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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#31

RE: Auf die Schnelle ans Helle - Die kleine Präsentation

in Buchvorschläge 11.03.2016 06:17
von LX.C • 2.720 Beiträge

Ist vorgemerkt Das Zitat über die Wirkung passt in die Auffassung der damaligen Zeit, das Romane die vielfach weiblichen Leserinnen in den Wahnsinn treiben würden. Ich hab momentan wieder viel mit meinem Studium zu tun, zur humorigen Entspannung greife ich aber immer wieder auf "Oblomov" zurück. Ich finde diesen speziellen russischen Humor immer wieder einzigartig großartig


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 11.03.2016 06:22 | nach oben springen

#32

RE: Auf die Schnelle ans Helle - Die kleine Präsentation

in Buchvorschläge 11.04.2016 03:19
von LX.C • 2.720 Beiträge

Herrlich, dieser kulturlose Kulturmensch


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#33

RE: Auf die Schnelle ans Helle - Die kleine Präsentation

in Buchvorschläge 27.04.2016 16:20
von LX.C • 2.720 Beiträge

Zitat von Taxine im Beitrag RE: April 2016
Hehe ... ja, manchmal übertreibt der Herr aber auch ganz schön, z B. im "Buch der Katastrophen", aber lachen muss man trotzdem.


Ja, teilweise wirklich schon bis zur Schmerzgrenze übertrieben. Man hat den Eindruck, von der Romantik bis zum Magischen Realismus scheint er da alles reinzupacken und gleichzeitig wieder zu veräppeln. Am stärksten fällt mir momentan aber die Modernekritik auf. Eine Parodie auf die Modernisierung der Welt. Ja gar Kritik einer aufkommenden "Konsumgesellschaft". In "Die vorzügliche Kaffeemaschine", "Onkel Willibald will baden" oder "Der Säugling" beispielsweise erlebt man ja Menschen, die mit dem neumodischen Kram, der teilweise überkompliziert nicht mal zu funktionieren scheint und dessen Sinn oftmals in Frage gestellt wird, völlig überfordert sind. Da wirkt "Der Ästhet" doch irgendwie wie ein Schlüsseltext. Der Untergang der alten Welt, die dem, der sie bewahren will, schon längst entglitten ist.


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#34

RE: Auf die Schnelle ans Helle - Die kleine Präsentation

in Buchvorschläge 07.09.2016 19:13
von Taxine • Admin | 5.950 Beiträge

Ein kurzer Eindruck zu
Anne Michaels "Fluchtstücke"

"All die, die tief einatmeten und erstickten. All die, die von sich zeugten, indem sie starben."

Dass Michaels auch Gedichte schreibt, strömt aus all ihren Satzschöpfungen. Bilder werden lebendig, beeindruckende, auf den Punkt gebrachte poetische Vergleiche … Was sie schafft, ist eine Verdeutlichung tiefster Gefühle, die aus der Angst eines Kindes entstehen, das den Terror der Nazis überlebt und mit den erlebten Erfahrungen umgehen lernen muss.

„Wenn ich erwachte, quälte mich ein Gedanke: die Möglichkeit, dass es für sie genauso schmerzlich war, erinnert zu werden, wie für mich, sie zu erinnern; dass ich meine Eltern und Bella mit meinem Rufen heimsuchte wie ein Gespenst, sie in ihren schwarzen Betten aufschreckte.“

Athos, ein griechischer Geologe, findet Jakob, das jüdische Kind, das mitangesehen hat, wie die Nazis seine Familie (die Eltern und die Schwester Bella) ermordeten und das sich über einige Zeit in einer archäologischen Ausgrabungsstätte versteckt hält, vergraben im Sand, bedroht von den nächtlichen Schatten und Bäumen.
Athos nimmt das Kind an sich und schmuggelt es nach Griechenland, genauer nach Zakynthos, wo beide aneinander Halt finden, denn die Deutschen sind auch dort eine Gefahr, und nach ihnen die Kommunisten …
Er versucht, Jakob auf das Leben vorzubereiten, es mit den Weisheiten seiner griechischen Seele zu konfrontieren, aber auch Athos kämpft mit sich selbst. Gemeinsam flüchten sie schließlich nach Kanada, wo Jakob erwachsen wird.


Aus dem Buch könnte nun sehr viel zitiert werden, da Michaels sich mit vielen tiefsinnigen Fragen zu Leben, Gleichgültigkeit, Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse usw. beschäftigt. Meines Erachtens nach hätte sie sich höchstens den zweiten Teil sparen können, der das Ganze etwas überdehnt, aber dann auch als Rückblick gedacht ist. Ein sehr schönes Buch, das man streichelt, wenn man es zuschlägt.

Zitat von Anne Michaels
Der Geist in unserem Körper ist wie Wein in einem Glas; wenn er verschüttet wird, geht er ein in die Luft und die Erde und in das Licht … Es ist ein Irrtum, zu glauben, es wären die kleinen Dinge, die wir beherrschen, und nicht die großen – es ist genau umgekehrt! Den kleinen Unfall können wir nicht verhindern, das winzige Detail, das zum Schicksal wird (…) Die größere Ordnung aber, die großen menschlichen Werte, die können wir jeden Tag verwirklichen – und das ist die einzige Ordnung, die uns erreichbar ist.




(Zitate aus "Fluchtstücke" von Anne Michaels, Rowohlt Verlag)




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 07.09.2016 19:19 | nach oben springen

#35

RE: Auf die Schnelle ans Helle - Die kleine Präsentation

in Buchvorschläge 11.09.2016 12:55
von Jatman1 • 1.156 Beiträge

"Ein sehr schönes Buch, das man streichelt, wenn man es zuschlägt."
Ja, solche Bücher gibt es. Schön, es so aufgeschrieben zu lesen. Für mich wäre eine dezente Modifizierung notwendig:
Ein sehr wunderbares Buch, über das man beim beim letzten Mal des Zuschlagens und nochmals beim Wegstellen, mit der geststreckten Hand hinweg streicht. . . . und noch den Bruchteil einer Sekunde davor stehen bleibt bevor man sich gedanklich wieder den Hier und Jetzt zuwendet.


www.dostojewski.eu
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#36

RE: Auf die Schnelle ans Helle - Die kleine Präsentation

in Buchvorschläge 12.09.2016 21:54
von Taxine • Admin | 5.950 Beiträge

Zitat von Jatman1 im Beitrag #35
"Ein sehr schönes Buch, das man streichelt, wenn man es zuschlägt."
Ja, solche Bücher gibt es. Schön, es so aufgeschrieben zu lesen. Für mich wäre eine dezente Modifizierung notwendig:
Ein sehr wunderbares Buch, über das man beim beim letzten Mal des Zuschlagens und nochmals beim Wegstellen, mit der geststreckten Hand hinweg streicht. . . . und noch den Bruchteil einer Sekunde davor stehen bleibt bevor man sich gedanklich wieder den Hier und Jetzt zuwendet.



Hahahaha ... das Buch wurde mit dreieinhalb Fingern und leicht angewinkeltem Arm horizontal von imaginären Staubpartikeln befreit, während quer über dem Gesicht der Hauch eines Lächelns lag, wobei die Mundwinkel ein angedeutetes Zucken aufwiesen. Das möchte ich zumindest annehmen, da weder der Umschlag spiegelte noch ich die Möglichkeit hatte, in eine Fensterscheibe oder auf ähnlich reflektierende Flächen zu blicken. Der von dir erwähnte Bruchteil und das Hier und Jetzt stimmen soweit überein.




Surreale Vorstellungen
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