Die Privatbibliothek - ein Auslaufmodell
Zitat von Salin im Beitrag #13
Die Ausleihmöglichkeiten vor Ort haben sich hierzulande in den letzten zehn bis zwanzig Jahren stark verändert. Die städtische Bibliothek hier ganz in der Nähe ist die größte öffentliche des Bundeslandes. Früher hatten sie 500.000 Medien im Bestand, zu 90% Bücher, heute sind es 270.000 Medien, davon ein großer Teil digital wie Tonträger und Spiele. Schwerpunkt sind heute "aktuelle, umlaufstarke Medien statt große Tiefenbestände".
Irgendwo hatte jemand einmal einen schönen Vergleich verschiedener Bibliotheken im Vorher-Nachher-Zustand gezeigt. So wie die einstige Bibliothek von Alexandria heute das moderne Ungetüm von Alexandrina ist, gab es da wunderschöne alte Bibliotheken auf mehreren Ebenen, mit edlen Regalen aus glänzendem, dunklem Holz, gefüllt mit Tausenden an Büchern, die selbst jeden Bibliomanen sabbern ließen. Die wurden einfach abgerissen und durch leblose Räumlichkeiten ersetzt, die an die heutigen bunten Buchhandlungen erinnern, in denen Ratgeber, Bestseller und Kinderbücher überwiegen, oder an katholische Kirchen. Damals in Köln und Düsseldorf fanden sich noch spezielle Antiquariate, in denen man ewig stöbern konnte. Ich erinnere mich an eins, da musste man sich im Untergeschoss durch Berge an Büchern wühlen. Da haben wir oft kaum wieder hinausgefunden und mit dem Besitzer am Ende noch ein Glas Wein getrunken. Hier habe ich ein kleines Antiquariat gefunden, das, neben dem griechischen, auch über einen kleineren englischen Bestand verfügt. Das ist natürlich kein Vergleich. Ansonsten sind die hiesigen Bibliotheken und Buchhandlungen nicht der Rede wert. Üblicher ist natürlich die Bestellung.
Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #14
Ich denke schon, dass ich mangels Alternativen mit "Bildung" und vielleicht auch Witz gepunktet habe, aber wenn man schon über 40 ist, sind die Voraussetzungen des Kennenlernens ohnehin ganz andere als mit Mitte 20.
Wahrscheinlich spielen, unabhängig vom Alter, am Ende immer ganz andere Dinge eine Rolle, als man selbst annimmt, vor allem, was die Sympathie und Zuneigung betrifft. Sobald man mehr Zeit miteinander verbringt, ist die Hülle unwichtig und der Mensch dahinter wird sichtbar. Man trägt seine selbst gewählte Maske ja nicht nur zur Ego-Darstellung, sondern auch zum Schutz. Und was darunter liegt, ist oftmals deutlich liebenswerter, verletzlicher und ehrlicher. Humor ist sicherlich auf beiden Seiten von Vorteil. Wer den anderen zum Lachen bringt, hat den Schlüssel zum Herzen schon so gut wie in der Tasche. Bei mir zumindest war das immer so.
#17
Zum haptischen Aspekt der Bibliothek möchte ich ergänzen, dass bei meinen Klassik-CDs das anders ist, die vielen tausend stehen nur noch als Staubfänger im Regal, weil ich in gleicher oder höherer Auflösung vom Rechner Downloads höre oder streame. E-Books dagegen sind für mich tot, ich kann am PC Sachbücher lesen, aber niemals einen Roman auf so einem kleinen Bildschirm.
#18
Zitat von Taxine im Beitrag #16Zitat von Salin im Beitrag #13
Die Ausleihmöglichkeiten vor Ort haben sich hierzulande in den letzten zehn bis zwanzig Jahren stark verändert. Die städtische Bibliothek hier ganz in der Nähe ist die größte öffentliche des Bundeslandes. Früher hatten sie 500.000 Medien im Bestand, zu 90% Bücher, heute sind es 270.000 Medien, davon ein großer Teil digital wie Tonträger und Spiele. Schwerpunkt sind heute "aktuelle, umlaufstarke Medien statt große Tiefenbestände".
Irgendwo hatte jemand einmal einen schönen Vergleich verschiedener Bibliotheken im Vorher-Nachher-Zustand gezeigt. So wie die einstige Bibliothek von Alexandria heute das moderne Ungetüm von Alexandrina ist, gab es da wunderschöne alte Bibliotheken auf mehreren Ebenen, mit edlen Regalen aus glänzendem, dunklem Holz, gefüllt mit Tausenden an Büchern, die selbst jeden Bibliomanen sabbern ließen. Die wurden einfach abgerissen und durch leblose Räumlichkeiten ersetzt, die an die heutigen bunten Buchhandlungen erinnern, in denen Ratgeber, Bestseller und Kinderbücher überwiegen, oder an katholische Kirchen. Damals in Köln und Düsseldorf fanden sich noch spezielle Antiquariate, in denen man ewig stöbern konnte. Ich erinnere mich an eins, da musste man sich im Untergeschoss durch Berge an Büchern wühlen. Da haben wir oft kaum wieder hinausgefunden und mit dem Besitzer am Ende noch ein Glas Wein getrunken. Hier habe ich ein kleines Antiquariat gefunden, das, neben dem griechischen, auch über einen kleineren englischen Bestand verfügt. Das ist natürlich kein Vergleich. Ansonsten sind die hiesigen Bibliotheken und Buchhandlungen nicht der Rede wert. Üblicher ist natürlich die Bestellung.
War es nicht in Sebalds Austerlitz, wo der Protagonist die neue, furchtbar sterile Pariser Bibliothek der alten gegenüberstellt? Prinzipiell ist es natürlich ein Folge der modernen Massengesellschaft, in der jedes Jahr nach den Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels knapp 90 000 Bücher neu oder in Erstauflage erscheinen; dass man der Bücher mit herkömmlichen Bibliotheken nicht mehr Herr wird. Ab einer gewissen Größe - das ist quasi ein Naturgesetz der Gesellschaft - geht die Atmosphäre in der reinen Funktionalität verloren. Wenn ich nur noch bestellen und nicht mehr die Gänge entlanglaufen und selbst suchen kann, arbeiten wir im Grunde wie am PC, wo man abspeichert und abruft.
Zitat von Taxine im Beitrag #16Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #14
Ich denke schon, dass ich mangels Alternativen mit "Bildung" und vielleicht auch Witz gepunktet habe, aber wenn man schon über 40 ist, sind die Voraussetzungen des Kennenlernens ohnehin ganz andere als mit Mitte 20.
Wahrscheinlich spielen, unabhängig vom Alter, am Ende immer ganz andere Dinge eine Rolle, als man selbst annimmt, vor allem, was die Sympathie und Zuneigung betrifft. Sobald man mehr Zeit miteinander verbringt, ist die Hülle unwichtig und der Mensch dahinter wird sichtbar. Man trägt seine selbst gewählte Maske ja nicht nur zur Ego-Darstellung, sondern auch zum Schutz. Und was darunter liegt, ist oftmals deutlich liebenswerter, verletzlicher und ehrlicher. Humor ist sicherlich auf beiden Seiten von Vorteil. Wer den anderen zum Lachen bringt, hat den Schlüssel zum Herzen schon so gut wie in der Tasche. Bei mir zumindest war das immer so.
Das ist ganz sicher so. Das Konzept der romantischen Liebe, wie Sheldon und Amy sagen würden, ist nicht unbedingt tragfähig bei langfristigen, dauerhaften Beziehungen. Das große Problem in Gesellschaften ohne "Heiratsmarkt" und arrangierte Ehen ist und bleibt aber der erste Schritt des Kennenlernens. Wenn die Verpackung nicht stimmt oder der Schutzwall zu massiv ist, lernt man den Menschen dahinter gar nicht erst kennen. Dieses Problem hat sich in unserer modernen westlichen wohlhabenden oberflächlichen Welt mit Wisch-Dating-Apps so potenziert, dass mittlerweile unsere biologische Reproduktion in Quantität und Qualität darunter leidet. Mich interessiert der Jahrmarkt, Kampf, Krieg; also das Verhältnis der Geschlechter seit Jahrzehnten übermäßig aus persönlich-biografischen Gründen, aber auch aus grundsätzlich philosophischen und anthopologischen Fragestellungen heraus. Leider finde ich die Thematik in der guten Literatur unterrepräsentiert, ich als Mann kenne fast nur die Männerperspektive von den vielen Autoren, die über die Frauen klagen. Ich kenne so gut wie keine große Schriftstellerin in heutiger Zeit, die aus weiblicher Sichtweise die Männerwelt und den Beziehungskram reflektiert. Aber ich lasse mich gerne belehren. :) Ich wüsste auch zu gerne, ob Molly Blooms Endlos-Monolog sich mit der Realität einer weiblichen Perspektive deckt. :)
Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #18
War es nicht in Sebalds Austerlitz, wo der Protagonist die neue, furchtbar sterile Pariser Bibliothek der alten gegenüberstellt? Prinzipiell ist es natürlich ein Folge der modernen Massengesellschaft, in der jedes Jahr nach den Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels knapp 90 000 Bücher neu oder in Erstauflage erscheinen; dass man der Bücher mit herkömmlichen Bibliotheken nicht mehr Herr wird. Ab einer gewissen Größe - das ist quasi ein Naturgesetz der Gesellschaft - geht die Atmosphäre in der reinen Funktionalität verloren.
Ich hatte irgendwann einmal eine Dokumentation auf Youtube gesehen, in der verschiedene Bibliotheken auch im Bild gezeigt wurden, teilweise so prachtvoll, das die Schande des Abrisses umso sichtbarer wurde. Ich würde ja für Bibliotheken plädieren, ahnlich wie die bei Richard Brautigan, für unveröffentlichte Manuskripte, oder wenigstens als Konzept, Bücher in der Sammlung zu haben, die selten oder gar nicht mehr im Buchhandel erhältlich sind. Vielleicht auch so wie bei Murakamis "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer". Überhaupt mag ich Literatur, in denen Bibliotheken vorkommen.
Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #18
Mich interessiert der Jahrmarkt, Kampf, Krieg; also das Verhältnis der Geschlechter seit Jahrzehnten übermäßig aus persönlich-biografischen Gründen, aber auch aus grundsätzlich philosophischen und anthopologischen Fragestellungen heraus. Leider finde ich die Thematik in der guten Literatur unterrepräsentiert, ich als Mann kenne fast nur die Männerperspektive von den vielen Autoren, die über die Frauen klagen.
Dazu fällt mir spontan, da wir es vor kurzem gerade hier im Forum besprochen haben, Erica Jong mit "Angst vorm Fliegen" ein, aber auch Virginia Woolf hat über die verpasste Liebe reflektiert. Einen schonungslosen Blick wirft Zeruya Shalev auf Männer, Beziehungen, Liebe als Besessenheit usw., die überhaupt sehr gut schreibt, z. B. die Trilogie "Liebesleben - Mann und Frau - Späte Familie", oder in den Büchern "Schmerz" und "Schicksal". Ich werde, wenn ich etwas mehr Zeit habe, gerne schauen, was da noch empfehlenswert ist.
Leider finde ich die Thematik in der guten Literatur unterrepräsentiert, ich als Mann kenne fast nur die Männerperspektive von den vielen Autoren, die über die Frauen klagen.
Vielleicht bei dem, was FAZ und Welt rezensieren. Bei SZ, taz, Spiegel und DLF in den letzten Jahren wahrscheinlich eher umgekehrt. Ein berühmtes Beispiel ist Ernaux, von der letztes Jahr auf Deutsch Besessenheit erschien, davor Virginie Despentes mit Liebes Arschloch, auch relativ bekannt, wobei beider Sprachstil meine Sache nichts ist. Wegen des Stichworts Weimar fällt mir noch Sibylle Berg
ein, die ja dort geboren wurde. Ich denke, dass seit Emma und Die Fahrt zum Leuchttum diesbezüglich eine ungebrochene Tradition besteht, auf die sich manche auch beziehen.
#21
Zitat von Salin im Beitrag #20
Vielleicht bei dem, was FAZ und Welt rezensieren. Bei SZ, taz, Spiegel und DLF in den letzten Jahren wahrscheinlich eher umgekehrt. Ein berühmtes Beispiel ist Ernaux, von der letztes Jahr auf Deutsch Besessenheit erschien, davor Virginie Despentes mit Liebes Arschloch, auch relativ bekannt, wobei beider Sprachstil meine Sache nichts ist. Wegen des Stichworts Weimar fällt mir noch Sibylle Berg
ein, die ja dort geboren wurde. Ich denke, dass seit Emma und Die Fahrt zum Leuchttum diesbezüglich eine ungebrochene Tradition besteht, auf die sich manche auch beziehen.
Ich lese ja schon lange die Kritiken in den "großen" Blättern nicht mehr, aber Ernaux und Despentes habe sogar ich mitbekommen, nur wie dir sagten sie mir literarisch wenig. Sibylle Berg, die kürzlich wieder hier war, würde ich jetzt nicht als "normale" Frau und Autorin sehen wollen, sie ist wohlwollend durchgeknallt und ich weiß nicht, ob sie sozusagen repräsentativ sein könnte. Ich selbst schätze sie, weil sie mich amüsiert, etwa mit "Der Mann schläft" oder "GRM. Brainfuck", so rein sprachlich und kompositorisch aber halte ich sie nicht für groß, als Figur des Kulturbetriebs leuchtet sie mir ein.
#22
Zitat von Taxine im Beitrag #19
Dazu fällt mir spontan, da wir es vor kurzem gerade hier im Forum besprochen haben, Erica Jong mit "Angst vorm Fliegen" ein, aber auch Virginia Woolf hat über die verpasste Liebe reflektiert. Einen schonungslosen Blick wirft Zeruya Shalev auf Männer, Beziehungen, Liebe als Besessenheit usw., die überhaupt sehr gut schreibt, z. B. die Trilogie "Liebesleben - Mann und Frau - Späte Familie", oder in den Büchern "Schmerz" und "Schicksal". Ich werde, wenn ich etwas mehr Zeit habe, gerne schauen, was da noch empfehlenswert ist.
Virginia Woolf ist ja von allen Schriftstellerinnen mit großem Abstand meine liebste, weit vor Olga Tokarczuk auf Platz 2. Aber als Indikator für die Geschlechterproblematik habe ich ihr Œuvre trotz des "Zimmers" nie gelesen, auch ihr eigenes Leben und Lieben ist ja sehr eigen. Ich wünsche mir manchmal, ich hätte beim ersten Buch von ihr den Autor nicht gekannt; ich vermute, ich hätte es als die Schöpfung eines Mannes klassifiziert. Erica Jong und Zeruya Shalev kenne ich beide nicht, aber ich würde hinsichtlich der von mir angesprochenen Thematik doch eher an jüngere Autorinnen denken, die in heutiger Zeit mit einer ganz anderen Art des Partnerwahlverhaltens leben und die Hypergamie und weibliche Anspruchshaltung ebenso wahrnehmen könnten wie die negativen Tendenzen der Männerwelt, die ich selbst nicht sehen kann, da ich Partei bin.
Ich wiederum ziehe Tokarczuk Woolf vor, allerdings nicht in ihrem letzten Werk "Empusion", eher in den früheren, etwa bis zu "Jakobsbrüder".
Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #22
Erica Jong und Zeruya Shalev kenne ich beide nicht, aber ich würde hinsichtlich der von mir angesprochenen Thematik doch eher an jüngere Autorinnen denken, die in heutiger Zeit mit einer ganz anderen Art des Partnerwahlverhaltens leben und die Hypergamie und weibliche Anspruchshaltung ebenso wahrnehmen könnten wie die negativen Tendenzen der Männerwelt, die ich selbst nicht sehen kann, da ich Partei bin.
Mir persönlich gibt diese Lektüre nicht so viel, dieser emanzipierte Kampf bis ins Geschlechtslose und Bunte. Gefallen finde ich aber doch an Ausgaben, die speziell auf die oft im Männerkanon der Literatur vernachlässigten Bücher talentierter Frauen hinweisen. Dieser Aufgabe hat sich z. B. Nicole Seifert gewidmet, die auch einige Sachbücher dazu geschrieben hat. In ihrem Blog "Nacht und Tag" wirst du sicherlich fündig. Ihr verdanke ich beispielsweise, wenn ich mich richtig erinnere, den Hinweis auf Goliarda Sapienza. Es kann aber auch eine andere Dame der Literaturwelt gewesen sein.
Gerade einmal im Regal nachgesehen. Lucia Lijtmaer und ihr Buch "Häutungen" wären vielleicht eine Empfehlung. Sie ist Gender-Expertin, schreibt aber fesselnd und tiefsinnig. Ansonsten fand ich Tove Dietlevsen herausragend, vor allem ihr Buch "Vilhelms Zimmer", aber die ist ja auch schon nicht mehr unter uns.
#25
Zitat von Salin im Beitrag #3
Basics waren wichtig: Bibel, Koran, antike Klassiker und Philosophen
Dieser Floh im Ohr übrigens lässt mich seit gestern überlegen, was die Basics wären, würde ich vollkommen neu anfangen müssen bei null Büchern. Also neben Gilgamesch, Bibel, Dante, Shakespeare die ganzen antiken Klassiker, die mittelalterlichen, dann die der verschiedenen Goldenen Zeitalter in Spanien, Italien, Frankreich; alle deutschen natürlich und dann die großen Realisten des 19. Jahrhunderts; aber auch die fernöstlichen seit den Veden, Konfuzius, Lao Tse, Buddha. Ich denke, da kämen schon wieder tausende Bände zusammen. Oder täuscht das?
#26
Zitat von Taxine im Beitrag #24
Gerade einmal im Regal nachgesehen. Lucia Lijtmaer und ihr Buch "Häutungen" wären vielleicht eine Empfehlung. Sie ist Gender-Expertin, schreibt aber fesselnd und tiefsinnig. Ansonsten fand ich Tove Dietlevsen herausragend, vor allem ihr Buch "Vilhelms Zimmer", aber die ist ja auch schon nicht mehr unter uns.
Ja, die Kopenhagen-Trilogie habe ich mit großer Hingabe gelesen. Lucia Lijtmaer kenne ich nicht, aber die Beschreibung erinnert mich an die Gattung der Rape-and-Revenge-Filme, über deren eigenartige Faszination ich irgendwo mal schrieb.
#27
Zitat von Taxine im Beitrag #23
Ich wiederum ziehe Tokarczuk Woolf vor, allerdings nicht in ihrem letzten Werk "Empusion", eher in den früheren, etwa bis zu "Jakobsbrüder".
Nun gut, "Empusion" fällt aus dem Rahmen, eine "Spielerei", die ich eher als Satyrspiel denke.
Zitat von Taxine im Beitrag #23Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #22
Erica Jong und Zeruya Shalev kenne ich beide nicht, aber ich würde hinsichtlich der von mir angesprochenen Thematik doch eher an jüngere Autorinnen denken, die in heutiger Zeit mit einer ganz anderen Art des Partnerwahlverhaltens leben und die Hypergamie und weibliche Anspruchshaltung ebenso wahrnehmen könnten wie die negativen Tendenzen der Männerwelt, die ich selbst nicht sehen kann, da ich Partei bin.
Mir persönlich gibt diese Lektüre nicht so viel, dieser emanzipierte Kampf bis ins Geschlechtslose und Bunte. Gefallen finde ich aber doch an Ausgaben, die speziell auf die oft im Männerkanon der Literatur vernachlässigten Bücher talentierter Frauen hinweisen. Dieser Aufgabe hat sich z. B. Nicole Seifert gewidmet, die auch einige Sachbücher dazu geschrieben hat. In ihrem Blog "Nacht und Tag" wirst du sicherlich fündig. Ihr verdanke ich beispielsweise, wenn ich mich richtig erinnere, den Hinweis auf Goliarda Sapienza. Es kann aber auch eine andere Dame der Literaturwelt gewesen sein.
Oh je, noch ein guter Blog. Es gibt zu viel Gutes im Netz.
Nein, auch bin kein Freund der längst ins Radikale und Irrationale abgebogenen Emanzipation, die im neuen Nihilismus die Abschaffung aller Unterschiede predigt und letztlich in einen neuen Rassismus und Sexismus mündet, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Ich suche eben nach Beschreibungen der "normalen" Wirklichkeit zwischen Mann und Frau und das möglichst von halbwegs "normalen" Autorinnen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und keinen Sinn darin sehen, eine Opferrolle zu kultivieren, um die eigene Verantwortlichkeit fliehen zu können. Aber dafür scheint die Zeit noch nicht reif.Ich denke, da kämen schon wieder tausende Bände zusammen. Oder täuscht das?
Mit Basics meinte ich die Wurzeln. Die der Realisten des 19. Jahrhunderts könnte man bei Aristoteles, Herodot & Co verorten. In dieser Hinsicht wurden mal zumindest im Ostteil des Landes Theophrast und Xenophon gelobt, letzterer wohl auch wegen seiner Haltung zu Sklaven. Allerdings habe ich weder die Charaktere noch Werke Xenophons gelesen.
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