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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#46

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 05.07.2010 20:40
von LX.C • 2.719 Beiträge

Ja, und das mit dem kleinen Jungen war noch mal ganz doll niedlich


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
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#47

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 06.07.2010 01:17
von Taxine • Admin | 5.941 Beiträge

Danke, liebe Lennie. Ich bin auch wirklich froh, dass ich kein "ganzer" Tourist war, wenn ich auch wie einer gerannt bin. Remarque habe ich mir übrigens auch vorgenommen.

Den kleinen Jungen würde ich heute bestimmt nicht mehr wiedererkennen, sollte ich ihn sehen.

Liebe Grüße
Taxine




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zuletzt bearbeitet 06.07.2010 01:17 | nach oben springen

#48

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 19.10.2010 21:32
von Jatman1 • 1.148 Beiträge

Ich kann es ja nicht fassen. Ich habe erst überflogen, aber DU HAST MEINE REISE GEMACHT! Meine Reise, die meine Tochter dieses Jahr vor mir machte und jetzt der nächste. Ich bin einfach spät dran. Bei mir steht es auf der Agenda und die anderen ziehen es einfach durch. Ich bin FAST beschämt. Ich freue mich deinen Bericht lesen zu können. Übrigens will/ werde ich auch nur als halber Tourist hinfliegen. Kann doch nicht sein :-))
gruß jatman

Achja - im Dostojewski-Museum darf man die "Klassiker" einfach fotografieren?!


www.dostojewski.eu
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#49

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 19.10.2010 22:35
von Taxine • Admin | 5.941 Beiträge

Zitat von Jatman1
Achja - im Dostojewski-Museum darf man die "Klassiker" einfach fotografieren?!



Nur gegen Aufpreis. Du zahlst einen Eintrittspreis und einen Extrapreis, wenn du fotografieren willst. Da muss man geduldig sein.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 19.10.2010 22:36 | nach oben springen

#50

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 19.10.2010 22:37
von Jatman1 • 1.148 Beiträge

Zitat von Taxine

Zitat von Jatman1
Achja - im Dostojewski-Museum darf man die "Klassiker" einfach fotografieren?!



Nur gegen Aufpreis. Du zahlst einen Eintrittspreis und einen Extrapreis, wenn du fotografieren willst. Da muss man geduldig sein.




Den Preis werde ich dann auch bezahlen. Ich verabschiede mich. Ich freue mich schon sehr auf morgen. Gute Nacht.


www.dostojewski.eu
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#51

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 19.10.2010 22:39
von Taxine • Admin | 5.941 Beiträge
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#52

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 20.10.2010 18:21
von Jatman1 • 1.148 Beiträge

Auch von mir ein sattes DANKE für diesen Bericht!
Ich trau mich kaum. Aber wir sind ja nicht in Russland ;-)
Für mich teilweise etwas zu langatmig. Deine fein akzentuierte Prosa findet an mir, schroffem Felsen, keinen Halt. Dort wo ich es nicht für zu "verzogen" hielt, war es hingegen Genuß pur! Deine Wörter haben neben dem Satz immer gleich ein plastisches Bild entstehen lassen. Ich habe es mit Genuß gelesen.
Wären deine Texte etwas zu essen gewesen, hätte ich ständig Mmmh! Lecker! Vorzüglich! ausgerufen; ganz in der zügellosen Manier Dostojewskis. Einen Smiley, der sich verneigt, habe ich nicht gefunden ;-) Nun ein paar Anmerkungen.

a)
Die Beschreibung Oma Wohnung Familie Bekanntschaft Wohnen > Oh mann war das lecker. Ich würde mir den Bauch mit solchen Geschichten vollstopfen auch schon längst wenn ich satt wäre. In mir entstand beim Lesen auch kurz der Wunsch, Mensch die Oma müsste man mal sehen. Und zack, kurz darauf stellte ich fest, dass es nicht nur mir so erging. Kann ja nicht schaden: ich sage nochmals Danke.

b)
"man den wahren Kapitalismus spürt"
Das ist Oligarchie, das ist Diktatur, das ist Autokratie. Das ist ein Unterschied. Gott sei Dank.

c)
Abgleich mit den Erfahrungen meiner Tochter vor einem Monate in St. Petersburg
- "Man steht und steht und rollt hinab, ganze Ewigkeiten vergehen." gleiches Foto, gleiche Beschreibung, gleiches Gefühl
- "Auf sehr hohen Absätzen stolzieren sie, eine so schön . . . " gleiche Wahrnehmung
- "dass man ihre Sprache beherrscht. Sie setzen es regelrecht voraus, um dich zu akzeptieren" musste sie mehrfach erfahren. Sie kann ein paar russische Brocken, kam damit jedoch nicht zum Zuge. Sobald klar war, dass sie Ausländerin war: müdes Belächeln, absolutes Ignorieren, zum Narren halten. Das hat sie sehr unangenehm berührt.
Ich finde deine Objektivität sehr angenehm. Die allseits kolportierte umfängliche russische Freundlichkeit und Herzlichkeit, wird ohne dass Du es direkt tust, in Frage gestellt - indem du sie faktisch nicht feststellen kannst. Dass diese im Rahmen der Familie überdbimensional ausgeprägt ist, erscheint mir hingegen nicht sonderlich. Das Bild deckt sich mit den Beschreibungen meiner Tochter. Außer im Hotel habe sei ihr in einer Woche kein Einheimischer freundlich begegnet.

d)
Das Postamt. Da geht ja gar nichts drüber. Herrlich beschrieben, dass man sich kaputt lachen könnte. Leider bleibt einem das Lachen im Halse stecken, wenn einem klar wird, dass dies in einer vermeintlichen Weltmetropole im Jahr 2010 den Standard darstellt.

e)
"Immernoch überrascht mich mal wieder die Genügsamkeit der Menschen" Wie die antrainiert wird, durftest Du ja in einer hellen Nacht selbst erleben und das war die Light-Version, wie Du ja bereits andeutest.

f)
Die Lebensmittel werden in kleineren Magazinen besorgt, die jenseits von Gut und Böse sind.
Ich wage hier zu mal ein ergänzendes Bild, zu deinen schönen und zahlreichen.



g)
"Der blasse Typ mit seinem Koffer, verwandelte sich vor mir, als er an der Reihe war, in einen schlaksigen Hampelmann, machte einige abgehakt verrenkte Bewegungen, vor und zurück, als kippe er jeden Moment aus den Latschen, wobei . . " ff. und "Der blasse Typ mit seinem Koffer, verwandelte sich vor mir, als er an der Reihe war, in einen schlaksigen Hampelmann, machte einige abgehakt verrenkte Bewegungen, vor und zurück, als kippe . . ." ff
So schön. So genial. So treffend. So amüsant. Danke für diese Beschreibung. Würde man die Sprachstile der Zeiten Anpassen, könnte man diese Textfragmente über welche von Dostojewski legen. Es hat sich nichts geändert: Der Zar und das geknechtete tröge Volk. Da nützt auch dies nichts. Es ist Staffage:


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zuletzt bearbeitet 20.10.2010 18:22 | nach oben springen

#53

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 20.10.2010 20:29
von Taxine • Admin | 5.941 Beiträge

Und ich bedanke mich ebenfalls. Auch für den Hinweis auf Langatmigkeit.
Der Text ist die Rohfassung, der direkt nach der Reise aus mir brachial herausbrachialisierte...
Da bedarf es sicherlich noch einiger Überarbeitungen.

Deine Tochter scheint mir ein Zwilling von mir zu sein. Die macht Fotos von Dingen, die mich zum Lachen brachten und mir in gleicher Form ins Auge fielen. Unglaublich.




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zuletzt bearbeitet 21.10.2010 15:41 | nach oben springen

#54

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 20.10.2010 20:37
von Jatman1 • 1.148 Beiträge

Nach der Rückkehr meiner Tochter hatte ich leichte Bedenken ob meines Vorhabens "privat" nach Petersburg zu fahren. So toll Deine Schilderungen waren. Mut haben Sie mir nicht gemacht :-( Ich bekomm schon beim Bäcker `ne Krise, wenn die kein Brot rausrücken ohne eine Konkretisierung und ohne ein Alternativ oder Zusatzangebot. Die Postbeamte würde ich vermutlich mit der Raskolnikowmethode behandeln . . .


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#55

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 20.10.2010 20:46
von Taxine • Admin | 5.941 Beiträge

Hehehe... ja, es bedarf sehr viel Geduld und Vergnügen an der Betrachtung von Ereignissen.
Ich habe mich in solchen Situationen als Beobachter begriffen, der im falschen Film ist.
Hinterher war ich dann aber doch sehr froh, all das ertragen zu haben. Ist spannender als ein glatter Ablauf.

Wenn du "privat" dorthin fährst, wirst du die gleichen Umstände haben. Formular besorgen, korrekt ausfüllen. Zur Bank. Und wieder zur Post. Die Leute vor Ort werden dir aber sicherlich helfen können.

Apropos Service. Auch eine schöne Situation war, als ich Ölfarben kaufte. Als ich den winzigen Laden betrat und mich erkundigte, womit ich die Leinwand fixieren könnte, da fauchte mich der Verkäufer an, dass bei ihm nur verkauft, nicht unterrichtet werde. Ich bekam an der Kasse, zu der ich die zwei Meter weiter mit einem Bon geschickt wurde, einen eigenartigen Studentenrabatt. Als ich den Laden verlassen wollte, entschloss sich der Verkäufer dann doch noch, mir ein bisschen „Unterricht“ zu erteilen und begann verschiedene Fläschchen hochzuhalten, die aber alle für Pastell benutzt werden, nicht für Ölbilder.
Ich winkte schließlich ab, nachdem ich ihm mehrmals erklärt hatte, dass er sich irrte und er weiterhin darauf bestand, dass das irgendwie schon gehen würde, und machte mich aus dem Staub.
Der "Gast ist König" - das kennen die Russen nicht. Nirgendwo. Du kannst froh sein, wenn du überhaupt bedient wirst. Und es kommt ja noch besser. Später, als ich die Ölfarben in ihrem Kasten öffnete, musste ich auch noch feststellen, dass mehrere Tuben sich voneinander unterschieden und zwei Farben ganz fehlten. Da hat der einfach irgendwas zusammengestellt, der Meister des Unterrichtens.
„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, sagte einst Lenin. Der wusste schon, warum.




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#56

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 20.10.2010 21:07
von Jatman1 • 1.148 Beiträge

kein Unterricht. . Ich schmunzele jetzt noch :-))) Zu schön oder zu schrecklich um wahr zu sein.
Ich kann auch nur maximal ein Brocken russisch. Da hast Du einen Riesnvorteil. Meine Tochter kann russisch lesen, sprach aber davon, dass ihr das zur Orientierung nicht viel genutzt habe. Sie hatte glücklicher Weise auch jemand dabei, die russisch konnte.
Ja, einfach nicht bedient und dann herzhaft verlacht zu werden hat sie auch erlebt.

Es geht nicht um Kundenservice. Lieber muffelig als schmierig grinsend. Es geht um Akzeptanz, wenigstens ein bisschen. Die hat man scheinbar nicht zu erwarten.

Postamt: Ich bin dann in einem fremdsprachigen Film - ohne Untertitel. Das machen meine Nerven nicht mit. Ich steh dann nämlich auch mit Lenin da. Schto djelatch?


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zuletzt bearbeitet 20.10.2010 21:07 | nach oben springen

#57

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 20.10.2010 21:17
von Taxine • Admin | 5.941 Beiträge

Zitat von Jatman1
Ich steh dann nämlich auch mit Lenin da. Schto djelatch?


Mit Tschernyschewski.

Und wenn du nicht "privat" reist?
Vielleicht ist es im Hotel einfacher.


Zitat von Jatman1
Es geht nicht um Kundenservice. Lieber muffelig als schmierig grinsend. Es geht um Akzeptanz, wenigstens ein bisschen. Die hat man scheinbar nicht zu erwarten.


Mir schien es manchmal so, dass die Leute sehr effektiv arbeiten,
bis ... ein Kunde den Laden betritt.
Dann fallen sie schnell in sich zusammen, als wäre die Batterie leer.
Als wären sie falsch herum gepolt.




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#58

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 20.10.2010 21:27
von Jatman1 • 1.148 Beiträge

Zitat von Taxine
Mit Tschernyschewski.


Du verunsicherst mich. "Was tun?" Das Ding ist doch so ein Machwerk von Lenin?! Ich würde "fast" Geld darauf wetten.


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zuletzt bearbeitet 20.10.2010 21:30 | nach oben springen

#59

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 20.10.2010 21:38
von Taxine • Admin | 5.941 Beiträge

Na klar. Aber auch von Tschernyschewski.
(Lenin wollte jenen Autor mit dem übernommenen Titel ehren.)




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 20.10.2010 21:39 | nach oben springen

#60

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 20.10.2010 21:49
von Jatman1 • 1.148 Beiträge

Ahja. Noch nicht gewußt. Danke für die Nachhilfe.


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