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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#76

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 02.12.2012 15:47
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Hatte mir vor geraumer Zeit, nochmals ene Briefsammlung bestellt. Heute habe ich mal ungezielt darin gelesen. Gestoßen bin ich auf einen Brief an Wrangel in dem Dostojewski selbst schreibt, sein Bruder Michael meine, dass es besser sei, wenn er, Fjodor, in Sibirien bliebe. Und diesem Briefe folgt ein Brief, der in den anderen 3 Briefsammlungen nicht enthalten ist. Ein Brief an Michail, in dem er seinen Brutter anfleht, anweint, anbettelt, anwimmert sich doch zu melden. Wenn von einer innigen Beziehung die Rede ist, dann dürfte das lediglich auf die Jugendzeit zutreffen. Wenn man nichts zu lieben hat, liebt man das was man hat. Das war in Semipalatinsk sein Bruder und natürlich und natürlich seine zukünftige erste Frau. Für die gilt jedoch das gleiche Sprichwort.
Zudem schreibt Dostojewski in diesem Brief einen Brief, den Michail so abschreiben und an Fjodors zukünfige schicken soll. Darin verpflichtet sich Michail (von Fjodor faktisch beauftragt) den Stiefsohn in regelmäßigen Abständen an den Wochen zu sich zu nehmen. Nach dem der "vorgeschriebene" Brief endet, merkt Dostojewski noch lapidar an, dass so ein Kind ihm die Haare schon nicht vom Kopf fressen werde.
Das Michail vor diesem "Wahnsinnigen", gern kann man auch Idiot sagen, eine Art Angst gehabt haben könnte ist für mich vorstellbar. Michail hatte als Trinker nicht von ungefähr eigene Sorgen.

In Semipalatinsk hat sich auch kein wirklicher Briefwechsel zwischen den beiden entwickelt. In Twer hat ihn sein Bruder nicht besucht, obwohl das bereits ungefährlich gewesen ist. Die beiden Zeitungen hat Dostojewski gemacht und nicht die innig verbundenen Brüder. Michail das Geld und seinen Namen für die Berechtigung zur Veröffentlichung.
Bei der Epocha hatten sie kaum noch miteinander zu tun.
Außer in ihren Jugendbriefen sehe ich keine belastbaren Anhaltspunkte, dass sie sich zum Beispiel in den 40iger Jahren überhaupt nahegestanden haben.
Innig hingegen war der Wille Fjodors geliebt zu werden. Bei dem "Jugendfreund" dem Bruder schienen die Chancen gut zu stehen. Ich glaube, Dostojewski hat sich verrechnet.
Das intensive Band der beiden erscheint mir nicht mehr als eine Legendenbildung.

Warum ist Dostojewski eigentlich nicht im Suizid geendet?! Kann wohl nur sein Glauben gewesen sein . . .


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 02.12.2012 16:18 | nach oben springen

#77

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 02.12.2012 16:18
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Dostojewski leidet und beschwört ja in JEDEM seiner Briefe. Muss man nicht immer so ernst nehmen. Hier sicherlich. Sein Bruder lässt ihn eindeutig hängen, Dostojewski ist verzweifelt und es finden sich mehrere dramatische Hilfeschreie an seinen Bruder. In dem Brief hat er mein Mitgefühl (Da der Brief in vielen Ausgaben nicht zu finden ist, einfach mal hier reingespamt):


www.dostojewski.eu
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#78

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 02.12.2012 17:10
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Im November 1856 bringt er es in einem weiteren Brief an seinen Bruder auf den Punkt: "Ich bin doch allein, ganz allein."

Zuvor schreibt er zudem: "Mein Freund, gib Dein System auf:informiere mich, wenn auch in wenigen Worten."

Damit trifft es Dostojewski auch sicherlich: System bedingt Absicht. Dostojewski mutet längst nicht mehr diversen Etwaigkeiten hinterher, er weiß Bescheid.


www.dostojewski.eu
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#79

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 03.12.2012 10:17
von fedja • 38 Beiträge

Bin mir nicht sicher, ob ich den Brief kannte (habe eine Sammlung von Reclam Leipzig noch aus DDR-Zeiten) oder ob mir einzelne Passagen aus anderen Briefen bzw. Zitaten bekannt vorkamen.

Genauer zu untersuchen wäre, ob nicht das Vertrauensverhältnis der Brüder mit Beginn von Dostojewskis ersten literarischen Erfolgen bereits nachhaltig Schaden nahm - da hatte er als junger Schriftsteller ja in Petersburg Gleichgesinnte um sich herum, währen Michail etwas abgehängt wird von der Entwicklung, eher kaufmännisch wird.

Sie haben nicht mehr die selbe Ebene, dieselben Sorgen, dieselben Freuden.

Na ja, um Schuldzuweisungen kanns nicht gehen. Jedenfalls zeigt sich Dostojwskis Verzweiflung - Suizid? Immerhin war er zu der Zeit ja zugleich verliebt, hatte Pläne. - auch genug Phantasie sich immer wieder vorzumachen, wie er sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen werde. Auch in diesem Brief stehen ja totale Verzweiflung und Zukunftsträume nebeneinander ... umgekehrt folgen in anderen Briefen auf kleine Triumphe zugleich große Befürchtungen. Kaum ein Brief ohne hysterische Bestandteile.

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#80

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 03.12.2012 11:43
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

„Bin mir nicht sicher, ob ich den Brief kannte (habe eine Sammlung von Reclam Leipzig noch aus DDR-Zeiten) oder ob mir einzelne Passagen aus anderen Briefen bzw. Zitaten bekannt vorkamen.“
Habe auch die Reclam-Ausgabe, wie zwei weitere. Dort ist der Brief nicht zu finden.

„Kaum ein Brief ohne hysterische Bestandteile.“
Sicherlich, gejammert hat er immer. Aber hier – so mein Empfinden – doch überdurchschnittlich. Zumal er nicht irgendjemand bekniet, sondern seinen Bruder. Dass er seinen Bruder, sein gedachter einziger verlässlicher Pfand, so anflehen muss – das macht es für mich so eindringlich.

„Genauer zu untersuchen wäre, ob nicht das Vertrauensverhältnis der Brüder mit Beginn von Dostojewskis ersten literarischen Erfolgen bereits . . . „
Sehr gute Idee! Kam mir auch schon in den Sinn, wo denn der Bruder nach der romantischen Briefeschreiberei verblieben war. Wo er wann und wie in Erscheinung getreten ist. Und schon bin ich wieder am Bücher rauskramen. Gibt es denn keine Entrinnen für mich! Oh um Christi willen! Erlöse mich von diesem Fluch! Ich kann es nicht!

„auch genug Phantasie sich immer wieder vorzumachen, wie er sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen werde. „
Ja das ist absolut augenscheinlich. Sooft kann man da gar nicht die Augen rollen.
Ich habe mir jetzt die Briefe halt um diese Zeit angetan. Der Wrangel muss ja wirklich ein „Netter“ gewesen sei. In welchem Takt, in welcher Umfänglichkeit in welch kranker hirnverbrannter Schwelgerei und Bettelei, er dem Wrangel mit seinen Briefen bombardiert hat . . . und immer seine Maria.

Übrigens schreibt Dostojewski in einem Brief an seine Maria: "Allein dass eine Frau mir ihre Hand entgegenstreckte, war eine ganze Epoche in meinem Leben." (4. Juni 1855 aus Semipalatinsk)


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#81

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 03.12.2012 17:39
von Taxine • Admin | 5.958 Beiträge

Dostojewski hatte eindeutig einen Drang zur Tragik. Ein einfaches Erlebnis oder Gefühl wurde von ihm zu einer Katastrophe um Leben und Tod aufgebläht. Das wird in vielen seiner Briefe deutlich. "Um Gottes Willen" - diesen Ausruf benutzt er sehr häufig, als würde, wenn die von Dostojewskis Erwartung ausgehende Reaktion nicht erfolgt, sofort die Welt untergehen. Ich könnte mir vorstellen, dass diejenigen, die ihn besser kannten, dann eben auch "abgehärteter" reagiert haben.
Andererseits wurde das alles auch erst so extrem, nachdem er verurteilt und verbannt wurde.

Vielen Dank, Jatman, für den Brief-Auszug. Aus welcher Ausgabe stammt er?

Zitat von Jatman
"... kommt Dostojewski wohl zu dem Schluss, dass auch der normale Mensch zu einem Verbrechen fähig werden könnte"
Ich bin mir nicht sicher, aber diesen Gedanken gab es sicherlich bereits zu Dostojewskis Zeiten seit Jahrhunderten. Nur Dostojewski hat sich ihm in einer Art und einer Tiefe gewidmet, wie halt zuvor es eben noch nicht geschah.


Teilst du denn diese Ansicht?

Zitat von Jatman
Zum Handeln gehört immer ein Beweggrund. Nur ist dieser manchmal einfach nicht zu fassen und an der der Stelle hat Dostojewski eingehakt.


Das stimmt. Der eine mag einen Menschen töten, weil er das nötige Kleingeld braucht und für ihn ist der Beweggrund eben dieser und die Sache nicht so tragisch, die meisten dagegen sehen den toten Menschen, das genommene Leben und die ganze tragische Sinnlosigkeit eines solchen Todes.
Dostojewski hat dieses innere Schwanken des "Sünders" nahezu seziert. Raskolnikow tötet und sein Beweggrund ist zunächst klar. Eine alte Wucherin hat es nicht besser verdient. Der Leser dagegen fragt, inwieweit dieses Verbrechen überhaupt nachvollziehbar bleibt. Die eindeutige Erkenntnis wird aber von Dostojewski sofort wieder zerstört: die Schwester wird auch von Raskolnikow umgebracht, und diese ist wiederum unschuldig und nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Und schon sind die Beweggründe wieder ordentlich durcheinander geschüttelt. Ein wahrer Psychologe, das bleibt unbestreitbar.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 03.12.2012 18:16 | nach oben springen

#82

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 03.12.2012 17:58
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

"für den Brief-Auszug. Aus welcher Ausgabe stammt er?"
Schröder, Ralf; Dostojewski - Briefe Band 1+2, Insel Verlag Frankfurt a.M. 1990 (Taschenbuch)
Die Bände hatte ich mir erst kürzlich zugelegt. Der Brief ist nicht in
- DDR-Reclam-Ausgabe
- Als schwanke der Boden unter mir / Briefe 37-81 Verlag Grief
- Gesammelte Briefe 33-81 Piper 1966 (aber empfehlenswert, da mit einem Anhang vom Feinsten)

"... kommt Dostojewski wohl zu dem Schluss, dass auch der normale Mensch zu einem Verbrechen fähig werden könnte"
Teilst du denn diese Ansicht?
Ja - ohne Abstriche. Die "richtigen Umstände" und es ist zu spät. Als Besipiel: KRIEG. In den sind ja nicht nur Perverse gezogen. Auch waren nicht alle immer "gezwungen" zu töten. Trotzdem mutieren eben auch zu Hauf "normale Menschen" zu Tieren. Den Kontext solcher Situationen erfasst nach meinem Gefühl Nicht Neues im Westen von Remarque sehr eindrucksvoll.

"die ihn besser kannten, dann eben auch "abgehärteter" reagiert haben."
Ich kannte ihn ja bereits besser (sozusagen). Ich wusste um seinen theatralischen Hang, seine maßlosen Übertreibungen - war abgehärtet. Hier aber haben sie mich getroffen.


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 03.12.2012 19:43 | nach oben springen

#83

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 03.12.2012 18:06
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Schönes Beispiel mit Raskolnikow. Er hatte es nicht vor. Er war dazu nicht angetreten. Nie hätte er es gewollt, auch nur gedacht. Die Schwester zu töten. Zudem galt die Schwester als "behindert". Und jenen Einfältigen haftete recht oft pro forma der Ruf an, dass sie Gottes Verkörperung seien. Auch das hat Raskolnikow nicht abgehalten - sozusagen seine Hand gegen Gott zu erheben. Ist sicherlich auch keine Zufall von Dostojewski. Fazit: Nichts langwieriges, schwieriges oder sonstwas sind notwendig - es kann ganz schnell gehen.
Ja und eben diese Meinung vertrete ich auch - für jeden Menschen. Es sei denn man ist ein Idiot im Sinne Dostojewskis.


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zuletzt bearbeitet 03.12.2012 18:08 | nach oben springen

#84

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 03.12.2012 19:42
von Taxine • Admin | 5.958 Beiträge

Zitat von Jatman
"die ihn besser kannten, dann eben auch "abgehärteter" reagiert haben."
Ich kannte ihn ja bereits besser (sozusagen). Ich wusste um seinen theatralischen Hang, seine maßlosen Übertreibungen - war abgehärtet. Hier aber haben sie mich getroffen.


Ich meinte nicht so sehr uns als Leser, sondern eher die Menschen, die mit Dostojewski verkehrten, so dann vielleicht auch sein Bruder oder andere, die auf seine Bitten nicht reagiert haben.


Zitat von Jatman
"Teilst du denn diese Ansicht?"
Ja - ohne Abstriche. Die "richtigen Umstände" und es ist zu spät. Als Besipiel: KRIEG. In den sind ja nicht nur Perverse gezogen. Auch waren nicht alle immer "gezwungen" zu töten. Trotzdem mutieren eben auch zu Hauf "normale Menschen" zu Tieren. Den Kontext solcher Situationen erfasst nach meinem Gefühl Nicht Neues im Westen von Remarque sehr eindrucksvoll.



Dass jeder töten könnte, wenn die für jeden Menschen konkrete Situation es herausfordert, davon bin ich auch überzeugt. Und nicht einmal nur in Kriegen oder ähnlichen Situationen. Manche Dinge gehen so schnell und der Mensch ist ein Kessel an explodierenden Leidenschaften, die er versucht, unter Kontrolle zu bringen. Allerdings ist das Leben eben nicht unter Kontrolle, daher kann es immer Punkte geben, an denen etwas überkocht und die Kontrolle völlig verloren wird. Die Grenze selbst ist von Mensch zu Mensch verschieden, wann sie durchbrochen wird, aber dass es möglich wird, das hängt von den Umständen ab und ist durchaus denkbar.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 03.12.2012 19:47 | nach oben springen

#85

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 03.12.2012 21:48
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

"Ich meinte nicht so sehr uns als Leser,sondern eher die Menschen, die mit Dostojewski verkehrten"
Meint ich ja auch. Deswegen das sozusagen in Klammern Ich war so dreist, mich auf die Stufe der ehemaligen Briefeempfänger zu stellen . . .


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#86

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 04.12.2012 18:11
von Taxine • Admin | 5.958 Beiträge



Ich kann mir auch vorstellen, dass die Jammerei Dostojewski bei vielen Gleichgültigkeit ausgelöst hat, auch darum, weil seine Lage möglicherweise ganz einfach unterschätzt wurde. Das Verhalten seines Bruders allerdings bleibt für mich vollkommen unverständlich, selbst in dessen Lage, selbst wenn er die Situation Dostojewskis nicht einschätzen konnte. Wenigstens schreiben hätte er können ...




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#87

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 04.12.2012 19:29
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Ich nehme an, die Lösung ist einfacher, als die Legende es vorgibt. Ich greife nochmals das Zitat von mir auf.
"Gestoßen bin ich auf einen Brief an Wrangel in dem Dostojewski selbst schreibt, sein Bruder Michael meine, dass es besser sei, wenn er, Fjodor, in Sibirien bliebe."
Deswegen ist Dostojewski vermutlich auch so "besonders" verzweifelt. Er weiß es. Und! Er wird es geahnt haben - vielleicht vor dem Hintergrund der "Beziehung" der beiden in der Zeit zwischen romantischer Briefeschwelgerei und der Hinrichtung. Ich lese gerade nochmals Erich Fabian "Im Sturm" quer. Das Büchlein behandelt nur die Zeit bis Dostojewskis Hinrichtung. Ich bin jedenfalls auf der Suche. Ich steh jetzt da und weiß eigentlich nichts. Vermutlich galt dieses innige Verhältnis so wie die falsche Unterschrift unter dem Arrest-Bild.


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#88

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 05.12.2012 17:08
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Habe Fabians Sturm jetzt "durch"
Michail spielt dort faktisch keine Rolle. Es ist ein belletristischer Roman. Der Fabian weiß einige Details, also kein Unwissender. Dr. Riesenkampf war durch Michail angehalten, ein Auge auf seinen Bruder Michail zu halten. Noch im Internat bekam Dostojewski Geld von Michail "gepumpt". Das hat ihm Dostojewski aber auch schon aus dem Kreuz gebettelt. Als Michail mal bei Petraschewski ist, wendet er sich an Palm; ebenfalls mit der Bitte etwas auf seinen Bruder aufzupassen. Dostojewski hat auch die Frau Michails nicht gemocht (die Frau Michails war Fjodor "fatal"), insbesondere auch da sie deutscher Herkunft war. Deswegen bezeichnet Fjoder seinen Bruder als ( Achtung! leichtsinnig.

Hier sieht schon mal nichts nach innigem Verhältnis aus. Nicht auszuschließen, dass Michail bereits nach seiner Heirat anfing, seinen Bruder als nervend oder lästig zu empfinden. Zugetraut hat Michail jedenfalls Fjodor nichts, nichts Vernünftiges.

Nun schau ich mal bei Nötzel rein . . .


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#89

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 05.12.2012 19:56
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Nötzel hilft ein Bild zu entwickeln. Ernste Akzente in der Betrachtung setzt er nicht. 1845-47 war Dostojewski im Sommer bei seinem Bruder in Reval. 47 kommt Michail, bereits ernsthaft alkoholabhängig, nach Petersburg.
Die Briefe hinzugenommen. Immer wenn Dostojewski aus Reval von seinem Bruder kam, entschuldigte er sich subtil für sein Auftreten. So lobt er wiederholt Michails Frau, die er ja nicht mochte. Dostojewski entschuldigt sich wiederholt, dass er lange nicht geschrieben hat. Der Grund erschließt sich beim "Draufblick". Es waren die Zeiten, in den er gut Geld zur Verfügung hatte; denn die gab es durchaus.
Es bestanden Kontakte zwischen beiden. Dass die innig oder änliches waren, ist mir nicht aufgefallen. Zum Beispiel lädt sich Dostojewski einmal in einem Brief selbst zu einem Sommeraufenthalt bei Michail ein. Es mutet so an, dass Michail bereits zu dieser Zeit gut angenervt von Fjodor gewesen sein könnte.

Das Verhältnis wird wohl eine Extra-Seite bei mir werden - chronologisch und mit Zitaten belegt. Natürlich so, dass jeder seine eigenen Eindrücke gewinnen kann. Da kann ich mich nicht so weit aus dem Fenter lehnen wie hier. Deswegen gefällt es mir hier auch so.

Übrigens:
In der Biographie von Kjetsaa, einem DER ausgesprochenen Kenner Dostojewskis, findet man Michail (nahezu) nicht statt.

Biographie Troyat:
Im Jahr 1859, das Jahr Dostojewskis Rückkehr nach Petersburg, gibt es mehrere Briefe von Michail an Dostojewski,in denen sich Michail darüber erzürnt, dass Dostojewski immer unzufrieden ist und alles besser weiß, was die "Vermarktung" seiner Texte anbelangte. Da Dostojewski ja weder konnte noch durfte, machte das Michail statt seiner.

Michail hat, neben anderen, zumindest aber Dostojewski bei seiner Rückkehr als erster am Bahnhof begrüßt. Ein Band mag die beiden in gewisser Weise verbunden haben, die Prägung innig liegt immer noch nicht nahe.

Als nächstes sind 4 weitere belletristische Biographien dran.


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 05.12.2012 22:11 | nach oben springen

#90

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 05.12.2012 21:31
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Ich schwanke immer darin, es zu wissen oder nicht. Mit Bestimmtheit oder nicht: Hat Michail nun Fjodor überhaupt nach Omsk geschrieben? In die Festung -ja. Nach Semipaltinsk - ja. Nach Twer - ja. Aber Omsk? Ich meine nein. Kann es jemand mit Bestimmtheit sagen?


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 05.12.2012 21:32 | nach oben springen


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