Verhandlungen mit Shakespeare
Zitat von Martinus
zumal von einem Mitdiskutanten Beleidigungen geflossen sind, und immer weiter gestichelt wurde, nicht reflektiert wurde, wie das eigene Wort auf den anderen wirkt usw.
Sonett XCIV
Wer, von der Macht zu schaden nicht verführt,
Die Taten, die er könnte, nicht begeht,
Wer andre rührt, doch selber ungerührt,
Unbeugsam, kalt in der Versuchung steht,
Mit Recht erhob des Himmels Gnade ihn,
Er waltet weise mit der Schöpfung Pracht;
Als Eigentum ist Schönheit ihm verliehn,
Nicht wie den andern nur auf kurze Pacht.
Süß blüht die Blume in der Sommerluft,
Ob sie auch lebt und welkt für sich allein,
Doch trifft sie Fäulnis, wird ihr Moderduft
Noch schlechter als das schlechteste Unkraut sein.
Denn wenn Verwesung schönste Wesen trifft,
So schwären Lilien schlimmer weit als Gift!
S.
Wie immer scheiden sich die Geister am Humor.
Das Wort einmal leicht nehmen,
wo bereits eingelenkt wurde,
eine patmos'sche Reaktion,
die mir gefallen hat,
die deutlich die Hand gezeigt hat,
die gutmütig gereicht wurde.
Indem ein Selbst ins Lächeln gehoben,
um zu zeigen. Nimm's nicht so ernst.
Doch schlimmer bis ins absonderlich Tragische gehoben
ist die Scheinheiligkeit weiblicher Versuche,
die oberflächlich schlichten,
indem sie das Drama erst zum Drama machen.
Schön aufsticheln, was sich an Wogen
längst geglättet, gar gelegt?
Durchatmen.
Zitat von Taxine
Doch schlimmer bis ins absonderlich Tragische gehoben
ist die Scheinheiligkeit weiblicher Versuche,
die oberflächlich schlichten,
indem sie das Drama erst zum Drama machen.
Schön aufsticheln, was sich an Wogen
längst geglättet, gar gelegt?
Danke, liebes Taxinchen.
Ich überlege bei diesem allzu künstlichen Theaterdonner eigentlich immer, wann ist denn nun eine "Beleidigung" eine Beleidigung?
Wenn ich Jesus Christus einen Idioten nenne, und heiße nicht Nietzsche, dann möchten mich wohl viele Menschen steinigen, ob verbal oder im "Original", das sei jetzt hier dahin, äh, gestellt.
Schreibt ein Nietzsche diese Worte, dann ist es Kunst, ist es etwas ergötzliches, dann ist natürlich und selbstverständlich eine mutige und im tieferen Sinne ästhetische Aussage, weil, weil er, also Nietzsche, steht so auf gewissen - schöpferisch heiligen Kothurnen. Vor lauter feinsinniger Schöngeisterei verwischen sich dann in manch überzarten Gemütern die Grenzen für das Wesentliche, bei manchen auch für das Einfache, auch für das rein Menschliche und das Kernige in der Persönlichkeit - des Anderen, wohlgemerkt - immer des Anderen.
Der "andere" Mensch wird gern auf dem Altar somnambuler Schöngeistigkeit geopfert, man darf das, denn man selbst ist immer ein Gebenedeiter. Man lebt eigentlich nicht mehr, man ästhetisiert sich durch seine intellektuellen Lüfte.
Und wo kommen wir denn auch hin, wenn wir uns mit der rüchigen, tumben und seelenlosen Masse gemein machen?
Nun könnte aber ein aparter und sich stilvoll dünkender Genialer daherkommen und sagen: Möser, du, du bist aber nicht Nietzsche.
Stimmt, würde ich sagen, denn ich, ich bin mehr als Nietzsche!
Zitat von Taxine
Durchatmen.
Ja, und vielleicht gelingt es noch und trotzdem und hoffentlich auch ohne erneute Ausbrüche edelmenschlicher Kabale, das wir uns endlich mit Shakespeare beschäftigen, vielleicht auch auseinandersetzen.
Ansonsten wäre es wohl besser und um es mit Hamlet zu sagen:
"The Rest is silence."
Sonett CL
Durch welche Macht ward diese Allmacht dein,
Die mich zum Sklaven deiner Fehler macht,
Daß ich den klaren Blick der Lüge zeihn
Und schwören muß, der Tag sei dunkle Nacht?
Woher nahmst du die Anmut in der Sünde,
Daß ich in deiner Taten schlimmstem Gift
Noch so viel Treffliches und Gutes finde,
Daß es der andern Tugend übertrifft?
Wer gab dir, meine Liebe stets zu schärfen,
Je mehr zum Haß mich mahnte meine Pflicht?
Oh, lieb' ich auch, was andere verwerfen,
Mit ihnen mich verwerfen darfst du nicht!
Denn wenn dein Unwert mich zur Liebe zwang,
Verdien' erst recht ich deiner Liebe Dank.
Zitat von Patmöser
Wenn ich Jesus Christus einen Idioten nenne, und heiße nicht Nietzsche, dann möchten mich wohl viele Menschen steinigen, ob verbal oder im "Original", das sei jetzt hier dahin, äh, gestellt.
Nicht deshalb, sondern weil Nietzsche Dostojewskij gelesen hatte. Insofern ist es gar keine Beleidigung. Du darfst auch mich gerne einen Idioten im Sinne Dostojewskijs nennen, und ich würde mich nicht beleidigt, sondern geehrt fühlen.
Aber dies nur am Rande, Es ist nicht das, was du eigentlich meintest, ich weiß ...
Zitat von RoquairolZitat von Patmöser
Wenn ich Jesus Christus einen Idioten nenne, und heiße nicht Nietzsche, dann möchten mich wohl viele Menschen steinigen, ob verbal oder im "Original", das sei jetzt hier dahin, äh, gestellt.
Nicht deshalb, sondern weil Nietzsche Dostojewskij gelesen hatte. Insofern ist es gar keine Beleidigung. Du darfst auch mich gerne einen Idioten im Sinne Dostojewskijs nennen, und ich würde mich nicht beleidigt, sondern geehrt fühlen.
Aber dies nur am Rande, Es ist nicht das, was du eigentlich meintest, ich weiß ...
Hihi, warum ahnte ich, das...
Ja ja, so mancher möchte gern ein Fürst Myschkin sein..., aber wenn es geht, nur ein paar Stunden am Tag. Sozusagen ein Myschkin auf Teilzeit, oder so, Myschkin total wäre ja wieder zu anstrengend, nöch?
Zitat
Stimmt, würde ich sagen, denn ich, ich bin mehr als Nietzsche!
Stimmt Patmöser, sagt Bea das Schwein!
Ich fühle mich mehr von Nietzsches Worten getroffen...
Werter Möser...
achte er auf den Blück vom hohen Sölner ("dort will ich rufen.... wie lasstet das Haus")... dass uns der Fürst nicht Erniedrigte und Beleidigte vor die Füß kredenzt.....
Denn feudeln, dass folget ümmer aus den fürsorglichen Händen.... nach dem kehren....!
Uich verzüchte auf die Einweisung zum Goethelab...
Ergebenst "Schlemiel, noch nicht im Roth",
dadd olle A
Guter A.
zwischen Satyrn, Chimären und Mantikoren flötet der hirtenbestabte Pan immer noch seine mal lauten und mal leisen Lieder. Denn das "O megas Pan tethnäke" war, damals, eine vorsätzlich in die antiken Medien lancierte Falschmeldung. Und so lang Klotho, Lachesis und Atropos dem Möser noch ein wenig wohlgesonnen sind, so wird er trotz und alledem weiterhin versuchen, der Hera unter die Röcke zu schauen.
Denn als Bruder des Dionysos habe ich mich niemals verstanden.
(Kann er damit - Leben?)
Der Möser
Siehst du Patmöser, dass sind wieder Gedanken die ich von dir mag...
- aber auch der olle Schnauzbart hätte darüber geschmunzelt
Evans: Was ischt Lapis, Wilhelme?
Wilhelm: Ein Stein.
Evans: Und was ischt also ein Stein, Wilhelme?
Wilhelm: Ein Kiesel.
Evans: Nein,'s ischt Lapis; erinnere tas in teinem Hirnkasten, Wilhelme, ich pitte dich.
(Die lustigen Weiber von Windsor/IV,1/)
(Ich schreibe meinen Beitrag dann im Shakespeare - Ordner, wäre sich auch in deinem Sinne, LX.C!)
Gestern endlich eingetroffen: William Shakespeare: Die Sonette, Englisch/Deutsch. Reclam.
Aber nicht in - einer Übersetzung, sondern in einer Auswahl der namhaftesten Übersetzer und Shakespearekenner. Also einhundervierundfünfzig Sonette in einem bunten Übersetzerkarussell. In dieser Art dann wohl ein einmaliges Unterfangen, oder besser - ein einmaliges Verlagsprojekt.
Als Übersetzer wären dann zu nennen: Richard Flatter, Walther Freund, Ludwig Fulda, Stefan George, Karl Kannegießer, Ilse Krämer, Karl Lachmann, Gottlob Regis, Karl Simrock, Dorothea Tieck, Gustav Wolf und andere.
Sehr interessant, obwohl - Stefan George ist und bleibt mir einfach ungenießbar. DIE Übersetzung ist und bleibt, unter "Experten und Liebhabern" gleichermaßen anerkannt, die Schlegel - Tieck Übersetzung (in diesem Band nicht aufgenommen, da als eigenständiges Übersetzerwerk zu lesen, eine sehr weise Entscheidung). Nicht aufgenommen wurde auch eine Übersetzungsauswahl der Sonette von Karl Kraus, wegen "allzu weiter Entfernung" vom Text. Richtig.
Die Sonette Shakespeares sind und bleiben einmalig dichtererisches Sondergut (innerhalb seines Gesamtwerkes), weil es Shakespeare gelang, die Grundform des Sonettes genial zu umgehen und damit lebendiger zu gestalten. Wer sich mit den Sonetten beschäftigen möchte, dem sei dieses Buch sehr empfohlen.
Obwohl, nein, lieber mit der Schlegel - Tieck Übersetzung beginnen, denn diese ist nun mal die "Genialischte".
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