Film- und Filmemacher
Ha... dieses hab' ich bereits.
Ich finde auch, dass es sich lohnt, den Vergleich zwischen Büchners Version und dem Leben des echten Lenz zu ziehen.
Überhaupt darf man ruhig aus Büchners "Lenz" zitieren, um einige "Schnittstellen" deutlicher zu machen, die der Film durchaus am Rande aufgegriffen hat.
Zum Beispiel:
Zitat von Büchner
Unterdessen ging es fort mit seinen religiösen Quälereien. Je leerer, je kälter, je sterbender er sich innerlich fühlte, desto mehr drängte es in ihn, eine Glut in sich zu wecken, es kamen ihm Erinnerungen an die Zeiten, wo alles in ihm sich drängte, wo er unter all seinen Empfindungen keuchte; und jetzt so tot. Er verzweifelte an sich selbst, dann warf er sich nieder, er rang die Hände, er rührte alles in sich auf; aber tot! tot! Dann flehete er, Gott möge ein Zeichen an ihm tun, dann wühlte er in sich, fastete, lag träumend am Boden. Am dritten Hornung hörte er, ein Kind sei in Fouday gestorben, er fasste es auf, wie eine fixe Idee. (...)
Er kam in das Haus, wo das Kind lag. Die gingen gleichgültig ihrem Geschäfte nach; man wies ihm eine Kammer, das Kind lag im Hemde auf Stroh, auf einem Holztisch. Lenz schauderte, wie er die kalten Glieder berührte und die halb geöffneten gläsernen Augen sah. Das Kind kam ihm so verlassen vor, und er sich so allein und einsam; er warf sich über die Leiche nieder; der Tod erschreckte ihn, ein heftiger Schmerz fasste ihn an, diese Züge, dieses stille Gesicht sollte verwesen, er warf sich nieder, er betete mit allem Jammer der Verzweiflung, dass Gott ein Zeichen an ihm tue, und das Kind beleben möge, wie er schwach und unglücklich sei; dann sank er ganz in sich und wühlte all seinen Willen auf einen Punkt, so saß er lange starr. Dann erhob er sich und fasste die Hände des Kindes und sprach laut und fest: "Stehe auf und wandle!" Aber die Wände hallten ihm nüchtern den Ton nach, dass es zu spotten schien, und die Leiche blieb kalt. Da stürzte er halb wahnsinnig nieder, dann jagte es ihn auf, hinaus ins Gebirg.
(Aus Georg Büchner "Lenz" - Reclam, Seite 22/23)
Der Büchner ist schon herrlich. (Gibt bei Zweitausendeins seine gesammelten Werke und Briefe für wenig Geld.) Die Vorstellung von sich als Mörder tritt kurz darauf auch bei Lenz auf.
Der Film war ja nur eine Interpretation. Da darf man dann auch gar nicht Wort für Wort erwarten. Die Figur war gelungen, auch wenn das "Kindergesicht" fehlte.
Liebe Grüße
tAxine
Zitat von Taxine
(Gibt bei Zweitausendeins seine gesammelten Werke und Briefe für wenig Geld.)
In diesem Falle entscheide ich mich für die "Münchner Ausgabe", Werke und Briefe, dtv (umfangreiche Erläuterungen, Quellen und Dokumente zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte, Zeittafel und Bibliographie.)
Liebe Grüße
mArtinus
In Antwort auf:
Eine literarische Aufarbeitung des Lenz-Thema ziehe ich für nächstes Jahr in Erwägung.
Lenz Leben ging vor allem ja auch weiter und endete nicht in der Klapse, sondern im Straßendreck Moskaus. Schon tragisch.
Ich empfehle aber, sich nicht nur mit dem Leben des Lenz und Büchners Interpretation dessen zu beschäftigen, sondern vor allem Dramen des Dichters Lenz zu lesen. Das ist nämlich ganz großes Kino :)
Zitat von Büchner: Lenz
Die Dichter, von denen man sage, sie geben die Wirklichkeit, hätten auch keine Ahnung davon, doch seien sie immer noch erträglicher, als die, welche die Wirklichkeit verklären wollten. Er sagte: Der liebe Gott hat die Welt wohl gemacht wie sie sein soll, und wir können wohl nicht was Besseres klecksen, unser einziges Bestreben soll sein, ihm ein wenig nachzuschaffen. Ich verlange in allem Leben, Möglichkeit des Daseins, und dann ist’s gut; wir haben dann nicht zu fragen, ob es schön, ob es häßlich ist, das Gefühl, daß was geschaffen sei, Leben habe, stehe über diesen beiden, und sei das einzige Kriterium der Kunstsachen
(Büchner: Lenz, Reclam 2006, 14)
Diese Stelle hier kam in etwa auch vor, als Pfarrer und Lenz auf der Weide standen, wenn ich mich richtig erinnere. Interessant daran ist, dass diese Kunstauffassung Büchners eigene gewesen war, die er Lenz in den Mund gelegt hat. Programmatische Schriften hat Büchner ja nicht hinterlassen, daher sind die Seiten 14/15 (Reclam) sehr bedeutend. Ähnliches findet man nur, wenn man seine Briefwechsel studiert.
http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=261&kapitel=1#gb_found
Was man heutzutags alles gar nicht mehr kaufen muss ...
Zitat von Zypresserich
http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=261&kapitel=1#gb_found
Was man heutzutags alles gar nicht mehr kaufen muss ...
Hallo Zyp,
uich gehör' auch zu der Generation, die ein Buch in der Hand halten müssen. Den Nachsommer gibt es dort auch, aber wer liest den Wälzer schon auf dem Bildschirm. Aber das könnte Thema eines anderen Threrads werden.
Zitat von Martinus
... uich gehör' auch zu der Generation, die ein Buch in der Hand halten müssen.
Ja, ich eigentlich auch. Längeres lese ich auch gar nicht am Schirm, weil ich beim Lesen nämlich rumkritzele und mir Notizen mache. Längeres drucke ich dann eben aus (wie z. B. von Jelinek, die ja so vieles auf ihrer Homepage hat). Favorit bleibt natürlich Buch, auch bei mir.
Wenn einen etwas sofort interessiert, dann hält man das Lesen durch. Grundsätzlich fehlt am Bildschirm aber wirklich die Entspannung dabei, und sei es nur die der Augen.
Büchners "Lenz" ist kurz. Das ließe sich..., also falls es jemand nicht bis zum Buch aushält. 
Dazu fällt mir ein: Das waren noch Zeiten, als eine "Erzählung" unter damaligem Verständnis ein ganzes Buch füllte. Durch all die Wettbewerbe heute, mit der Forderung "Kurzgeschichte", blättert man eine Seite um und ist schon ... zu Ende. Die Kunst, einen ganzen Roman in eine Seite zu packen, ist eine wahre..., nur gelingt sie darum noch lange nicht jedem. 
Mag vielleicht jemand Oper? Verfilmung von La Bohéme mit Anna Netrebko:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavi...-Bohème/
Hier der Trailer zum reinschnuppern.
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