Januar, Februar, März 2026

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03.02.2026 06:43
#31
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Zitat von Taxine im Beitrag #30
48 Euro, als Paperback im Schuber. Eine, wie ich finde, lohnenswerte Investition.

Yepp. Wobei Medimops sogar die gebundene Ausgabe für 60 Mäuse hat. Für meine Äugelein sind solche Codes 17.6 x 5.8 x 24.4 cm oder 16.2 x 7.7 x 24.5 cm schon von Belang. Wobei in diesem Fall wohl nicht entscheidend.

Zitat von Taxine im Beitrag #30

Cioran könnte ich auch einmal wieder lesen. Der dicke Wälzer seiner Notizen lächelt mich gerade aus dem Regal an und ruft nach einer Fortsetzung der Lektüre.

Den habe ich noch gar nicht, aber ich fürchte; in solchen Zettelkästen würde ich mich verlieren. Wenn ich allein an meines Hausgottes Peter Sloterdijk dreibändige Zeilen und Tage. Notizen 2008–2016 denke, bin ich froh, dass er nicht genug Zeit hatte für Fortsetzungen; die kommen sicher erst postum, zu spät für mich. Solche Geister stoßen im Minutentakt Nachdenkenswertes aus, da braucht man Jahre für die Lektüre und Jahrzehnte für die Nachbetrachtung.

Zitat von Taxine im Beitrag #30
Ist bei diesem Ebook von Przybyszewski auch sein autobiografisches Werk enthalten? Wenn du mit "Der Schrei" beginnst, ist alles andere auch gut erträglich.

Na ja, es heißt dort nur: Romane, Erzählungen, Essays. Du meinst ja sicher "Ferne komm ich her … Erinnerungen an Berlin und Krakau", das sehe ich nicht.

Zitat von Taxine im Beitrag #30
48 Euro, als Paperback im Schuber. Eine, wie ich finde, lohnenswerte Investition.
(Vergiss nicht, mich an den Proust zu erinnern, sobald du dein neues Gerät zur Verfügung hast.)

Frau Lajtnant, melde gehorsamst, das Ja ...


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03.02.2026 16:08
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#32
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Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #31
Den habe ich noch gar nicht, aber ich fürchte; in solchen Zettelkästen würde ich mich verlieren.

Es gibt einige Bücher, in denen ich sporadisch weiterlese. Dazu gehören Ciorans Notizen und beispielsweise Bukowskis Briefe. Beide schimpfen auf ganz unterschiedlichen Ebenen.

Und wo wir es gerade hatten: „Ich hasse die Westler, weil sie es lieben, gehasst zu werden. Welch unglaublicher Durst nach Zerstörung! Das Paradies inmitten von Leichen.“ (Cioran, „Notizen 1957 – 1972“, Karolinger Verlag, S. 57)


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03.02.2026 16:42 (zuletzt bearbeitet: 03.02.2026 16:47)
#33
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Man konnte es ahnen, eine Woche Heimaturlaub in meiner Bücherburg auf dem Lande und da schaue ich natürlich auch im Buchladen der ehemaligen Kreisstadt vorbei.

Mischa Meier: Die Hunnen: Geschichte der geheimnisvollen Reiterkrieger

Daran konnte ich nun wirklich nicht vorbei, denn als Knabe las ich begeistert Géza Gárdonyis Roman "Ich war den Hunnen untertan" und später interessierten mich die Westbewegungen der nomadischen Reitervölker durch die eurasische Steppe; Skythen, Hunnen, Awaren, Türken, Mongolen; aber auch die Ungarn.

Der leidenschaftliche Zeitgenosse: Zum Werk von Roger Willemsen (hrsg. von Insa Wilke)

Auch hier gab es kein Zurück: Roger Willemsen tat ich lange Zeit Unrecht, weil ich ihn für den Schwiegermuttertyp hielt, der in der Öffentlichkeit seinen Enthusiasmus nur vorspielt; den Alibi-Intellektuellen der High Society, der Schönen und Reichen; aber ich glaube mittlerweile, dass ich da seiner enormen Publizität aufgesessen bin. Wenn ich in seinen Schriften etwa zur Musik blättere, möchte ich ihn immer um Verzeihung bitten; vielleicht war ich nichts anderes als neidisch. Insa Wilke hat bei mir die anderswo bereits gescholtenen Elke Heidenreich, Thea Dorn, Iris Radisch abgelöst; ich schätze ihre Beiträge im „SWR lesenswert Quartetts“, in dem sie gut mit Denis Scheck und Ijoma Mangold harmoniert. Ich schrieb ihr einmal, als ich meinte; sie äußere sich zeittypisch unreflektiert männerfeindlich und sie antwortete launig, dass sie das nicht so empfunden habe, sie daheim aber auch mit drei (oder vier) Männern zusammenlebe, also ihrem Gatten und zwei (oder drei) Jungen. Ihre lesenswertes Buch über Thomas Braschs konnte sie mir nicht signieren, aber sie schickte mir dafür etwas selbst Gehäkeltes, ein Lesezeichen.

Zu allem Unglück sah ich beim Herausgehen noch:

Michael Töteberg/Alexandra Vasa: Ich gehe in ein anderes Blau. Rolf Dieter Brinkmann – eine Biografie. Rowohlt, Hamburg 2025

Gekauft habe ich es nicht, aber die Woche ist noch lang. In der DDR hat man Rolf Dieter Brinkmann nicht so wahrgenommen, ich las später pflichtschuldig Rom, Blicke und blätterte in Westwärts 1 & 2. Gedichte. Hier geht es mir wohl so wie Taxine mit Peter Hille: Das Leben des Mannes interessiert mich mehr als seine Dichtung.


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03.02.2026 16:51
#34
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Zitat von Taxine im Beitrag #32
Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #31
Den habe ich noch gar nicht, aber ich fürchte; in solchen Zettelkästen würde ich mich verlieren.

Es gibt einige Bücher, in denen ich sporadisch weiterlese. Dazu gehören Ciorans Notizen und beispielsweise Bukowskis Briefe. Beide schimpfen auf ganz unterschiedlichen Ebenen.


Man kann diese Art Tagebücher, Notizhefte etc. wohl auch nur so lesen, wie sie geschrieben wurden. Und ist es zu glauben, dass ich vor zehn Jahren alle grünen dtv-Bände Charles Bukowski einem Freund geliehen und nie wiederbekommen habe?!


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03.02.2026 16:57
avatar  Taxine
#35
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Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #34
Man kann diese Art Tagebücher, Notizhefte etc. wohl auch nur so lesen, wie sie geschrieben wurden. Und ist es zu glauben, dass ich vor zehn Jahren alle grünen dtv-Bände Charles Bukowski einem Freund geliehen und nie wiederbekommen habe?!


Menschen, die glauben: Es sind ja nur Bücher! - die sind mir nicht ganz geheuer. Wenn ich manchmal ans Regal laufe und ein bestimmtes Buch suche und nicht finde, bin ich für einen ewgigen Augenblick völlig desillusioniert.


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03.02.2026 18:04 (zuletzt bearbeitet: 04.02.2026 08:53)
avatar  Salin
#36
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In der . . . hat man Rolf Dieter Brinkmann nicht so wahrgenommen

Mag sein, dass damals in einschlägigen Zeitschriften wenig über ihn geschrieben wurde, doch erschien 1986 bei Volk und Welt in der Weißen Reihe – dort zuvor auch E. E. Cummings und später Celan – der Sammelband Rolltreppen im August, den ich – anders als so vieles – nicht unter die Räder kommen ließ.

Apropos Brinkmann: Im Januar las ich auch Siegfried von Schröder und Herhaus, ein vierundfünfzig Jahre altes Enthüllungsbuch, das Taxine hier vor einem Jahr noch mal erwähnte. Allerdings nicht in der aktuell verlegten und nicht in der ungeschwärzten Erstausgabe.


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04.02.2026 06:47
#37
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Gut, ich war ja keine 20, als die DDR unterging; aber in meiner Erinnerung war Brinkmann nicht im Gespräch von Wissenschaft oder Feuilleton, aber das ist auch die Sicht eines Büchernarren vom Lande, in den Universitätsstädten sah das vielleicht anders aus. Drüben hingegen scheint er ja Kult gewesen zu sein?! Und unsere fantastischen Buchreihen sind natürlich ein Thema für sich.


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07.02.2026 08:50 (zuletzt bearbeitet: 08.02.2026 06:33)
#38
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Kürzlich erschienen:

Arno Schmidt: Tagebücher der Jahre 1957-62: Das einzige erhaltene Tagesnotizbuch Arno Schmidts erstmals vollständig veröffentlicht | Mit mehr als 300 Fotografien Gebundene Ausgabe (hrsg. von Susanne Fischer)

Damit sind alle Lektürepläne wieder einmal durchkreuzt.

Ohnehin hatte ich mir Stefans Zweigs Drei Meister: Balzac – Dickens – Dostojewski wieder vorgenommen und parallel dazu auch erneut Mereschkowskis Essay über Dostojewski, letztes Jahr erst saß ich über Leonardo da Vinci und Julianus Apostata.


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07.02.2026 17:26 (zuletzt bearbeitet: 07.02.2026 18:34)
#39
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Ebenfalls dazwischen kommt mir Stefans Zweigs "pazifistisches" Drama Jeremias, ich konnte den 1,99€ nicht widerstehen. Freilich, in Gänze werde ich das kaum lesen können und wollen, aber wenn es seinerzeit im Züricher Stadttheater gegeben wurde, wäre es dieser Tage vielleicht der richtige Zeitpunkt für eine Neuaufnahme in Berlin.


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08.02.2026 12:41
avatar  Taxine
#40
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Admin

Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #38
Kürzlich erschienen:

Arno Schmidt: Tagebücher der Jahre 1957-62: Das einzige erhaltene Tagesnotizbuch Arno Schmidts erstmals vollständig veröffentlicht | Mit mehr als 300 Fotografien Gebundene Ausgabe (hrsg. von Susanne Fischer)

Damit sind alle Lektürepläne wieder einmal durchkreuzt.



Oh, Dankeschön für den Hinweis. Das wird, neben seinen Briefen, sicherlich eine wunderbar ergänzende Lektüre. Bei Arno Schmidts Sachen sind die Preise allerdings immer zum Jammern.


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08.02.2026 17:03
#41
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Ich leite es meiner Frau weiter. Sie hat es diesmal eher geschnallt als ich und auch bezahlt.


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08.02.2026 17:50
avatar  Taxine
#42
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Admin

Eine tolle und aufmerksame Frau. Die Investition lohnt sich sicherlich, bekommt sie schließlich einen über Wochen zufriedenen und am Stück lächelnden Ehemann als Gegenleistung und wahrscheinlich das eine oder andere unvergessliche Schmidt-Zitat zu hören. Für letzteres wären übrigens auch einige hier im Forum recht dankbar.


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08.02.2026 19:23
#43
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Die Aufgabe ist notiert.

Heute fand ich bei Schwiegermuttern:



O Bojan, Du Nachtigall der alten Zeit. Sieben Jahrhunderte altrussischer Literatur (hrsg. und mit einem Vorwort von Helmut Grasshoff), Rütten & Loening Berlin (1982, 4. Auflage) (1. Aufl. 1965)

Da musste ich erstmal drin stöbern ...


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09.02.2026 13:11
avatar  Taxine
#44
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Admin

Und, lohnt es sich? In diesem Verlag erschienen damals ziemlich viele Russen. Dieses Buch kenne ich nicht.

---
Die sibirische Reise, die 2010 von mehreren französischen Autoren zum Anlass des russisch- französischen Austauschs durch Culture France stattfand (das waren noch Zeiten), hat mich auf weitere Schriftsteller gebracht, die sich mit dem Thema beschäftigt haben. Zu nennen wären hier Emmanuel Carrère und sein "russischer Roman", der dazu auch eine Dokumentation machte. Das Buch befasst sich aber eher mit seiner persönlichen Familiengeschichte, auch wenn ein Ungar, der etliche Jahre in einer sowjetischen Irrenanstalt einsaß, das Grundthema bildet. Und natürlich Sylvain Tesson, der für sechs Monate in einer Blockhütte in Sibirien lebte und davon in seinem herrlichen Buch "In den Wäldern Sibiriens" berichtet.

Tesson ist überhaupt faszinierend. 2024 fand, angeregt durch weniger bekannte linksradikale Autoren, ein Shitstorm statt, weil er beim Poesie-Festival "Parrain" Vorsitzender werden sollte (und auch wurde). Man warf ihm in einem offenen Brief mit 1.200 Unterschriften durch verschiedene Kultur(schaf)fende seine konservative Einstellung vor, seine Liebe zu alten Werten, und brandmarkte ihn dadurch als Galionsfigur der "littérature d'extreme droite", ähnlich wie zuvor schon Houellebecq, der durch seine Kritik auch in diese Ecke rutschte und heute, wie man hört, ganz schön zu kämpfen hat, von seinem Porno-Skandal einmal abgesehen, der ihn zu einem eher peinlichen Buch anregte. (Schön fand ich diese Aussage: "Wir befinden uns in der Welt von Strip-Tease und Mann beißt Hund, kurz, inmitten der charakteristischen Modernität jener hoffnungslosen und platten Zone, die das Herz dessen bildet, was man als "das Brüsseler Europa" bezeichnet, man begreift, dass diese Menschen die Euthanasie begeistert begrüßen würden." ("Einige Tage aus meinem Leben"))

Tesson wiederum schrieb natürlich auch das Vorwort zu Raspails "Das Heerlager der Heiligen", das nur in der französischen Ausgabe zu finden ist, nicht in der deutschen. Man warf diesem Mann, der sich immer wieder dieser lärmenden Welt entzieht, vor, er würde die "extreme Rechte" banalisieren, mit Aussagen wie "Ich liebe die Vergangenheit mehr als die Zukunft. Ich liebe das, was bleibt, mehr als das, was sich verändert." Auch bezeichnete er die Entwicklung im kulturellen Bereich als "modischen Konformismus". Er ist mir sehr sympathisch und schreibt großartige Bücher über das Reisen und Sein, mit vielen philosophischen Überlegungen, die fernab der hier benannten Vorwürfe sind (wie es bei diesen künstlich erzeugten, woke-linken Empörungen übrigens meistens der Fall ist). Sie waren, im Falle Tesson, auch nicht erfolgreich.


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11.02.2026 15:24
#45
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Mensch, Mensch, Mensch; den schönen Beitrag hätte ich bald verpasst, ich sah den nirgendwo angezeigt.

Ich habe ja auch schon eine Menge "altrussischer Literatur", beginnend mit Altrussische Dichtung aus dem 11.-18. Jahrhundert bei Reclam ...



... mit dem Bändchen beginnt meine russische Abteilung. Beim eingeschobenen Schmökern habe ich nichts aufregend neues Altes entdeckt.

Sylvain Tesson freilich gehört seit "Kurzer Bericht von der Unermesslichkeit der Welt" zu meinen Leib- und Magenautoren. Ich bin ja auch so ein Wildnisfan und wollte so gerne mit meinem Vater die sibirische Erfahrung nachempfinden, leider starb er, der Tesson vielleicht noch mehr liebte als ich, viel zu früh. Nature Writing an sich ist mir immer ein zu hilfloses Wort für die Literatur zwischen Thoreau und Tesson, wenn die Reflexion nicht die Höhe der reinen Deskription von Natur und Umwelt hält. Auch Tesson hat es vielleicht mit dem "Schneeleoparden", besonders der Dokumentation, übertrieben; aber prinzipiell ist er mein Mann und wäre ich gesund genug, ich täte es ihm mit meiner Schäferhündin nach.


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