Dostojewski

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26.04.2011 20:32 (zuletzt bearbeitet: 26.04.2011 20:36)
avatar  LX.C
#271
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Ich halte von Anpassung, bis auf die Rechtsschreibung, gar nichts. Man kann doch einen Goethe nicht der Zeit anpassen, dann wärs ja nicht mehr der Autor, der aus seiner Epoche zu uns spricht. Man spricht von sekundärer Dunkelheit. Das sind Textstellen, die mit der Zeit unverständlich werden. Die müssen dann eben durch Anmerkungen erläutert werden.
Ich mag daher auch alte Übersetzungen, die dem Duktus der Zeit so nah wie möglich kommen. Eingängigkeit und Verständlichkeit hängen von ganz anderen Kriterien ab. Wie Taxine sagt muss der Übersetzer die Atmosphäre, die der Autor erzeugen wollte, einfangen können. Die Prosodie muss stimmen usw.


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26.04.2011 20:34
#272
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Ich lese Kant auch gerne mal auf Englisch ...

26.04.2011 20:38
avatar  Jatman1
#273
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Goethe hat noch in althochdeutsch geschrieben (wenn ich mich nicht irre). Und bei althochdeutsch verstehen wir kaum noch etwas. Ist jetzt aber ein Sonderfall. . .


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26.04.2011 20:44
avatar  LX.C
#274
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Althochdeutsch? Das sprach und schrieb man im Mittelalter.


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26.04.2011 20:46
avatar  Jatman1
#275
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Da haste Du vermutlich Recht. Schade. Alles so lange her. Der Originaltext war jedenfalls sehr unverständlich. Ich streiche die Segel ;-)


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26.04.2011 20:46
avatar  LX.C
#276
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Aber da du das Beispiel schon anbringst. Minnegesang überträgt man ja gemeinhin auch nicht ins Hochdeutsch.


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27.04.2011 00:24
#277
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Zitat von LX.C
Althochdeutsch? Das sprach und schrieb man im Mittelalter.



Althochdeutsch sprach man vor dem Mittelalter. Im Mittelalter sprach man Mittelhochdeutsch.

27.04.2011 11:09 (zuletzt bearbeitet: 27.04.2011 11:11)
avatar  LX.C
#278
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Zitat von Roquairol
Althochdeutsch sprach man vor dem Mittelalter.


Auch nicht richtig. Frühes Mittelalter. Zumindest hat Goethe noch nicht gelebt


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18.07.2011 21:31
avatar  Jatman1
#279
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Ein Gedanke.
Dostojewski - einer der großen Schriftsteller Russlands.
Wenn ich mir jedoch den Wirkungskreis seines Schaffens ansehe, insbesondere während seiner Zeit und auch darüber hinaus, war der doch eher klein. Sein Schaffen traf auf eine, für die Größe Russlands, verschwindend geringe intellektuelle Elite. Das Volk war ja zum überwiegenden Teil nicht einmal des Schreibens oder Lesens fähig. Mit Lenin und Konsorten stand Dostojewski unter Generalverdacht und man ließ ihn nur zögerlich zu. Manche Werke wurden nach Jahrzehnte erstmals erst wieder zu Perestroika-Zeiten verlegt.
Und nun schau da. Heute hat das russische Volk mit Puschkin, Tolstoi und Dotojewski seine Vergötterten, denen niemand, der nicht Russe ist, zu nahe treten sollte (Dostojewski würde es freuen) - denn was weiß schon ein Westler über die russische Seele. Selbst Turgenjew haftet heute noch der Ruf als eine Art Veräter an. Von Herzen zum Beispiel ganz zu schweigen.
Man schmückt sich mit Ihnen, wie das Deutschtum mit Goethe und Schiller. Eine abstrakte Angelegenheit. Und wenn nicht abstrakt, so bleibt es doch nur intellektuell.
Zaubert mir gerade ein Schmunzeln ins Gesicht: Intellektuelle Dichtung für Intellektuelle, ist dienlich für falschen Stolz der Volksmassen, denen eigentlich nichts ferner liegt, als Intellektuelles. :-)
Ein Gedanke halt.


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19.07.2011 16:39 (zuletzt bearbeitet: 19.07.2011 16:41)
avatar  Taxine
#280
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Admin

Wäre Dostojewski nur von einer Elite gelesen worden, dann hätte Katkow ihn sicherlich nicht verlegt und schon gar nicht mit Vorschüssen versehen.

Dass sich Rußland grundsätzlich mit seinen Schriftstellern schmückt, die es zu vielen Zeiten und zu den Lebzeiten jener Begabten unter den verschiedenen Regierungen am liebsten zum Schweigen gebracht hätte (gerade später in der stalinistischen Zeit (...und wie viele wurden allgemein verboten...)), ist ein wahrlich eitler Zug dieses mächtigen Landes. Da werden Denk- und Grabmäler errichtet, um die Toten zum Zwecke der Achtung und des russischen Verdienstes wieder auferstehen zu lassen.
Aber gerade ich, die ich diese Literatur so liebe, sollte mich darüber vielleicht dann doch nicht beschweren.


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19.07.2011 21:53
avatar  Jatman1
#281
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Missbrauch ist zu weit ausgeholt - aber Gebrauch als Fetisch für Hinweise auf vermeintlich geleistetes eines Volkes, könnte vielleicht passen.
Warum solltest du dich nicht "beschweren" du liebst doch u.a. die russische Literatur und kennst sie. Sie bildet für dich doch keinen vermeintlichen Vorwand für eine stolzes Gefühl in Ermangelung von aktuell Bedeutsamen.

Ja sicherlich war mit Dostojewski gutes Geld zu verdienen. Liest man sich Biographien verschiedener Leute durch, scheint es zwei bis drei "Nester" gegeben zu haben. Irgendeine Zeitschrift vom Verleger Krajewski hatte glaube mal so ca. 23.000 Abos und lag damit ganz vorn. Beachtliche Zahl; aber für Russland??
Einigen wir uns auf Einstein: Alles ist relativ ;-)

Habe neulich einen Artikel über den Veröffentlichungsweg von den Dämonen im Sowjetsystem gelesen. Und wie so oft ging es um persönliche Kämpfe von propagandistisch Verantwortlichen. Müsste man hier finden S. 23 ff: Besy


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20.07.2011 22:03
avatar  Taxine
#282
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Admin

Wenn ich bedenke, wie viele Schriftsteller in der Versenkung verschwinden, nur weil einem Land dieser Bereich nicht so wichtig ist... So hat alles seine zwei oder mehr Seiten.


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24.07.2011 19:10
avatar  Jatman1
#283
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In Sachen Norwegen:
Raskolnikow lebt und Dostojewskis Dämonen sind gegenwärtig. Leider.


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27.07.2011 20:38
avatar  Jatman1
#284
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Weit weit vorn im thread, ging es mal darum, inwieweit Dostojewski verrückt gewesen sein könnte.
James Joyce dazu (in Gespräche mit James Joyce von Arthur Power):
"Sie mögen es verrückt nennen. Aber darin mag ja gerade das Geheimnis seines Genies liegen: Hamlet war verrückt; einige Gestalten der grichischen Tragödie waren verrückt; Gogol war verrückt. Van Gogh war verrückt. Ich würde lieber sagen exaltiert. Exaltiertheit mag in Verrücktheit übergehen, vielleicht. In wirklichkeit haben große Männer immer dafür eine Ader gehabt; sie war die Quelle ihrer Größe; ein vernünftiger Mensch bringt überhaupt nichts zustande."


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28.07.2011 17:24
avatar  Krümel
#285
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Zitat von Jatman1
; ein vernünftiger Mensch bringt überhaupt nichts zustande."



Das gefällt mir richtig gut


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