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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#316

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 07.10.2011 13:42
von Jatman1 • 1.099 Beiträge

Ich habe die Sanfte diszipliniert als persönlichen Bildungsauftrag deklariert und selbigen nun weiter abgearbeitet.

Ein vermeintlicher Widerspruch ist bei mir hängengeblieben bzw. eine Konstellation die ich zumindest nicht nachvollziehen kann:
Der Pfandleiher hat seinen Rücktritt beim Regiment eingereicht. Den Vorwurf gegen ihn halte ich so abstrus, wie auch er ihn sah. Damals eine solche Nummer durchzuziehen bedurfte doch einer Menge Zivilcourage und vor allen Dingen V e r s t a n d. Kann man mit so viel Verstand und Courage so ein Arsch sein? Passt doch nicht . . . Oder was will uns der Dichter damit sagen?

Was hingegen für die Variante Dostojewskis Selbstbildnis passt, ist seine Entscheidung nach der Entlassung: wenn Schande - dann die größte Schande.


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#317

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 07.10.2011 21:38
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Zitat von Jatman1
„Zudem wird der wahre Dostojewskij-Leser kaum etwas lesen, was über Dostojewskij geschrieben wird.“



Ist bei mir wiederum ganz anders. Mich interessieren Menschen sowieso hauptsächlich aufgrund ihrer Literatur. Finde ich darin etwas, was meiner Vorstellung von gutem Lesen entspricht und mich "erfüllt", will ich auch wissen, wer hinter den Worten steckt. Bei Dostojewski führt das sogar so weit, dass ich nicht nur Biographien lese, sondern Erörterungen, Auseinandersetzungen, Essays über sein Werk.




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zuletzt bearbeitet 07.10.2011 21:40 | nach oben springen
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#318

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 07.10.2011 21:48
von Jatman1 • 1.099 Beiträge

Du bist von seinem Werk zu ihm und ich von ihm zu seinem Werk gekommen und seit längerer Zeit wieder Retour.


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#319

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 07.10.2011 21:53
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Was ich festgestellt habe, ist, dass man die Werke Dostojewskis in verschiedenem Alter (also von mir aus mit Zwanzig, dann mit Dreißig usw.) ganz verschieden liest, und nicht einfach aufgrund von Stil, Geschichte, Lesegeschmack usw.. Ich meine damit, man entdeckt immer wieder Neues oder hat sich selbst verändert, wodurch sich wiederum der Eindruck ändert (gerade wenn es um Mensch, Gott und Nihilismus geht). Das ist für mich ein Hinweis darauf, wie tief der Inhalt seiner Werke ist, auch wenn es nicht immer sofort ersichtlich ist. Er wirkt wie eine Art Spiegel, in dem sich der Leser in seinen Auffassungen und Veränderungen betrachtet. "Der Jüngling" steht dagegen immer noch ungelesen im Regal. Wird sich zeigen, wie er auf mich wirkt.




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#320

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 07.10.2011 23:19
von Jatman1 • 1.099 Beiträge

Durch den Jüngling habe ich mich damals durchgebissen. Zäh und diffus. Nun wollte ich es ca. 15 Jahre später nochmals versuchen, mit Übersetzung von S. Geyer. Bei Seite 50 war Schluss. Da habe ich wohl immer noch nicht das entsprechende Alter ;-) Mit der Sanften, das Selbe in grün. Ich habe einige Hörbücher rumliegen, aber alles "junges Zeug". Da hör ich mich mal durch. In Folge sollte ich dann so enttäuscht sein, dass ich mich auf die Großen freue!?
Vielleicht war Dostojewski ein Jugendirrtum von mir? Vielleicht bin ich jemand, der mit dem Alter nicht eine variative Goutierung Dostojeskis bei sich feststellt, sondern zu dem Ergebnis kommt, durch Dostojewski gelangweilt zu werden . . .

Ich werde berichten.


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#321

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 07.10.2011 23:59
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Sagen wir es einmal so, wenn ich mich von Werken gelangweilt fühle, würde ich nie wieder zu ihnen greifen. Was versuchst du in der Begegnung mit seinem Werk zu finden?




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#322

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 08.10.2011 17:16
von Jatman1 • 1.099 Beiträge

Fakt ist, dass ich nicht von allen gelangweilt war. Durch die Beschäftigung mit Dostojewski dachte ich, dass ich nun vielleicht, eben entsprechend Deiner Theorie. nun einen Zugang finden könnte zu Sachen die mir vor X Jahren nicht zusagten. Genau das scheint nicht einzutreten. Und beim Autofahren etwas Dostojewski abarbeiten, ist den Versuch wert. Neugierig bin ich dann auf meine Favoriten. Hinzu kommt, dass ich nichts zweimal gelesen habe und nie das Bedürfnis verspürt habe auch nur ein einziges Buch zweimal zu lesen. Meine Versuche Dostojewski ein zweites Mal zu lesen / hören widerspricht also zudem meinem Wesen / Art.
Was will ich finden? Vermutlich liegt hier das nächste "Problem". Ich lese um unterhalten zu werden. Dass mir die Tiefe an Geschriebenem abgeht, ist ja inzwischen bekannt. Ich habe vermutlich garkeine Erwartungen an seine Werke, denn Bekanntes unterhält mich nur schwerlich; vom Leben des Brian mal abgesehen ;-)
Um Dostojewski ein zweites Mal zu lesen, scheint die ledigliche Erwartung von Unterhaltung unzureichend zu sein. Phase 1: Frühwerke hören Phase 2: Lieblinge Hören. Dieser Weg wird kommentiert. Ergebnis offen


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#323

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 09.10.2011 12:31
von Jatman1 • 1.099 Beiträge

Ich glaube jetzt zu wissen/ahnen weshalb die ganzen Beginner-Storys von ihm so langweilen. Er war faktisch geprägt durch die romatische Literatur. Da hat er eben auch angefangen und leicht abgewandelt die zu dieser Zeit allenthalben zu findenen Klischees bedient. Armer Mensch, geschundenes Kind, gedemütigte Frau . . . trifft auf hehres philantropisches Gebahren, und dies auf schwülstigem Weg. Es wird mir immer klarer, dass das Frühwerk sich maßgeblich von seinen letzten Werken unterscheidet. Was bleibt: Interesse an Dostojewskis Vita und seinem Spätwerk.
Auch wenn es einer Minderbegabung geschuldet sein sollte: Der frühe Dostojewski ist langweilig, öde und durchschaubar. So! Jetzt hat er`s.


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#324

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 10.10.2011 00:57
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Ah... da nähern wir uns wieder. Sein Frühwerk sagt mir auch nicht so zu. (Ausnahme: "Der Doppelgänger")
Das will noch nichts heißen, ich weiß.




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#325

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 10.10.2011 16:43
von Jatman1 • 1.099 Beiträge

Mir fällt gerade auf: Die Sanfte erschien nach Der Spieler, Der Idiot und Die Dämonen. Also kein Frühwerk. Da staune ich aber eine Runde
Na dann . . .
Als nächstes folgt die Groteske Bobok (3 Jahre vor der Sanften erschienen). Es ist also der nächste Annäherungsversuch dran: Dostojewski und sein Humor. Hätte ich nicht in der Sekundärliteratur davon gelesen - ich hätte ihn nicht bemerkt (Ausnahme: Ironie in seinen Tagebüchern)


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#326

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 11.10.2011 19:26
von Jatman1 • 1.099 Beiträge

Bobok - eine kurze Angelegenheit.
Die Story: Ein abgehalfteter vermeintlicher Schrifsteller resümiert über den Zustand der Welt unm darauf Gespräche der Toten auf dem Friedhof zu belauschen.
Konnte mich beim Hören erinnern - auch an meinen damaligen Eindruck. Ahja, verstehe. Das ist eine lustige Idee. Aber es amüsiert nicht. Es zieht sich. Alles recht plakativ. Heute wieder identischer Eindruck.
Mit kleiner Ausnahme.
Gelesen von Dieter Hildebrandt, ist das Sinnieren des Helden ausgesprochen amüsant. An Inhalt und Ausführung hatte ich meine Freude. Ohne Hildebrandt wäre der zweite Teil jedoch völlig verloren gewesen. Ich hoffte immer auf weitere Ausführungen des Helden. Da hatte ich Lust drauf. Leider Fehlanzeige. Es kam nur das plakative Plappern der Leichen . . .
Der erste Teil war schön mit pikanter Ironie gespickt.

Morgen gönne ich mir Der Traum von Raskolnikov und den Traum eines lächerlichen Menschen; gelesen von Klaus Kinski.


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#327

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 12.10.2011 18:35
von Jatman1 • 1.099 Beiträge

Traum eines lächerlichen Menschen; gelesen von Klaus Kinski.
Eine Katastrophe! Nicht der Inhalt. Den habe ich nicht wahrgenommen. Ich habe gerade mal 5 Minuten gehört. Kinski hat dort die Monotonie neu erfunden. Aber auch als eventuelles künstlerisches Mittel kommt sie dort nicht zum Zuge. Ein Graus.
Er liest aber auch Raskolnikows Traum. Das ist unschlagbar. Sich steigernder Intensität. Der liest das nicht - der lebt das Stück Text. Über jeden Zweifel erhaben.

Habe dann noch die Erzählung Pulsunkow angehört. Dagegen ist die Sanfte ein hektisch beunruhigendes Stück Text. Der Leser bringt keine Punkte. Er hatte aber auch keine Chance. Ödes langweiliges Zeug. Auch da konnte ich das Ende nicht erreichen. In diesem Fall aber wegen mehr blassem Inhalt. . . . Das war aber auch sowas von langweilig . . .

Nun gut, dann eben noch Der kleine Knabe mit den Händchen und Der kleine Knabe am Weihnachtsabend beim Herrn Jesus.
Hat mir wunderbar gefallen. Rief an den gleichen Stellen wie vor Jahren die gleichen Emotionen hervor. Ja, Emotionen. Nüchtern formuliert und trotzden SEHR anrührend. Wirklich wunderschön. Schön traurig. Vielleicht auch rührselig. Kann sein. Trotzdem ausgesprochen ansprechend.

The next ist Der Spieler


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#328

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 12.10.2011 19:43
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Zitat von Jatman1

Er liest aber auch Raskolnikows Traum. Das ist unschlagbar. Sich steigernder Intensität. Der liest das nicht - der lebt das Stück Text. Über jeden Zweifel erhaben.


Kinski ist nur "rasend" und in steigender Intensität gut. Die andere Story passt gar nicht zu seinem Gemüt.




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#329

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 12.10.2011 19:54
von Jatman1 • 1.099 Beiträge
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#330

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 12.10.2011 20:14
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Ich finde Kinski überhaupt nur gut, wenn er ausflippt, wie z. B. in bestimmten Interviews, wenn er die Reporter beschimpft, oder in "Mein liebster Feind".




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