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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#16

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 17.07.2009 13:10
von Taxine • Admin | 5.884 Beiträge

Vorsicht ist gut. Aus dem ganzen Grass-Zitat spricht doch fast eindeutig die Ironie?
Wirkt auf mich, als ob er den Dichter, der nichts zur Realität zu sagen hat, zur verschwendeten Zeit an Schreiberei verdammt, zum selbstherrlichen Gockel.
Gerade in der Utopie lässt sich die Realität dabei wunderbar fremdartig gestalten oder darstellen, mit Bezügen zu wirklichen Ereignissen, die durch die Blume sprechen... auch durch die blaue.
Das Werk, das sich stets nur am Zeitgeschehen hält, wirkt auf mich dagegen oft, als würden die Autoren mit der Zeitung daneben schreiben. Ein Schlagzeilen- und Meinungswerk.

Sich davon zu befreien, von Markt und Welt und Realität ist ein erster Akt der Auflehnung gegen den ganzen Sumpf der Meinungen und der gepressten Formen der Gesellschaft. Andere benötigten diese Welt zur Tarnung, das System in Frage zu stellen, siehe Strugazkis oder andere, und nicht verhaftet zu werden.

P.S. Die Freiheit, über das zu schreiben, was einem selbst wichtig erscheint, ohne den Zwang zu "reagieren", ist tatsächlich eine große und oft utopische, ebenso die Unabhängigkeit des Schreibenden selbst, der, will er veröffentlicht sein, sich dem Markt unterwerfen muss, zumindest in bestimmten Bedingungen.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 17.07.2009 13:47 | nach oben springen

#17

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 17.07.2009 13:32
von ascolto • 1.289 Beiträge

kleenet Skerzchen zu Rio: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Gedanken_sind_frei

Hädd er also aufgepasst im Museunterricht und middgeträllert, dadd Techstchen dann kontempliert, dann kämen solche unreflektierten Gesangestöne net über den Kehlstumpf gehaucht,gell.

Folgend, ohne (bissel) Humör.......

Der Materie, dem Fleisch kann und will man sich nicht entledigen, außer man folgt Amery über den Freitod... So bleibt das Fleisch (unser Geisteszuhause) bis zum Tode (oder darüber hinaus?) unfrei.Den Vorgängen des Atem, Speis und Trank, also dem Erhalt der Materie verpflichtet.Ergo, keine Freiheit ohne die Todeskontemplation?
Alle weiteren Geisteskonzepte sind abhängig von der Projektion in das gestaltende Glückskonzept, dass letzendlich individuel (die Wahl) und sich bei der Mehrheit des Humanus um Materie dreht. Für die Geisteskonzeptler die Glück im betrachten des Geistes finden, ob Literatur oder sonst eine Muse, für die ist die materielle Abhängigkeit keine alzu große Herausforderung, denn es gibt Biblotheken und illegale Downloads usw.!
Somit währe eine Art der (kleinen System)Freiheit die aber abhängig zum Fleisch die bewußte Enthaltsamkeit an Materie, bzw. von projezierten Glückskonzepten in die Materie abzusehen?
Jeder Poppanz eines Dichter oder Sozialdemokraten der sich an der Materie durch seinen Narziß reibt, seine Position in fiktiven Systemen läutert und sein Glückskonzept verfolgt währe demnach in die unfreien Haltung endend (Tod) gescheitert, denn er hat den Hamlett nicht beantwortet,durchdacht.Er ist im System der Konstrukte und betrachtet dieses nicht aus dem Gleichmut. Sowie alle konzeptzionierten Systeme ohne das Bewußtsein um die Endlichkeit oder Unendlichkeit implodieren und sich nur gegen eine allgemein sehr einfach zu verstehende Wahrheit in die Zukunft spekulieren? Heute auf das Kreditwesen und der Schuldenexplosion in die neuen Generationen (Ökonomie)? Ergo, ein System der Habgier und des Neids? Ohne ein Verständniss über Recourcen und der Endlichkeit der Materie.

Demnach ist die Frage nach Freiheit eine Frage die sich erübrigt, für den der im Außen, also der Endlichkeit sein Glückskonzept projeziert, die Frage ist doch für jeden Hamlettijünger: Was sind Gedanken und warum sind diese frei?
Wer geht, also in die Aktiva wird schwerlich darauf eine Antwort finden, denn er löst nur die Details eines zusammenhängigen Großen und Ganzem, er verliert sich in der Chaostheorie des Heise? Er strebt linear und vermag nicht in dem Außen die Freiheit zu erkennen!
Lieber Rio, hättest du gesungen: Ich möchte frei sein, was oder wie soll ich denken...... Ich währe Dir (ihm) gefolgt!


zuletzt bearbeitet 17.07.2009 15:52 | nach oben springen

#18

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 17.07.2009 13:50
von LX.C • 2.673 Beiträge

Zitat von Taxine
Vorsicht ist gut. Aus dem ganzen Grass-Zitat spricht doch fast eindeutig die Ironie?
Wirkt auf mich, als ob er den Dichter, der nichts zur Realität zu sagen hat, zur verschwendeten Zeit an Schreiberei verdammt, zum selbstherrlichen Gockel.
Gerade in der Utopie lässt sich die Realität dabei wunderbar fremdartig gestalten oder darstellen, mit Bezügen zu wirklichen Ereignissen, die durch die Blume sprechen... auch durch die blaue.
Das Werk, das sich stets nur am Zeitgeschehen hält, wirkt auf mich dagegen oft, als würden die Autoren mit der Zeitung daneben schreiben. Ein Schlagzeilen- und Meinungswerk.

Sich davon zu befreien, von Markt und Welt und Realität ist ein erster Akt der Auflehnung gegen den ganzen Sumpf der Meinungen und der gepressten Formen der Gesellschaft. Andere benötigten diese Welt zur Tarnung, das System in Frage zu stellen, siehe Strugazkis oder andere, und nicht verhaftet zu werden.

P.S. Die Freiheit, über das zu schreiben, was einem selbst wichtig erscheint, ohne den Zwang zu "reagieren", ist tatsächlich eine große und oft utopische, ebenso die Unabhängigkeit des Schreibenden selbst, der, will er veröffentlicht sein, sich dem Markt unterwerfen muss, zumindest in bestimmten Bedingungen.


Ganz richtig, das Zitat auf sich gestellt ist ja auch die pure Ironie auf den "selbstherrlichen Gockel". Im Zusammenhang des Gesamttextes ist aber Grass klare Aufforderung sozialdemokratische Interessen zu vertreten unmissverständlich. Daher mein Hinweis. In seiner Rede geht es fast ausschließlich um den Wahlkampf, den er gerade für die SPD gemacht und zusammen mit ihr verloren hatte.

Die Utopie ist eine wesentliche Möglichkeit, natürlich, wer will das bestreiten. Gerade in totalitären Systemen eine bewährte Methode, oft die einzige, sich Raum zu schaffen.

Frage ich mal wieder. Sind in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum nennenswerte Utopien entstanden? (Ein totalitäres System ist ja keine Voraussetzung) Du wirst dich doch da auskennen.


--------------
Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 17.07.2009 13:59 | nach oben springen

#19

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 17.07.2009 15:25
von ascolto • 1.289 Beiträge

Meynereins dazwüschen :Eine Utopie neuerer Zeitrechnung:http://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_J._Schmidt

Interresse? dann ev. http://www.gleichsatz.de/b-u-t/trad/gerumu.html


zuletzt bearbeitet 17.07.2009 15:49 | nach oben springen

#20

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 18.07.2009 08:43
von LX.C • 2.673 Beiträge

Zitat von ascolto
Lieber Rio, hättest du gesungen: Ich möchte frei sein, was oder wie soll ich denken...... Ich währe Dir (ihm) gefolgt!

Die Gedanken sind immer frei; und den Handlungen oft weit voraus. Das pluralisierte Gedankenspiel macht's ja oft so schwierig. Von daher ist Rios Satz eine in "Lied-Poesie" umgewandelte Variante deines Satzes. Ich sehe da keinen Widerspruch.


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 18.07.2009 09:04 | nach oben springen

#21

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 18.07.2009 13:47
von ascolto • 1.289 Beiträge

Uich bütte Sui, seit wann gehen denn Gedanken. Gehen bezieht sich auf eine Fortbewegung unserer Körpermasse! Diesbezüglich hinkt hier die von Dir erwähnte "Lied-Poesie".Gedanken gehen nicht, sie fließen oder ströhmen oder werden vielleicht nur gedacht?
Und uich versuchte den Hinweis, den Geist zu pluralisieren und in die Gedanken zu verweben ist vielleicht die Unfreiheit, sich in Gedanken verlieren.......

Lieben Gruß,
dadd olle A


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#22

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 18.07.2009 14:42
von LX.C • 2.673 Beiträge

Man muss deinen Satz nur weiterdenken: Ich möchte am liebsten frei sein, aber was oder wie soll ich denken, um mit meiner Freiheit entsprechend umzugehen und zu handeln. Nichts anderes will Rio Reiser, meinen freien Gedanken folgend, sagen mit: aber wohin soll ich gehn'. Das ist eine Rhetorische Figur, auch wenn man sie einem Punkrocksänger vielleicht nicht zugestehen möchte.


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#23

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 18.07.2009 16:15
von ascolto • 1.289 Beiträge

Pappelapapp

dafür hadd dadd teutonische schon andere poetische Begrüfflüchkeiten...was währe wenn und könnte sein ist vielleicht nur ein Emphatiewirbel?

Desweiteren ist mir der Freiheitsbegiff hier zu grobgeschliffen, uneindeutig. Mir rethorisch wirr. Denn ob hier und was die gedankliche Freiheit ist ohne die Erkenntnis der Urheberschaft dieser könnte nur reine Spekulation? Ich kenne die Klangvariationen zu dieser Komposition nicht, bin nicht gebildet wer Rio Reiser (Mir Bekanntes:König von Deutschland...alles Lüge) war und auch die weiteren Wortgebilde sowie deren Klangfarben sind mir nicht bekannt und bewußt. Vielleicht könnte ich dies nachholen und du sagst mir aus welchem Lied diese Zeilen stammen?

Gruß-dadd A


zuletzt bearbeitet 18.07.2009 16:25 | nach oben springen

#24

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 18.07.2009 17:15
von LX.C • 2.673 Beiträge

Ja, hier geht's ja auch nicht um den Freiheitsbegriff an sich, das wäre wieder ein philosophischer Gewaltakt. Es geht ja darum, wie der Schriftsteller mit seiner Berufung oder Profession in unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung umgeht.

(Das Zitat war eher als Bonbon gedacht, da es, wie du aus meiner Interpretation herausliest, aus meiner Sicht gepasst hat. Wenn du trotzdem willst, suche ich dir den Song gerne raus, muss dazu auch erst meine Ton Steine Scherben CDs durchforsten, aber zunächst muss ich meine Türen fertig lackieren ;)


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#25

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 18.07.2009 17:19
von LX.C • 2.673 Beiträge

Ach ich weiß schon. Ton Steine Scherben: Warum geht es mir so dreckig?


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#26

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 18.07.2009 23:47
von ascolto • 1.289 Beiträge

Uin unser freiheitlich demokratischen Grundordnung........


Uim Versuch, wohlgemerkt bemüht aber noch weit, Galaxyn weit entfernt...für eine Demokratie benötigt man Demokraten...und das ist nicht ein Wähler, oder die Manipulative in Stimmentscheidung, eher ein Bewußtseinszustand, ein aktiver? Freiheitlich demokratische Grundordnung ist im Begrifflichen der "fake" schlechthin. Wer dies als wahrhaftig und gegeben annimmt,denkt und in die Beweißführung einbringt der strotzelt und fiebert uin Unwissenheit.......
Wuir suind auf einen zerbrechlichen Weg, am Anfang......... hin zur Grundordnung (Grundgesetzgebung und deren Bewußtheit) und anfixieren ein demokratische Fixion (im Sinne des Demokrit) und die Freiheit, ist nur ein philosophischer Begriff,gell!

Ich werde mir das Lied.chen anhören, hineinträumen wenn ich es vermag und es mich läßt, dann vielleicht mehr zu Herrn Reiser?!


zuletzt bearbeitet 19.07.2009 00:13 | nach oben springen

#27

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 19.07.2009 02:06
von LX.C • 2.673 Beiträge

Um Herrn Reiser gehts hier gar nicht, und auch nich darum, wie du Herr Reisers Lied hörst.

Ansonsten, werd mal Schriftsteller, die Ansätze eines kritisch zeitgenössischen Denkers sind ja sichtbar. Aber ja, ich vergaß, dir fehlt die Poesie


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zuletzt bearbeitet 19.07.2009 02:07 | nach oben springen

#28

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 19.07.2009 02:19
von LX.C • 2.673 Beiträge

Aber ich würd mich freuen, wenn du dich zu den Gegenwartsautoren äußern würdest. Deine Meinung über Literatur heute. Empfehlungen, usw.


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
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#29

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 19.07.2009 10:06
von larifant • 270 Beiträge

Zitat von ascolto
Hat das jemand aus der Runde gelesen und wie ist ihr Sprachstil???

In Corpus Delicti nimmt sich Frau Zeh stilistisch sehr zurück. Man merkt sehr, dass das aus einem Kammerspiel entstanden ist.
Dennoch lesens- und bedenkenswert.
Der Stil ihrer anderen Romane ist teilweise angestrengt kreativ (nicht: "kreativ"!) bis hin zu halsbrecherischer Metaphernakrobatik. Besonders Schilf. Derlei muss man mögen, ich mags.

Ein empfehlenswerter engagierter Autor ist Carl Amery (leider vor einigen Jahren verstorben).
Ist zeitweise in die Niederungen der Science Fiction hinabgestiegen, aber auf dem Niveau der Strugazkis.
"An den Feuern der Leyernmark" mündet sogar in eine auf einem alternativen Geschichtsverlauf basierende gesellschaftliche Utopie.
(ansonsten gibt es in der SF auf 1000 Dystopien allenfalls 1 Utopie.)

Gruß,
L. (reiner Unterhaltungsleser)


zuletzt bearbeitet 19.07.2009 10:23 | nach oben springen

#30

RE: Zwischen Plattenspieler und Eisschrank

in An der Literatur orientierte Gedanken 19.07.2009 10:30
von ascolto • 1.289 Beiträge

Meyn lüber Tanninschlürfer,


Gegenwart..... und Literatur, dadd uisch tja so als wenn uich nen Turbobräuner an Depressionen über mein Schopfel ansetzel. Gejammer und ausgetrocknete Selbichfündung uin stackato Hämmer alla Bachmann nach Hemmingway.... verknotete Konstrukte um Individualität der emotionalen Müschpoke, uim Versuch den Protestanten aus suich dod zu schlagen. Zeitgeistige Gierhäppchen nach Quote uim Unsfelder Markenkäfich, draumeln uin Persiflagen alter Meyster...Nä...sowas kömmt muir nücht uins Haus, schoan garnüch auf nen Nachdüsch. Werter Taninleckerer, uich wüll itzüch Lächeln und Geistesromantik, wüll Taufrüsche und zwar wü vom ollen Brecht........eben noch Dreigroschenoper, da buin uich daheran gefesselt!

Vielleicht versuch er suich, der Gegenwartsrezipient, dort wo dadd olle A nie ankommen tutet, mal uim Franzobel, SantaScala oder Josefine Würznbachers Höhepunkt...dort herrschet ein wenüch Fleysch uin der Poesü, Bernhadüsche Satzkonstruckte uim fedden Überhang an Fleyschsalat, eben aus dem blauen Blut dedd habsburger Intelliegenzasaftes?
Trocken Knäckebrot würd nüch geknabbart, maximal dadd "pane di Siena" angedippt, uin herzhafte Chocolada!

Werd mal Schrüftzeychensetzer.....


@ Larifant,

danke für den Einblick in Frau Zeh!


zuletzt bearbeitet 19.07.2009 10:35 | nach oben springen


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