manchmal habe ich sowieso das Gefühl, dass viele Menschen denken, was in der Vergangenheit liegt, ist in unserer "modernen Zeit" nicht mehr möglich und zwar, weil
1) es schon passiert ist,
2) es vergangen ist,
3) immer mehr Sicherheiten geschaffen werden,
4) die Moderne sich immer weiterentwickelt,
5) der Mensch scheinbar aus allem gelernt hat.
Dabei werden z. B. Kriege immernoch in gleicher Art und Weise in die Wege geleitet, mit Täuschung und Tricks. Das Gleiche gilt für andere Umstände. Wir glauben immer, unsere modernen Zeiten verhindern Dinge, die schon einmal passiert sind. Natürlich kann uns die Pest nichts mehr anhaben, aber vielleicht ein neuer, bösartiger (wer weiß wo entstandener) Virus. Und böse Inflationen kann es auch immer wieder geben.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 20.12.2008 22:25 | nach oben springen

#38

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 18:40
von Lennie • 829 Beiträge

Reichtum und Wohlstand hat es in den Dimensionen der jeweiligen Epochen immer gegeben, denke ich. Nur verstand man vermutlich zu anderen Zeiten nicht immer dasselbe darunter. Der eine ist in seiner Welt und zu seiner Zeit mit 20 Ziegen reich, der andere braucht dazu mindestens eine Luxusjacht und ein Privatflugzeug...
Dass es sich heute in den Industriestaaten wesentlich mehr Menschen leisten können, bei Bedarf um die halbe Welt zu jetten, liegt daran, dass die Technik die entsprechend schnellen Transportmittel hervorgebracht hat. Hätte es jene zu Zeiten der Buddenbrooks schon gegeben, wären die vermutlich auch nach Mallorca oder nach Thailand geflogen.... oder nee, warte: Momentan begibt "man" sich glaube ich eher auf die Seychellen.....
Sind nicht Geschwindigkeit und Miniaturisierung besonders markante Zeichen unserer derzeitigen modernen Welt?

nach oben springen

#39

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 22:17
von larifant • 270 Beiträge
Zitat von Taxine
In den zwanziger Jahren glaubten die Menschen auch, sie könnten ewig Spaß und Überfluss erleben, und auf einmal brach der Markt dann zusammen.

Die einfachen Menschen glaubten das damals keineswegs, weil ihr Alltag auch in den "Goldenen Zwanzigern" alles andere als von "Spaß und Überfluss" geprägt war.

Bitte nicht alles aus der Perspektive der (damals noch wesentlich kleineren!) Mittelschicht betrachten.

Gruß,
L.

zuletzt bearbeitet 20.12.2008 22:24 | nach oben springen

#40

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 22:29
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Von welchen "einfachen Menschen" sprichst du denn, damit ich einmal eine Vorstellung bekomme. Meinst du Menschen in Armut?
Die Mittelschicht ist ja auch eine moderne Entwicklung. Früher teilte sich die Gesellschaft in Reichtum und Armut, höchstens noch der Reichtum in Alt- und Neureichtum, wobei diese sich untereinander dann noch verachteten.

In den Zwanzigern wurde nach dem Krieg aufgeatmet und das Leben neu geatmet, für eine Weile. Ich glaube nicht, dass dazu nur die Mittelschicht neigte.

(Zusatz: Ich habe meine Informationen allerdings nur aus literarischen Begegnungen.)



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 20.12.2008 22:43 | nach oben springen

#41

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 22:43
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von Taxine
Von welchen "einfachen Menschen" sprichst du denn, damit ich einmal eine Vorstellung bekomme.

Von der Masse der arbeitenden Menschen.
Nicht gerade das Publikum, das in den Roaring Twenties in irgendwelchen mondänen Nachtklubs "auf dem Vulkan" getanzt haben soll.

Gruß,
L.


nach oben springen

#42

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 22:45
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Verstehe. Da kann ich natürlich wenig zu sagen. Ich war ja nicht dabei.

Alles nur
Literatur.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 20.12.2008 22:49 | nach oben springen

#43

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 23:08
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge
Siehst du, und jetzt bin ich schon verwirrt.

Ist denn die Masse der arbeitenden Menschen nicht Teil der Mittelschicht?
Warum dann:
Zitat von larifant
Bitte nicht alles aus der Perspektive der (damals noch wesentlich kleineren!) Mittelschicht betrachten.




Was glaubten denn die arbeitenden Menschen? Ahnten sie etwas von der kommenden Weltwirtschaftskrise? Oder wurden sie überrascht?



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 20.12.2008 23:13 | nach oben springen

#44

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 23:12
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von Taxine
Verstehe. Da kann ich natürlich wenig zu sagen. Ich war ja nicht dabei.

Alles nur
Literatur.

Klar, du bist ein Kind des Wohlstands und der gebildeten Mittelschicht.

Ich wollte dir ein Buch mit eindrucksvollen Reportagen aus der Arbeitswelt der 20er und 30er empfehlen, das ich aber leider nicht zur Hand habe und dessen Verfasser mir jetzt nicht einfällt.
Werde ich aber nachreichen.

Gruß,
L.


nach oben springen

#45

RE: Fragen zum modernen Leben

in An der Gesellschaft/dem Alltag orientierte Gedanken 20.12.2008 23:14
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Ja, mach' mal. Die Zeit interessiert mich.

Liebe Grüße
Taxine




Surreale Vorstellungen
nach oben springen


Besucher
0 Mitglieder und 2 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: pain
Forum Statistiken
Das Forum hat 982 Themen und 22989 Beiträge.

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de