Januar, Februar, März 2026
#16
Ich darf des Weiteren nicht verhehlen, dass ich täglich meiner Gemahlin hieraus vorlese:
Karl Weissbrodt: Die eheliche Pflicht: Ein ärztlicher Führer aus Uromas Zeiten (1897)
Sie vergilt es mir mit:
Dennis Diclaudio: Der kleine Hypochonder: Lexikon der eingebildeten Krankheiten (2006)
Zum Frühstück und Abendbrot gibt es hier wechselseitige Lesungen und Zitatenschlachten, vergnüglich allemal ... 
Das stelle ich mir als hervorragenden Start in den Tag vor, ebenso als Abschluss, um ordentlich Tränen zu lachen. Aber Obacht beim letzten Werk. Moliere spielte auch seinen eingebildeten Kranken und brach dann auf der Bühne zusammen. 
Ich habe nun mit Dion Fortunes "Seepriesterin" angefangen. Man merkt durchaus den Hintergrund des Ordens (sie war nach dem "Golden Dawn" im "Order of the Inner Light"), vor allem, wenn sie jene magischen Kräfte näher beschreibt. Stilistisch ist wenig geboten. Sicherlich ist sie in ihren Schriften über die Kabbalah besser. Etwas erinnert sie mich an Anne Brontë und ihre "Herrin von Wildfell", allerdings dann doch ohne diese wunderbare Atmosphäre und die Spannung, die bei Brontë entsteht. Anne finde ich übrigens in diesem Werk nicht wesentlich schlechter als Emilys Meisterwerk und die dahinter doch zurückstehenden Romane von Charlotte. Beschäftigt man sich natürlich mit dem Leben der Schwestern, sind alle interessant.
Bei Fortune heißt es:
"Und ich sah, dass das Leben des Menschen wie ein Faden zwischen unwiderstehlichen Kräften gesponnen ist, die ihn mit einem Atemzug vernichten können, doch dass sie von diesen Mächten dennoch ihre Kraft bezogen."
Das ist ganz Spiritismus und Okkultismus. Die Geschichte dreht sich um einen jungen Mann, der den Besitz anderer verwaltet und auf eine Frau trifft, die nach seinen Unterlagen eigentlich schon sehr alt sein müsste, jedoch attraktiv und jung erscheint. Natürlich zieht sie ihn bald in ihren Bann, aber nicht aus Liebe, sondern, so die Vermutung von ihm, um ihn zu opfern. Ich bin gespannt, wie es ausgeht. Auch diese Stelle verweist auf den Orden:
"Und sie erzählte mir, dass aufrichtige Menschen aller Glaubensrichtungen stets der Überzeugung waren, dass es der Seele durch Verehrung, Meditation und Hingabe möglich ist, sich auf einen Punkt zu fokussieren und dass Gott herabkam, wenn das geschah, und von dem Angebeteten Besitz ergriff, sodass die Macht Gottes durch ihn hindurchschien so wie das Licht aus einer Lampe scheint.
#18
Zitat von Taxine im Beitrag #17
Das stelle ich mir als hervorragenden Start in den Tag vor, ebenso als Abschluss, um ordentlich Tränen zu lachen. Aber Obacht beim letzten Werk. Moliere spielte auch seinen eingebildeten Kranken und brach dann auf der Bühne zusammen.
Da muss ich nun einen meiner wenigen Lieblingswitze zitieren:
Zitat
Ruft die Krankenschwester: „Herr Doktor, Herr Doktor! Der Simulant in Zimmer 7 ist gestorben.“ Darauf der Doktor: „Langsam übertreibt er aber...“

Dion Fortunes "Seepriesterin" scheint deiner Schilderung nach zu den Büchern zu gehören, die mich nicht tangieren. Darüber bin ich sehr froh, wo sollte das alles sonst enden?! 
#19
Da wir es neulich von Büchern hatten, die man des Nachts weiterlesen muss; bei mir hat es letzte eingeschlagen mit Pat Barkers "Niemandsland" (1991, dt. 1997) aus der Regeneration Trilogy. Da werden die beiden Folgebände "Das Auge in der Tür" (1993, dt.1998.) und "Die Straße der Geister" (1995, dt. 2000) auch dran glauben müssen. Ich geriet daran über Robert von Ranke-Graves, dessen griechische Mythologie ich viel benutzte und der hier vorkommt. Überhaupt habe ich ein Faible für die Psychiatrie.
#20
Natürlich hat mich das Stalingradthema mal wieder in Antony Beevors Buch blättern lassen. Ich habe alle seine Bücher und bin mir eigentlich nur beim letzten zur Russischen Revolution und zum Bürgerkrieg nicht sicher, ob mir Orlando Figes Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 nicht doch besser gefällt, zumindest im erzählerischen Zugriff.
P.S. Ich verlinke zu Amazon, weil diese Verbrecher die größte Reichweite haben; würde aber auch andere Plattformen nutzen.
Orlando Figes ist einer meiner bevorzugten Historiker, was die Geschichte Russlands und der Sowjetunion angeht. Seine Werke sind immer so spannend wie ein Roman.
Ich habe nun Pelewins "Das heilige Buch der Werwölfe" begonnen und werde durch ihn genötigt, danach wohl auch noch zu "Die Reise in den Westen" zu greifen, knapp 1.500 Seiten, auf zwei Bände verteilt, die die Geschichte des Steinaffenkönigs Sun Wukong erzählen, der im Dao nach Unsterblichkeit strebt. Ich hab's geahnt...
"Der Traum der roten Kammer" liegt hier auch noch herum.
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