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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#331

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 12.10.2011 20:49
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Irgendwie ist er cool aber eben auch abstoßend.


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#332

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 12.10.2011 21:00
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

... "der Anlass war vollkommen nichtig (...) und ich schritt gar nicht erst ein, weil Kinski im Vergleich zu anderen Ausbrüchen "eher milde" wirkte..." (Herzog). Ich lach' mich kaputt. Nee... privat und als Menschen möchte man den nicht um sich haben...




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 12.10.2011 21:01 | nach oben springen
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#333

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 13.10.2011 18:07
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Der Spieler lässt sich gut an. Nicht gelesen, sondern als Hörspiel. Recht lebendig und einen mit Weisheiten überschüttend. Der Fokus wird für einen stellvertretend gesetzt. Ist aber nicht lästig. Im Moment wollt` ich es noch empfehlen. Ich befürchte eigentlich nicht mehr enttäuscht zu werden.

Angemerkt:
Bei Gerigk heißt es in einer Fußnote: „Der ewige Gatte ist ein Werk des >reifen< Dostoevskij“

Impliziert demnach auch einen >unreifen< Dostojewski. Faktisch ist seinem Frühwerk in gewissem Maße somit von „höchster Ebene“ Unreife zugeschrieben worden. Und da hier im Forum nur auf höchstem intellektuellem Niveau gepostet wird, liegt es auf der Hand, dass auch die Unreife eines Dostojewski sofort erkannt und mit Desinteresse und Abscheu geahndet wird.

In diesem Text spricht er ferner von einer Einspurung des Lesers. Schlichte Sache – aber wieder bündig auf den Punkt gebracht. H.J. Gerigk – jeder Text lesenswert.


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#334

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 21.10.2011 19:01
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Mit dem biographischen Hintergrundwissen, wird das Stück recht bedeutungsschwanger. Das beste ist die Beschreibung der Gedankenwelt beim Spielen. Völlig zeitlose Fragmente. Hat mir sehr gefallen.

flashback: Wieso untertitelt Dostojewski Die Sanfte eigentlich mit Eine Phantastische Erzählung ?

Nächste Woche beginnt Schuld und Sühne. . .


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#335

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 26.10.2011 21:10
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Schuld und Sühne. Ich bin "erlöst": Das ist ganz großes Kino. Das ist doch was Genaues! Die Längen hat das Hörspiel ausgelassen. Ganz feine Sache.
Was bei soviel Dostojewski-Dichte auffällt: Dostojewski machte in Wirklichkeit ALLES Glück der Erde am Geld fest. Das drückt im kürzesten Text durch - nervt schon etwas. Seine Leidens-Theorie hat er vermutlich gewählt, weil er DIE nämlich bekommen konnte. Kein Geld und keine erfüllte Liebe. Das ist natürlich LEID-voll. Es gibt ein Sprichwort: "Wenn man nichts zum lieben hat, dann liebt man das, was man hat."
Es ist nicht auszuschließen, dass es auf Dostojeski zutrifft.

Auch sehr kraftvoll formuliert:
„Anna Grigorjewna Snitkina rettet Dostojewskij vor sich selbst.“
Hamel, Christine; Dostojewskij S. 102


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#336

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 03.11.2011 20:45
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Schuld und Sühne abgeschlossen. Dostojewski vor und nach Job ist nicht so aufbauend. Deswegen erst mal Hörpause.
Das Hörspiel hat unendlich viele Längen herausgenommen und sich Dostojewskis inhaltlicher Überfrachtung einfach nicht ergeben. So ist Dostojewski noch besser - für mich.

Was hätte der Mensch wohl für Kladden voll geschrieben, wenn er Zeit und Geld gehabt hätte. Ich nehme mal an, dass er damit überfordert gewesen wäre.


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#337

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 28.11.2011 18:17
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Werte Hirngespinste-Gemeinde!

Ich möchte einmal versuchen, die literarisch gebildete Crew, die hier sporadisch und doch unentwegt am resümieren ist, für meine Belange anzuzapfen.
Was will er denn nun?!

Ich möchte gern auf meiner Seite, alle Dostojewski-Werke mit einer ultra-kurzen Inhaltsangabe (1 bis 2 Sätze) versehen. Vielleicht hat jemand Lust, etwas niederzuschreiben. Ich baue bei meinem Wunsch auf die bei Euch oft festzustellende Fähigkeit, auf den Punkt zu abstrahieren, denn wer ellenlange Texte schreibt, muss es ja gedanklich vorher auf den Punkt gebracht haben.

Bisher habe ich solche komprimierten Inhaltsangaben noch nicht gesichtet. Wollte ich eine solche Übersicht selbst erstellen, wäre sie vermutlich recht öde. Also mix it, Baby!

Es ist doch bald Weihnachten – habt also Nachsicht mit einem Bedürftigen.


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#338

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 28.11.2011 19:33
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Uff... zwei Sätze zu diesen mächtigen Werken ... na, warum nicht.

Auf den Punkt gebracht die ersten drei Romane (wie sie mir reißerisch im Kopf sind):

Die Dämonen/Die Besessenen: Es gibt in der Literatur keine Figur, die jener gleichkäme, die inmitten verschiedener Ideologien an Nihilismus, Schöngeist- und Freidenkertum, Gott-Hinterfragung durch Selbstmord und den Anfängen einer sich entwickelnden Revolution so sehr hervorsticht wie Stawrogin, der durch seine Düsternis, seine Rätselhaftigkeit, seine Brillanz der Gedanken, sein Verbrechen und sein Schuldgefühl den Leser völlig in seinen Bann zieht, dabei zweigeteilte Gefühle von Hass und Bewunderung, Neugier und Ablehnung, Sympathie und Verachtung weckt. Daneben lässt nur die Hässlichkeit des Verbrechens "im Namen der Menschheit" eine eindeutige Ansicht zu.

Der Idiot: Nicht nur durch seine Epilepsie ist der von Dostojewski erschaffene „gute Mensch“ ein Idiot, sondern hauptsächlich in den Augen all der anderen Protagonisten, die nicht fassen können, dass Fürst Myschkin unabdingbar an das Gute im Menschen glaubt und auch dann nicht urteilt, wenn eine Entscheidung vonnöten ist oder doch zumindest so erscheint. Damit repräsentiert der Fürst eine neue Art Mensch, der in seiner Schönheit leider bis heute eine reine Fiktion bleibt.

Die Brüder Karamasow: Ohne Stellung zu beziehen, kreiert Dostojewski in diesem Werk als eine tiefsinnige Auseinandersetzung mit dem Sein und der Religion die drei wichtigsten Aspekte des Glaubens in seinen drei Hauptfiguren Dimitrij, Ivan und Aljoscha Karamasow als der Neutrale, der Atheist und der Gläubige, die mit der Welt, mit den ihnen gegenüber gestellten, manchmal als Zerrspiegel fungierenden Menschen und sich selbst ringen. Darin ebnet sich die Grundfrage, ob eine bessere Welt erbaut werden kann, wenn dafür auch nur ein einziges Kind leiden muss.

Und die erste Erzählung:
Aufzeichnungen aus dem Untergrund: Der Mensch ist ein Wesen auf zwei Beinen, das undankbar ist. So zumindest sieht es der Protagonist dieser Erzählung. Aus Kellerlöchern hervor dringt seine zornige Stimme und fordert dazu auf, die Welt und den Menschen in seiner Suche, der sogar „Ozeane durchschwimmt“ und ohne reinen Herzens nie zu Erkenntnissen gelangen kann, zu hinterfragen, während er selbst sich dabei Stück für Stück in seinem Rachegefühl und in seiner fiktiv erschaffenen Gedankenwelt verliert, damit die Grenze zur Mauer werden lässt, die ihn von der wirklichen Welt trennt. Hier zeigt Dostojewski ganz klar, dass die Wirklichkeit niemals durch die Vorstellung einer möglichen Wirklichkeit ersetzt werden kann und der Rückzug vor der Welt kein Ausweg ist.




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#339

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 28.11.2011 21:23
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Hui Vielen Dank.
Da scheint auch eine Menge Bewertung drin zu sein. Oh Herrscherin über alle Kommata.

Wer die Romane nicht kennt, steht mit diesen Inhaltsangaben irgendwie auf`m Schlauch - zumindest bei meinem geistigen Horizont. Es sind ja eher philosphische Stempel, die Du verteilst. Oder eben Angaben über den philosphischen Ge- bzw. Inhalt.

Mir schwebte da eher sowas "Räuber Hotzenplotz-mäßiges" vor:
Die Dämonen - Die Revolution frisst Ihre Kinder noch bevor sie als Revolution auf die Welt kommt.

Hm. Nö. Da kann ein Unwissender auch nichts mit anfangen.

Die Dämonen - Eine vermeintlich revolutionäre Zelle, ist faktisch totalitär strukturiert und gebiert genau aus diesem Grunde einen Mord in den eigenen Reihen.


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#340

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 28.11.2011 21:57
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Aha... schwierig (gerade für mich, da ich bei Dostojewski immer nur die Tiefe sehe ). Aber du kannst das doch schon ganz gut?

Fällt mir spontan nur etwas zu "Traum eines lächerlichen Menschen" ein: Das Paradies wird unweigerlich zerstört, sobald ein Zweifler es in Frage stellt.



Dämonen: Wenn der Mensch die Lücke "Gott" ausfüllt, Nihilismus den Idealismus ersetzt, wird der Mensch im Kampf für eine bessere Welt immer auch den Menschen opfern.
(Och nöööö...)

Werde mal nachdenken, vielleicht fällt mir was ein.




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#341

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 29.11.2011 20:46
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Es ist ja wunderschön, wie sich in dieser Posting-Sequenz der gravierende Unterschied in der Betrachtung der Dinge offenbart. Wir liegen Welten auseinander. Handlungsebene und Interpretationsebene bis hin zur Metaebene.
Danke nochmal ;-)


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#342

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 29.11.2011 21:07
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Zitat von Jatman1
Wir liegen Welten auseinander.



... na, das sollte ja nun wirklich nichts Neues sein.




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#343

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 29.11.2011 21:28
von Jatman1 • 1.091 Beiträge

Ja ja. Aber hier wurde es geradezu exemplarisch belegt.


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#344

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 30.11.2011 11:36
von Krümel • 499 Beiträge

Zitat von Taxine
Hier zeigt Dostojewski ganz klar, dass die Wirklichkeit niemals durch die Vorstellung einer möglichen Wirklichkeit ersetzt werden kann und der Rückzug vor der Welt kein Ausweg ist.



Ihr seid euch hier so schön am kabbeln, drum werfe ich meinen Einwand auch einfach ein. Da ich "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch" gerade lese (bin in der Mitte) und mich seit gestern mit diesem Satz auseinandersetze. Dostojewski wird doch wohl Kant gelesen haben? Ich kenne mich da ja nicht so aus, aber zeitlich müsste es so gewesen sein. Und Kant führt ja gerade den Menschen vor Augen, dass unsere Wirklichkeit eine rein subjektive Wirklichkeit ist. Beispielsweise weil unsere Augen Lichtbrechungen als grün erkennen, wir kollektiv grün sehen, so dass wir denken, dass das die Wirklichkeit ist. Die Wirklichkeit an sich können wir allerdings nicht erkennen. (Ich liege da mit Kant auf einer Linie.)

Ob nun der Rückzug ein Ausweg ist oder nicht, das muss ich noch lesen, aber bisher zeigt dieser unbekannte Protagonist so wunderbar auf, welche Schlechtigkeiten alles in uns stecken, zynisch und böse, er hält uns den Spiegel vor. Bin schon sehr gespannt wie das Buch ausgeht.

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#345

RE: Dostojewski

in Die schöne Welt der Bücher 30.11.2011 13:34
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Hallo Krümel, toll das du die Erzählung liest. Ist doch einfach nur herrlich, wie er schimpft, dieser Kellerlochbewohner.
Das mit der Wirklichkeit:
Ja, hier habe ich auch überlegt, wie ich das ausdrücke, hatte zuvor Gefühl statt Wirklichkeit stehen, was auch nicht passte. Ich meine aber hier nicht so sehr Kant und sein Ding an sich oder unsere subjektive Welt, sondern ganz einfach die fiktive Schein-Welt, die der zornige Beamte in seinem Kopf zusammenbraut, während es in Wirklichkeit ja gar nicht so (schlimm) ist, wie er es empfindet. Er zieht sich also in seinen Kopf und in seine Rache zurück, statt einfach die Dinge auf sich beruhen zu lassen und weicht darum durch die Rachegedanken immer mehr von der Wirklichkeit ab, ist ganz und gar auf seine Rache konzentriert, während die Dinge längst weitergelaufen sind.
Vielleicht hätte ich sagen sollen, das innere Kopfgefängnis ist kein Ersatz für das Vergeben? Alleine weil sich der Protagonist ja damit selbst befreit und besser gefühlt hätte, hätte er das eher gedankenlose Beiseiteschieben nicht so ernst genommen und nicht so sehr als einen Angriff auf seine Persönlichkeit verstanden. Hier zeigt sich bereits, was mit ihm nicht stimmt. Die Rache nährt seinen Hass und seine Verbitterung auf die Welt, trotzdem fühlt er sich nicht besser (und wenn, dann nur kurzzeitig und nicht aufgrund echter Bedingungen). Er ist wütend (ruiniert sich fast) und plant das unsinnigste Zeug, das sich kaum in der Wirklichkeit umsetzen lässt und mit ihr auch nichts mehr zu tun hat. Er glaubt, nur die Geste der Entschuldigung könnte ihn erlösen, was natürlich eine Ausrede ist, denn er findet Genuss in der Demütigung (die nur durch ihn selbst stattfindet). Auch verlässt ihn dann im entscheidenden Augenblick der Mut, als es an die tatsächliche Ausführung geht, die er im Kopf so lange und ausführlich und genussvoll geplant hat, denn hier trifft er eben auf sich selbst und sieht, dass er eigentlich ein Feigling ist und nur stark in Gedanken und in seinem Kellerloch. Der Racheplan hat ihn also über sich selbst getäuscht oder ihm die Illusion ermöglicht, über sich selbst anders zu denken. Im Grunde verachtet sich der gute Mann nur selbst und sein Rückzug wirft ihn nur ganz und gar auf seine Einsamkeit zurück. Er projiziert seine eigene Verachtung auf eine simple Gegebenheit, die ihn dann bestätigt (wie könnte es auch anders sein). Darum fordert er auch dazu auf, die Welt und den Menschen, der sich ändern muss, zu hinterfragen, weil er sich im Grunde selbst hinterfragen muss, seine Verachtung der Welt eine innere Selbst-Verachtung ist, durch die sich dann nur seine überreizte Empfindung in der Wirklichkeit bestätigt, während das Zur-Seite-Schieben nicht so gemeint war, wie er es auffasst. Der böse Schulter-Packer wird also zum Prellbock für die eigene Unzufriedenheit und Unsicherheit, den Selbsthass.
Der Protagonist verdeutlicht also, wie gefährlich es ist, sich vor der Welt zurückzuziehen und aus seinem Kellerloch zu schimpfen, da ihm auf diese Weise der Blick auf die Wirklichkeit abhanden kommt. Er schimpft ja auch nur darum, weil er einsam ist, obwohl er diese Einsamkeit ja durch seine Abneigung selbst gewählt hat.


Liebe Grüße
Taxine




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