HirngespinsteAustausch zwischen Literatur und Kunst |
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Würden nur die intelligenten Vögel zwitschern, wäre es still im Wald.
Somit möchte ich den intellektuell filigranen transzendenten Kontemplationen einen Beitrag aus den Niederungen kommerzieller Popkultur an die Seite stellen. Man muss es ja nicht lesen. Es reicht ja bereits, wenn man es mal beim Zappen ganz kurz, völlig rein zufällig, gesehen hat, und ansonsten damit natürlich nichts zu tun hat.
Vorab: Ich war und bin kein Nirvana-Fan. Laufen bei mir unter „genehmigt“.
Das besondere neben dem Inhalt ist die Form. Fast ausnahmslos sind die Originalseiten des Tagebuchs als Faksimile abgebildet. Da das Buch nahezu A4-Größe hat, sind auch die Originale lesbar. Gleich dem an welcher Stelle man das Buch aufschlägt, hat man immer das Original auf der einen Seite und die Übersetzung auf der andren Seite. Das anregende ist hier nicht die Möglichkeit, die Übersetzung nachzuvollziehen oder aber ein bisschen Slang in Sachen Schweinskram zu lernen. Man kann an der Form der Aufzeichnungen bereits teilweise schon den Gemütszustand ahnen, denn selten ist es profan dahingeschriebener Text. Immer bestimmt die seine Stimmung auch die Form, so auch oft mittels eingestreuter Zeichnungen. Nach dem Lesen entsteht ein verschmelzender Gesamteindruck aus Übersetzung und Original. Ein klarer Zugewinn!
Inhaltlich wirkte das Buch auf mich anfangs desorientiert, sporadisch, sprunghaft, irritierend. So habe ich es weggelegt. Da es so fragmentarisch erschien, fand es später seinen Platz in der unmittelbaren Nähe des Waterclosets. Zunehmend verdichtete sich der Stoff zu einem für mich begreifbaren Stimmungsbild.
Letztendlich habe ich ein „Buch“ gelesen, das mehr als deutlicht belegt, dass die innere Welt möglichst im Gleichgewicht sein muss. Nur leichte Schieflagen gefährden sie massiv. Cobains war in Schieflage. Äußere, sich zunehmend positive, Umstände waren für ihn nicht von Nutzen, sondern verstärkten seine fragile seelische Disposition. Für mich wurde durchaus nachvollziehbar, weshalb er sein Leben mit einem Grande Finale beendete. Ein Mangel an tatsächlichen Alternativen, gemischt mit verzweifelter Konsequenz ließ ihm keine andere Chance. Es ist zu ahnen, wie weit seelenklempnerische Helferei vermutlich in der Regel vom Kranken entfernt ist. Psychische Unterstützung von außen ist eher das zivilisatorische Verdrängungsmittel der Probleme, mit dem Vorteil nicht somatisch zu zerstören, wie es Drogen täten. Konsequent ist es nicht. Cobain war konsequent. Seine Beharrlichkeit ist für mich durch das Tagebuch begreifbar geworden. Akzeptieren kann ich solche Konsequenz jedoch nicht. Ich halte sie für zu egoistisch. Man ist nicht nur für sich verantwortlich.
Biographien der Popkultur lese ich oft. So kam ich auf den Trichter, den nürnbergschen, parallel YouTube zu nutzen. Ich erlebe es immer wieder gewinnbringend, etwas um die jeweiligen Lebensverhältnisse, die mentalen Befindlichkeiten und die Verhältnisse der Musiker untereinander zu kennen und eben dazu im Kontrast, die Welt der bunten Bilder zu sehen. Hat sich für mich unzählige Male bewährt.
Bei Kurt Cobain war es nicht so facettenreich. Wenn man dann aber gelesen hat, wie es ihm gerade geht und ihn dann da auf der Bühne sieht . . . Es muss brutal sein, als völliges Wrack, die jungen Menschen die voller positiver Energie zu deinem Sound durch die Gegend hopsen, zu bespaßen. Mit dem Buch habe ich ihn begriffen. Aber erst beim Ansehen von ein paar Clips hat er mir leid getan.
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RE: Kurt Cobain - Das Tagebuch
in Blicke auf Menschen 15.11.2010 20:04von Taxine • Admin | 6.701 Beiträge
Wo wir letztrig über Jugendidole gesprochen haben: Kurt Cobain war eines meiner. Seine Musik hat mich durch die Pubertät begleitet und mir häufig geholfen oder zumindest hat er das hinausgeschrien, was ich empfand.
Ich finde, seine Art zu Singen drückt unbedingt aus, wie er sich gefühlt hat. Und sein Tod ist bis heute umstritten. Dreifache Überdosis und keine Fingerabdrücke auf der Waffe. Langer Abschiedsbrief an die Fans, aber nur einige Zeilen an die Familie. Er wollte sich trennen usw.
Vielen Dank für den umfassenden Einblick.

Art & Vibration

RE: Kurt Cobain - Das Tagebuch
in Blicke auf Menschen 15.11.2010 21:00von Jatman1 • 1.188 Beiträge
Zitat
Und sein Tod ist bis heute umstritten.
Amüsant: Immer wenn eine vermeintliche Ikone zu füh geht ist
Zitat
sein Tod bis heute umstritten.
Kann man auch die Fans fragen von Janis Joplin, Elvis Presley, Michael Hutchence, Ian Curtis, Jim Morrison, Sid Vicious, Falco, Keith Moon, Jimi Hendrix und und und
Nix für ungut
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RE: Kurt Cobain - Das Tagebuch
in Blicke auf Menschen 15.11.2010 21:11von Roquairol • 1.072 Beiträge
Zitat von Jatman1Zitat
Und sein Tod ist bis heute umstritten.
Amüsant: Immer wenn eine vermeintliche Ikone zu füh geht istZitat
sein Tod bis heute umstritten.
Kann man auch die Fans fragen von Janis Joplin, Elvis Presley, Michael Hutchence, Ian Curtis, Jim Morrison, Sid Vicious, Falco, Keith Moon, Jimi Hendrix und und und
Nix für ungut
Nee, stimmt, aber - wenn man sich mit dem Todesfall mal beschäftigt, kann man nicht übersehen, dass da viele Fragen offen bleiben. Z.B. dieser dubiose Abschiedsbrief, bei dem offensichtlich ein Stück abgeschnitten ist, und der möglicherweise ursprünglich Teil eines ganz anderen Briefes war. Und das ist nur eines der Rätsel ...
Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
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RE: Kurt Cobain - Das Tagebuch
in Blicke auf Menschen 15.11.2010 21:18von Taxine • Admin | 6.701 Beiträge

RE: Kurt Cobain - Das Tagebuch
in Blicke auf Menschen 15.11.2010 21:20von Jatman1 • 1.188 Beiträge
Schade dass ich von Cobain nix weiß. So kann ich aber sagen. Vermarktung kann nicht mit dem Tod aufhören, der Hype geht weiter. Und wieder die gleichen Beispiele. Bei Rex Gildo gibt es übrigens keine Zweifel. ;-)
Seid mir nicht sauer. Mehr Junkie ging nicht. Mehr Depression ging nicht. Wenn jemand Suizid, dann Cobain.
Seh ich auch so: Fan Nicht-Fan spielt dabei keine Rolle.
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RE: Kurt Cobain - Das Tagebuch
in Blicke auf Menschen 15.11.2010 21:26von Taxine • Admin | 6.701 Beiträge
Ja, wahrscheinlich kam eine gute Fee in sein Zimmer geschwebt und hat ihm die Waffe an den Kopf gehalten, während er in seiner dreifachen Überdosis weiterlebte und glaubte, er würde sie selbst an den Kopf heben.
Als er dann in seinem Blut lag, hat er sich noch schnell die Mühe gemacht, die eigenen Fingerabdrücke zu entfernen.
Alles nur eine Frage der Technik. Ist klar.
Ist doch ganz logisch und ganz offensichtlich: ein Selbstmord, wie es einem Junkie zukommt.

Art & Vibration

RE: Kurt Cobain - Das Tagebuch
in Blicke auf Menschen 15.11.2010 21:28von Taxine • Admin | 6.701 Beiträge
Klar wollte er sterben. Aber es hätte dann doch wohl gereicht, sich die Spritze in den Arm zu jagen.

Art & Vibration

RE: Kurt Cobain - Das Tagebuch
in Blicke auf Menschen 15.11.2010 21:32von Jatman1 • 1.188 Beiträge
Der wollte sicherlich ein Fanal setzen. Weiterhin hatte er sich bereits ca. 92 ein Waffe zugelegt. Mit dem klar schriftlich formulierten Ziel sich zu erschießen. Da war auch schon "drauf". So wie seine aggressive Musik Ausdruck seiner Depression war, so aggresiv war auch seine "Verabschiedung".
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RE: Kurt Cobain - Das Tagebuch
in Blicke auf Menschen 15.11.2010 21:42von Taxine • Admin | 6.701 Beiträge
Tja, das alles stimmt, desgleichen gibt es etliche Beweise, die gegen Selbstmord sprechen, so sehr auch sein Charakter darauf hindeuten mag. Ein Selbstmord unter diesen Umständen ist faktisch unmöglich. Vielleicht wollte er sich umbringen, aber nicht zu diesem Zeitpunkt.
Schade daran ist zusätzlich, dass es etliche Fans gab, die diesen Schein-Selbstmord als Aussage aufnahmen und sich selbst die Rübe wegballerten.

Art & Vibration

RE: Kurt Cobain - Das Tagebuch
in Blicke auf Menschen 15.11.2010 22:25von Roquairol • 1.072 Beiträge
So, bitte gründlich studieren, übersetzen und bis morgen hier zusammenfassen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Death_of_Kurt_Cobain
Homepage: http://www.noctivagus.net/mendler
Facebook: http://www.facebook.com/people/Klaus-Mendler/1414151458

RE: Kurt Cobain - Das Tagebuch
in Blicke auf Menschen 15.11.2010 23:20von Taxine • Admin | 6.701 Beiträge
Ich habe mich zwar schon Ewigkeiten nicht mehr mit Cobain beschäftigt, aber viel Neues, das schlüssig ist, ist wohl nicht hinzugekommen. Das mit der Gewächshaustür war mir allerdings völlig neu. Vielleicht lese ich auch mal die Tagebücher. Es gibt sogar Aussagen, dass er nicht suizidgefährdet gewesen sein soll, lediglich einen leicht morbiden Humor gehabt hätte. Wer weiß.

Art & Vibration

RE: Kurt Cobain - Das Tagebuch
in Blicke auf Menschen 16.11.2010 00:29von Taxine • Admin | 6.701 Beiträge
Mit etwa diesen Worten endet auch dieser Artikel.
Und hier kann man dann wohl Tom Grants Theorien lesen , der ja trotz allem verdammt nahe am Geschehen war.
Eine weitere Seite auf die Schnelle wäre dann noch diese.
Bei solchen Dingen wird natürlich immer auch viel spekuliert und das Geschehen aufgebläht und ins Absurde getrieben. Tod, ob Selbstmord oder Mord, ist immer eine Geldquelle. Zweifel bleiben allerdings weiter bestehen.

Art & Vibration
