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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#211

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 17.01.2011 21:03
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Alles Geschriebene zum Herren D. ist recht schwergewichtig. WO?! bleibt mal was völlig Respektloses?! Außer Sir Galahd hat sich niemand etwas getraut.


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#212

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 25.01.2011 20:04
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Lediglich zwei Hinweise. A dürfte besonders interessant werden.

A
Freitag, 28. Januar 2011 22.33 - 23.30 Uhr | SWR2 Hörspiel-Studio
Comédie Russe
Im Sommer 1867 begegnen sich Turgenjew und Dostojewski in Baden-Baden. Der eine lebt als reicher Emigrant in der Stadt, der andere hat eben im Casino sein letztes Geld verspielt. An einem Vormittag sind sie zwei Stunden zusammen und gehen als Todfeinde auseinander. Weshalb und was damals in Baden-Baden geschah, darüber spekuliert dieses Hörspiel. Ein Streit ums Geld, aber auch um Ideen. Die beiden Schriftsteller stehen sich als Stellvertreter eines legendären Konfliktes gegenüber, der Mitte des 19. Jahrhunderts Russlands Intellektuelle in zwei Lager spaltete und bis in die Gegenwart hineinreicht. Der Freund des Westens, Turgenjew, gegen den slawophilen Dostojewski.

B
09.02.2011, 09:05 bis 09:20 Uhr auf WDR 5 Oder Mittwoch, 09.02.11 um 17:45 Uhr auf WDR 5
Der Todestag des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski

„Er war ein Vertrauter der Hölle“ schrieb Thomas Mann über den russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewski. 60.000 Trauergäste nahmen 1881 in St. Petersburg am Begräbnis des Mannes teil, der schon zu Lebzeiten als einer der Großen der Weltliteratur gefeiert wurde.
In 35 Romanen leuchtete Dostojewski die finstersten Winkel der menschlichen Seele aus, auch die seiner eigenen. Denn als Kind litt er selbst unter Epilepsie, als junger Mann wurde er von Zar Nikolaus I. zum Tode verurteilt, dann aber zur Zwangsarbeit in Sibirien begnadigt. Schließlich erfasste ihn die Spielsucht.
Die Abgründe menschlichen Lebens, die Krankheit, sein innerer Kampf mit der Existenz Gottes, seine Kritik an der russischen Gesellschaft: Das ist der Sog der Dramatik, durch die Dostojewskis unvergleichliche Romanfiguren den Leser bis heute in den Bann ziehen.


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#213

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 28.01.2011 14:34
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Auf vielen Seiten zuvor, gab es Überlegungen, wie Dostojewskis Frau seine Spielerei ausgehalten hat. Hier nun eine wunderbare Beschreibung, wie Dostojewski es "ausgehalten" haben könnte. Gefällt mir gut. Andererseits schreibt der Mister Freud aber auch ein kruses Zeug zusammen. Damit könnte er bei einem Poetry Slam Chancen haben ;-)

Hatte er durch Verluste sich und sie ins äußerste Elend gebracht, so zog er daraus eine zweite pathologische Befriedigung. Er konnte sich vor ihr beschimpfen, demütigen, sie auffordern, ihn zu verlassen, zu bedauern, dass sie ihn alten Sünder geheiratet, und nach dieser Entlastung des Gewissens ging das Spiel am nächsten Tag weiter. Und die junge Frau gewöhnte sich an diesen Zyklus, weil sie bemerkt hatte, dass dasjenige, von dem in Wirklichkeit allein die Rettung zu erwarten war, die literarische Produktion, nie besser vor sich ging, als nachdem sie alles verloren und ihre letzte Habe verpfändet hatten. ... Wenn sein Schuldgefühl durch die Bestrafungen befriedigt war, die er selbst über sich verhängt hatte, dann ließ seine Arbeitshemmung nach, dann gestattete er sich, einige Schritte auf dem Wege zum Erfolg zu tun".
Sigmund Freud, Dostojewski und die Vatertötung


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#214

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 30.01.2011 21:17
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Selbstgespräch ist besser wie keins. Da kann man sich auch selbst zitieren.
"WO?! bleibt mal was völlig Respektloses?!"

Es hat sich noch jemand getraut:

"Nabokovs eigenwillige und omnipräsente Wertung ist vielleicht das herausragendste
Merkmal seiner Literaturvorlesungen. Dabei stellt Berühmtheit keineswegs ein Hindernis bei Nabokovs
Negativurteilen dar. Sein prominentestes Opfer ist Dostoevskij. Seine Studierenden führte Nabokov
behutsam in dieses schwierige Kapitel ein:
Dostoevskij sei kein bedeutender Autor, sondern eher mittelmässig mit dem gelegentlichen Aufblitzen
brillanten Humors, aber leider mit Wüsteneien literarischer Plattitüden dazwischen.
Nabokovs vernichtendes Urteil über Dostoevskij konnte besonders in den USA einigen Aufregungswert
für sich beanspruchen. Oft wird aber übersehen,dass die negative Einschätzung von Dostoevskij in Russland über
eine ebenso lange wie illustre Tradition verfügt. Turgenev beklagte den "Krankenhausgeruch", der
durch Prestuplenie i nakazanie wehe; Tolstoj kritisierte an Brat’ja Karamazovy die posenhafte Frivolität, den Mangel an
künstlerischer Qualität und die verdrehte Behandlung wichtiger Fragen; Cμechov
schliesslich fand Dostoevskij schlicht langweilig.

Nabokovs Hauptangriffspunkt ist Dostoevskijs melodramatische Sentimentalität.
Nabokov wirft Dostoevskij vor, er übertreibe auf unkünstlerische Weise vertraute Emotionen, um bei seinen Lesern
einen billigen Effekt zu erreichen. Nabokov macht seinen Vorwurf an einem einzigen Satz aus Prestuplenie i nakazanie
fest, der – wie er sagt – an Stupidität in der ganzen Weltliteratur nicht seinesgleichen haben dürfte.
Dieser Satz beschreibt den Mörder Raskolnikov und seine Geliebte Sonja bei der Lektüre der Bibel. Er lautet:
„Die Kerze im schiefen Leuchter war schon tief heruntergebrannt und beleuchtete trübe
den Mörder und die Hure in diesem armseligen Zimmer, die sich beim Lesen des Ewigen
Buches so seltsam zusammengefunden hatten."
Nabokovs ganze Kritik richtet sich auf das Zusammenbringen des völlig Zusammenhanglosen.
Das unglückliche Mädchen, das zur Hure geworden sei, habe nichts gemeinsam mit dem schmutzigen Mörder.
Die ganze Szene erscheint Nabokov als sentimentales Klischee, das den spiessbürgerlichen
Sündenbegriff übersteigert und in religiöser Larmoyanz auflöst."

Aus Ulrich Schmid, Nabokov als Literaturwissenschaftler


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#215

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 31.01.2011 18:24
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Nix da... Selbstgespräch. Ist sehr interessant, Jatman. Besonders die freud'sche Analyse. Die werde ich mir hier dann auch einmal in Ruhe durchlesen. Vielen Dank dafür.




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#216

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 31.01.2011 18:48
von Patmöser • 1.080 Beiträge

Zitat von Jatman1

Dostoevskij sei kein bedeutender Autor, sondern eher mittelmässig mit dem gelegentlichen Aufblitzen
brillanten Humors, aber leider mit Wüsteneien literarischer Plattitüden dazwischen.




Ich wusste es schon immer, dieser immer etwas fiebrige Lolitaheini ist ein ebenso genialer wie mutiger Mann.

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#217

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 31.01.2011 19:12
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Letztendlich zählt doch immer nur, wie ein Schriftsteller auf den jeweiligen Leser wirkt, nicht wie andere Schriftsteller/Kritiker/Literaturforscher über den Schriftsteller denken.
Mutig ist Nabokov nicht. Er sagt eben, wie es auf ihn gewirkt hat, und die literarischen Plattitüden bei Dostojewski lassen sich nicht abstreiten. Trotzdem dürfte Nabokov gerade in dieser Hinsicht den Mund nicht allzu voll nehmen.




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zuletzt bearbeitet 31.01.2011 19:15 | nach oben springen
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#218

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 31.01.2011 19:26
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Zitat Horst Bieneck

Zitat
Gewiß gibt es keinen wahren, einzigen, richtigen Dostojewski. Es kann nur den Dostojewski unserer Erfahrung geben.


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#219

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 05.02.2011 11:21
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Der Traum eines lächerlichen Menschen in einer Animation, die für mich atemberaubend ist. So atmosphärisch klaustrophobisch, dass es einem streckenweise eng wird in der Brust. Mehr Dostojeski kann man sicherlich in keine Animation bekommen. Es ist leider auf russisch. Aber hier trifft die Floskel: Auch Bilder können sprechen. Andererseits schadet das Russische nicht, es macht den Film nur "runder". Ich bin mal wieder völlig angetan.
Das übliche Einbettungsverfahren funktioniert mit dem Link nicht. Aber ein Klick lohnt sich. Unbedingt.

http://mults.spb.ru/mults/?id=698


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#220

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 06.02.2011 13:47
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

O... vielen, vielen Dank, Jatman, für den Link. Schon viel davon gehört, noch nie gesehen, ein wahres Kunststück. Für die, die ihn nicht verstehen, sprechen trotzdem die Bilder.




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#221

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 06.02.2011 17:05
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

In der orthodoxen Lehre gibt es sogar eine Ikone einer Selbstmörderin. Faktisch also eine heilig gesprochene Selbstmörderin. Ist wie ich finde, der totale Hammer.
Es war die Heilige Pelageja. Sie soll die erste verfolgte Christin gewesen sein. Um nicht in heidnische Hände (im doppelten Sinne) zu fallen, suchte sie den Freitod.
Man geht davon aus, dass Dostojewskis Sanfte die heilige Pelageja verkörpern soll.
Im selben Zuge spielt wohl auch die Jungfräulichkeit eine entscheidene Rolle.
Um rein zu bleiben, ist es wohl „in Ordnung“ sich selbst zu töten. Man tötet damit wohl auch Gott in sich. Somit hat man Gott gerettet und gilt als rein.
Das sei das wesentliche Motiv bei Stawrogins Story.

Eine sicherlich an grober Form kaum zu übertreffende Anmerkung, inhaltlich aber rechtens. Mit diesem Wissen erscheinen eben einige bekannte Episoden in einem neuen Licht.
Übersetzt könnte man sagen, dass Dostojewski bei allen Selbstmorden es immer noch als kleine Beruhigung empfand, wenn mit einem Suizid Gott vor Schande bewahrt werden konnte. Somit stände Stawrogin nicht nur wegen Vergewaltigung und des "in den Suizid treibens" in Dostojewskis Missgunst, sondern auch noch als verantwortlich für den Tod Gottes eines Menschen. Und Gott durfte man bei Dostojewski nicht angreifen. Belinski musste sich so später von ihm noch als Scheißer und stinkender Mistkäfer titulieren lassen.
Und wenn an den Parallen Stawrogin - Dostojewski etwas stimmen sollte, erklärte es auch zu Teilen seine Vehemenz und Fiebrigkeit bei diesem Thema. . .


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#222

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 06.02.2011 17:41
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Stawrogin ist in meinen Augen eine der düster-faszinierensten Figuren Dostojewskis. Gerade in seinem Wesen und seiner Handlung drückt sich der "Tod Gottes" im Menschen aus, trotzdem lässt Dostojewski ihn beichten, obwohl er so etwas wie ein schlechtes Gewissen nicht verspürt. Es ist für ihn ein Bedürfnis, davon zu berichten, was er getan hat, ohne moralische Zweifel. Lediglich seine Existenz nach dem Verbrechen zeigt, dass er innerlich tot, Gott daraus wohl auch verschwunden ist. Er ist nur noch Hülle mit einem zu Asche gewordenen Kern einer Seele. Sein Verstand hat über sein Herz gesiegt. Stawrogin nimmt nach seinem Verbrechen am Leben nur noch als Schatten teil, der sich gerade durch seine Tiefgründigkeit und Abgründigkeit auszeichnet. Er handelt, wie andere Menschen handeln, nur ohne Emotion und Anteilnahme, ohne Mitgefühl, er ist intellektuell überlegen, hilft aber ohne zu helfen, labt sich am Kummer anderer oder reizt aus, wie weit er gehen kann, inwieweit er eine Absicht und Situation in der Hand hat. Einzig sein Verbrechen und das, was es in ihm angerichtet hat, scheint ihn als ein "echtes Gefühl" noch tatsächlich zu interessieren. Alles andere ist nur noch Spiel und Lustlosigkeit.
Der Selbstmord Kirillows z. B. ist nicht die Tötung Gottes im Menschen, er bringt sich nicht um, um wieder rein zu sein, sondern erbringt für sich den Beweis, dass durch seinen Tod Gott nicht existieren kann, da er ansonsten mittels seinem freien Willen nicht über sich selbst bestimmen könnte. Diese Figur ist nicht schlecht, sondern nur fanatisch. Der freie Wille steht gegen den Gottglauben als eine Variante menschlicher Auseinandersetzung. Gleichzeitig fühlt man als Leser das Bedauern für diesen Menschen und seinen Schritt, den er nur darum durchführt, um zu beweisen, und sieht, dass er genau damit wiederum seinen Glauben verdeutlicht, denn er zweifelt Gott ja an, warum er ihm trotz allem eine Existenz zugesteht.

Ich glaube nicht, dass man Gott bei Dostojewski nicht angreifen durfte, er stellte den Glauben sehr häufig in Frage, wenn seine Lösung auch immer wieder auf Gott zurückführte. Die Fiebrigkeit seiner Schriften lag in seinem eigenen Wesen und auch in der Thematik, mit der er sich beschäftigte. Wer da nicht fiebrig wird, der ist emotional tot und geistig vielleicht auch.




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zuletzt bearbeitet 06.02.2011 17:50 | nach oben springen
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#223

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 06.02.2011 19:37
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Dass Gott für ihn immer in Frage stand ist schon klar. Man hatte dessen Existenz jedoch nicht kategorisch auszuschließen. Dafür entwickelte er keinerlei Verständnis. Ca. 15 Jahre später verteilt er noch so heftig:

„. . . und obwohl damals dieser räudige russische Liberalismus, den solche Scheißer wie der Mistkäfer Belinski und andere propagierten, als ein starker Nährstoff noch in mir wirksam war, sahe ich keinen Widerspruch darin, mich als Russe zu fühlen."
Dresden Oktober 1870 Brief an Maikow

„Dieser stinkende Käfer Belinski (den Sie bis heute schätzen), dessen Kraftlosigkeit und Ohnmacht aus seiner Tatenlosigkeit herrührte, hat gerade deshalb Rußland verflucht und ihm bewußt so viel Schaden zugefügt.“
Dreseden April 1871 Brief an Strachow

„Ich verachte Belinski mehr als Erscheinung des russischen Lebens denn als Person: Er war die stinkenste, unfähigste und schmählichste Inkarnation diese Lebens.“
Dreseden Mai 1871 Brief an Strachow


„Unsere Belinskis und Granowslis wiesen es von sich, wenn man ihnen sagte, sie seien die eigentlichen Väter der Anhänger Netschajews.“
Petersburg Februar 1873 an A. Romanow

Dieser Mensch beschimpfte in einem Gespräch mit mir den Heiland. Er konnte unmöglich einsehen, wie kleinlich, gehässig, ungeduldig, gemein und vor allen Dingen ehrgeizig sie alle sind . . . Er hat sich nie irgendwelche Gedanken über seine Schlechtigkeit gemacht, er war mit sich im höchsten Maß zufrieden.
In einem Brief an Strachow 18.05.1871


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#224

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 07.02.2011 18:46
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Um nicht immer die negativen Seiten zum klingen zu bringen, ein Zitat das Dostojewskis Liebe zu den Kindern belegt.

Bereits am 2. Februar 1881 hielt einer der ersten Kriminalisten Russlands, der Bezirksgerichtspräsident A. Koni, in der Generalversammlung der Juristengesellschaft der Petersburger Universität einen Vortrag, der ausschließlich „Dostojewski als Kriminalisten“ gewidmet war. Ein Auszug.

„Er war der beständige Beschützer, der stete Verteidiger der Schwachen und Unmündigen. Deshalb gehörte auch sein ganzes Herz, mit allen den Tränen, die darin verborgen waren, den Kindern. Auf jeder Seite seiner Schriften ertönt der Ruf, der Kinderseele ein aufmerksames, liebevolles Studium zu widmen, dieser Seele, welche so frühzeitig schon mit dem herben Realismus des Lebens in Berührung kommt. Dieser Zug, den er mit Dickens gemein hat, wirft ein eigenes Licht auf alle seine Schriften. Nur ein wahrer Künstler mit zärtlich liebender und mitfühlender Seele konnte so einfach, so wahr und so aus dem Herzen erzählen, wie die bittere Wirklichkeit des Lebens sich des Kindes bemächtigt, wie es entrüstet ist, wie es leidet und wie sein Herz bei jeder Ungerechtigkeit und Härte blutet.

Ja, er liebte die Kinder unendlich und tat alles, was in seinen Kräften stand, in Wort und Tat, um sie vor Vergewaltigung und bösem Beispiel zu schützen. Man muss ihn, wie ich, gesehen haben in der Kolonie für jugendliche Verbrecher und in den Räumen des litauischen Gefängnisses, seine kunstlosen, einfachen Worte gehört haben. Es war kein einziger Misston darin. Er kannte sie und sie glaubten an ihn, kamen mit Liebe ihm entgegen, horchten auf ihn mit ernster und inniger Aufmerksamkeit und ihre Bitten, ,noch mehr zu erzählen' oder wiederzukommen, musste man gehört haben, um verstehen zu können, welche innerliche Verwandtschaft seine vielliebende Seele mit der Seele dieser Kleinen hatte."


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#225

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 09.02.2011 20:51
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

130. Todestag von olle Dosto.


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