Kleinigkeiten in Wörtern und Sätzen - mit beschränkter Haftung ...

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Gestern 06:27
#46
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Was habe ich früher in meinen Deutsch-Leistungskursen gekämpft, der versammelten Schülerschaft die Augen zu öffnen; dass weder Alexej Karenin noch Innstetten noch Charles Bovary ein Bösewicht war und dass die gemeine Lesart der Moderne, die Frauen seien die unschuldigen Opfer dieser Männer und der gesellschaftlichen Verhältnisse, letztlich nicht zu halten ist und lediglich Ausdruck einer Ideologie des Zeitgeistes. Fontane selbst hat seinen traurigen Helden in Schutz genommen vor den ungerechten Urteilen seiner Leserinnen, Michael Köhlmeier hat in "Das Schöne: 59 Begeisterungen" herausgearbeitet, wie er nach wiederholter Lektüre erkannt habe, dass Anna die eigentlich egoistische und grausame Heldin des Buches ist und ein hartes Urteil verdiene und die Zeugen für den französischen Karl versammeln sich in welscher und teutscher Sprache. Alle Verteidiger sind wie ich männlichen Geschlechts und in meinen Kursen saßen natürgemäß vor allem Mädchen, weshalb meine Bekehrungsversuche wenig fruchteten. Für die Unterverantwortlichkeit und die Opferhaltung der Frau sind diese literarhistorischen Anmerkungen freilich ein sinnreicher Beleg, denn wie stets begann das Elend weitaus früher als gemeinhin angenommen.


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Gestern 15:58
avatar  Taxine
#47
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Admin

Ich weiß noch, dass mich beim Lesen von "Madame Bovary" und "Anna Karenina" eher die Charaktere der beiden weiblichen Hauptfiguren in ihrer Überempfindlichkeit gestört haben, weniger die Männer. Ob das heute auch noch so wäre?


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