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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#271

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 02.08.2013 17:19
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Das ganze Ruminterpretiere über Dostojewskis „revolutionäre Vergangenheit“ und „frühe fortschrittliche Gesinnung“ dampft Neuhäuser in seinem Buch (2013) mit einem lapidaren Nebensatz auf ein angemessenes Maß ein:
. . . und mit dem antibürgerlichen Reflex seiner jungen Jahre . . .

Mehr war es sicherlich nicht. Was ja auch in Ordnung geht :-)


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#272

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 30.09.2013 19:44
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Nabokov hat nicht erst in seinen Vorlesungen bei Dostojewski dazwischen gehauen. So z. B. in der Erlöserszene mit Sonja: "Die Situation ist glorifiziertes Klischee.“
Bereits in den zwanziger Jahren hielt er einen Vortrag mit dem Titel "Dostojewski ohne Dostojewski-itis". Das lag ihm also zu diesem Zeitpunkt bereits etwas daran, Dostojewski auf einem etwas kleineren Sockel zu stellen.


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zuletzt bearbeitet 30.09.2013 19:45 | nach oben springen

#273

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 04.11.2013 17:53
von Jatman1 • 1.157 Beiträge
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#274

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.12.2013 17:06
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Zur Verfilmung. Erste Eindrücke.

Ich habe mir nun mal ein Stückchen von der Dostojewski-Serie auf Arte angesehen.
Nun ja. Ich freue mich, dass es endlich eine Dostojewski-Bio-Verfilmung auf Deutsch gibt. Leider aber nur nach dem Motto, „Ist besser wie nichts“.
Es ist ein russischer Film, ist ein russischer Film, ein russischer. Die Zeit ist stehen geblieben. Der hätte auch in den 70er Jahren gedreht worden sein können. Würde man es einfach behaupten – niemand käme nach dem Sehen ins Zweifeln. Behäbig und bedeutungsschwanger schleicht er dahin. Dostojewskis leben war doch dramatisch, insbesondere die Phase, die der Film beschreibt. Der Film ist das ja eher nicht. Da hat man wohl eine Chance verpasst. Würde ich mich nicht für Dostojewski so interessieren, so hätte ich spätestens nach 15 min weitergezappt. War faktisch auch so. Anderthalb Stunden zu spät eingeschalten und nach 15 min wieder ausgeschalten. Da erzählte man so vor sich hin und langweilte massiv mit dem völlig unerheblichen Interesse zur Schubert. Dann kam noch die völlig überzeichnete Polina . . . Der zweite Teil fand sein Ende. Gute Gelegenheit zum Abschalten. Habe ich genutzt.

Recht gut hingegen fand ich die Szenen mit seiner ersten Frau. Da kam schon eine gewisse Beklemmung durch.
Die Gefahr war groß – aber sie wurde gebannt. Die Gefahr, dass ein russischer Film ihren abgöttisch verehrten Helden, als Zeichen der unfassbaren Größe russischer Kultur auf einen monströsen Sockel stellt. Aber nein, es scheint tatsächlich gelungen, Dostojewski als widersprüchlichen und beileibe nicht homogene Figur darzustellen.

Was mir nicht auffiel (im Russischen, Deutsch habe ich ja verpasst), schrieb mir ein Bekannter. Er hätte erst mal schnell bei Wikipedia nachgeschaut. Ihm sei der Wandel vom „Fortschrittlichen“ zum „Konservativen“ recht suspekt vorgekommen und fand zu Beginn des Films keine Hinweise, die einem nicht in der Materie stehenden, diesen Wandel plausibel / nachvollziehbar gemacht hätten. Ein interessanter Aspekt – ist dieser vermeintliche Wandel doch auf den ersten Blick doch tatsächlich extrem.

Natürlich werde ich diesen Donnerstag wieder anschalten ;-)

Wenn ich den Film dann auf DVD habe, werde ich ihn mir wohl am Stück antun - sollte ich mal viel Ruhe brauche, wird er mir helfen.


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#275

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.12.2013 17:11
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Ich weiß nicht recht ob es hierher passt. Richtig falsch ist es jedoch nicht ;-)

Taxine,ich habe Deinen Text zu Dostojewski und seinen Briefen entdeckt. Ein sehr angenehmer Text! Hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich habe auch nicht vorher aufgehört, sondern bis zum Ende gelesen. Natürlich ein paar kritische Anmerkungen ;-)
Ein einziges Mal dachte ich kurz ans Abbrechen beim Lesen. Das war jener Moment, indem Du etwas weit ausholst und Deine Meinung zu Dostojewskis Wesen äußerst. Geht nicht ohne – schon klar. Diese Momente gab es dann noch ein bis zwei Mal. Es entsteht für mich streckenweise zu viel Ferne vom Thema. Schöne interessante Gedanken, ja, aber einige hätten in jedem anderen Text über Dostojewski Platz finden können. Der Bezug zum Thema schien mir zeitweise zu vage.

„zeigen beide Brüder ein ganz unterschiedliches Wesen, aus dem Fjodor M. Dostojewski als großzügiger und besserer Mensch hervorgeht.“
Hier hätte eventuell die kleine Ergänzung „für mich“ noch hineingepasst. Aber das Thema hatten wir ja bereits.

„Leidenschaft (bis hin zur Raserei) entstand nur im Schreiben und in seiner Spielsucht.“
Vielleicht noch in der Beziehung zu Polina . . .

Achja. Vielleicht für Dich von Belang. Eine Russin „beschwor“ mich dieses Jahr mal, die Briefe, insbesondere an seine zweite Frau, doch in Russisch zu lesen. Viel Persönliches und Intimes wäre in den deutschen Übersetzungen ausgelassen worden. Die Briefe würden im Russischen viel mehr Wärme und Persönlichkeit Dostojewskis erkennen lassen. Nun gut. Die Begeisterung, mit der sie davon sprach, macht es mich glauben. Erfahren werde ich es wohl nie.


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#276

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.12.2013 23:04
von Taxine • Admin | 5.952 Beiträge

Passt schon. Vielen Dank für die Gedanken und deinen Eindruck. Werde mal drüber gucken.




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#277

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 10.12.2013 13:28
von Taxine • Admin | 5.952 Beiträge

Nabokov belehrt sich in seinen Romanen auch gerne selbst. Seine Furcht vor dem Pathos kommt hier gut herüber. In "Verzweiflung" heißt es:

Zitat von Nabokov
"Dieses Gespräch zwischen uns ist eine Spur zu literarisch, es klingt nach Daumenschrauben-Gesprächen in jenen Kulissenkneipen, wo Dostojewski zu Hause ist; ein bisschen mehr davon, und wir müssten eigentlich jenes zischende Getuschel falscher Demut hören, jenes Atemanhalten, jene Wiederholungen beschwörender Adverbien - und dann würde auch alles übrige zum Vorschein kommen, der mystische Aufputz, der diesem berühmten Verfasser russischer Thriller so lieb und teuer war."





P. S. Dennoch hat er es stehengelassen, um sich seitenlang darüber auszulassen, wie schwierig es ist, eine echte Atmosphäre im Buch zu schaffen. Selbstkritisch genug war er ja, keine Frage.




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zuletzt bearbeitet 10.12.2013 13:31 | nach oben springen

#278

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 10.12.2013 19:03
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

""Dieses Gespräch zwischen uns ist eine Spur zu literarisch, es klingt..."
Ich, der noch kein Buch, sondern immer nur Stücke daraus gelesen habe, meine, dass es ein absolut charakteristisches Zitat für Herrn Nabokov ist. Und so als kleine Einheit auch mich ein Riesenspaß. Nur eben auf Dauer . . .
Und mit Dostojewski hat er es gehabt. Mir ist ein Aufsatz über das Verhältnis von Nabokov zu Dostojewski versprochen worden. Wird aber wohl dauern. Da bin ich recht gespannt drauf. Denn so richtig schlüssig ist mir seine Ambivalenz noch nicht so recht.

"Selbstkritisch genug war er ja, keine Frage." Ich weiß nicht. Eher in dem Sinne dass er selbst kritisch der Form seines Werkes gegnüberstand, wenn es nicht absolut mit seinen eigenen Vorstellungen einherging. Vielleicht trifft es besser wenn man ihn als selbstzweiflerisch bezeichnet. Denn ihm ging es immer um sich selbst und sein Werk. . . oder seine Schmetterlinge ;-)

Dieses "verkleisternde", kommt mir gerade in den Sinn, gefällt mir gelegentlich auch ganz gut. Zum Beispiel "Der Schrei" von diesem Polen. Nun gut, da war es eher phantastische Wortgewalt, als das Zelebrieren der eigenen Fähigkeiten.


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#279

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 11.01.2014 16:02
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Seit langem mal wieder ein, für mich, exzellentes Buch über Dostojewski.
Eine sehr kritische, aber zugleich sachliche Auseinandersetzung mit dem Herrn D. seinen Ansichten und seinem Werk, zumal es aus dem Jahre 1913 stammt:
T.G. Masaryk; Polemiken und Essays zur russischen und europäischen Literatur- und Geistesgeschichte

Darin widmet sich Masaryk eben u.a. 140 Seiten ausschließlich Dostojewski. Sehr empfehlenswert. Eine Kostprobe:
"Dostojewski genügt der Gerhorsam, die Passivität nicht, er predigt geradzu die Suche nach Leiden, ja er findet im Leiden eine Lust! Das ist nicht mehr veraltetes Christentum, sondern dekadente Romantik."


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#280

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 05.10.2014 20:05
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Ebenfalls ein sehr! aufschlussreiches Buch:
Olga Caspers "Ein Schriftsteller im Dienste der Ideologie"
Es trägt den Untertitel "Zur Dostoevskij-Rezeption in der UdSSR".
Hier werden hochakribibisch die verschiedenen, jeweils nach politischer Lage, befohlenen Auslegungen vonDostojewskis Werken nachvollzogen.
Das Buch kann man sogar lesen, wenn man nichts oder halt nur ein Buch von Dostojewski gelesen hat. Hat man ihn gelesen ist es selbstredend noch besser. Was die Russen sich so ideologisch zusammengesponnen haben. . . Alle Achtung. Man weiß ja etwas um diesen ideologischen Hokuspokus, der auch nicht selten mit dem Tode endete.
Aber das Buch macht die Nachvollziehbarkeit aus.


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#281

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 08.10.2014 07:08
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Mach mal mit was aktuellem weiter.

Wenn einer der Mitbegründer der „Titanic“ ein Buch über Dostojewskis Humor schreibt, dann ist es sicherlich schon ungelesen (erscheint wohl Mitte Oktober) eine Empfehlung:
Eckhard Henscheid: „Dostojewskis Gelächter. Die Entdeckung eines Großhumoristen“


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#282

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 23.10.2014 17:30
von Taxine • Admin | 5.952 Beiträge

Zitat von Jatman1 im Beitrag #281
Mach mal mit was aktuellem weiter.

Wenn einer der Mitbegründer der „Titanic“ ein Buch über Dostojewskis Humor schreibt, dann ist es sicherlich schon ungelesen (erscheint wohl Mitte Oktober) eine Empfehlung:
Eckhard Henscheid: „Dostojewskis Gelächter. Die Entdeckung eines Großhumoristen“




Ja. Ich glaube, der lohnt sich, wenn Henscheid schon am Anfang alle Deutungen Dostojewskis in Frage stellt:

Zitat von Henscheid
“Wer unbedingt und wider unseren Abrat wissen will, was exemplarisch krimineller Feuilletonismus, das Karl Kraussche “ganz lumpige Lügenwerk dieses Feuilletonismus”, ist, der lese hier in diesem Zusammenhang den berühmten Dostojewski-Aufsatz von Stefan Zweig nach, den dieser Wiener Schluri (anders ist kaum vorstellbar) nach einem endlos nächtigen Wirtshausbummel niedergeschmiert haben muss, um (da möchten wir wetten) am späten Vormittag bei einer gleichgesinnten Presse etwas Vorschuß zum weiteren Überleben herauszuschustern: blankes Geschwätz. Der reinste Schleim, der gewissenlose Seich, kein einziges Wort wahr.“



(Henscheid, "Dostojewskis Gelächter")


Danke für den Tipp, Jatman.




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zuletzt bearbeitet 23.10.2014 21:13 | nach oben springen

#283

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 23.10.2014 19:54
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Ja, wird wohl ein Weihnachtswunsch werden.

Ein Text, der viel Lust aufs Buch macht.


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zuletzt bearbeitet 23.10.2014 20:17 | nach oben springen

#284

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 29.10.2014 20:51
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Ich habe es jetzt schön auf den Punkt gebracht gefunden, was Nabokovs Problem mit Dostojewski und vielen anderen war:
Für Nabokov gehört ein literarisches Werk, das dem Leser nicht `genüsslich auf der Zunge zergeht`, ihm vielmehr etwas Lebenswichtiges bedeuten könnte, zur `Pseudoliteratur`.“
Ulrich Busch im Aufsatz „Freigeist macht Leibeigene – Nabokovs „göttliches Spiel“


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#285

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 18.11.2014 21:02
von Taxine • Admin | 5.952 Beiträge

Neuer Dostojewski aus meinem Kunstkopf :




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