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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#31

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 17.10.2011 22:03
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Zitat von Roquairol


Taxine macht Druck und ich folge ...



Druck? Ich fand mich eher geduldig.

In-Sein als ein "vertraut sein mit" veranschaulicht unsere fast "blinden" Handgriffe in einer vertrauten Umgebung, all das, was wir unbewusst und wie "von selbst" tun. Wir betreten Zimmer, ohne uns bewusst zu machen: "Ich mache jetzt die Tür auf..., ich gehe Schritte, ich sehe das und das..." Wir tun es einfach. In-Sein heißt immer, dass Mensch und Welt miteinander verbunden sind, der Mensch nicht für sich steht, sondern verhaftet mit der Welt ist. (Bei Heidegger darf man beim Lesen nicht den Faden aus den Augen verlieren, wenn er vom In-Sein zum Sein-bei zum Ding in der Welt und wieder zurück zum In-Sein kommt.)
Wenn Heidegger von Sorge spricht, also ein Besorgen, dann meint er (neben z. B. sich beschaffen, etwas ausführen, befürchten...) alle Eigenschaften dieses Begriffes, also auch all das, was Gegenteil ist, wie z. B. Sorglosigkeit. Das ist wichtig, weil Heidegger solche Begriffe häufiger nutzt, die dann alle Seiten beinhalten. Daran muss man sich gewöhnen. Ansonsten ist alleine der Satz: Dasein ist Sorge! bereits wunderschön, auch wenn er viel mehr enthält, als zunächst angenommen.

Liebe Grüße
Taxine




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 17.10.2011 22:31 | nach oben springen

#32

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 18.10.2011 14:39
von Martinus • 3.194 Beiträge

Um anzutesten ob ich überhaupt einiges vom Heidegger-Vokabular verstanden habe, brauche ich bloß einen Absatz zitieren, und den guten Gewissens oder Schlechtswissens zu interpretieren. Ich habe immer den Eindruck, dass ich bei jedem Satz, der einiges Spezialvokabular enthält, vor die Wand laufe und meine Synapsen mich im Stich lassen, ich den weiteren Verdacht habe, dieses sei Literatur für Leute mit einem IQ á la Einstein. Es ist nämlich so, wenn ich ein Buch lese mit Einsteinschen Formeln, dann verstehe ich auch nichts, weil es eine Fachsprache ist.
Sei es nun wie es ist: Um mich zu testen, auch wenn ich eine Bauchlandung erwarte, beschäftige ich mich jetzt nur mit ein paar Sätzen aus dem ersten Absatz aus §12:

„Dasein ist Seiendes, das sich in einem Sein verstehend zu diesem Sein verhält. Damit ist der formale Begriff der Existenz angezeigt.“


Das Dasein ist mein Innenleben und das ist ein „Seiendes“. Was „seiend“ ist, da fängt bei mir schon das Grübeln an. Wahrscheinlich ist das „Seiende“ einfach das, was existiert, was da ist. Damit wäre es in einem engen Zusammenhang mit dem „Sein“, denn das „Sein“ ist einfach alles, was da ist: Die Welt, die Natur, die Dinge (darum Heidegger ja auch von „In-der- Welt-sein“ spricht). Aus diesen drei Begriffen setzt sich die Existenz zusammen = „formaler begriff der Existenz.“

„Dasein existiert. Dasein ist ferner Seiendes“, da je ich selbst bin.“


Richtig. Wilbers Quadrant oben links. Diese begriffe hängen alle zusammen, habe ich gerade gesagt.

„Zum existierenden Dasein gehört die Jemeinigkeit als Bedingung der Möglichkeit von Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit.“

Ein sehr schwerer Satz, weil gleich drei neue Begriffe auftauchen. Es ist noch schwerer, weil auch diese Begriffe in ihrer Bedeutung nahe beieinander liegen, deswegen die Vokabellernerei bei Heidegger sich als sehr problemgeladen erweist, dazu kommt noch, dass diese neuen Begriffe auch sehr tief mit Dasein, Seindes und Sein, verstrickt sind, diese Tatsache die Schwierigkeit noch potenziert. (und dann kann man das „Sein“ noch nicht mal deinieren). Warum werden denn überhaupt solche feinen Differenzierungnren gemacht, wenn doch alle Begriffe eine Ähnlichkeit haben. Im Grunde genommen ist auch hier alles nur eins.
Also: Das Dasein ist mit „Jemeinigkeit“ eng verknüpft. Jemeinigkeit sagt nur das aus, dass ich mein eigenes Dasein denke. Ja, natürlich, das Dasein von Roq. und Taxine kann ich nicht denken, weil sie ihr eigenes Dasein denken. Jeder kann nur sein eigenes Dasein Denken und das ist Jemeinigkeit. An sich ist das selbstverständlich und brauchte nicht erwähnt zu werden. Nun folgt noch die Aussage, Jemeinigkeit sei die „Bedingung der Möglichkeit von Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit.“ Was heißt das nun?

Taxine hatte das schön erklärt:

Zitat
Zwei Seinsmodi gibt es: Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit. Das sind zwei wichtige Modi, die sich in der Jemeinigkeit vereinen. Beide meinen nichts, was dem anderen gegenüber positiv oder negativ betrachtet werden soll. Eigentlichkeit ist einfach das Seiende als eigenständig, selbstbestimmend, Uneigentlichkeit das Seiende im Fluss der Welt, Gesellschaft, Gewohnheit und Traditionen, also die eigentliche Grundbedingung des Daseins.


Jemeinigkeit besteht aus Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit. Was bedeutet denn, wenn das Seiende selbstbestimmend ist?
Alles was ich von meinen genannten Heidegger-Zitat verstanden habe ist eben das, wie alles in sich zusammenhängt und wie schwer das Heidegger-Vokabular zu erlernen ist. Ich weiß auch, das ich da bin (Dasein) und weiß, dass er die Welt, die Dinge gibt (Sein). Ich verstehe nicht die philosophische Hintergründigkeit, warum alles in so komplizierten Begrifflichkeiten zerlegt werden muss? Kann die Welt, das Sein, oder mich selbst, das Dasein, nicht einfacher verstanden werden? Ich bin mir hundertprozentig sicher, solch eine Philosophie könnte man auch viel einfacher erklären.

Zitat von Roquairol

Was so schwer zu verstehen ist, muss akademischer Weihen würdig sein, auch wenn es "eigentlich" ganz einfach ist ....



Das ist genau der Punkt. Darum schreiben Juristen im Juristendeutsch und Mediziner im Medizingewirr. Ich schätze Gelehrte, die ihr Wissen im Worte für Normalsterbliche, also IQ 110, fassen können. Gibt es so eine Heidegger.Übersetzung? Es hat auch was jemeines, wenn man so einen Heidegger nicht lesen kann.

Liebe Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 18.10.2011 14:45 | nach oben springen

#33

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 18.10.2011 15:35
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Hallo Martinus,

Zitat von Martinus
Das Dasein ist mein Innenleben und das ist ein „Seiendes“. Was „seiend“ ist, da fängt bei mir schon das Grübeln an. Wahrscheinlich ist das „Seiende“ einfach das, was existiert, was da ist. Damit wäre es in einem engen Zusammenhang mit dem „Sein“, denn das „Sein“ ist einfach alles, was da ist: Die Welt, die Natur, die Dinge (darum Heidegger ja auch von „In-der- Welt-sein“ spricht). Aus diesen drei Begriffen setzt sich die Existenz zusammen = „formaler begriff der Existenz.“


Seiendes teilt sich in Vorhandenes und Existierendes. Vorhanden sind z. B. Dinge, Welt, Natur, Gestein. Existieren kann im Sinne Heidegger nur Seiendes, das sich auf sich selbst beziehen kann, das Erkenntnis über sich und die Welt besitzt, also das Dasein (der Mensch). Das meint er, wenn er sagt:
„Dasein ist Seiendes, das sich in einem Sein verstehend zu diesem Sein verhält."
Vereinfacht könnte man es vielleicht so formulieren: Alles, was über sich selbst reflektieren kann, ist Dasein, alles, was nur ist, ist Seiendes als Vorhandenes.
Sobald man über die Art und Weise des Seienden (z. B. in der Welt) nachdenkt, dreht es sich um das Sein des Seienden.

Zitat von Martinus
Warum werden denn überhaupt solche feinen Differenzierungen gemacht, wenn doch alle Begriffe eine Ähnlichkeit haben. Im Grunde genommen ist auch hier alles nur eins.


Die Begriffe haben keine Ähnlichkeit, sondern hängen alle miteinander zusammen. Du musst ja das Dasein in seinen verschiedenen Bedingungen betrachten, sowohl als den Ich-Quadranten und den Wir-Quadranten oder das Ich im privaten Umfeld und in der öffentlichen Welt, denn alles ist Seiendes, das sich dennoch unterscheidet. Wenn Heidegger detailiert darauf eingeht, wie sich das Dasein zusammensetzt, dann legt er damit ganz einfach die Bedingungen fest, warum Dasein überhaupt so ist, wie es ist. Das beinhaltet Erkennen, Existenz, Jemeinigkeit und noch viele andere Bedingungen. Damit will er sich dem Sein und Seienden nähern, ohne mit dem Sein das Sein erklären zu wollen, wie es vor ihm andere taten.

Für Heidegger gibt es verschiedene Modi, durch die das Dasein ist, wie es ist. Er spricht von Grundverfassungen und einer Art "Vorverständnis", das dem Dasein innewohnt, warum es Dasein ist. Darum sind wir z. B. in der Lage, (uns oder die Welt) zu erkennen, und sogar in der Lage, uns selbst beim Erkennen wahrzunehmen (oder zu erkennen, dass wir etwas erkannt haben), sobald wir diese Vorgänge näher betrachten, können aber auch unbewusst im vertrauten Umfeld handeln. All das sind Grundvoraussetzungen des Daseins, die es als solches ausmachen. Dasein ist also Existenz, ist seine Möglichkeiten, ist Erkennen, ist "in der Welt", usw. (Wer das aber gar nicht erst definiert, kann das Dasein als sein "Sein" nicht definieren.)
Wenn du fragst: Kann die Welt, das Sein, oder mich selbst, das Dasein, nicht einfacher verstanden werden? - dann wirst du, willst du dir die Frage exakt beantworten, erst einmal nur auf eine schwammige Vorstellung von Welt, Sein, Dasein treffen. Was ist denn z. B. Dasein? Reicht es, zu sagen: "Ich bin"? Nein, sicherlich nicht, und da geht es dann eben los. Alleine die Welt oder das Dasein zerlegt sich in so viele Bedingungen und Notwendigkeiten, dass ein einfaches Verstehen erst dann möglich wird, wenn man alle Seiten betrachtet und die Begriffe geordnet, ihre Grundvoraussetzungen und Erscheinungen festgelegt hat.

Liebe Grüße
tAxine




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 18.10.2011 16:17 | nach oben springen

#34

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 18.10.2011 16:25
von Martinus • 3.194 Beiträge

Werte Taxine

Zitat von Taxine
Vereinfacht könnte man es vielleicht so formulieren: Alles, was über sich selbst reflektieren kann, ist Dasein, alles, was nur ist, ist Seiendes als Vorhandenes.



Sehr schön formuliert.
Ein Beweis, dass es auch einfacher ginge.

Ich lese gerade den Kommentar eines Lesers zu Olivier Jarhaus: Martin Heidegger, eine Einführung. reclam. Der Leser dieses Buches beklagt sich, das Buch sei zu akademisch (also keine Einführung) und am Ende wüsste er immer noch nicht, was das "Sein" ist. Das ist genau das Problem, woran auch ich zu scheitern drohe. Selbst mit Einführungen kann man also Pech haben, wenn Fachleute von ihrem Fachjargon nicht wegkommen.

Werte Taxine, natürlich sehe ich ein, dass erst mal definiert werden muss, um davon ausgehend tiefer in die Materie einsteigen zu können. Das Schwierige für mich bleibt, dass ich schon bei den Definitionen immer wieder nachfragen muss, die eigentliche Grundlage für das Verstehen des Werkes sich bei mir (noch) nicht gesetzt hat. Das sieht man warscheinlich auch daran, wie meine Fragen gestellt sind, in welchen Irrtümern ich offenbar gefangen bin.

Hab' Dank!

Liebe Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 18.10.2011 16:34 | nach oben springen

#35

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 18.10.2011 16:41
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Zitat von Martinus
das „Sein“ ist einfach alles, was da ist: Die Welt, die Natur, die Dinge



Hallo Martinus,
das würde ich so nicht sagen. Das Sein ist vielmehr das, was die seienden Dinge seiend macht. Ungefähr so wie "das Leben" das ist, was alle Lebewesen lebendig macht. Man kann das Leben ja auch nicht so definieren, dass es einfach die Summe aller lebender Wesen sei.

Zitat

Ich schätze Gelehrte, die ihr Wissen im Worte für Normalsterbliche, also IQ 110, fassen können. Gibt es so eine Heidegger.Übersetzung?



Die schreiben wir doch hier gerade!




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#36

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 18.10.2011 16:57
von Martinus • 3.194 Beiträge

Zitat von Roquairol



Zitat von mArtinus

Ich schätze Gelehrte, die ihr Wissen im Worte für Normalsterbliche, also IQ 110, fassen können. Gibt es so eine Heidegger.Übersetzung?



Die schreiben wir doch hier gerade!






„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 18.10.2011 16:58 | nach oben springen

#37

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 21.10.2011 18:20
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Das Erkennen ist laut Heidegger im In-der-Welt-sein fundiert. Dies ist ein wesentlicher Punkt. Man glaubt gar nicht, wie viele Universitätsprofessoren diesen fundamentalen Grundsatz nicht verstehen und meinen, Heidegger erkenntnistheoretisch ans Bein pinkeln zu können, einfach weil sie erst mit dem Akt des Erkennens anfangen und nicht schon mit dem In-der-Welt-sein.
Nach Kant u.a. ist das Subjekt quasi "innen" und das Objekt "außen". Nach Heidegger ist dies grundfalsch, weil das "Subjekt" (das er nicht so nennt) immer schon "innen" und "außen" zugleich ist, indem es eben vor allem anderen schon in der Welt ist. Das Erkennen ist dann erst etwas, das zu dem In-der-Welt-sein hinzukommt:

Zitat
im Erkennen gewinnt das Dasein einen neuen Seinsstand zu der im Dasein schon je entdeckten Welt


Natürlich will Heidegger nicht behaupten, daß es Erkenntnis gar nicht gäbe oder das sie überflüssig sei, weil der Mensch durch sein In-der-Welt-sein schon alles wissen würde - das wäre natürlich absurd. Gemeint ist, daß mir alles, was ich erkenne, schon zuvor begegnet sein muß - nur eben als ein Phänomen, das ich nicht genau oder falsch erkenne. Ich habe also immer schon ein gewisses Vorverständnis von dem Phänomen. Die Erkenntnis wirft nun ein neues Licht auf das Phänomen, dadurch gewinne ich dazu einen "neuen Seinsstand", ich sehe nämlich nun seine "Wahrheit".

Nehmen wir mal ein simples Beispiel: Ich gehe in der Dämmerung einen Feldweg entlang und glaube plötzlich, einen Menschen vor mir zu sehen. Beim Näherkommen "erkenne" ich dann, daß es sich "in Wahrheit" um einen Baum handelt. Diese Erkenntnis kommt jedoch nicht aus dem Nichts - sie ruht auf der Voraussetzung, daß ich überhaupt "in der Welt" (in diesem konkreten Fall auf dem Feldweg) bin, daß mir deshalb ein Phänomen begegnen kann, und daß ich im übrigen schon ein gewisses Vorverständnis von Dingen wie "Baum" und "Mensch" mitbringe.

Und um schon etwas vorauszugreifen - es gibt noch eine Voraussetzung, es muß nämlich überhaupt noch soviel Licht vorhanden sein, daß ich noch etwas sehen kann, sonst gehe ich blind an dem Baum vorbei und erkenne rein gar nichts. Deshalb wird Heidegger die Wahrheit später auch als "Lichtung" bezeichnen. Dies ist keineswegs metaphorisch gemeint - wir dürfen nie vergessen, daß Heidegger Phänomenologe ist, und die Grundvoraussetzung, damit uns Phänomene überhaupt begegenen können, ist das Licht.




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#38

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 21.10.2011 18:29
von Roquairol • 1.065 Beiträge

An dieser Stelle kam in der alten LC-Leserunde die Frage auf, woher der Mensch denn sein Vorverständnis von den Dingen hat.
Meine Antwort:
Das erwerbe ich in der Kindheit, irgendwo zwischen "Wauwau" und "Tatütata". Wobei natürlich auch das Kind schon in der Welt und mit den Phänomenen konfrontiert ist - es kann sie nur noch nicht benennen und verstehen. Aber wie ich oben schon mal schrieb, ist Heidegger kein Entwicklungspsychologe und geht immer vom erwachsenen Menschen aus.

Frage: Wenn ein mongolischer Nomade in Australien ein Schnabeltier erblickt, wird er dieses unbekannte Wesen als Wahrheit erkennen - aber woher nimmt er das Vorverständnis vom Schnabeltier?

Antwort:
Er hat kein direktes Vorverständnis vom Schnabeltier, aber von Tieren allgemein. Wenn er also ein kleines pelziges Wesen mit ungewöhnlichem Aussehen entdeckt, wird er sich zumindest denken können, daß er ein unbekanntes Tier vor sich hat.
Als übrigens das erste (präparierte) Schnabeltier nach Europa geschickt wurde, hielt man es zunächst für das künstliche Produkt eines Scherzboldes. So kann mangelndes Vorverständnis natürlich leicht zu Irrtümern führen.

Nehmen wir eine theoretische Situation an, in der wir wirklich überhaupt kein Vorverständnis über die Welt besitzen (z.B. wenn wir auf einen außerirdischen Planeten versetzt würden, auf dem alles Seiende aus zweidimensionalen geometrischen Figuren bestünde), dann müßten wir dort orientierungslos umherirren, ohne die Möglichkeit, Wahrheit zu erkennen.




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#39

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 22.10.2011 13:40
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Hallo.

Zitat von Roquairol
Nach Heidegger ist dies grundfalsch, weil das "Subjekt" (das er nicht so nennt) immer schon "innen" und "außen" zugleich ist, indem es eben vor allem anderen schon in der Welt ist.


Ein gutes Beispiel ist sein Kapitel über das Phänomen der Welterkenntnis. Das Phänomen des Welterkennens ist daher auch kein (nur) innerlicher, sondern (auch) ein äußerlicher Vorgang. Da wir die meisten vertrauten Dinge eher „blind“ tun, also ohne darüber nachzudenken, ist die Erkenntnis, dass wir die Welt erkennen, ein aus dem herkömmlichen Handeln und Denken hinausreichender Akt, da dieses Erkennen bereits Voraussetzung des Daseins ist. Wir stehen uns bildlich gesehen selbst gegenüber und sehen uns als jemanden, der die Welt erkennt, während wir ansonsten die Welt aufnehmen, über sie nachdenken, ohne uns selbst zu betrachten (beim Erkennen, Aufnehmen, Nachdenken). Normalerweise ist dieses Wissen in sich ruhend, ist eine Grundvoraussetzung des In-der-Welt-seins. Sobald erfasst wird, hingesehen, bestimmt, kurz: dem Seienden begegnet wird, ist der Vorgang wieder „drinnen“, nicht innerlich, sondern ganz einfach betrachtet als ein Drinnen „in der Welt“. Beim Reflektieren und Nachdenken wiederum all dessen, was erfasst wurde, ist man draußen, weil man sich immer noch mit der äußeren Welt beschäftigt (nicht mit sich selbst, z. B.)
Ob man also die Welt erblickt oder über sie nachdenkt, beide Vorgänge finden sowohl innen als auch draußen statt (hier als eine Begegnung mit der Welt). Selbst das, was wir vergessen, worin wir uns getäuscht haben, bleibt eine Modifikation des In-Seins. (Das könnte bedeuten, dass wir auch von dem geprägt sind, worin wir uns geirrt haben. Die Erkenntnis sowohl des Irrtums als auch der neuen Ansicht sind beides Teilaspekte des Sein vom Seienden und haben gleiche Wirkung auf uns, ähnlich wie wir etwas erblicken oder über das Gleiche nachdenken. Beides sind Prozesse, die in uns stattfinden, als ein Außen, eine Begegnung mit Welt, Seiendem usw.)
Erkennen erschafft also nichts, lässt nichts entstehen, sondern ist Grundbedingung des „In der Welt Seins“ des Daseins. Mit dem Erkennen verändert sich aber das Dasein, gewinnt einen neuen Seinsstand. Das Erkennen ist also Grundbedingung, was wir erkennen, Notwendigkeit, was wir im oder beim Erkennen aufnehmen, denken, erkannt haben, Bereicherung oder Erweiterung des Seienden, kurz die "Wahrheit" des Gesehenen.


Zitat von Roquairol
An dieser Stelle kam in der alten LC-Leserunde die Frage auf, woher der Mensch denn sein Vorverständnis von den Dingen hat.
Meine Antwort:
Das erwerbe ich in der Kindheit, irgendwo zwischen "Wauwau" und "Tatütata".


In dieser Hinsicht habe ich Heidegger viel metaphysischer verstanden. Nicht in der Kindheit wird das Vorverständnis geprägt oder ist das Kind mit dem Phänomen konfrontiert, sondern es ist dem Dasein von Anfang an, also mit dem Beginn seiner Existenz mitgegeben, damit es überhaupt in der Welt sein kann.
Dieses Vorverständnis deute ich als eine Art Muster (außerhalb der rationalen Ebene) oder einen Code wie die DNA. Das Vorverständnis wird also nicht in der Kindheit geprägt, sondern ist mit dem Eintritt in die Welt längst vorhanden.

Liebe Grüße
Taxine




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 22.10.2011 22:40 | nach oben springen

#40

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 22.10.2011 20:17
von Martinus • 3.194 Beiträge

Hallo,

Zitat von Roquairo

Gemeint ist, daß mir alles, was ich erkenne, schon zuvor begegnet sein muß - nur eben als ein Phänomen, das ich nicht genau oder falsch erkenne. Ich habe also immer schon ein gewisses Vorverständnis von dem Phänomen. Die Erkenntnis wirft nun ein neues Licht auf das Phänomen, dadurch gewinne ich dazu einen "neuen Seinsstand", ich sehe nämlich nun seine "Wahrheit".



Ohne ein Vorverständnis könnten wir nichts erkennen, nichts richtig einordnen. Interessant ist das Beispiel, wenn sich ein Plattfisch auf dem Meeresgrund tarnt wie ein Stein. Der Angreifer erkennt das nicht, weil er getäuscht wird, und schwimmt vorbei. Das Erkennen gründet sich zwar auf eine vorherige Erfahrung, ist allerdings eine Täuschung.

Was hat es denn zu bedeuten, dass ein Subjekt innen und außen ist? Wenn wir vom subjektiven Empfinden reden, denken wir nur an innere Vorgänge. Das Subjekt, also das Innen und Außen (?) ist vor dem Erkennen schon da. Sagt Heidegger das so, weil der Mensch als Voraussetzung von Innen/Außen erstmal in der Welt sein muss, also erst geboren sein muss?

Liebe Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#41

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 22.10.2011 21:41
von Roquairol • 1.065 Beiträge

Zitat von Martinus

Was hat es denn zu bedeuten, dass ein Subjekt innen und außen ist?


Heidegger hat schon seine Gründe, den Begriff "Subjekt" nicht zu verwenden. Das Dasein ist innen und außen, weil es In-der-Welt-sein ist. Also die Welt ("außen") gehört untrennbar zum Menschen dazu.

Zitat

Wenn wir vom subjektiven Empfinden reden, denken wir nur an innere Vorgänge. Das Subjekt, also das Innen und Außen (?) ist vor dem Erkennen schon da. Sagt Heidegger das so, weil der Mensch als Voraussetzung von Innen/Außen erstmal in der Welt sein muss, also erst geboren sein muss?


Geboren sein heißt nicht "In-der-Welt-sein". Das Neugeborene muss so etwas wie Welt erst allmählich entwickeln. Heidegger meint, dass Erkennen nicht von einem freischwebenden Subjekt in einer Art leeren Raum stattfindet, sondern dass es auf dem Vorverständnis beruht, und dies hat der Mensch, weil er schon vor jedem Erkennen in der Welt ist.




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#42

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 22.10.2011 21:44
von Roquairol • 1.065 Beiträge

§ 14 stellt die Frage nach der "Welt" (wir sind immer noch dabei, das "In-der Welt-sein" zu erklären). Der Begriff ist vieldeutig, und Heidegger listet vier Bedeutungen auf, die der Begriff "Welt" hier haben könnte:
1. die Gesamtheit des Seienden, das in der Welt vorhanden ist. Also die Summe aller Häuser, Bäume, Steine, Fabriken, Windräder usw.
2. das Sein (nicht das Seiende) der unter 1. genannten Häuser, Bäume usw. -
3. dasjenige, worin ein menschliches Dasein lebt. Hier wird weiter unterschieden zwischen der öffentlichen Wir-Welt und der unmittelbaren häuslichen Umwelt. -
4. das, was Heidegger als "Weltlichkeit" bezeichnet. Dies ist ein Existenzial, um dessen nähere Analyse es in den folgenden Paragraphen gehen wird.

Heideggers Begriff "Welt", wie er in "In-der-Welt-sein" verwendet wird, entspricht der genannten Bedeutung Nr. 3.

In der Folge soll nun die "Weltlichkeit" analysiert werden, und dazu untersucht Heidegger zunächst die "Umwelt".




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#43

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 23.10.2011 14:39
von Martinus • 3.194 Beiträge

Es gilt, so Heidegger, die "Welt" phänomenologisch zu beschreiben. Was heißt das genau? Erscheinung ist ja gerade das, was sich nicht zeigt. Was bedeutet dieses im Zusammenhang mit "Welt"?

Die "Welt" phänomenologisch zu beschreiben heißt bei Heidegger:

Zitat von Heidegger

...das Sein des innerhalb der Welt vorhandenen Seienden aufweisen und begrifflich-kategorial fixieren.



das bedeutet, das "Sein", welches sich nicht gezeigt hat (phänomenologisch) aufzuspüren und begrifflich auszumachen.

Das Seiende sind die Dinge innerhalb der Welt, sagt Heidegger. Die Dinge seinen auch Naturdinge, insofern die Natur das eigentliche Thema ist.(die wehrbehafteten Dinge sind wohl alle anderen Dinge). Es gibt einmal die "ontische Abschilderung des innerweltlichen Seienden" und dann "noch die ontologische Interpretation des Seins dieses Seienden", die mit dem Phänomen Welt in Verbindung gebracht werden. Die "Welt" ist aber dem objektiven Sein vorausgesetzt, d.h.zuerst die Welt, dann das Sein (oder auch Siendes). Wenn das Seiende innerweltlich genannt wird, müsste es in der Welt sein.

Dann wird die interessante Frage aufgeworfen, ob nicht jedes Dasein seine eigene Welt hat. Wir sagen ja auch, jeder schaut durch seine eigene Brille, d.h., jeder sieht die Welt so, wie sein Gehirn ihm die Welt zeigt. Etwas lustig aber treffend: Der eine tut sich mit Heidegger schwer, ein anderer nicht. Jedes Dasein hat auch seine eigene Verstehenswelt, Wahrnehmung usw. Heidegger fragt sich, ob die Welt dann etwas subjektives sei.

Gibt es überhaupt eine gemeinsame Welt?

Liebe Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 23.10.2011 14:44 | nach oben springen

#44

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 23.10.2011 14:50
von Taxine • Admin | 5.891 Beiträge

Hallo...

Die „Welt“ selbst wird phänomenal betrachtet, um sehen zu lassen, was sich an „Seiendem“ innerhalb der Welt zeigt.
In der Philosophie wurde häufig die Welt als Natur samt ihrer Substanzen betrachtet. Heidegger verweist aber darauf, dass die Natur selbst ein Seiendes ist, damit bereits in der Welt. Dadurch ist das Phänomen „Welt“ noch lange nicht gefunden.

Von der Welt als solches gibt es die unterschiedlichsten Vorstellungen. Jedes Dasein hat seine Welt. Diese sind in einer gemeinsamen Welt… usw.
Dagegen ist nichts davon bei Heidegger gemeint, er weist auf die Weltlichkeit als ontologischen Begriff hin, die selbst ein Existenzial von „In der Welt sein“ ist. (Die Bezeichnung „weltlich“ meint nicht etwas, was in der Welt vorhanden ist, sondern eine Seinsart des Daseins. So wie Dinge weltlos sind, da ohne Beziehung zur Welt und aufeinander, so ist der Mensch z. B. weltlich, da in Verbindung mit der Welt…)
Wir unterscheiden Natur, Umfeld, Stadt, Gesellschaft u. ä., Heidegger nimmt noch das „worin“ dazu, „worin ein Dasein als dieses lebt“, in den Möglichkeiten der Wir-Welt und der eigenen und nächsten Umwelt.
Welt ist immer Charakter des Daseins. Es gibt kein Dasein, das nicht Welt ist.

Wie immer geht Heidegger so vor, dass er eine Verbindung sucht. Wie er das Sein über die Betrachtung der Alltäglichkeit des Daseins finden will, das sich daraus erschließen soll, so sucht er, um „Welt“ zu erklären, nach der Auslegung von Welt, ebenfalls in der Alltäglichkeit, zeigt auf, dass sich Welt zwar in Seiendem spiegelt, dennoch als Untersuchung nichts taugt, da die Aussage bereits „Welt“ voraussetzt. Daher konzentriert er sich darauf, was Umwelt ist und ihre Inhalte. Sein wird Dasein, Welt wird Umwelt.

Das alltägliche In-der-Welt-sein zeigt sich am Umgang in der Welt oder mit dem innerweltlichen Seienden. Dieser Umgang ist die Vielfalt des Besorgens. Will man das Dasein in seiner „Sorge“ erfassen, muss man betrachten, durch was es besorgt. Die einfachste, aber für Heidegger fragwürdige Antwort, lautet: durch Dinge. Dinge aber sind mit vorgreifend ontologischem Charakter geprägt. Darüber lässt sich das im Besorgen begegnende Seiende in seinem Sein nicht definieren.

Daher ganz von vorne:
In der Welt sind „Dinge“. Nach den Griechen sind sie etwas, womit man umgeht, aber auch bloße Dinge. Bei Heidegger werden im Besorgen begegnende Seiende als Dinge zu Zeug. (Das ist all das, mit dem wir hantieren und das Dasein besorgen, z. B. das Schreiben mit dem Schreibzeug, das Nähen mit dem Nähzeug usw.) Was Zeug zu Zeug macht, ist Zeughaftigkeit.
Zeug ist nicht, sondern wird immer in seinem Gebrauch betrachtet, um seine Ganzheit zu erhalten. Für Heidegger ist Zeug immer „um zu“. So werden Dinge Gebrauch, ein Zimmer ist nicht geometrisch Räumliches, sondern da, um darin zu wohnen. Zeug hat also immer Verbindung zum Dasein, welches wiederum Verbindung zur Welt hat. Nichts davon steht für sich oder ist für sich. Wenn wir Zeug betrachten, dann immer in seinem Zusammenhang der Benutzung. Zeug wird im Sein-Zusammenhang gesehen, als seine Zeugganzheit. Der Gebrauch mit Zeug ist dann auch als Umgang benannt.

Zeug wird ohne viel Betrachtung und Erkenntnis als Zeug verwendet. Benutzt man den Hammer als das, wozu er gedacht ist, ist er am ursprünglichsten in seiner Verwendung. Man muss den Hammer nicht erst ansehen und erschließen, wozu er sich eignet. Seine Verwendung wird aus seinem Vorhandensein sofort ersichtlich. Selbst ein Mensch, der in der Wildnis aufgewachsen ist und auf einen Hammer trifft, wird nach ihm greifen und mit ihm vielleicht um sich schlagen. Das intuitive Gefühl der Verwendung ist durch Zeug gegeben. Die Seinsart, in die sich Zeug selbst offenbart, ist Zuhandenheit. Es ist also nicht nur das Werkzeug, sondern auch das, was damit hergestellt werden soll, was Zuhandenes ist.

Also kann man hier festhalten: Seiendes teilt sich in Existierendes (Dasein) und Vorhandenes. Vorhandenes unterteilt sich wiederum in Nur-Vorhandenes, Zuhandenes und Unzuhandenes, während Zuhandenes Zeug ist, das auf sich selbst verweist (also auf seinen Gebrauch oder als das Sein, in dem es sich als Zeug offenbart) und Unzuhandenes "im Wege liegt", kurz: das Unerledigte ist.

Aber noch einmal genauer: Nur weil Zeug seinen Gebrauch offenbart, ist es verfügbar. Man erkennt bei Zeug immer den Gebrauch, seinen Umgang. Dieses Erkennen nennt sich Umsicht. Daher wird Zeug, wenn es in Gebrauch ist, nicht bemerkt oder hinterfragt, sondern einfach benutzt. Erst, wenn Zeug nicht zur Hand ist, fällt es auf (ähnlich, wie auch die Arbeit, der Raum und ähnliches erst einmal verschwinden, wenn z. B. ein Handwerker seine Arbeit verrichtet. Sie werden erst wieder sichtbar, wenn etwas fehlt oder verändert ist (dazu später)). Das, was also betrachtet wird, ist nicht das Zeug, also z. B. das Werkzeug, sondern das Werk, das primär Besorgte. Dies ist das Zuhandene, das Verweisungsganzheit in sich trägt, also auf die Begegnung mit dem Zeug in seinem Gebrauch verweist.

(All das gibt schon andeutungsweise einen Hinweis darauf, was die "Welt" ist und wie sie uns erscheint oder, besser gesagt, erst einmal nicht erscheint. Aber ich will nicht vorgreifen, sonst schimpft Roquairol wieder. )

Bis hierhin,
liebe Grüße
Taxine




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 23.10.2011 15:56 | nach oben springen

#45

RE: Martin Heidegger

in Sachen gibt's - Sachbuch 23.10.2011 16:22
von Martinus • 3.194 Beiträge

Zitat von Taxine


Von der Welt als solches gibt es die unterschiedlichsten Vorstellungen. Jedes Dasein hat seine Welt. Diese sind in einer gemeinsamen Welt… usw.
Dagegen ist nichts davon bei Heidegger gemeint,



Warum meint das Heidegger nicht so, wenn es definitiv so ist. Wie wir unsere Welt sehen, ist abhängig von unserem Bewusstsein, also vom individuellem Dasein. Wenn ich einen Schlaganfall habe, nehme ich, je nach neurologichem Ausfall, ich die Welt anders wahr. Soll ich neurologische Fallbeispiele anführen?

Zeuge, Werkzeuge u.ä. sind doch Dinge, also Seiendes. Die Welt gilt allerdings als Voraussetzung für das Seiende.

Das Werk also, das mit dem Zeug hergestellt wird, wird betrachtet. Man nennt es "das Zuhandene". Also dieses weist daraufhin, was die Welt ist? Ich komme da nicht ganz mit. Vielleicht klärt sich das noch (oder ich weiß nicht...) Der Heidegger-Text ist sicher noch schwerer als deiner, Taxine, trotzdem ist dein Text in meinem Dasein schon schwer genug, in deinem Dasein ist er leichter, da du ihn schreiben konntest. Meine Schlussfolgerung daraus ist, wir leben in zwei verschiedenen Daseinswelten. Was denn sonst? Wenn ich erblinde, lebe ich dann wieder in einer anderen Daseinswelt. Was sollte daran falsch sein?




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 23.10.2011 16:31 | nach oben springen


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