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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#31

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 28.06.2010 22:40
von Martinus • 3.194 Beiträge

Fotogen isse ja, dadd Taxinchen




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 28.06.2010 22:41 | nach oben springen

#32

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 29.06.2010 01:00
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Ja, übermüdet fotogeeeen... Schlaflosigkeit macht sich also bezahlt.

So folgt nun:

Eindrücke von St. Petersburg
Teil 4


(Eremitage, nicht bei Nacht, sondern in den frühen Morgenstunden. Die schwarze Silhouette ist einer der Presseleute.)

12.
Diese eine weiße Nacht, auf die alle St. Petersburger ungeduldig warten, die Nacht der purpurnen Segel, gestaltet sich folgendermaßen: Man geht etwa gegen 20 Uhr abends von der Metro Richtung Eremitage. Schnell erkennt man, dass der Vorplatz zum Winterpalast, den man durch den Triumphbogen betritt, gesperrt ist, da dort ein Konzert für die Schüler und Studenten stattfindet, wobei von der Bühne sowohl gesungen als auch ein Hoch auf das Wohl und den Erfolg der Abschlüssler ausgerufen wird. So muss man, ist man nicht Schüler oder Student, ganz außen herum und gelangt, über eine Straße hinweg, in einen Park, der an die Newa angrenzt, auf der sich die einzig offene Brücke befindet, von der aus man das Schiff mit den roten Segeln sehen kann. Pünktlichkeit macht sich hierbei bezahlt, gleichzeitig sollte man an so einem Tag darauf verzichten, sich zuvor mit allerlei anderen Besichtigungen zu vergnügen und herumzuschlagen, was ich natürlich nicht beherzigt habe.

Als ich nun durch den Park in der Nähe der Newa schlendere, entsteht eine eigenartige Unruhe um mich herum, die Menschen wechseln die Richtung und drängen schneller als zuvor in Richtung Fluss. Ich blicke mich um und sehe auf einmal eine lange, Seite an Seite, langsam voranschreitende Reihe von Polizisten. Ich muss zweimal hinsehen, um diesen Anblick zu erfassen und ernst zu nehmen. Doch er ist wahrlich real, Schulter an Schulter schreiten sie voran und treiben die Menschen in voller Präsenz aus dem Park, fordern dabei zur Eile auf. In der Hand schwingen sie ihren Schlagstock.
Die Miliz ist hier, wie gesagt, überall SEHR präsent, sie stehen nicht zu zweit oder dritt, sondern gleich haufenweise herum, doch dieser Akt in Uniform verwirrt trotzdem. Man denkt sich ja auch kaum etwas Abstrakteres, wenn man sich auf diese weiße Nacht einstellt. Gerade noch ein paar Pelmeni geschlürft, fühle ich mich zwischen den Polizisten wie von Soldaten umringt, die gerade frisch vom Schiff oder aus irgendeinem Bus klettern, auf Besuch oder Urlaub sein könnten. Bilder schießen mir durch den Kopf, von Zügen, aus denen Hände zum Abschied winken und ein Heil auf das Land ausgerufen wird. Zum Glück herrscht hier im Moment Frieden.
Der Vergleich mit deutschen oder griechischen Polizisten liegt bei solchen Erlebnissen natürlich irgendwie nahe und hält doch nicht stand. Trotzdem habe ich auch anderes erlebt. Als ich einmal nach langer Überwindung an einen dieser soldatischen Polizisten herantrat, um mich nach einem Taxistand zu erkundigen, da lächelte mich diese Uniform mit einem wahren, menschlichen Gesicht an und zeigte mir nicht nur den Weg, sondern begleitete mich sogar bis vor ein Taxi, vor dem er mir zuraunte, es wäre sogar günstiger als die anderen. Bei solchen Erlebnissen wird man dann leicht versöhnlich, doch im Moment herrscht ein anderer Zustand.

Wie Vieh nun durch diesen Park getrieben, sehe ich auf einmal, wie leer die riesigen, sechsspurigen Straßen geworden sind, kein einziges Auto fährt mehr. Alles wird nach uns abgesperrt. Wo ich zuvor noch überlegte, ob wir nicht viel zu früh dran wären, sehe ich jetzt, dass wir, wären wir auch nur etwas später gekommen, nicht mehr durchgelassen worden wären. Die Polizisten reagieren da auch ziemlich strikt, stellt man ihnen eine Frage, antworten sie auf alle Fragen in gleichem Standartsatz. „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Gehen Sie weiter.“ Leicht zu übersetzen in: Verschwindet gefälligst. Wir tun, was man uns sagt.

Alles wird zugleich abgesperrt, um den Platz zur Eremitage, die gesamte Frontseite der Newa, die ansonsten dicht befahrenen Straßen, all das wird ohne Vorwarnung zum Verbot erklärt, denn dort, hinter den Bändern, werden in wenigen Stunden zig Tausende an Schülern und Studenten laufen und feiern. Noch habe ich keine Vorstellung davon, überhaupt kann ich mir nicht begreiflich machen, was hier geschehen, wie sich solch eine Nacht gestalten wird.
Ich freue mich auf dieses Unbekannte, darauf, bald all das zu erleben, das Konzert und die Feierlichkeiten, ich wusste ja auch noch nicht, dass hier andere Sitten herrschen, der Kapitalismus sein hässliches Gesicht zeigen wird. Man verwandelt sich zum Gefangenen dieser Stadt, dieser Nacht, die den kleinen Menschen gnadenlos verschlingt.

Es gibt eine Brücke in der Nähe der Kunstkammer, das überhaupt erste Museum in St. Petersburg, in der auch die Kuriositätensammlung von Peter dem Großen zu finden ist, der seinem Volk mit missgebildeten und anderen ausgestopften Gestalten die Wissenschaft näher bringen wollte, während der Eintritt frei war. Eines der kuriosesten Ausstellungsstücke neben den Abnormalitäten und ausgestopften Tieren sind die in Alkohol eingelegten Köpfe der Liebhaber von u. a. Katharina der Ersten, die ich im Katharinenpalast auf einer riesigen Leinwand in ihrer ganzen Hässlichkeit bewundern konnte. Überhaupt sah man da das Herrscherblut, die stämmige Bereitschaft zum Regieren und Unterdrücken.
Von der Brücke aus hat man den besten Blick auf das Schiff und Feuerwerk. Sie liegt direkt mit Ausblick auf die Peter und Paul-Festung, auf die roten Säulen, auf denen später oben die riesigen Flammen gezündet werden. Rechts hat man die beste Sicht auf die Eremitage. Die Fahnen, die Russland repräsentieren, flackern und schlagen laut im Wind. Das Wetter ist durchwachsen, irgendwie haben wir Glück. Es regnet erst, als wir wieder abreisen, dazwischen gibt es Temperaturen von 12 bis 26 Grad, manchmal grell blauer Himmel mit Wolken, dann wieder (häufiger) die dicht verhangene Schleierbewölkung. Man kann nicht ohne Jacke aus dem Haus, diese aber gleichzeitig auch nicht die ganze Zeit tragen. Gerade in den Bussen und in der Metro herrscht eine stickige, fast unerträgliche Luft.

(Brücke, mit der Kunstkammer im Hintergrund, auf der bald die Massen auf das Segelschiff warten.)

Warum nun ein Frühkommen so sinnvoll ist, erklärt mir ein Einheimischer, ist das auf diese Weise Sichern bester Plätze, damit man überhaupt etwas sieht. Man ist hier durchaus nicht alleine (weil ich kurz an so manchen Deutschen denken muss, der sich mit dem Handtuch um vier Uhr morgens seine Strandliege sichert), die Russen handhaben das grundsätzlich und jedes Jahr in dieser Form. Sie kehren nach Feierabend kurz in ihre Häuser zurück, machen sich frisch und ziehen am frühen Abend los, samt Kindermeute und Bekanntschaft, bringen ihre Getränke und Chips direkt in einer Plastiktüte mit.

Zusätzlich, in dieser einen Nacht, die sich im Russischen Alyje Parusa - Purpurne Segel - nennt, in der die Schüler ihren Abschluss feiern und aus allen Teilen der Stadt zusammenkommen, um am Newski Prospekt und seiner Umgebung, auf dem Platz der Eremitage und am Ufer der Newa für ihre Mühen und Strapazen während der Jahre des Lernens belohnt zu werden, fährt Punkt 23 Uhr ein Segelschiff los, um den längsten Tag anzukündigen und damit die Sommerwende. Dafür strömt ganz Petersburg an die Newa, in der Metro konnte man schon tagelang vorher die Werbung für die purpurnen Segel begutachten, die neben der Ankündigung zur Sommerwende auch Symbol für den Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt sind, der Glück verheißend sein soll. Die Feierlichkeiten werden vom Staat bezahlt und organisiert, und diese besagte Nacht gehört genauso zu St. Petersburg wie die Eremitage.
Alexander Grin schrieb 1923 den Roman „Alyje Parusa“, ein sehr beliebtes Jugendbuch, das die Grundgeschichte erzählt. Ein Mädchen namens Assol wächst unter Fischern an einer rauen Meeresküste auf. Eines Tages verkündet ihr ein Märchenerzähler, dass bald ein Schiff mit Purpursegeln am Horizont erscheinen werde und damit den Grundstein für eine große Liebe und ein besseres Leben legen wird. Seitdem wartet sie auf dieses Schiff, ohne auf den Spott der anderen zu hören. Gleichzeitig träumt ein Junge namens Grey von der Seefahrt. Er wird Kapitän auf einem eigenen Schiff und erfährt eines Tages die Geschichte des Mädchens Assol. So bricht er auf, um das Märchen wahr werden zu lassen.

Ich kann es noch kaum glauben, denn die Brücke ist sporadisch mit Leuten besät, natürlich ist das Geländer zum Fluss hin schon dicht besiedelt, aber im Vergleich zur Größe der Brücke wirkt alles noch leichtlebig und unvorstellbar, dass sich bald darauf so viele Menschen tummeln werden. Wir ergattern einen guten Platz, stehen also an diesem Geländer und… beginnen zu warten. Es ist gerade einmal einundzwanzig Uhr, das Schiff soll in zwei Stunden losfahren. Ich fluche leise vor mich hin, bin die ganzen Tage so viel gelaufen, dass mir die Beine unerträglich schmerzen, ich kaum noch stehen kann. Ich male mir aus, wie lange zwei Stunden sind und bemerke, wie sich meine Augen weiten, wie irgendetwas darin sich langsam bis in meinen Hinterkopf zurückzieht und einen leichten Schwindel bewirkt. Zwei Stunden gehen so schnell vorbei, hat man ein Buch dabei oder irgendeine Beschäftigung. Mir aber hier klarzumachen, dass ich nun zwei Stunden auf die Newa starren werde, dazu schon jetzt tierisch erschöpft bin, keine Möglichkeit habe, mich irgendwo hinzusetzen, sondern gezwungen bin, den Platz zu halten, das Geländer mit der mir geratenen guten Sicht beständig zu besetzen und stets im Auge zu behalten, erscheint mir leicht unheimlich.

Was soll’s, denke ich mir schließlich. Stehen und die Stadt betrachten. Mal einfach so, ohne besonderen Anlass oder irgendein Ziel. Die Schiffe bewundern. Auch darin kann Muße liegen. Die Gedanken fliegen mir durch den Kopf, von all dem, was schon war und all dem, was noch kommt, wobei letzteres keine klaren Konturen aufweist. Doch was sich auch immer anbahnen mag, ich fühle mich bereit.
An den Kiosken wird jetzt kein Bier mehr verkauft, wohl um übermäßige Unruhe zu verhindern. Es gibt einige Eiswagen, bei denen man alkoholfreie Getränke und eben Eis kaufen kann. Die Menschen bringen sich ihre Getränke selbst mit. Man sieht bereits einige mit riesigen Flaschen, in denen Wodka, Rum mit Cola und anderes gemischt ist, die nur halb gefüllt sind. Die Jugendlichen sitzen auf den Balustraden und lachen, lassen die Beine baumeln, die Familien und anderen Menschen suchen sich ihren Platz auf der Brücke.
Ich blicke weiter auf das sprudelnde Wasser der Newa, bestaune einige schnell dahin rasende Boote, ab und an kommt auch ein Schiff mit einer ganzen Meute feiernder Schüler vorbei, die uns zuwinken, laut jubeln und grölen und ihre Gläser schwingen. Man erklärt mir, dass die Eltern lange Geld sparen, um ihren Kindern diese Feier auf einem Schiff zu ermöglichen. Die meisten können sich das natürlich nicht leisten. Selbst die Schiffe unterscheiden sich, so sieht man die Schülermeute sowohl auf Ausflugsschiffen wie auch auf zerfallenem und rostigem Tuckerkahn mit eigenem Kapitän.
Auch kommen richtig elegante Yachten vorbei, darauf dann lediglich zwei oder drei Menschen, manchmal noch umzingelt von ihren Bediensteten. Sie suchen sich vom Wasser aus einen guten Sichtplatz, müssen sich beeilen, denn nachher wird auch der Fluss, wie schon zuvor die Straße, gesperrt.
Die Peter Paul-Festung glänzt mit ihren goldenen Kuppeln und Türmchen, davor ist eine lange Schiene mitten ins Wasser gesetzt, auf der gerade einige Flammen nacheinander hochschießen. Wusch. Wusch. Wusch, tönen sie bis an mein Ohr. Die Raketen und Zündungen des bevorstehenden Feuerwerks werden noch einmal überprüft, nichts darf schief gehen. Ganz im Hintergrund erkenne ich die blaue Kuppel der Moschee, die in der Nähe des Leninbalkons liegt und die ich später bewundern werde.


Dann fällt mein Blick auf die Eremitage in ihrer ganzen, abendlichen Schönheit.

Ich überlege kurz, wie schön es wäre, wenn ich irgendwo auf ihrem Dach stände und von dort die Aussicht genießen könnte. Ob durch diese edlen Räume jemand schlendert, wenn niemand mehr da ist, wenn die Tore verschlossen sind? Was für ein Genuss muss es sein, in diesem Prachtpalast von Raum zu Raum zu spazieren und inmitten der geballten Kunst zu schwelgen, während kein anderer Schritt stört, danach auf das Dach zu steigen und zwischen Neptun und anderen Statuen das Schiff mit den roten Segeln zu betrachten. Ich würd’s mir gefallen lassen, denke ich belustigt. Tatsächlich sehe ich zwischen zwei Statuen wirklich eine Silhouette, die sich aber so selten bewegt, dass ich nicht genau weiß, ob die Bewegung nun meiner Einbildung oder der Wirklichkeit entspringt.
Neben uns, in einer kleinen Ausbuchtung der Brücke, bauen verschiedene Presseleute ihre Kameras und Fotoapparate auf. Nicht weit entfernt entdecke ich einen riesigen Kran, und als mein Blick seinem aufgerichteten Hals folgt, erkenne ich hoch oben eine Kamera und einen Menschen, der diese Kamera bedient. Solch einer muss schwindelfrei sein.


Ein weiteres Spektakel auf der Newa ist das Hochgehen aller Brücken, die sich nach und nach öffnen, um die großen Schiffe durchzulassen. Als Kind habe ich diesem Ereignis einmal beigewohnt. Ich spekuliere, welches der auf dem Fluss liegenden Schiffe wohl das besagte Segelschiff sein würde, entdecke zwei in Frage kommende Schiffe, deren Masten sich dreifach nebeneinander erstrecken. Später erfahre ich, dass es sich weder um das eine noch um das andere handelt. Eines davon ist sogar ein fest im Hafen liegendes, wunderschönes Schiff, das ein Restaurant ist und nicht weit entfernt von der Aurora liegt. Eine der Brücken aber, das weiß ich, wird sich öffnen, und darunter hervor wird das Schiff seinen Weg nehmen, seine Kreise ziehen und dem Jubel der Menschen begegnen.

Unter der Brücke, auf der wir stehen, fährt auf einmal ein riesiges Schiff hindurch, das aussieht, als würde es eines dieser großen Rundfahrtschiffe sein. Ich finde, sie sind etwas spät dran, zudem wundere ich mich, da ich noch am Vormittag erfahren habe, dass am heutigen Tag keine Schiffstouren mehr stattfinden. Sowohl das Jazz-Schiff, wie auch die Fahrten nach Puschkin fallen ins Wasser. Ich hatte wirklich Glück, mich für den Katharinenpalast mit seinem Bernsteinzimmer noch rechtzeitig entschlossen zu haben. Einen Tag nach mir wurden der Park und der Palast für zwei Wochen geschlossen.
Auf dem unter mir langsam dahin gleitenden Schiff erkennt man wuselnde Bewegungen von in weißem Hemd und schwarzer Hose gekleideten Personen, die mir wie Kellner erscheinen. Es sind etliche und ihre Handlung ist hektisch. Sie rennen rein und raus, springen über die Balustraden und Geländer, lassen Eimer ins Wasser und ziehen diesen wieder hinauf, um das Deck zu säubern.
Das Schiff platziert sich genau vor unseren Augen, so dass wir im Scherz sagen, dass es uns in dieser Weise noch die Aussicht versperren wird.

Rechts von ihm liegen zwei Anlegestellen, und nachdem das Schiff sich mehrfach verschieden platziert hat, kommt in mir der Verdacht auf, dass der Kapitän das Anlegen nicht allzu gut beherrscht. Das Schiff kommt und kommt nicht voran, sondern schwankt leicht hin und her, eine halbe Stunde vergeht, ohne dass etwas passiert oder auch nur eine der Anlegestellen erreicht ist.

Als ich mich kurz umdrehe, sehe ich, dass sich hinter uns, die wir am Geländer stehen, mehrere Reihen an Menschen gebildet haben. Ich bin überrascht, wie viele es auf einmal sind, wie schnell sie sich ohne mein Bemerken versammelt haben.
„Nicht die erste, aber wenigstens die zweite Reihe!“ sagen zwei kichernde Mädchen hinter mir, die sich abwechselnd fotografieren und laut aufquietschen, als sie die digitalen Bilder betrachten. Zwei weitere, deren Alter ich überhaupt nicht einschätzen kann, da sie sehr jung aussehen, aber miteinander unbeschreiblich erwachsen reden, fragen, ob es möglich wäre, neben mir am Geländer zu stehen. Ich sage: „Selbstverständlich!“, wir rücken alle leicht zusammen, irgendeiner knurrt nicht weit von meinem Ohr entfernt, bis beide Mädchen sich in die winzige, kurz gebildete Lücke am Geländer quetschen. So stehen wir, etwas gedrängter. Alle reden wild durcheinander.
Ich muss nun mein Bein durch das Geländer schieben, um es etwas zu entlasten, um mir gleichzeitig in dieser Form Halt zu verschaffen. Die Menge schwankt leicht hin und her, und kaum habe ich mich versehen, bin ich bereits einige Zentimeter nach links geschoben.
Danach entlaste ich auch das andere Bein, denn irgendwie spüre ich meinen Unterleib kaum noch. Ich bitte inständig darum, dass sich diese unbequeme Warterei lohnen wird, blicke auf die Uhr und muss mit Schrecken erkennen, dass der Zeiger kaum vorankommt.
An das große Schiff vor uns legt gerade ein kleineres an, zwei Uniformierte steigen von einem Schiff ins andere. Irgendetwas Eigenartiges geschieht dort unten, ich kann nicht sagen, dass es wirklich langweilig ist, hier zu stehen. Man schwankt in der Mengenwoge und überlässt sich seinen Gedanken. Nach einigen Minuten fährt ein erstes, größeres Boot vor.
Dort stehen steif mehrere Sicherheitsbeamte, dazwischen ein Mann im Anzug. Ich fixiere meinen Blick, um so viel wie möglich zu erkennen. Hier scheint tatsächlich etwas im Gange zu sein, das doch größere Ausmaße annimmt. Das Schiff ist nahe, jedoch zu weit entfernt, um alles exakt zu erkennen, doch bald merke ich, dass es gar nicht vorhat, an die Anlegestellen zu finden. Es soll also direkt in unserer Sicht, so nahe wie möglich an der Route des Segelschiffes platziert werden, das Schwanken ist lediglich der Wellengang.
Schon ahne ich, dass dort wohl die russische Elite vorfährt, der wahre Reichtum, die Dekadenz. Der Mann im Anzug wird vorsichtig herübergeleitet, am Arm gepackt und verschwindet sofort im Inneren des Schiffes. Das Boot mit den Sicherheitsleuten legt wieder ab und fährt davon.
Gleich darauf fährt ein weiteres, gleicher Sorte, heran, der Ablauf wiederholt sich wie ein zurückgespulter Film, diesmal mit einem Mann und zwei ihn begleitenden Frauen, die eilig in das Innere des Schiffes geleitet werden. So wird dieses Schiff nun mehrfach mit Leuten bestückt und bevölkert, insgesamt sind es wohl an die fünfzehn Mann (Frau), die wohlgenährt und gut gekleidet, von Sicherheitspersonal mit grimmiger Haltung umringt, das Schiff betreten und sich gegenseitig begrüßen. Die Kellnerschaft verneigt sich leicht, Hände werden geschüttelt.
Das erscheint mir dann doch etwas übertrieben. Man erkennt nun zwei dieser Männer im Anzug, die ein Schnellboot besteigen und mit rasender Geschwindigkeit einige Runden auf dem Wasser drehen, aprubt abbremsen, wenden und wieder Gas geben. Im Hintergrund wird der Fluss für alle anderen Wasserfahrzeuge gesperrt, so dass nur noch Polizeiboote, das gewaltige Schiff der Elite und das Schnellboot zu sehen sind, das seine Show vollführt, nicht für uns, die Zuschauer, sondern, weil da jemand sein neues Rennboot ausprobieren will. Einen ganzen Fluss hat man vielleicht auch nicht jeden Tag so einfach zu seiner freien Verfügung.

Etwas Wind kommt auf. Die Fahnen schlagen lärmend um den Mast. Ich ziehe lieber meine Jacke an, obwohl es nicht kalt ist. Jemand hinter mir tuschelt, dass es heute noch regnen soll, beschwichtigt sofort: "Es soll regnen, aber nur kurz." Ich hoffe inständig, dass die Wolken sich wieder verziehen. Immernoch ist es sehr hell. Man kann sich nicht vorstellen, dass es bereits kurz vor 23 Uhr ist.
Nicht weit von der Brücke entfernt entdecke ich auf einmal ein aus dem Nichts getauchtes Boot, das sich trotz der Sperre zwischen Polizeibooten hindurchgeschummelt hat. Sofort ertönt ein ohrenbetäubendes Signal, mehrere Polizeiboote umkreisen es, diskutieren und lassen das Boot nicht zurückfahren oder leiten es hinaus, sondern nehmen die Menschen, die sich auf dem Boot befinden, gnadenlos fest. Wir sehen, wie sie mit auf den Rücken gebundenen Armen von einem Boot ins andere steigen müssen, und man fragt sich, was sie sich dabei gedacht haben, ob sie leicht dümmlich wären oder es vielleicht doch einfach nur ein Zufall war.
Mir wird dabei leicht schummrig im Magen. Diese plötzliche Aktion verstimmt mich nicht, sondern weckt lediglich einen leichten Schauer. Da stehe ich also direkt dabei, bin direkt am Geschehen, was man sonst nur in den Medien am Bildschirm verfolgt.
Seitlich von mir erklingen plötzlich laut gebrüllte Rufe. Ich blicke in die Richtung und sehe, wie die Menschen Schritt für Schritt zurückdrängen. In der dadurch langsam entstehenden Öffnung schreiten in ernster Haltung Uniformierte voran, jene OMON-Truppe von Putin, den Knüppel bereit, die andere Hand an der Waffe. Sie tragen Schutzhelme, wie man sie ab und an bei Demonstrationen gegen Steinschläge erlebt, und wirken durch ihren stampfenden Schritt, dem riesigen Helm und grimmigen Blick wie Marsmenschen. Ihre Kleidung besteht aus einer Tarnuniform in Grau- und Blautönen und bei so manchem dieser kleinen und großen Wichte rutscht der Helm ungünstig ins Gesicht, der dann mit der Hand wieder hochgeschoben wird. Sie verziehen keine Miene, brüllen nur alle paar Meter, dass alle einige Schritte zurücktreten sollen.

Vorsichtig bewegen sich die Menschen nach hinten. Sie laufen hindurch, Mann für Mann, drohen mit ihrer Bewaffnung. Ich bin zum Sprung bereit, um wieder an das Geländer mit guter Aussicht zurückzukehren, ich finde, ich habe einfach zu lange gewartet, um mir meinen guten Platz durch derlei unnötige Aufregung und Forderung nehmen zu lassen, doch nach dem Schlägertrupp folgt auch schon die normale Miliz.
„Zurück!“ schreien sie. „Weiter zurück, sage ich.“
Wir fragen, wohin wir noch sollen. Bis zum Geländer ist nun mindestens ein Meter Platz.
„Zurück, bis hinter die Bordsteinkante!“ ruft einer der Polizisten. Sie stellen sich ungefähr fünf Meter voneinander auf und werfen uns, die wir zurückweichen, hasserfüllte Blicke zu. Und doch herrscht in ihrer Mimik eine überdimensionale und in allen Falten liegende Gewohnheit.
Wenn ich solche Gesichter sehe, dann ahne ich die gesamte Ausbildung im Drill. Noch nie sah ich so viel Hass, so viel Grausamkeit, so viel Gleichgültigkeit gegenüber den Ereignissen und, vor allen Dingen, gegenüber den Menschen, wie in diesem einen Gesicht des Miliztypen, der sich genau vor uns aufbaut. Ein leicht korpulenter, jedoch noch so junger Mensch, der gnadenlos mit dem Stock droht, unter dessen gut gebürsteter Mütze wohl ein scharf gezogener Scheitel liegen musste.
Die so benannte Bordsteinkante ist eine hohe, abgerundete Steinerhöhung, etwa siebzig Zentimeter hoch. Wir weichen immernoch zurück, durch die Masse der Menschen geht alles nur langsam und taumelnd. Man hat auch keinerlei Möglichkeit, sich zu widersetzen oder eine eigene Richtung zu bestimmen.
Schon fällt ein Kind mit dem Bein in ein tiefes Loch und beginnt zu weinen. Mitten zwischen den Steinerhöhungen sieht man es mit dem gesamten Körper nach unten sinken, bis hilfreiche Arme es packen und wieder hinaufziehen. Das Bein blutet, und der Junge wird über die Köpfe der Menschen hinweg davongetragen. Ein Eisenpfeiler fehlte, so dass in der Straße tatsächlich ein Loch klaffte.
Auch ich steige nun rückwärts über den hohen Bordstein, versuche dabei, den Halt nicht zu verlieren, einen Bordstein, den ich auch nur so nenne, weil er als hoher Stein eigentlich nur den Fußgängerweg von der Straße trennt. Hier fahren normalerweise Autos, doch da alles abgesperrt ist, stehen nun wir auf der Straße, während der Fußgängerweg, der etwas mehr als zwei Meter lang ist, völlig leer ist, lediglich durch die im Abstand zueinander stehenden Polizisten und der Presseleute, die immernoch am Geländer in jener Ausbuchtung der Brücke ihre Gerätschaft prüfen, belagert wird. Flüche ertönen, die aber nur bedacht ausgestoßen werden.

(Zwischen (links) dem Geländer der Brücke und (rechts) den Menschen erkennt man die in ihrem Abstand zueinander stehenden Polizisten in ihrer steifen Haltung.)

Für jeden Meter Menschenhaufen ist ein Polizist zuständig, der die Aufsicht hat, dass alles Ruhe und Ordnung bewahrt. Immernoch überrascht mich mal wieder die Genügsamkeit der Menschen, die zwar stöhnen und sich leise beschweren, die aber ihre Fassung trotz ihrer leichten Trunkenheit nicht verlieren. Wendet sich jemand an einen der Polizisten, dann wird höflich erst einmal um Entschuldigung gebeten und gefragt, ob er bitte sagen könnte, wann es denn nun endlich losgeht. Die Polizeiantwort lautet auf jegliche Frage im gleichen Standartsatz. „Ich kann es Ihnen nicht sagen!“ Dieser Satz staubt trocken aus zusammengekniffenen Lippen.
Nur ab und an wechselt so einer die Worte und schreit: „Treten Sie wieder zurück! Ich sage, zurücktreten.“ und schwingt dabei seinen Stock, im Sprung bereit, sich auf die bösartigen Bordsteinüberschreiter zu stürzen, die vom Druck der Menge darübergestolpert sind.
Ich beobachte diesen Miliz-Typen, der auch noch direkt vor mir steht, mir die Sicht nimmt, bin erschüttert über so ein Verhalten, dieses "über Leichen hinweg". Sicherheit, na gut, vielleicht wird all das gemacht, damit niemand gegen das Geländer gedrückt wird und ins Wasser fällt. Aber diese Behandlung scheint doch eher mit dem unten liegenden Schiff zu tun zu haben. Auch sehe ich inmitten all dieser Köpfe und Körper kein einziges rotes Kreuz, dafür etliche Uniformen.

Der Polizist steht steif und mit bewegungslosem, hasserfülltem Gesicht. Der Knüppel ist mit weiß geknöchelter Hand gepackt. Seine Augen schweifen mechanisch über die Köpfe.
Sobald ein Mensch oder, was häufiger geschieht, ein Kind über die Steinerhöhung klettert, wird es böse fixiert und zurückgetrieben. Dabei ist völlig egal, ob es sich um Kinder oder Erwachsene handelt. Sobald dieser Bordstein überstiegen wird, weil die Menge von hinten drückt, fixiert der Polizist die Bewegung und zählt wohl die Sekunden, bevor er handeln wird.
Hinter ihm schreiten seine Vorgesetzten vorüber. Meine Knie werden unsanft gegen den Stein gestoßen, ich drücke mit dem Hintern die weiche Menschenmasse wieder zurück, kenne da keine Skrupel. Ich bin völlig fassungslos und fühle die Woge an Bäuchen in meinem Rücken. Eine unerträgliche Hitze breitet sich durch die Massen aus. Jetzt, so dermaßen zusammengefercht, während vor uns zwei Meter Platz bis zum Geländer ist, stehen wir eng aneinander und rauben uns fast gegenseitig den Atem.

Mittlerweile ist es kurz vor Mitternacht. Das Segelschiff lässt auf sich warten. Erste Versuche werden gestartet, Lichter geschaltet. Mein Interesse bleibt bei diesem Roboter, diesem steif dastehenden Polizisten, bei dem ich mir versuche auszumalen, wie er aussehen musste, wenn er lächelt. Die Vorstellung ist unmöglich. Er starrt in die Menge und reagiert lediglich, wenn jemand wagt, den hohen Stein zu übertreten. Ansonsten steht er wie in Stein gehauen.
Allmählich kann ich mich kaum noch aufrechthalten. Neben mir stehen zwei Betrunkene und machen sich über die Situation lustig. Sie bieten reihum Schnaps aus kleiner Flasche an. Dankend lehne ich ab, sehe aber einige Menschen einen Schluck daraus nehmen. Dahinter steht ein anderes Ehepaar, wobei der Mann seine Frau anjammert:
„Was machen wir hier? Was soll das ganze Theater? Warum gehen wir nicht einfach?“
Sie schüttelt den Kopf und sieht ihn streng, dann bittend an. Ihr Gesicht wechselt von Freude zu Leid. Sie will dieses Segelschiff unbedingt erleben, wie die meisten hier in ihrer Geduld. Er zuckt mit den Schultern und blickt um sich, während sein Atem mir ins Gesicht schlägt, so dass ich den Kopf abwenden muss.
Ich teile seine Ansicht, wäre gerne geflohen, doch sobald ich hinter mich blicke, treffe ich auf die unerschütterliche Wand an Körpern, die undurchdringbar ist. Sie steht, als wäre sie in diese Brückenstraße gepresst und könnte ihre Form erst lösen, wenn alles vorbei ist. Mensch an Mensch, Stimmen und Gespräche, darüber ein hellblauer Himmel, der sich ganz allmählich leicht verändert. Ich stöhne und seufze mit all den anderen, jeder Knochen im Leib singt sein eigenes, tragisches Lied.

Als ich mich wieder zurückwende, wird es kaum besser, dort treffe ich auf das Töten wollende Gesicht der Miliz. Schließlich kann ich nicht mehr und setze mich einfach auf die oberhalb leicht abgerundete Kante des Bordsteins. Einige Menschen handhaben es genauso. Die Zeit verrinnt und nichts geschieht. Die Entlastung der Beine tut gut.
Als ich sitze, dampft mir die Hitze der stehenden Menge ins Gesicht. Obwohl die Luft etwas abgekühlt ist, friert man nicht in diesem Sumpf an Menschen. Die Russen haben auch ein Sprichwort, das lautet: Das Herz - bei dem einen ein Meer, bei dem anderen - ein Sumpf. Und diese geduldigen Menschen, die hier auf das immer weiter weg verschobene Ereignis warten, wachsen mir mit dem eigenen Schmerz im Leib ans Herz.
Ich frage mich, was so lange dauert, ob das Schiff einen Schaden hat oder die Feuerwerkskörper nicht richtig funktionieren. Irgendetwas Unvorhergesehenes musste doch diesen ganzen Ablauf dermaßen verzögern. Gebannt starre ich auf die Newa, auf die weit entfernt liegenden anderen Brücken, suche den Horizont ab, ob ich darauf vielleicht einen roten Funken entdecke.

Kinder toben jetzt nicht mehr herum, sondern stehen müde an die Beine ihrer Eltern gelehnt. Mittlerweile ist es fast ein Uhr. An der Peter und Paul-Festung wird Licht geschaltet, wechselt aus dem Blau in ein Gelb in ein Rot. Auf den beiden roten Säulen werden Flammen gezündet. Die Helligkeit wechselt in eine leichte Dämmerung. Man ist dieses Wechsels aber schnell wieder überdrüssig, da die Zeit scheinbar erneut irgendwie stehengeblieben ist, nichts weiter passiert.
Nun versuche ich wieder die Ereignisse auf dem Schiff auszumachen und stelle mit Erstaunen fest, dass dort genüsslich gespeist wird. Man kann ungenau ins Innere sehen, sieht Silhouetten und Schatten. Ich wage es kaum zu denken, aber eine Unruhe jagt mir durch den Körper, auf einmal stellt sich mir ein Gedanke ganz klar vor Augen: die Verzögerung der Segelschiffsfahrt musste irgendwie mit diesen speisenden Leuten zu tun haben.
Und als hätten meine Gedanken den Ablauf neu gestaltet, kommt auf dem letzten Drücker ein weiteres Boot mit Sicherheitspersonal heran, wohl ein Zuspätkommender, der wiederum, wie alle anderen vor ihm, auf das große Schiff gehievt wird.

(Hier erkennt man das Schiff River Palast und links eines der Securityboote, wobei die Sicherheitsleute gerade jemanden hinüberschleusen.)

Und ich denke mir: Warten wir alle etwa auf ihn? Wartet eine ganze Stadt tatsächlich darauf, dass die Herrschaften dort unten gespeist haben und satt genug sind, um dem Spektakel in aller Ruhe ihre ganze Aufmerksamkeit zu widmen?
Wenn das tatsächlich der Fall ist, so überlege ich weiter, dann handelt es sich bei den Menschen dort unten nicht um bloß reiche Leute mit genügend Kapital, um auf einem Schiff nahe genug die Aussicht zu genießen. Dann musste es sich um weitaus höhere Tiere und einflussreichere Menschen handeln, und welche waren das wohl in Russland, als die Politiker selbst. Wer schon konnte das Vorgehen einer ganzen Stadt abbremsen?
In St. Petersburg tagte, wie ich am Vortag durch einen Taxifahrer erfahren hatte, gerade ein politisches Forum, wo mehrere Abgeordnete aus ganz Russland zusammentrafen. Waren sie es, die den ganzen Ablauf verschoben? Doch, was war ein Forum? Fünfzehn Mann waren dafür einfach eine zu kleine Anzahl an Menschen.
Auch die Miliz vor der Menge kann nichts Genaueres wissen, dessen bin ich mir jetzt fast sicher, darum können sie auch keine konkrete Antwort geben, wenn es lediglich um den Beginn geht. Sie haben ihre Befehle, und diese lauten: Stehen und für Ruhe sorgen. Gerade tritt der Polizist vor mir von einem Bein auf das andere. Vielleicht hat auch er nicht mit dieser langen Nacht, mit dieser so starken Verzögerung der Show gerechnet.

Ich werfe einen genervten Blick auf die Straße vor der Eremitage. Vom Vorplatz des Winterpalastes sieht man Scharen an Schülern und Studenten laufen. Zehntausende an Köpfen mache ich aus, die wie eine gewaltige Masse aus den Nebenstraßen, Plätzen und Parkanlagen quellen und sich an der unteren Balustrade zur Newa hin sammeln. Dort stehen nun auch sie und warten auf das Segelschiff, während sie eigentlich feiern könnten. Im Hintergrund findet immernoch ein Konzert statt, von dem leise Töne zu uns herüber dringen, doch zu leise, um uns alle tatsächlich zu unterhalten. Die Musik stammt von dem Popstar Dima Bilan, dem Gewinner des Eurovision Song Contests 2008. Auch gibt es dazu einen Auftritt des Cirque Du Soleil. All das verpassen wir, hätten es auch verpasst, wenn wir nicht auf der Brücke stehen würden. Denn der Zutritt zum Vorplatz ist, wie schon berichtet, für normal Sterbliche gesperrt.

Endlich nehme ich eine neue Bewegung auf dem Schiff wahr. Die Herrschaften wandern soeben nach oben an Deck. Ein kleines Polizeischiff fährt heran, man sieht, wie sich mehrere Gestalten einander zubeugen, etwas tuscheln, und das Schiff wieder davon düst. Im Hintergrund gehen weitere Lichter an der gegenüberliegenden Brücke an, eine rote Leuchtkugel wird in den Himmel geschossen. Ein bisschen Brot gegen die Ungeduld, die kurz Hoffnung weckt.
Ich erhebe mich wieder, ein Schmerz zischt mir durch den Rücken. Ich werde sofort nach vorne gedrückt, dass meine Knie erneut an den harten Stein prallen. Der betrunkene Mann mit seiner Frau spricht nun in heulendem und leicht lallendem Ton zu ihr, während alle anderen leise murren, jedoch standhaft weiter warten. Irgendjemand hinter mir erklärt, dass letztes Jahr alles zeitgenau klappte. Man wundert sich allgemein über diese absurde Verzögerung.
Ich stelle mir all die Familien vor, die gleich nach der Arbeit mit ihren Kindern zur Newa geströmt sind und nun, da es bereits fast zwei Uhr morgens ist, die letzte Metro um Mitternacht verpasst haben. Wie würden sie nach Hause kommen, wenn alle Straßen abgesperrt, nirgendwo ein Auto fährt? Ich will mir gar nicht ausmalen, wie ich selbst nach Hause finden soll. Die Erschöpfung schleicht sich durch jeden Knochen, ich stoße auf deutsch einen Fluch aus und schimpfe ein bisschen vor mich hin.
Der betrunkene Mann blickt mich jetzt an, blickt sehr lange, bis er vorsichtig fragt, woher ich käme. Ich bedeute ihm, dass ich aus Deutschland sei, und er schlägt sich mehrmals mit lautem Klatschen an die Stirn, wobei ich auf alles gefasst bin.
„Was zum Teufel machst du denn bloß hier?" redet er drauf los. "Du bist ja nicht einmal eine Einheimische. Warum tust du dir diesen ganzen Mist denn nur an! Geh’ und genieß, sei froh, dass du nicht solch dämlichen Traditionen beiwohnen musst.“
Ich lache und nicke und zucke dann mit den Schultern. Nun habe ich schon fast fünf Stunden hinter mich gebracht, so machen die hoffentlich wenigen Minuten, bis das Schiff endlich losfährt, auch nichts mehr aus. Meine Mundwinkel sind einem beständigen Sog nach unten unterzogen, und trotzdem bin ich froh, dass ich hier, inmitten des einfachen Volkes stehe und all das leibhaftig miterlebe, nicht irgendwo auf einer Yacht die Daumen drehe, wo mich der Funken der Wirklichkeit nicht erreicht. Hier spürt man die Anstrengung, das Sein des russischen Volkes. Kein Film, kein anderer Ort könnte mir diese so lebendige Empfindung vermitteln.
Der Mann redet nun vor sich hin, dass er schon in Frankreich war, in Italien, in Spanien, aber noch nie in Deutschland. Dann stampft er auf, packt seine Frau am Arm und zerrt sie mit sich, ohne tatsächlich voranzukommen. Die Masse ist wie eine Mauer. Nicht weit von ihrer vorherigen Position müssen sie aufgeben und stehenbleiben.

Hinter mir ertönt ein Schrei. Schon herrscht Unruhe und Bewegung. Ein Mädchen ist umgekippt und wird von Hand zu Hand nach vorne getragen. Ich lasse sie vor mir auf dem Bordstein sitzen, streiche ihr über das weiße Gesicht. Dicke Tropfen Schweiß stehen ihr auf der Stirn. Ich krame hastig in meinem Rucksack, um ihr etwas zu trinken zu geben. Dort finde ich nur eine Flasche mit einem lauwarmen Schluck Sprite. Eine andere Frau ist zum Glück schneller und reicht Wasser. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und schreie dem Polizisten zu, dass hier jemand umgefallen wäre, er einen Arzt rufen soll. Er blickt durch Schlitzaugen kurz zu uns und sofort wieder weg, starrt weiter mit seiner so geübt bewegungslosen Mimik vor sich hin.
„Scheiß Roboter, tu etwas!“ schreie ich auf deutsch. Er fixiert mich böse. Ich glaube nicht, dass er mich verstanden hat, aber auf einmal zuckt etwas minimalistisch um seine Lippen. Schon setzt er sich in Bewegung, läuft einige Meter davon, ich atme auf.

Als er wenige Augenblicke später wieder zurückkommt, ist er alleine. Das Mädchen sackt in sich zusammen, ihr Freund versucht sie mit einigen Ohrfeigen zu beleben. Der Polizist winkt ihn heran und bedeutet ihm, dass sie schnell und zügig über den Gehweg, auf dem nur die Miliz präsent ist, nach vorne gehen dürfen. Ich traue meinen Ohren nicht.
„Los. Los!“ bedeutet der Polizist, während das Mädchen kaum auf die Beine kommt. Ihr Freund stützt sie, hebt sie dann auf die Arme. Mühsamen Schrittes schreitet er voran und verschwindet auch schon aus meinem Blickfeld, während ich den Polizisten mit Blicken durchbohre.
Dieser Typ hat lediglich Befehl darüber eingeholt, was nun zu tun sei. Unfähig zu handeln oder zu helfen, eigens zu reagieren, was doch eigentlich die Aufgabe der Polizei ist. Jene Aufgabe, die überall ein Trug ist: die helfende Hand der Sicherheit. So fährt mir in den Sinn, dass keiner dieser Spinner sein Leben riskieren würde, geschweige denn tatsächlich nützlich ist. Sie stehen und repräsentieren die Gewaltbereitschaft, die Macht und Überwachung. Gerade in Russland, in dieser riesigen Stadt, mit ihrer absurd hohen Präsenz an Miliz, dient keiner dieser Uniformierten der Menschheit, sondern lediglich dem Staat. Sie halten die Menge in Schach, die noch nicht einmal etwas im Schilde führt. Sie stehen in ihrer aufgeplusterten, übersauberen Uniform und behandeln die Menschen wie den letzten Dreck. Ich möchte ihm, wie er sich da wieder aufgebaut und in seine Reglosigkeit verfallen ist, am liebsten direkt gegen das Schienenbein treten.

Nachdem das Mädchen von ihrem Freund hinausgetragen wurde, hoffentlich schnell genug, damit alles wieder zur Ruhe kommt und beide nicht den gezogenen Knüppel dieser Roboter zu spüren bekommen, werfe ich dem Polizisten weiterhin einen bissigen Blick zu, ohne mich beherrschen zu können. Auf einmal wendet er seinen Kopf, sieht mich direkt an, fixiert mich mit toten Augen. Eine Weile hält er Blickkontakt, starrt ohne zu Blinzeln fest zurück. Mit derartigem Hass soll man sich wirklich nicht anlegen.
Ich blinzle lieber zuerst und wage dann nicht mehr, ihn noch einmal in Augenschein zu nehmen. Ein eiskalter Schauer legt sich einem über den gesamten Körper. Wie schnell kann man in solch einem Land einfach so verschwinden oder einen Unfall haben. Wie gnadenlos wenig Menschlichkeit steckt in so einer längst verbrauchten Seele, die nur durch Uniform und Befehl zusammenhält.

Endlich wird eine weitere, diesmal gelbe Leuchtkugel gezündet. Eine Ampel, juble ich innerlich. Wenn das grüne Licht gezündet wird, dann geht es los.
Auf dem Schiff erspähe ich, dass die Herrschaften am oberen Deck hin und her schlendern und gerade mit Champagner versorgt werden. Erneut nähert sich ein Polizeiboot, um vorsichtig anzufragen, ob es losgehen dürfe. Scheinbar nicht. Vielleicht sind noch nicht alle mit dem Essen und Austernschlürfen fertig.
Es wird zwar eine grüne Leuchtkugel gezündet, und kurz lebe ich auf, aber nichts passiert. Auch die Presse vor mir packt ihre Kameras unter Plastiktüten, ein kleiner Regenschauer setzt ein, hört aber sofort auch wieder auf.
Ich verliere die Geduld, will nur noch gehen, will diesen ganzen Auswurf hinter mich lassen. Der Zusammenbruch des Mädchens und die Tatenlosigkeit des Polizisten, dessen irrer Blick mich schockierte und vielleicht immernoch auf mir ruht, all das frisst sich durch meine Nerven. Auf der Brücke geht nun auch noch das Licht aus. Ich überlege, ob die Fahrt des Segelschiffs vielleicht ins Wasser fällt, doch keiner der Menschen reagiert in diesem Sinne, auch die Presse steht und wartet, der Kameramann auf seinem Kran ist noch sichtbar. Jemand sagt, dass sie hoffentlich Aufnahmen von diesen absurden Vorgängen machen würden, doch in mir macht sich der Verdacht breit, dass gerade die Presse nur das aufnimmt, was sie aufnehmen soll, und es wird sich hinterher genau so bestätigen. Am nächsten Tag erscheint in den Medien nichts von Verspätung, nichts davon, dass eine ganze Stadt auf ein mit fünfzehn Mann besetztes Schiff gewartet hat, es wird nur berichtet, wie schön alles war, wie wundervoll das Segelschiff mit seinen rot bestückten Masten aussah, wie herrlich das Feuerwerk sich am Himmel entfaltete.

Wenn man den wahren Kapitalismus spürt, dann in diesem Land. Hier wartet ein ganzes Volk, eine ganze Stadt aus mehreren zig Tausend Menschen, bis, wie sich ebenfalls hinterher herausstellt, Medwedew und Putin, samt ihrem Gefolge, in Ruhe gespeist, in Ruhe Kaviar gelöffelt haben und dann, nach Belieben, den geblähten Bauch gestreichelt, allmählich nach oben schlendern, sich Champagner einschenken lassen und schließlich bereit sind, damit das Schiff mit den roten Segeln endlich fahren kann. Es ist fast halb drei Uhr morgens, das Polizeiboot fährt zum dritten Mal heran, bekommt wohl einen Wink und begibt sich hinter die nächste Brücke, wo das Segelschiff wartet. Zwei grüne Leuchtkugel werden noch gen Himmel geschossen, mittlerweile ist es dunkel geworden, die Peter und Paul-Festung erstrahlt in verschieden Farben, die Brücke öffnet sich.
Und endlich. Endlich. Endlos endlich. Die Show kann beginnen. Das Volk atmet auf. Atmet mit einer einzigen Lunge auf.
Und in aller Pracht steigen nun die Feuerwerke empor, im Klang lauter klassischer Musik, die die jeweiligen unterschiedlichen Geschosse zeitgenau untermalt. Das Schiff der Herrschaften versperrt zwar den meisten die Sicht, sie müssen ganz nahe dabei sein, nicht nur nahe, das Schiff fährt alleine für sie, nicht für die gewöhnlichen Menschen, doch man spürt jetzt eine große Erleichterung.
Auch ich empfinde sie, während die Menge hinter meinem Rücken Ah und Oh Rufe ausstößt oder klatscht, wenn sich die Flammen und Feuerfarben am Himmel besonders schön ausbreiten und verglühen. Noch einmal strecke ich den gesamten Körper – Halt durch! Halt durch! – und überlasse mich den zerstäubenden Farbexplosionen. Aus der Ferne rückt das Segelschiff langsam voran, so klein und doch schön. Ich denke gleichzeitig, wie herrlich auch in diesem Moment die Eremitage in ihrer gesamten Beleuchtung wirkt (Bild 4), wie sehr sie in ihrem Anblick doch Balsam für alle Strapazen ist.

Die Musik stößt Trompetenklänge und Paukenschlag aus, die Farben der Festung wechseln schnell und flackernd, das Segelschiff ist nun deutlich zu erkennen und stoppt vor den politischen Herrschaften, um dort, nicht an üblicher Stelle, nicht bis ganz an die Brücke heran und wieder zurück, seine Fahrt zu beenden. Da stehen sie dann wohl an der Reling und hauen sich auf die Rücken, leicht angesoffen, leicht notgeil über ihre Macht und loben sich selbst. Schönes rotes Schiff. Haben wir gut gemacht. Ja, hat uns ganz gut gefallen.
Das Abschlussfeuerwerk platzt über die Köpfe, die Leute kreischen und jubeln, die roten Segel erstrahlen am Mast dieser Nacht, und das Spektakel findet bis in die letzte Erschöpfung sein ersehntes Ende.




(Das Segelschiff mit den roten Segeln, das die Sommerwende ankündigt und feste Tradition in St. Petersburg ist.)

(Eremitage in ihrer nächtlichen Beleuchtung. Linker Hand sieht man im Dunklen das Schiff der Politiker und etwas vom Feuerwerk.)

13.
Und genauso schnell, wie die Dinge dann doch noch ihren Lauf genommen haben – oh nein, nichts ist überstanden, nichts ist vorbei -, bricht nun die Flut los. Ich bekomme kaum noch etwas mit. Weder das Segelschiff noch die Präsenz der Miliz, eine stark nach vorne treibende Bewegung beginnt. Gleich einer riesigen Menschenwoge werde ich mitgerissen. Sie strömen zum Ausgang der Brücke, Richtung Eremitage, strömen in alle Richtungen, man kann sich diesem Strom nicht entziehen. Zwischen Körpern eingedrückt, schöpfe ich verzweifelt Atem und rudere mit den Armen. Vom linken Außenrand werde ich durch die Mitte der Massen an den rechten Rand gespült.
Als ich eine kleine Lücke entdecke, nutze ich sie und klettere über einen Zaun. Auf seinem Geländer verharre ich kurz, bevor ich auch schon wieder weiter gedrückt werde und in genauso viel Mensch lande. Nun sehe, rieche, höre ich die Massen. Gesichtslos und bedrohlich verwandeln sie die Straßen, machen sie lebendig und unvorhersehbar.
Alle Schüler und Studenten mischen sich nun aus ihren für sie abgegrenzten Gebieten unter die Menge, die Menge aber darf nicht hinter die Abgrenzung. Immernoch versperrt die Miliz die Umgebung, es ist unmöglich zur Metro oder überhaupt hinaus zu gelangen. Inmitten der Leute, auf neuem Zaun, überblicke ich das Chaos, das sich in verschiedene Richtungen sammelt.
Ich frage mich ernsthaft, wie ich durch dieses Gelage durchkommen soll, wohin ich überhaupt muss, wie ich den Weg zur Metro oder in die Stadt oder zu mir selbst zurück finden soll, wenn alle mir bekannten Straßen abgesperrt sind.
So kneife ich die Augen zusammen und lasse mich mit kleinem Sprung wieder in die Menge fallen, treibe mit dieser Welle der Feierlichkeit mit, lasse mich durch sie führen und lenken. Obwohl die meisten sturzbetrunken sind, sind sie zum Glück nicht aggressiv, obwohl mir ein kräftiger Schluck aus irgendeiner Flasche jetzt auch gut tun würde, um diese Stimmung und Enge leichter zu ertragen.
Es wird um uns herum schon wieder hell, unter meinen Füßen klirrt und knackt es. Ich laufe auf Glas, auf zerbrochenen Flaschen, vielleicht auf Knochen. Busse, die als Toilette umgestaltet wurden, sind überfüllt, vor ihnen ewige Schlangen an Menschen. Ich verkneife mir den Drang, der nach so viel Zeit immer zu spüren ist, der zur beschwerlichen Belastung wird, wenn man nirgendwo hin kann.
Ich weiß nicht mehr, wo ich bin, versuche mich an den Gebäuden zu orientieren, die irgendwie alle gleich erscheinen. Schön, gewaltig, aber nicht besonders hilfreich. Die Wege, die ich kenne, sind abgesperrt.
Die Masse lichtet sich unmerklich. Irgendwie bin ich schon ganz an den Rand der Häuser gespült und überlege, wohin ich mich nun wenden soll. Ich sehe, wie einige der Studenten fröhlich singend, die letzten Flaschen schwingend, in eine Straße einbiegen, schätze grob, dass hinter der Häuserfront vielleicht eine geöffnete Straße für den Heimweg liegen könnte und folge ihnen, weil sie mir wie Leute auf dem Heimweg erscheinen, die nach einer durchzechten Nacht Sehnsucht nach ihren Betten verspüren, bis ich erkenne, dass sie in ihrer guten Stimmung lediglich um das Haus herumlaufen, was zur Folge hat, dass man im Quadrat dann wieder genau auf der Straße landet, von der man zuvor schon gekommen ist. Ich keuche und japse.
Kaum noch Kraft in den Beinen, im Gedanken, dass ein einfaches Geradeausgehen mir viel Zeit erspart hätte, laufe ich weiter und weiter. Endlich entdecke ich einen Zaun, der in seiner zwei x drei Meter Gesamtheit aus der Fassung gebrochen ist und schräg vom restlichen Gitter absteht. Ich schlüpfe, wie etliche andere junge Menschen auch, hindurch und befinde mich endlich wieder in einem Park, den ich kenne. Einige Mädchen taumeln mir entgegen, lachen und greifen meine Hand. Ich lasse mich eine Weile mitziehen, bis die Masse wieder dichter wird, und verliere sie aus den Augen.
So durchquere ich weiter den Park, ohne recht zu wissen, wie ich es immernoch schaffe, mich voranzuschleppen, und sehe drei Taxen, die auf der immernoch gesperrten Straße warten. Ich stoße einen Jubelschrei aus, eile hin und erkundige mich, ob sie fahren würden. Die Antwort ist positiv. Ich atme auf und frage, was es kosten würde. Die Antwort lässt mir das Blut gefrieren.
Eine normale Fahrt aus dieser Gegend zum Haus meiner Großmutter kostet normalerweise an die 300 Rubel. Der Preis, den mir der grinsende Taxifahrer nennt, beläuft sich auf 5000 Rubel. Ich schlucke. Selbst wenn ich wollte, hätte ich nicht so viel Geld dabei. Ein nächstes Taxi ist auch nicht besser, wenn auch schon günstiger. 2800 Rubel. Ich winke ab und laufe weiter.
Die Metro fährt jetzt nicht mehr, ich müsste bis fünf oder sechs Uhr morgens in dieser ausschweifenden Stimmung herumirren, ohne selbst einen Tropfen Alkohol im Blut zu haben. Ich überlege, ob ich eine Bar aufsuchen soll, jedoch hat keine mehr offen, lediglich eine Sushibar in greller Beleuchtung, die dazu auch noch völlig überfüllt ist. Dann komme ich an einem vereinzelt geöffneten Kiosk vorbei und sehe eine unfassbar lange Schlange. Sie stehen für Bier an, für diese Menschen ist die Nacht noch lange nicht beendet.
Die Müdigkeit überwältigt mich, die Helligkeit schlägt mir auf das Gemüt, ich friere, obwohl es nicht kalt ist. Irgendetwas frisst sich durch mein Inneres. Meine Beine spüre ich nicht mehr. Ich schwanke voran, immer mit der Menschenmenge, die sich wieder etwas lichtet, überquere Straßen, Plätze, Zebrastreifen mit blinkenden Ampeln, laufe mit dem Strom. Die Richtung muss stimmen, denn je weiter ich mich voranschleppe, desto mehr gleichen die Körperhaltungen meiner eigenen Verfassung. Wir sind hier also auf dem Weg der Verdammten, der Schlapp-Macher, der Heimkehrer. Hinter uns wird weiter gefeiert und gegrölt, gesungen und getanzt. Selbst mit dreiunddreißig Jahren fühle ich mich auf einmal uralt, zu alt, um so eine Nacht zu überstehen.

Vor der Metro dann ein ähnliches Schauspiel. Mit der Idee im Kopf, dort irgendwo zu warten, treffe ich auf die nächste Absperrung. Man muss sich bewusst machen, dass es der einzige Weg zur Metro ist, es gibt keine Querstraße oder einen anderen Weg dorthin. Die Leute stehen und diskutieren mit der Miliz, die ihre Standartantwort verkündet: „Wir haben keine Ahnung! Gehen Sie weiter!“
Weiter ist gut, denke ich. Es gibt kein Weiter. Es gibt nur Stillstand oder Rückkehr.
Auf der gesperrten Straße laufen einige Schüler und heben ihre Flaschen. Für diese sporadischen Feierfreunde bleibt die Straße für den Rest der Stadt, Familien, Kinder, Nichtschüler, weiterhin gesperrt. Sie haben am Vortag alle eine Karte gekauft, die es ihnen ermöglicht, das abgesperrte Gebiet zu betreten und für sich zu nutzen, bis die letzten der Feier- und Feuerfreudigen müde werden. Solange wird nichts geöffnet. Und sollte es auch nur ein torkelnder Mensch, der letzte fleischliche Rest einer Nacht sein, der nicht aufgeben will.

Ich bahne mir einen Weg durch die nun an dieser Stelle neu gestaute Menschenmenge, weiche in eine Nebenstraße aus, versuche mir die Augen mit den Fingern offen zu halten, und sehe erneut ein Taxi, das hinter der letzten Häuserecke einbiegt und auf mich zukommt. Ich renne mit aller Kraft auf das Autofenster zu, wie auf ein Licht am Ende des Tunnels, beuge mich hinein und frage mit ersterbender Stimme, ob der Fahrer in die Budapeschskaja fährt und was es kosten würde. Ich weiß nicht genau, was passiert ist, aber auf einmal erwachte ein Funken Menschlichkeit in ihm. Im Gegensatz zu den anderen, die die Gunst der Stunde erbarmungslos ausnutzten, ruft er nach einigem Überlegen „1000 Rubel!“.
Ich glaube, so schnell bin ich noch nie in ein Auto gestiegen. In den Sitz zurückgelehnt spüre ich dann die ganze Müdigkeit mit voller Wucht durch meinen Körper rauschen, bis sich dieses Rauschen in meinem Kopf festsetzt. Alles verlischt dahinter. Die Häuser und Lampen, Türen und Menschen schwimmen wie Irrlichter an mir vorüber. Ich zähle die Minuten, die das Bett näher rückt. Die Vögel beginnen überlaut zu zwitschern.
Ich starre vor mich hin, ohne etwas zu sehen, erkenne nur den Hinterkopf des Taxifahrers, dem ich tiefe Dankbarkeit entgegenbringe. Er fährt mich sicher heimwärts, winkt zum Abschied, während ich die letzten Stufen im Treppenhaus hinaufächze, dabei abwechselnd ein Bein packend, um es von Stufe zu Stufe hochzuheben. Verzögert öffnet sich vor mir die stille Wohnung, das Zimmer, in dem ich schlafe, die Weichheit der Kissen.

Weiße Nacht, du mit deinen roten Segeln und dem flammenden Himmel, den vielen Gesichtern und nicht befahrenen, glasknirschenden Straßen. Dich werde ich wohl, ob ich will oder nicht, für immer fest verankert in meinem Gedächtnis behalten.

(Morgen folgt Teil 5)

Liebe Grüße
Taxine

Angefügte Bilder:
weina2.jpg
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Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 01.07.2010 20:59 | nach oben springen

#33

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 29.06.2010 02:30
von LX.C • 2.689 Beiträge

Mal ehrlich, so stellt man sich Russland vor, ich hab den Drill und die strengen, verhärteten Gesichter der Soldaten noch vor Augen, die in der Russenkaserne gegenüber dem Wohnhaus meiner Großeltern ausgebildet wurden. Und an dieser Härte wird sich auch nie etwas ändern.
Wir hier schimpfen und jammern auf hohem Niveau, dabei kann man doch froh sein, in dieses Land hineingeboren zu sein.
Mit den Bildern, die sich in mir aufgetan haben, gehe ich jetzt ins Bett. Sprachlos, nachdenklich. Ich weiß nicht, ob ich mir das angetan hätte. Ich bewundere dich dafür.


--------------
Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 29.06.2010 02:34 | nach oben springen

#34

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 29.06.2010 09:35
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Toll geschrieben, du musst das mal als Buch veröffentlichen. Diese kafkaesken Szenen, großartig ...
Mich würde noch interessieren, seit wann es diese Tradition mit den roten Segeln gibt? Was steckt dahinter?




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
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#35

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 29.06.2010 09:57
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Roquairol
Toll geschrieben, du musst das mal als Buch veröffentlichen. Diese kafkaesken Szenen, großartig ...
Mich würde noch interessieren, seit wann es diese Tradition mit den roten Segeln gibt? Was steckt dahinter?



Sag ich doch!

Und das mit dem Kafkaesken..., Taxinchen mixt dann noch etwas "Bartlebyisches" mit hinein!

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#36

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 29.06.2010 11:31
von Martinus • 3.194 Beiträge

Zitat von Roquairol
Toll geschrieben, du musst das mal als Buch veröffentlichen.



Das Buch bekommt meine Mutter zu Weihnachten, mein Bruder auch, denn der war auch mal in St. Petersburg.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 29.06.2010 11:31 | nach oben springen

#37

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 29.06.2010 14:15
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Oha... dank' euch. Ich habe gehofft, das der Höhepunkt dieser Eindrücke genauso intensiv herüberkommt, wie ich ihn erlebt habe.

Zitat von LX.C
Mit den Bildern, die sich in mir aufgetan haben, gehe ich jetzt ins Bett. Sprachlos, nachdenklich. Ich weiß nicht, ob ich mir das angetan hätte. Ich bewundere dich dafür.


Ehrlich gesagt, ich hatte kaum eine Wahl, konnte nicht einmal flüchten.

Zitat von Roquairol
Toll geschrieben, du musst das mal als Buch veröffentlichen. Diese kafkaesken Szenen, großartig ...
Mich würde noch interessieren, seit wann es diese Tradition mit den roten Segeln gibt? Was steckt dahinter?


Wenn ich einen Verlag finde, der das drucken will...
Die Tradition mit den roten Segeln, du hast recht, das muss ich noch einfügen, um es genauer ins Wort zu fassen:

(Hier der überarbeitete Auszug, den ich oben gleich einbauen werde:)

Zusätzlich, in dieser einen Nacht, die sich im Russischen Alyje Parusa - Purpurne Segel - nennt, in der die Schüler ihren Abschluss feiern und aus allen Teilen der Stadt zusammenkommen, um am Newski Prospekt und seiner Umgebung, auf dem Platz der Eremitage und am Ufer der Newa für ihre Mühen und Strapazen während der Jahre des Lernens belohnt zu werden, fährt Punkt 23 Uhr ein Segelschiff los, um den längsten Tag anzukündigen und damit die Sommerwende. Dafür strömt ganz Petersburg an die Newa, in der Metro konnte man schon tagelang vorher die Werbung für die purpurnen Segel begutachten, die neben der Ankündigung zur Sommerwende auch Symbol für den Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt sind, der Glück verheißend sein soll. Die Feierlichkeiten werden vom Staat bezahlt und organisiert, und diese besagte Nacht gehört genauso zu St. Petersburg wie die Eremitage.
Alexander Grin schrieb 1923 den Roman „Alyje Parusa“, ein sehr beliebtes Jugendbuch, das die Grundgeschichte erzählt. Ein Mädchen namens Assol wächst unter Fischern an einer rauen Meeresküste auf. Eines Tages verkündet ihr ein Märchenerzähler, dass bald ein Schiff mit Purpursegeln am Horizont erscheinen werde und damit den Grundstein für eine große Liebe und ein besseres Leben legen wird. Seitdem wartet sie auf dieses Schiff, ohne auf den Spott der anderen zu hören. Gleichzeitig träumt ein Junge namens Grey von der Seefahrt. Er wird Kapitän auf einem eigenen Schiff und erfährt eines Tages die Geschichte des Mädchens Assol. So bricht er auf, um das Märchen wahr werden zu lassen...

Liebe Grüße
Taxine




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 29.06.2010 14:32 | nach oben springen

#38

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 29.06.2010 14:28
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Erinnert mich irgendwie an die Seeräuber-Jenny aus der Dreigroschenoper: "Und ein Schiff mit acht Segeln und mit fünfzig Kanonen wird liegen am Kai ..."




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
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#39

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 29.06.2010 14:37
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

... ja, die stehen auf ihre Symboliken und Glücksversprechungen, da wird eben mal eine Geschichte genommen und in die Wirklichkeit versetzt.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 29.06.2010 14:37 | nach oben springen

#40

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 29.06.2010 14:45
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Taxine

Alexander Grin schrieb 1923 den Roman „Alyje Parusa“, ein sehr beliebtes Jugendbuch, das die Grundgeschichte erzählt. Ein Mädchen namens Assol wächst unter Fischern an einer rauen Meeresküste auf. Eines Tages verkündet ihr ein Märchenerzähler, dass bald ein Schiff mit Purpursegeln am Horizont erscheinen werde und damit den Grundstein für eine große Liebe und ein besseres Leben legen wird. Seitdem wartet sie auf dieses Schiff, ohne auf den Spott der anderen zu hören. Gleichzeitig träumt ein Junge namens Grey von der Seefahrt. Er wird Kapitän auf einem eigenen Schiff und erfährt eines Tages die Geschichte des Mädchens Assol. So bricht er auf, um das Märchen wahr werden zu lassen...





Das Buch wurde auch verilmt:

http://www.kabeleins.de/film_dvd/filmlex...hp?filmnr=55958

Ich überlege gerade, ob ich uns die DVD gönne:

http://www.amazon.de/Purpurrote-Segel-Sc...a/dp/B001M1Z5XI

Dieser Film ist einfach traumhaft schön. Ich weiß noch, wenn wir als Kinder diesen Film schauten, dann waren die Erwachsenen grundsätzlich immer dem Schluchzen noch näher als wir, das staunend romantische Junngvolk. Doch wirklich, dieser Film hat was, in seiner künstlerischen Gestaltung, seinen Schauspielern und nicht zuletzt in seiner "ewigen" Botschaft.


Mit diesem Beitrag wurden folgende Inhalte verknüpft

zuletzt bearbeitet 29.06.2010 14:46 | nach oben springen

#41

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 29.06.2010 16:03
von LX.C • 2.689 Beiträge

Zitat von Taxine

Zitat von LX.C
Mit den Bildern, die sich in mir aufgetan haben, gehe ich jetzt ins Bett. Sprachlos, nachdenklich. Ich weiß nicht, ob ich mir das angetan hätte. Ich bewundere dich dafür.


Ehrlich gesagt, ich hatte kaum eine Wahl, konnte nicht einmal flüchten.




Ja, als du dann dort auf der Brücke standest, das habe ich ja gelesen, aber ich meinte, ob ich überhaupt erst losgegangen wäre, unter vorheriger Abwägung möglicher auf mich zukommender Umstände, oder mir zumindest ein Plätzchen abseits des Trubels gesucht hätte.
Aber wer hätte auch ahnen können, dass die politische Elite aufschlägt. Ohne diese hättet ihr vielleicht die Brücke für euch gehabt und ganz sicher wäre es nicht zur Verzögerung gekommen, wie du selbst schreibst. Aber mal noch eine andere Frage. Ab wann wird es denn dunkel in dieser Nacht und hätte ein Feuerwerk um 23 Uhr (falls noch nicht dunkel) überhaupt so viel Schönheit entfalten können?


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#42

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 29.06.2010 16:21
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Abseits des Trubels - das gab es nicht. Du kannst dir das nicht vorstellen. Die Stadt war nur noch eine einzige Menschenmasse. Abseits des Trubels wäre höchstens gewesen, wenn ich zu Hause geblieben wäre und das Ganze am Bildschirm verfolgt hätte.

Das Segelschiff wäre normalerweise um 23 Uhr losgefahren, hätte dann diese Strecke über die Newa genommen, an all den Zuschauern vorbei, während es langsam gedämmert hätte, und das Feuerwerk wäre dann der überwältigende Abschluss - die Krönung - gewesen. So haben sie verspätet alles auf einmal losplatzen lassen. Das hier keine normale Situation vorherrschte, erkannte man auch deutlich durch die Reaktionen der Leute.

Ich kann mir allerdings vorstellen, dass es mit Sicherheit kaum so schön und prächtig gewesen wäre, wäre die politische Elite nicht da gewesen.
Da bliebe nur, noch einmal hinzufahren, aber, aus dem, was ich jetzt weiß, würde ich deine Ansicht teilen und mich sicherlich nicht für eine gute Sicht auf der Brücke zerquetschen lassen. Leider ist diese der einzige Ort, von dem aus man das Schiff überhaupt sieht. Die gesamte Newafront darf nur von Schülern betreten werden.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 29.06.2010 17:06 | nach oben springen

#43

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 29.06.2010 17:27
von LX.C • 2.689 Beiträge

Zitat von Taxine
Abseits des Trubels - das gab es nicht.


Ja, aber auf dieser Brücke zu stehen ist vermutlich die Spitze des Eisbergs. Das Feuerwerk ist sicher von vielen Orten zu beobachten, Abstriche müsste man dann bei dem Schiff machen.
Wie auch immer, ich habe deinen Text sehr interessiert durchgelesen und ich denke, du verstehst schon wie ich es meine.


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zuletzt bearbeitet 29.06.2010 17:28 | nach oben springen

#44

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 30.06.2010 00:14
von Taxine • Admin | 5.889 Beiträge

Ja klar, weiß ich, wie du es meinst.


So, und nun folgt der vorerst letzte Teil:

Eindrücke von St. Petersburg
Teil 5

14.
Ich komme gerade von der Blutskirche. An den Häuserfronten entlang, mitten auf der Straße, sind Gemälde aufgehängt, die ich erstaunt nacheinander betrachte. Ein guter Platz, um Bilder zu hängen, mitten im Getümmel. Später finde ich heraus, dass es sich um Kopien der Bilder handelt, die im russischen Museum hängen, vor dem der stehende Puschkin in erhabener Pose seinen Arm ausstreckt und damit etlichen Tauben Platz bietet.


Beim Träumen von der hohen Gabe
Des, der einst Russlands Schicksal war,
Steh ich am Twerer Boulevard,
Ich steh und stell mir manche Frage.

Als Blonder, und noch als Ergrauter,
Und legendär wie Nebel wehn,
Warst, Alexander, du ein Gauner,
Wie heute ich ein Hooligan.

Doch diese liebenswerten Possen
Verdunkelten dein Abbild nicht,
In Bronze, die der Ruhm gegossen,
Senkst du dein stolzes Angesicht.

Ich steh' hier, wie vorm Abendmahle,
Und sage dir als Antwort gern:
Wollt' sofort tot zu Boden fallen,
Würd’ mich ein solches Schicksal ehr’n.

Doch, ausgeliefert dem Gemeinen,
Tönt, hoff' ich, lang noch mein Gesang …
Damit mein Steppenlied wie deines
Dereinst in Bronze klingen kann.


(Sergej Jessenin – „Mein Puschkin“, übersetzt von E. Boerner)

Von der anderen Straßenseite hört man jeden Tag im Vorbeigehen eine melancholische Stimme volkstümlich singen. Bald darauf erblickt man ein kleines Mädchen an einem Stand mit Cds sitzen, leicht nach vorne gebeugt und ohne große Reaktion. Sie hockt bescheiden zwischen all diesen Tonträgern, hält die Hände gefaltet. Nur wenn jemand an sie herantritt, dann beginnt sie zu verhandeln, verlangt so und so viel Rubel und schnippt mit den Fingern.
Die Stimme des Sängers, der aus dem Rekorder zu hören ist, klingt wehmütig und entbehrt nicht der Tragik und damit der Schönheit, drückt sich in solchen Liedern aus, die die Russen lieben, die sie in ihren Abendstunden singen, durch deren Melodie sie sich nach besseren Zeiten sehnen. Ich kann mir vorstellen, dass das Mädchen die Tochter des Sängers ist, der sie jeden Tag losschickt, um seine Aufnahmen unter die Leute zu bringen.
Als ich jetzt laufe, sehe ich zwischen den Cdhüllen zum ersten Mal jemand anderen sitzen, und als ich näher trete, stimmt das Gesicht des Mannes mit dem auf dem Cover der Cds überein. Er ist leicht angetrunken und kippt vornüber, seine Frisur erinnert an die eines Pagen vergangener Zeiten, der jedoch nicht nur bedient, sondern soeben aus den Gemächern des Übersatten zurückkehrt. Kreuz und quer liegen die Haare, durch die glühend rot die Kopfhaut funkelt. Auch seine Nase wirkt, als wäre sie wie Popcorn aufgepufft.
Das Mädchen ist nicht zu sehen, aus dem Cd-Player tönt seine bleierne Stimme, mit der im Takt er sich wiegt. Ein eigenartiges Leben, denke ich mir. Vielleicht schwierig, doch nicht schwieriger als so viele andere Leben. Verrauchte Kneipen, Straßengesang. Das kleine Mädchen ist darin fester Bestandteil und mit ihren sechs Jahren schnell erwachsen geworden.

Im russischen Museum hängen Bilder, die so riesig sind, dass die abgebildeten Figuren fast dreifach so hoch sind, wie man selbst.


Eines der Bilder ist von kleineren Bildern umringt, welche die Studien für das Bild darstellen. Jene Studien jedoch könnten durchaus für sich stehen.

Überhaupt bin ich von den russischen Realisten stark beeindruckt. Eine Kunst, dass manchmal ein Bild wie eine übergroße Fotografie wirkt, z. B. eine Schneelandschaft oder eine dieser allmächtigen Wellen von Aiwasowskij. Dessen Wasser ist so klar, dass man glaubt, meterweit auf Grund zu blicken. Opal- und schimmernde Blautöne, manchmal gläsern oder verschwommen, mit der so lebendig wirkenden Gischt des Meeres.

(Eines der riesigen Bilder von Aiwasowskij, „Schiffbruch“)

Mehr zu diesem herausragenden Künstler: Hier!

Ich habe noch nirgendwo so ein Wasser gesehen. Nicht einmal in der Wirklichkeit.
Man begegnet dort der Skulptur von Gogol und stößt mehrere Räume weiter auf ein Portrait von Tolstoi als barfüßigen Wanderprediger, gemalt von Repin, der durch seine Wolgatreidler bekannt wurde, oder auch auf die Ikonen von Andrej Rubljow, den Tarkowskij im Film verewigt hat und der in Russland bis heute sehr berühmt ist. Repin und Aiwasowskij haben auch ein gemeinsames Bild gemalt. „Puschkins Abschied vom Meer“.

(Gogol]


(Repin: Portrait von Tolstoi)


(Aiwasowski und I. Repin 1887, Quelle: galerie.ru)

Auch gibt es eine „moderne Ebene“, wo man u. a. auf Malewitsch trifft, oder auf Valentin Serow, der Ida Rubenstein auf seine ganz eigene Weise porträtiert hat. Fast zufällig stößt man auf den Spaziergang von Chagall.
Bei all den Kunsteindrücken, die sich mir tief eingeprägt haben, ist eine erstaunliche Gier geweckt, mich in der eigenen Malerei ganz neu zu verlieren. Das erste Bild wird wohl eine Metrofahrt darstellen. Die Picassos, die russischen Realisten, von denen ich so viele nicht einmal kannte, die Riberas und Murillos, all diese Geniepinselstriche habe ich mir einverleibt und sie wiederum haben in mir Inspiration geweckt.

Eine der Ausstellungen im russischen Museum war die von Pyotr Konchalovsky. Die fast 120 Bilder sind von ausdrucksstarker Farbe und manchmal dicken Pinselstrichen, deren Struktur dem Abgebildeten eine regelrechte Bewegung initiiert. Die Bilder entstanden 1912 und sind doch von ausdrucksstarker Modernität.

Immernoch auf dem Weg zurück von der Blutskirche komme ich nun an mehreren Bistros und Cafés vorbei. Hier herrscht Tourismus, die Preise sind eher teuer. Man sitzt auf Holzbänken und hört allerlei englisch und deutschsprachige Laute. Im Inneren eines dieser Cafés, das sich, betritt man es, als regelrechtes Kellergewölbe herausstellt, feiert zu Mittag eine ganze deutsche Truppe. Ihr lautes Gegröle, das Anstoßen mit russisch gelobtem Bier bringt mich zum Lachen. Einer der Deutschen beschwert sich einige Meter weiter gerade bei einer der Kellnerinnen, dass die Speisekarten nur russisch und englisch gedruckt seien. „Er hätte es doch verdient… Die Deutschen, sie hätten doch verdient…“
Ich ging schnell weiter.

Auf einmal wanken aus einer Nebengasse zwei Frauen heraus, mit tiefem Ausschnitt, eng anliegendem Kleid, den üblich sehr hohen Hakenschuhen und leicht zerwühlter Frisur. Ihr Gang, wie auch sie selbst, sind auffällig. Sie heben sich durch ihre Freizügigkeit und das enorme Torkeln stark von der übrigen Meute ab. Sie laufen direkt vor mir.
Die Kleinere klammert sich an die Andere im roten Kleid. Sie kichern. Man sieht sofort, was sie sind. Ich überlege, was sie wohl gerade erlebt haben müssen und was, verhältnismäßig gesehen, ein Mann mit Geld doch für ein Glück hat, dass er auf so schöne Frauen steigen darf. Vielleicht hat sie irgendein reicher Sack für eine Nacht gebucht. Die Mittagszeit lässt darauf schließen, dass es eine lange Nacht war.
In meinem Kopf rattern filmische Bildsequenzen, was sein könnte oder auch nicht. Sie sind beide sehr attraktiv, wären ihre Gesichter nicht so verwischt, stände in ihnen nicht so deutlich das zuvor Erlebte geschrieben, der Einfluss von Drogen, Alkohol und Rausch, die leichte Erschöpfung des Danach, die Unausgeschlafenheit, um nun gemeinsam irgendwie den Heimweg anzutreten. Die Röcke, durch die runde und feste Backen schwingen, sind leicht fleckig, ich wende den Blick verlegen ab und richte ihn auf die Vorüberkommenden.
Diese versuchen den stark schwankenden Bewegungen auszuweichen. Einige lächeln und flüstern sich etwas zu, andere blicken empört und wenden mehrmals den Kopf. Die Frauen sind in dieser Gegend vielleicht doch auffällig genug, um selbst die Einheimischen zu irritieren, wo sie sonst kaum den Kopf heben, um einander zu betrachten. Vielleicht ist es die ungünstige Uhrzeit, vielleicht findet man solche Frauen eher an anderen Plätzen. Ich weiß es nicht, aber beide wissen sich wohl zu helfen. Wer sie auslacht, denen begegnen sie mit lallendem Spott, wer schimpft, wird in einer ruckartigen Kopfbewegung abgetan. Sie haben im Moment einander, und werden ihren Weg schon gehen.
Neben mir fährt ein riesiges Auto vor. Daraus hervor steigen zwei reiche Damen, geliftet und mit Juwelen geschmückt, und mischen sich unter die Leute. Dieser luxuriöse Wagen zwischen den anderen Wracks sticht hervor. Ich wundere mich, dass sie so einfach wagen, ihren Schlitten dazwischen abzustellen.

So viele Menschen und sicherlich etliche Geschichten. Gerne würde ich mehr über die alten Blumenfrauen erfahren, die sich an den Parkeingängen und Metrohaltestellen ein paar Kröten verdienen. Die Blumen sind meist verwelkt oder eben mehrere Meter weiter im Park selbst zu finden. Doch die Leute kaufen. Der Mutter, Tochter, Großmutter, Tante, Geliebten einen Strauß mitzubringen, ist eine nette Geste und stark verbreitet. Manchmal hört man sie laut miteinander streiten. Es bleibt Kampf und Überleben. Schon als Kind sah ich etliche dieser Frauen. Sie verkaufen Blumen, Selbstgebackenes, kleine Hundewelpen.

Bedingungslos vorvererbt wurde mir eine zehnbändige Ausgabe von Dostojewskij in russischer Sprache. Ich werde vielleicht erst einmal mit Tschechow beginnen, da dieser einfacher schrieb. Die Buchstaben zu entziffern, die Worte im Kopf zu bilden, bis man sie deuten kann, das Ganze noch einmal für sich zu lesen, ist nicht so schwierig, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Bücher in diesem großen Regal meiner Großmutter tragen ihre eigene Geschichte. Durch den Tausch von Lebensmittelkarten und das emsige Sammeln von Buchscheinen, die dann abgegeben nach fünf Jahren einen Band Tschechow ermöglichten, haben sich meine Großeltern ihre Bibliothek über all die Jahre langsam zusammengesucht. Für Bücher musste man Beziehungen haben. Das Dom Kniga, das heute über Etagen reich gefüllt ist, mit Moderne und Klassik auf neuem und altem Papier, führte früher in leichter Übertreibung nur Marx und Lenin Werke und vielleicht einen Band von Puschkin. Es war nicht einfach, sich Literatur zu verschaffen.
Ich habe mich immer gefragt, warum sich mir diese Sprache so tief eingeprägt hat, warum ich die Menschen nach all den Jahren immernoch verstehe, selbst reden kann. Meine Mutter hat selten mit mir Russisch gesprochen, und obwohl ich früh Russischunterricht hatte, kann eine Schule das Gedächtnis nicht so intensiv prägen.
Die Russen erwarten übrigens ganz selbstverständlich, dass man ihre Sprache beherrscht. Sie setzen es regelrecht voraus, um dich zu akzeptieren. Wenn jemand sich nicht in ihren Worten verständigen kann, findet er nicht völlig in ihren Kreis hinein. Er wird gerne eingeladen, genauso gerne angesprochen und auch ebenso gerne belächelt. Wenn man sie dagegen fragt, welche anderen Sprachen sie beherrschen, wird, genauso selbstverständlich, das Fehlen jeglicher Sprachkenntnisse mit einem Schulterzucken abgetan. Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.
Aufklärung über meine eigene Tiefverwurzelung in jener Sprache verschaffte mir schließlich meine Großmutter, weil ich, ohne es mehr zu wissen, wohl eine Zeit lang bei ihr verbracht habe. Zunächst, so erzählte sie mir, traute ich mich nicht, mich auszudrücken, wollte nicht mit anderen Kindern spielen. Ich fühlte mich alleine gelassen, meine Eltern waren gerade zu Besuch in Moskau. Ich trottete lustlos zum Spielplatz, wobei mein Großvater schreckliche Ängste ausstand, wie er es immer tat. Er hatte bei seinen eigenen Kindern oder wenn andere Kinder zu Besuch waren, immer einen längeren Hals als sonst, weil er ständig auf dem Balkon stand und nach ihnen Ausschau hielt.
„Hoffentlich passiert nichts. Hoffentlich passiert nichts!“ pflegte er dann immer zu sagen. „Wie kannst du sie nur so einfach gehen lassen!“
Meine Großmutter winkte dann ab. „Wir haben sie doch im Auge. Mach dir keine Gedanken!“
Meinen Großvater vermisse ich sehr. Seine Art, beim Essen die Menschen regelrecht zu nötigen, sich vollzustopfen, während er eine Scheibe Brot in kleine Stückchen zerteilte und mit seinem schlechten Gebiss ganz langsam kaute. Wie er im Sessel saß und eine nach der anderen rauchte, mich auf seinen Schoß hob und mir Geschichten erzählte. Wie er, selbst als er von seinem Lungenkrebs erfuhr, weiter rauchte, nicht in ein Krankenhaus wollte, sondern erklärte: „Wenn ich schon sterbe, dann dort, wo ich zu Hause bin, umgeben von den Menschen, die ich liebe!“ In diesem Sessel, an den ich mich erinnere, der heute nicht mehr für das Sitzen geeignet ist, ist er auch gestorben. Ich habe einiges von ihm geerbt, Essen, das wir beide mögen und sonst keiner in meiner Familie, Eigenschaften, die ich auch von ihm übernommen habe. Meine Großmutter ist so glücklich, dass ich so viel lese, wessen sie beide immer gefrönt haben, sie hat auch andere Enkel, deren Leben von starken Höhen und Tiefen geprägt ist, dass darin kein Platz für die Literatur bleibt.
Als sie eine Stunde später wieder nach mir sah, kam ich dann wohl mit einem Jungen an der Hand zurück und erklärte ihm auf Russisch die Welt. Wie ein Wasserfall sprudelten die Worte aus mir hervor, und von da an ging ich jeden Tag zum Spielplatz. Darüber lacht sie heute noch. Der kleine Junge wohnte im gleichen Haus, auf einer höheren Etage. Er stand dann immer vor der Tür und fragte, ob ich spielen käme, auch als ich schon längst wieder abgereist war. An solche Situationen erinnere ich mich nicht, doch als Kind lernt man am besten. All das, was mir heute so leicht über die Lippen geht, wurde in diesem Alter vertieft.
Auch erzählte sie mir, dass ich ein russisches Volkslied besonders mochte und es immer und immer wieder auf Schallplatte abspielte. Das wurde dann schnell zur allgemeinen Belastung, dass sie sich verzweifelt die Ohren zuhielt, zunächst darauf wartete, dass ich endlich genug bekommen würde und mich danach mehrmals bat, den Plattenspieler auszuschalten, was ich nicht tat. Die Lösung brachte mein Onkel. Er zwinkerte mir zu, ging in sein Zimmer, holte ein Paar Kopfhörer und setzte sie mir auf. So war für alle eine zufriedenstellende Lösung gefunden. Ich saß noch ganze Ewigkeiten und nickte im Takt der Musik, und sie alle hatten endlich ihre Ruhe.

Woran ich mich erinnere, sind die winzigen, runden Blinies, die sie mir zum Frühstück machte, in genau derselben Küche, die mir heute so klein erscheint. Auch an gezuckerte Nudeln in Milch kann ich mich entsinnen, die ich ausspuckte und mich weigerte, aufzuessen. Ich kann mich an den Spielplatz erinnern, der vor dem Haus liegt, der jetzt durch eine bunte Rutsche bereichert ist. Oder an die Spaziergänge, an der Schule vorbei, die meine Mutter besuchte. All das findet man irgendwie wieder, wenn auch stark zusammengerückt, stark verkleinert. Die endlosen Gänge der Treppenhäuser mit den vielen gepolsterten Türen, der kaputte Fahrstuhl, die immergleichen Balkone und Magazine. Die löchrigen Straßen und Trolleybusse, deren Kontaktstellen zischend aufblitzen. Die dicht besiedelten Plätze, prächtigen Anlagen und Häuser, Zarenspielereien. Das warm umfangende Sein der Menschen in ihren Alltagssorgen und flinken Schritten über Schlammwege und Widrigkeiten hinweg. Getrocknete Fische, darunter auch kleine mit Augen, die zum Bier geknabbert werden, bunte Märkte, übersüße Klumpen Halvar, Samoware. Sehnige Hände, die einem anderen Menschen über den Kopf streicheln, denen man ansieht, dass sie ein Leben lang harte Arbeit gewöhnt sind. Die zupacken, wenn jemand auf der Straße zusammenbricht oder zusehen, weil sie Uniform tragen. Junge Männer, die beim Gehen wie selbstverständlich in alle Ecken rotzen. Wodka, ausgeschenkt in winzigen Gläschen. Das Verniedlichen aller Namen. Gitarren, die im Zimmer an der Wand hängen. Kleine Mädchen mit übergroßen Schleifen im Haar. So manches müdes, zerknittertes Gesicht.
Es ist eine Stimmung, die sich einem tief vermittelt, aus einem ersten Schreck über den Verfall zu einer liebgewonnenen neuen Welt geraten ist, deren viele Gerüche, Menschen, Vorfälle man stark vermisst. All das hüllt einen ein, ist nicht sofort verinnerlicht, wenn man schon wieder durch die ewigen Passkontrollen muss, bei denen man ernst und unmäßig lange angesehen und mit dem Lichtbild im Pass verglichen wird. Auch im Flugzeug nicht, wenn durch die Wolken hindurch erneut ein klarer, blauer Himmel auf einen wartet, während die Landschaft sich verkleinert, die Häuser und Straßen zum Modell werden. Es entfaltet sich erst, wenn all das weiter zurückliegt, die Menschen unerreichbar geworden sind, die Stadt aus Fotografien noch einmal geistig vor dem inneren Auge erbaut wird, und all das Erlebte längst zu einer Geschichte geraten ist, die sich vielleicht lohnt, erzählt zu werden.


(Zum Schluss noch einmal die Newa, im Hintergrund die Peter und Paul Festung)

Liebe Grüße
Taxine

Angefügte Bilder:
puschkin_russmuseum.jpg
russmuseumjpg.jpg
a_welle.jpg
gogol.jpg
russmuseum_repinTolstoi.jpg
peterpaulfest_blick-auf1.jpg



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 06.07.2010 01:18 | nach oben springen

#45

RE: St. Petersburg

in Gedanken vom Tag 05.07.2010 19:31
von Lennie • 829 Beiträge

Ein toller Reisebericht, Taxine, vielen Dank dafür! (Endlich habe ich alles durchgelesen....)
Eremitage und diverse Gebäude und Gemälde waren mir aus Erzählungen meiner Mutter und verschiedenen Büchern zum Teil schon bekannt.
Was ich besonders geschätzt habe, war dieser ganz persönliche Blick nach innen, den dir nur die Verbindung zu deiner Großmutter ermöglichen konnte, denn du warst dort kein Tourist im herkömmlichen Sinne. Und die Stimmung, die du durch diese Schilderungen erzeugt hast, die fand ich einfach toll! (Ich muss mal wieder Remarque lesen....)

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