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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#16

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 07.02.2016 08:16
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Jatman1 im Beitrag #13


Ja Bertaux gibt sich sehr viel Mühe, und vor allen Dingen nicht verkrampft an den Haaren herbeigezogen. Nun gut, das ein oder andere Ausrufezeichen hätte er sich sparen können.
Und den Wahnsinn im Werk erkennen wollen ist Voll-Krass-Schwachsin. Der wirkliche Wahnsinn. Da könnte der heutige Kulturbetrieb aber dicht machen




Viele von den literarischen Göttern lese ich nicht mehr viel, auch Goethe nicht, allerdings Hölderlin immer wieder einmal, ist schon ein sehr seltsamer Mensch gewesen. Ich würde nun nicht behaupten, das sich mir alle seine Gedichte wirklich erschließen, aber da steht bei Hölderlin etwas hinter und zwischen seinen Zeilen, was mich immer wieder fasziniert, mich anspricht und ich weiß nicht einmal zu sagen, was es ist.

Goethe mochte Hölderlin nicht, auch Jean Paul nicht, auch Kleist nicht, Heini Heine auch nicht so wirklich, wobei mir zu Kleist gerade Hofmannsthal einfällt:

Ja, wer hat denn Heinrich von Kleists Seele getötet, wer denn? Oh, ich sehe ihn, den Greis von Weimar.
(Hugo von Hofmannsthal, Essays und Reden)

scheint so eine Art von Gütesiegel bei Goethe zu sein, wer beim Gott aus Weimar nicht so beliebt war, der bleibt für immer...

Grüße aus dem nun wohl bald tropischen Warnemünde!

https://www.facebook.com/nsn.rostock/pho...6015542/?type=3

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#17

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 07.02.2016 13:05
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Spannendes Thema, der Hölderlin. Hatte mir zusätzlich auch geholt Hölderlin ohne Mythos - verschiedene Beiträge von irgendeinem Symposium. Habe ich neugierig nebenher mal reingeschaut. Noch begriffen: Hölderlin soll ein Jakobiner gewesen sein und Goethes Wertung der Gedichte Hölderlins, soll zu einem nicht geringen Selbstschutz ausgelegt sein (kennt man ja anfangs auch bei Schiller). So. Und dann verstehe ich nur noch Bahnhof. Gleich welche Seite ich aufschlage. Das kommt in die Tonne - und Hölderlin, wenn gelesen mit Freude ins Regal.

Viel Spaß in Warnemünde!


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zuletzt bearbeitet 07.02.2016 13:06 | nach oben springen

#18

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 07.02.2016 14:08
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Jatman1 im Beitrag #17
Noch begriffen: Hölderlin soll ein Jakobiner gewesen sein und Goethes Wertung der Gedichte Hölderlins, soll zu einem nicht geringen Selbstschutz ausgelegt sein (kennt man ja anfangs auch bei Schiller).


So gewisse professoral näselnde Literaturgurus bemühen dieses - den "Selbstschutz Goehtes vor XYZ" gerne einmal, was wohl besonders auch auf Kleist zutrifft. Sie beweisen damit mehr oder weniger, das sie Hölderlin noch viel weniger kennen und begriffen haben, als wir. Davon bin ich festestens überzeugt. Wobei Hölderlin als Jakobiner? Hölderlin ist und bleibt zuallererst immer Hölderlin, mögen sich da die gebenedeiten Herren Professoren wie auch immer die Finger wundschreiben.

Was Kleist betrifft, da war der alte Wieland war da wohl aus anderem Holz geschnitzt, nach dem er Fragmente von Kleists Robert Guiskard gelesen hatte, da ermunterte er ihn: "Sie müssen Ihren Guiskard vollenden, und wenn der ganze Kaukasus und Atlas auf Sie niederdrückt".
Die Obergötzen aus Weimar mieden Kleist und Hölderlin und wenn man so liest, was Goehte in seinen Gesprächen mit Eckermann so alles an Literaten in den Himmel hebt, dann stell man keine Fragen mehr.
Übrigens, Goethe ging auch an Beethoven vorbei, außer einigen Nettigkeiten hatte er auch Beethoven nicht wirklich erkannt, oder erkennen wollen, wie auch immer.

Dafür lieben wir dann die so geannten Außenseiter, die in kein literarturwissenschaftliches Schema passen um so mehr, seien es Hölderlin, oder Kleist, oder der gute alte Jean Paul!

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#19

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 08.02.2016 17:06
von Roquairol • 1.065 Beiträge

In Kermanis "Dein Name" geht es interessanterweise auch um Hölderlin, wobei der Autor allerdings meint, dieser gehöre in die "Tonne", weil er ihm bei der Darstellung des Sexuellen nicht explizit genug ist ... Dennoch hört er nicht auf, in seiner Hölderlin-Ausgabe intensiv herumzulesen, also ist seine Ablehnung wohl nicht ganz ernst gemeint. Bin gespannt, wie sich diese Ebene auf den restlichen 1100 Seiten weiterentwickelt ...




Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458
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#20

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 08.02.2016 21:24
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Habe ich vor Jahren mal bei irgendeiner Sportsendung gehört und ist für immer hängengeblieben: "die Duplizität der Ereignisse". Ist für mich ein "interner" running gag geworden
. . . und hier wieder vorgekramt, weil wir sie nun vermehert feststellen können: "die Duplizität der Ereignisse"


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#21

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 11.02.2016 15:41
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Mal wieder was Russisches. Erwarte nicht viel von. Aber der Vollständigkeit halber Mal quer lesen: Bakunins Beichte - Kurt Kersten Hrsg.
Das Leben von dem Typ – unfassbar. Bin immer hin- und hergerissen.


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zuletzt bearbeitet 11.02.2016 15:42 | nach oben springen

#22

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 12.02.2016 13:07
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Bakunins Beichte quer lesen reicht. Aber trotzdem ein guter Abschluss zu verschiedenen Bakunin-Büchern gewesen. Bakunins eigener Kram ist mal garnichts für mich.

Walter Vogt - Schock und Alltag.
Feine Sache. Bin gleich hängen geblieben. Musste öfters Schmunzeln. Zunehmend ging er mir aber mit seinem schwulen altväterlichen Jungen-Gelaber auf den Nerv. Geschlossen - die Akte.
So schaffe ich es nicht, einen Stapel entstehen zu lassen.

Mal sehen, was die Post heute bringt . . .


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#23

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 13.02.2016 18:18
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Die Post brachte gestern Rousseau – Robert Wokler
Dachte es wär eine Biographie. Ist es leider nicht, sondern die systematische Erklärung seiner Lehre. Gähn – weil nix verstähn.

Heute brachte die Post Mario Vargas Llosa – Das böse Mädchen
Liest sich belebend.
Anlass war vor Ewigkeiten sein Roman Tante Julia und der Kunstschreiber. Der außergewöhnliche Aufbau und der Verlauf des Romans hatten mich damals begeistert.


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zuletzt bearbeitet 13.02.2016 21:32 | nach oben springen

#24

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 15.02.2016 08:17
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zur Zeit und einmal wieder: Joseph Conrad - Der Nigger von der Narzissus und einige seiner Erzählungen. Bleibt hier dann die Frage, ob dieser Buchtitel nicht den finsteren Ruch und Stank rassistischen Gedankenguts..., mir gefällt diese Welt schon lange nicht mehr.

Aus diesem Grunde lese ich immer wieder einmal in den "Sämtlichen unfrisierten Gedanken" von Lec, irgendwie ist dieser Mann einer der Unsterblichen.

Er war ein fortschrittlicher Christ, er glaubte, das der Mensch vom Affen abstammt, aber vom Affen aus der Arche Noah.

ich mag das.

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#25

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 15.02.2016 19:48
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

John Lennon - Corinne Ullrich , der Vollständigkeit halber;-) Aber die Biographien von dtv sagen mir ausnahmslos zu. Kompakt und immer ausgesprochen gut.

Übrigens
Mario Vargas Llosa ist ein begnadeter Geschichtenerzähler! Bis zur letzten Seite! Der Rückgriff auf meine Jugend hat sich gelohnt. Habe die nächsten schon bestellt.


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zuletzt bearbeitet 15.02.2016 19:49 | nach oben springen

#26

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 16.02.2016 18:22
von Taxine • Admin | 5.968 Beiträge

Zitat von Jatman1 im Beitrag #22

Walter Vogt - Schock und Alltag.
Feine Sache. Bin gleich hängen geblieben. Musste öfters Schmunzeln. Zunehmend ging er mir aber mit seinem schwulen altväterlichen Jungen-Gelaber auf den Nerv. Geschlossen - die Akte.
So schaffe ich es nicht, einen Stapel entstehen zu lassen.




Das liegt auch gerade vor mir, noch ungelesen. Ich habe jetzt noch sein "Vergessen und Erinnern" gelesen. War auch schon etwas müder als "Altern", aber dennoch gut zu verdauen, so im literarischen Sinne weniger als im alltäglichen in der Konfrontation mit Sein, Psyche, Sucht. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich Vogt mag. Der hat etwas, gerade in dem Zustand, wo er sich dann von seiner Sucht entzieht und befreien will und ständig die Psychiaterin in Frage stellt oder selbst analysiert. In einen Mit-Patienten verliebt er sich da auch. Irgendwie witzig. "Altern" ist aber sein schönstes Werk, was die Tagebücher betrifft. Mal sehen, wie ich "Schock und Alltag" aufnehme. Dagegen sehr zu empfehlen ist sein kleiner Roman als Abrechnung mit der Mediziner-Welt: "Wüthrich". Wie herrlich, der alternde Arzt, der seinen Beruf und seine Mit-Doktoren in Frage stellt, ihnen vor die Nase hält, dass dort kein Körper liegt, sondern ein Mensch, weshalb er sich dann nicht nach den Gebrechen, sondern nach den häuslichen Hühner-Problemen erkundigt, usw.
"Steinreiche und bettelarme Menschen können noch Gutes tun. Der Mittelstand ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt."

Aus "Altern" weiß man ja dann auch, dass viele Situationen von Vogt selbst erlebt waren, der den Beruf als Arzt einfach nicht verkraftete. Ich will gar nicht wissen, wie viele Ärzte Medizin studieren, nur weil es der Vater tat oder ohne zu wissen, was am Ende auf sie zu kommt. Hut ab davor dennoch. Auch wenn die allgemeine Unhöflichkeit da immer stark ins Auge fällt. Aber was will man auch, bei so einem Alltag. Alles wird Routine, und die, die für uns Freunde, Verwandte sind, sind für die nur Objekte, die krank sind, manchmal, wie Vogt, Terzani, Diggelmann und andere so schön sagten, auch nur Teile eines kranken Körpers, die dann zusammengefügt werden, um die Krankheit und die Gegenmaßnahmen festzulegen. Tja ja ...

Ach so, und "Schatten" habe ich nun auch gelesen. Hat mir gefallen. Diggelmann hat so was Trockenes, das aber irgendwie auch sympathisch ist. Beschrieben hat er den Krankenhausaufenthalt großartig, auch die Wahnvorstellungen und die Angst, sich selbst zu verlieren, angeben zu müssen, wer man war, wenn man, nachdem das Erste überstanden ist, gefragt wird, da Krebs alles verändert und dann auch leider solche Fragen mit sich bringt: "Was waren Sie von Beruf?". Als ob man schon weg wäre. Das übliche Davor und Danach, wobei keinen die Zwischenphase juckt. Seine Empörung, dass er vor und nach der Gehirn-OP im Krankenhaus nicht mehr als einen Liter (!!!) Wein trinken kann, ist natürlich durchaus nachvollziehbar. Haha ... na aber doch gut formuliert, im Sinne der so plötzlichen Unfreiheit. Auf einmal ist man von allem abhängig. Hat ein Haus errichtet, ein Leben aufgebaut, einen Baum gepflanzt ... und darf dorthin nicht zurückkehren. Das kommt bei Vogt und seinem "Wüthrich" auch gut zur Geltung. Hier dann die andere Richtung, der Blick des Arztes, der sieht, dass die Patientin keine Chance auf Heilung hat und trotzdem im Krankenhaus bleiben muss, weil Ärzte beschließen, wenigstens den Versuch zu machen, das Leben zu verlängern, ohne Aussicht auf Erfolg ... Sehr schön. Die Auseinandersetzung überhaupt, wie weit da zu gehen ist, wo uns dann im Grunde das Recht aus der Hand genommen wird, im Namen der Humanitäääät.
Da hat man Glück, wenn man auf solche trifft:
"... es sind Spezialisten da, Fachleute, die eine positive Eigenschaft haben: Sie werweißen nicht."
(Diggelmann "Schatten", Fischer Verlag)

In einem seiner Romane hat Diggelmann geschrieben: "Auch ich bin ein Sohn Gottes. Auch ich habe das Recht, gekreuzigt zu werden."
Das trifft es irgendwie auf den Punkt. Hat mich mal wieder schön nachdenklich gemacht.




Surreale Vorstellungen
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#27

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 19.02.2016 08:44
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Eine Geschenk: Helmut Schmidt, Was ich noch sagen wollte, Verlag - C. H. Beck

Muss man Bücher, die man geschenkt bekam, wirklich und immer lesen?

Ich versuche es jedenfalls, er mag ja nun einer der großen Propheten der Moderne (gewesen) sein, aber was hat der Helmut denn nun wirklich tiefschürfendes verkündet, was der Menschheit auf ewig in das Gedächtnis gekleistert ist?

Ich habe einen Horror vor Geburtstagen, da bekommt man Bücher geschenkt, die man sich nie im Leben gekauft hätte und muss dann auch noch ein freudiges Gesicht..., und dann später die Fragen, wie einem das Buch gefallen hat..., und überhaupt..., scheusserlich, das alles.

@ Taxinchen:

"Auch ich bin ein Sohn Gottes. Auch ich habe das Recht, gekreuzigt zu werden."

schöner Satz, feine Rezi!

zuletzt bearbeitet 19.02.2016 08:44 | nach oben springen

#28

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 19.02.2016 10:25
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Einfache Antwort: Nö.
Es ist auch nicht fair, Bücher zu schenken. Das ist wie größere gerahmte Bilder zu schenken. Erfüllt den Tatbestand der Nötigung. Hat beides auch eine egoistische und missionarische Komponente.
Natürlich kann man auch ein Buch schenken. Sicherlich nur als Ausnahme: Man muss sich absolut sicher sein, dass es der Knaller für den Beschenkten ist. So für mich zum Beispiel mal ein fetter Band über die Monty Pythons; zudem von jemanden, der diesen Humor gar nicht versteht / mag. Eine Schenkung ohne Ego oder Missio.
Und wenn es eben anders ist, hat man das Recht, ein geschenktes Buch n i c h t z u lesen.


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#29

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 21.02.2016 00:31
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Die Nebel von San Francisco von ihm sind Jahrzehnte her, aber hängen geblieben. Deswegen jetzt Vladimir Pozner - Die Verzauberten / Spanische erste Liebe / Der Ulmengrund.
Ich bin neugierig.


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#30

RE: Februar 2016

in Lektüreliste 23.02.2016 08:28
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Mal wieder einige Erzählungen von Stifter gelesen, wie den Abdias, oder die Mappe meines Urgroßvaters, oder auch Brigitta und der Hochwald, auch Granit und Kalkstein aus dem Sammelband der bunten Steine.

Es hat sich gelohnt und nun versuche ich noch einmal den Nachsommer - wieder zu lesen, in Stifters Werken langsam lesend zu schmökern, das macht aus dem Patmöser immer ein ruhiges und verinnerlichtes Menschenkind...

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