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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#46

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 09.01.2010 16:50
von Taxine • Admin | 5.896 Beiträge

Zitat von Martinus
Darum, weil hier das Streben nach Tugend das Ziel ist, mir der irre Ritter nun doch sehr sympathisch geworden ist und ich im Kapiel 25 durch eine Rede Don Quichotes maßlos überrrascht worden bin, und es sich wieder einmal zeigt, der Ritter ist nicht irr, sondern ein gewitzter kluger Schelm...



Ja, Don Quijote habe ich auch ins Herz geschlossen, alleine, weil er immer aus gutem Herzen handelt, nie böswillig, auch wenn seine Vorhaben meistens in eine andere Richtung schlagen.
An einer Stelle sagt er:

Verzeiht mir, huldselige Damen, wenn ich aus Unbedacht euch etwa eine Ungebühr angetan; denn mit Willen und Wissen habe ich solche nie jemandem zugefügt; und bittet zu Gott, dass er mich aus diesen Banden löse, in die irgendein übelwollender Zauberer mich geschlagen hat.

Wenn sich die Handlungen Don Quijote auch für ihn sichtbar ins Gegenteil kehren, so z. B. die erneute Begegnung mit dem Bauernknecht, der durch ihn ausgepeitscht wurde, dann wird der Junker hellhörig, möchte wieder gut machen.

Der Pfarrer, der sich mit dem Barbier zusammentut und sich entschließt, Don Quijote unter Vortäuschung „seiner Welt“ wieder nach Hause (oder in eine Anstalt) zu locken, wirft Don Quijote dann vor, dass die Galeerensklaven ihn überfallen hätten, weil sie jemand befreit, dadurch neue Verbrechen zugelassen hätte. Natürlich überfällt einer der Sklaven den schlafenden Sancho Pansa und Don Quijote und raubt den Esel, allerdings sind die Vorwürfe des Pfarrers doch nur Vorwürfe und Theorie, damit aus der Luft gegriffen, weil er und seine Begleiter nicht wirklich überfallen wurden. Dieser versucht nur, weil er von Don Quijotes absurder Befreiung gehört hat, diesen auf den rechten Weg zu führen, was aber so hinterhältig ist, dass die moralische Wirkung ausbleibt (auch für mich als Leser, als Betrachter und Außenstehender).
Don Quijote rechtfertigt sich auch im 30. Kapitel noch einmal dazu:

Zitat von Cervantes
… den fahrenden Ritter geht es nichts an, und es ist nicht seine Sache zu untersuchen, ob die Bekümmerten, mit Ketten Beladenen, Bedrückten, die er auf den Wegen antrifft, um ihrer Schuld willen oder um ihres Unglücks willen in solchem Aufzug umhergehen und sich in solchem Elend befinden: es ist seine Aufgabe, lediglich ihnen als Hilfsbedürftigen beizustehen, er hat auf ihre Leiden zu sehen und nicht auf ihre Schelmenstreiche.



Das ist der Inbegriff sozialen Verhaltens, nicht zu urteilen, was auch heißt, den Menschen nicht nach seinen Verbrechen zu beurteilen, sondern nach dem Zustand, in dem er sich befindet. Don Quijote verteidigt hier sein Handeln nach den ritterlichen Gesetzen, und ihm selbst steht diese Verteidigung mehr an, als dem Pfarrer, der lügt, um seine Moral zu vermitteln. Don Quijote wurde tatsächlich überfallen, der Pfarrer nicht.

Bei Don Quijote wird auch sichtbar, dass er Situationen, wie klein oder groß sie auch sein mögen, mit gleicher Vehemenz verteidigt, so für die Befreiung von Galeerensklaven ebenso einsteht (ob richtig oder falsch mal außen vor gelassen), wie gegen die Beleidigungen, die Sancho Pansa gegen seine hochverehrte „Dirne“ Dulcinea ausstößt.

Weißt du nicht, Lump, du Bettler, du Taugenichts, wenn nicht die Kraft wäre, die sie meinem Arm eingießt, dass ich deren nicht so viel hätte, um nur einen Floh umzubringen? (…)
…wer, wenn nicht Dulcineas Tapferkeit, die meinen Arm zum Werkzeug ihrer Heldentaten genommen hat? Sie kämpft in mir und siegt in mir, und in ihr lebe ich und atme und habe Leben und Dasein in ihr.


Die Verehrung dieser von ihm gewählten Anbetungswürdigen ist ihm Antriebsmotor für all seine Taten und Handlungen, warum sich diese auch für ihn nicht unterscheiden, weil sie immer einer höheren Sache dienen. (Als einer ihn darauf anspricht, dass er statt zu Gott zu beten, lieber die Frau anbetet, verteidigt Don Quijote das Rittertum auch im Sinne Gottes, den er ja nicht verleugnet. Trotzdem erbittet er Schutz von Dulcinea, nicht von Gott.)
All das lässt sich auch in die moderne Welt versetzen, wo sich manch einer über Belanglosigkeiten ebenso verrückt macht, wie über die großen privaten Probleme wie Krankheit, Liebeskummer, Depression oder weltlichen, wie Kriege oder Schlechtigkeit der Welt. Der Schmerz wird dabei immer gleich stark empfunden, wie belastend die Situation auch ist, was dem einen unnötig erscheint, ist dem anderen tiefe Verzweiflung, darum ist der empfundene Zustand des Schmerzes auch nicht zu unterschätzen oder lässt sich einfach abtun.
Don Quijote erscheint mir ähnlich. Sein festgelegtes Weltbild des fahrenden Ritters in seinen Idealen zeugt von gleicher Kraft und Empörung, völlig egal, auf welch ein Ereignis er trifft.

Im 30. Kapitel fasst der Pfarrer den Widerspruch in Don Quijotes Wesen gut ins Wort:

Zitat von Cervantes
Es ist aber noch etwas anderes dabei (…). Sieht man von den Albernheiten ab, die dieser wackre Junker vorbringt, wenn es sich um seine närrischen Einbildungen handelt, so sind alle seine Äußerungen höchst vernünftig, sobald man mit ihm über andere Dinge redet, und bewähren in ihm einen hellen heiteren Geist, so dass ein jeder ihn, vorausgesetzt, dass man nicht an sein Ritterwesen rührt, für einen Mann von durchaus gesundem Verstande halten muss.



So einfach hinter das Licht führen, lässt sich der Junker nicht, man hat ihm Rede und Antwort zu stehen und muss die richtigen Mittel anwenden.
Als Sancho Pansa nun berichten muss, wie seine Begegnung mit Dulcinea stattgefunden hat (zu der Don Quijote ihn aufgefordert hatte, um einen Brief zu übermitteln, den er vergisst, seinem Schildknappen mitzugeben - mal wieder eine bezeichnende Situation), ist man als Leser etwas erstaunt, weil der etwas einfältige Kerl, ohne ihr tatsächlich begegnet zu sein, doch ziemlich erfinderisch ist, seine Abneigung gegen die „Dirne“, die er kennt, in eine imposante Geschichte umwandelt, wohl angestachelt durch die Hoffnung, dass der Junker sich doch für die imaginäre Prinzessin entscheidet (der sie zuvor begegnet sind und die, eigentlich Dorotea, sich bereit erklärt, das Spiel des Pfarrers mitzumachen, um Don Quijote nach Hause zu bringen). Ganz nehme ich es Sancho Pansa nicht ab, wo er gleichzeitig hofft, Don Quijote würde durch Heirat Prinz, König oder Kaiser werden (hoffentlich nicht Erzbischof), einen Riesen töten und ihm dann ermöglichen, in einen höheren Stand zu geraten. Trotzdem ließe es sich noch als eine Art Bauernschläue verstehen.
Es scheint mir eben ein Stilmittel Cervantes zu sein, um seiner wirklich wahrhaften Geschichte etwas Würze zu verleihen, aus dem langweiligen Gespräch zwischen einem Verwirrten und einem eher Einfältigen eine ergötzliche Zwiesprache zu gestalten. Zudem trennt Sancho Pansa aus Gier diese zwei Sichtweisen, sieht das Falsche manch einer Situation, während er, sobald ein Vorteil für ihn besteht, das Eigentliche und zuvor von ihm Angeprangerte wiederum leugnet. Tatsächlich ist der Schildknappe oftmals ehrlicher und durchschauender, als so manch anderer (besonders bei denen, die das ganze Schauspiel zugunsten Don Quijotes und seiner Rückkehr nach Hause inszenieren), und wird dafür von seinem Herrn nur zu oft geschlagen und beschimpft, da er durch diese kleinen Wahrheiten die erschaffene Ritterwelt in Unordnung bringt.

Auch wundert Don Quijote sich u. a. über die Schnelligkeit Sancho Pansas, dass dieser fast dreißig Meilen in nur drei Tagen bewältigt haben soll, was zeigt, dass er nicht einfach nur verwirrt ist. Gleich darauf aber, um nicht aus der eigenen geschaffenen Welt hervortauchen zu müssen, versucht er eine Erklärung, dass ein schwarzer Zauberer ihm wohl geholfen haben muss.
Mir scheint, sobald Don Quijote auf Unschlüssigkeiten trifft, die seine Welt zerbrechen lassen, sucht er immer nach einer aus der Phantasie gezogenen Lösung, wie ein Rettungsanker, eben weil ihm sein Verstand anderes sagt.

In der Diskussion über die „reine Liebe“, sagt Sancho Pansa:

Mit dieser Art Liebe (…), habe ich predigen hören, soll Gott lediglich um seiner selbst willen geliebt werden, ohne dass uns Hoffnung auf Himmelslohn oder Furcht vor Höllenstrafe treibt. Ich zwar möchte eher von dessentwegen, was er vermag, ihm meine Liebe und Dienste weihen.

Liebe aus Berechnung, die Erwartung von Belohnung, dafür, dass man etwas gibt, bedingungslos glaubt, usw.
Dass die Diskussion ganz kurz in diese Richtung treibt, ist natürlich interessant, wo zuvor Don Quijote noch von der Ruhmestat berichtet, die der Dame des Herzens nur bescheiden gereicht wird, während man sich ihrer Zuwendung nicht sicher ist, nur hoffen darf. Als reine Überzeugung tritt der Ritter seinen Ritt an. Sancho Pansa ist da realistischer, will Belohnung dafür, dass er liebt, dass er glaubt, dass er etwas tut. Sein Wesen ist dem Don Quijote gegenüber gestellt, wobei sich beide irgendwo auch ergänzen, weil sie in bestimmten Augenblicken übereinstimmen, einander glauben. Sancho Pansa glaubt an den Erfolg, nur weil er sich daraus Gewinn erhofft, verwirft aber ansonsten die Tollheiten seines Herrn, denn er sieht, dass sie nicht wirklich sind. Trotzdem lässt er sich durch Versprechungen trösten. Seine Gier siegt über seinen Verstand.
In dieser kleinen Sequenz der Unterhaltung aber kommt auch etwas Religionskritik auf, so ich sie richtig deute, denn Don Quijote lobt Sancho Pansa für seine Aussage, wundert sich, dass er so gebildet klingt. Für mich liegt darin auch ein Hinweis darauf, nicht einfach zu glauben, sondern zu hinterfragen, denn Sancho Pansa hat Gott für das durchdacht, für das er steht, sich ihn zu erklären versucht. Sein Glaube ist nicht bedingungslos oder blind.

Schon in diesen Kapiteln wird deutlich, dass Cervantes um Don Quijote neue Personen und Geschichten spannt, so die Liebeskummergeschichte des Cardenio, der in der Wüste auf seinen Tod wartet, weil seine Verlobte einen anderen heiratet, nämlich Don Fernando, der, von besserer Herkunft und mit ihm befreundet, ihm die schöne Luscinda ausspannt. Auch trifft man in dieser Einöde noch auf Dorotea, die Don Fernando als seine eigentliche Verlobte sitzen gelassen hat, um Luscinda zu heiraten. Eine schöne Doppelgeschichte, die sich bald dann übereinander kreuzt.

Auch taucht später noch ein Dokument mit einer Novelle auf, die mich beeindruckt hat, deren Inhalt heutzutage in so zahlreichen Neufassungen und Filmen interpretiert oder modern umgesetzt wurde. Aber dazu dann doch später...




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#47

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 09.01.2010 18:39
von LX.C • 2.691 Beiträge

Natürlich ist Quijote nicht als Verbrecher zu nennen. Ein Verbrecher handelt vorsätzlich und aus niederen Motiven. Meine auf die Schnelle in den Raum geworfene Frage war auch nur Anregung, genanntes Kapitel näher zu beleuchten. Das hat Annelie, wie ich finde, gut gemacht. Dennoch bleibt für mich die Frage offen (eure Argumente überzeugen mich nicht): Lässt sich eine Tat moralisch aufwerten, NUR weil einer sich in seinem Gehirn ausmalt und denkt, edelmütig zu handeln, obwohl es (in den meisten Fällen) keinen Anlass gibt und man anderen, unbeteiligten damit Schaden zugefügt?
Man darf nicht vergessen, die ritterlichen Gesetze, die Quijote für richtig erachtet, gehören der Vergangenheit an und sind überholt, zudem entspricht kaum eine Situation, in der er sie anwendet, einer Verfehlung dieser ritterlichen Gesetze, sondern nur in seiner Phantasie. Sein Wissen stammt aus Ritterromanen. Auch die "Goldene Zeit", wenn denn die Ritterzeit gemeint ist, war nicht golden sondern brutal!
Für mich stellt sich gar nicht so sehr die Frage, ob man den lieben Quijote verteidigen muss. Er ist für mich vielmehr ein literarisches Exempel dafür, was passiert, wenn jemand aus der Form sozialer Organisation des Verhaltens, aus den gemeinsamen Ideen einer Gesellschaft, wie vernünftigerweise gehandelt werden sollte oder aus dem kulturellen Rahmen, innerhalb dem sich die Mitglieder einer Gesellschaft bewegen, heraustritt.
Heutzutage würde man Quijote Unzurechnungsfähigkeit attestieren und damit wäre er aus dem Schneider :P
Die Figur als literarische ist natürlich köstlich und wunderbar und nicht ohne Grund eine der größten der Weltliteratur. Quijotes falsch verstandenen "Edelmut" kann man aus Sympathie verteidigen, muss man aus meiner Sicht aber nicht.


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zuletzt bearbeitet 09.01.2010 18:47 | nach oben springen

#48

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 09.01.2010 20:02
von Taxine • Admin | 5.896 Beiträge

Es geht nicht so sehr um das Verteidigen dieser Figur, als darum, sie näher zu erkennen, sie in ihren Charaktereigenschaften zu durchleuchten. Ich finde, sie lediglich auf die Auswirkungen ihrer jeweiligen Handlungen zu reduzieren, zu vereinfacht, gerade weil sie so viele Gesichter hat.

Für mich ist es eben nicht so, wie du es empfindest, dass Don Quijote jedes Mal unberechenbare Handlungen vollführt, denn später folgen noch Situationen, in denen ausgerechnet Don Quijote durch das Anwenden seiner Ritterregeln ein ganzes Chaos wieder zum Verstummen bringt.
... und stiftet Frieden unter uns; denn bei dem allmächtigen Gott, es ist eine Schande, dass soviel hochgestellte Leute, wie wir hier sind, einander aus so leichtfertigen Ursachen totschlagen.

Klar, Don Quijote ist in vielen Situationen der Auslöser, auf den die Meute dann reagiert. Diese aber zeigt sich um ihn herum und im Einwirken auf ihn und auf die Umgebung (und auch in ihren eigenen Kämpfen und Leiden, die Cervantes nicht umsonst um die eigentliche Figur des Junkers streut) dann auf ihre Art.
Denn nur zu häufig wird doch begriffen, dass er nicht ganz richtig im Kopf ist, und trotzdem wird auf ihn mit Gewalt, Ablehnung oder anders reagiert. Das ist ein wichtiger Aspekt, wie ich finde.

Was ist vernünftiges Handeln in der "gemeinsamen Idee der Gesellschaft" - als festgelegtes, angepasstes Handeln? Kontrollierte Vernunft, die durch Gesetz festgelegt ist, sich nicht mehr selbst entfalten kann. "Du hast so zu sein und basta!" Bestimmt durch eine Norm. (Ohne eben jene Garantie auf Harmonie!) Kein Mensch lässt sich auf diese Weise einfach festlegen, (warum es vielleicht auch so viele "Abweichungen" gibt).
Don Quijote ist in meinen Augen gar nicht so sehr Sinnbild für den Gesellschaftsabseitigen (er entsteigt den Normen nicht komplett, sondern agiert in ihnen auf seine Weise), sondern einer, der der Gesellschaft in ihrer Entwicklung etwas hinzuführen möchte. Er hält ihr des Öfteren eher einen Spiegel vor die Nase. In ihm und seiner Reaktion spiegelt sich immer auch die Reaktion der anderen.
Natürlich beruft er sich auf eine Phantasiewelt, die er aus Romanen gewonnen hat, die, wie du auch sagst, mit der wirklichen Ritterzeit wenig zu tun hat. Er flüchtet in Zauberwelt und Wirkungen, und auch dort ist sie voller Gewalt und Wahn. Andererseits zeigt sich beim Pfarrer, der in der Schenke erneut auf Bücherverbrennung pocht, dass auch er einem bestimmten Irrglauben unterliegt, wo er die realistischen Berichte lobt, in denen, wie er betont, weil sie wahr wären, trotzdem ein Mann ein Mühlrad nur mit einem Finger in vollem Schwung stoppen kann. Das ist natürlich absurd, doch weil das eine Phantasie, das andere Tatsachenbericht sein soll, verlässt sich der Herr Pfarrer auf die äußerlichen Merkmale des Gelesenen, nicht auf den Inhalt.

Sooft Don Quijote sich einer Situation stellt, so häufig gerät diese aus den Fugen, weil die Menschen nur in ihren Lebensgewohnheiten reagieren, ihm ein völliges Unverständnis entgegenbringen, wo alleine das Zuhören manchmal schon ganz andere Entwicklungen nach sich ziehen würde. Auch hier zeigt sich, dass sein Kampf eben doch einer "gegen Windmühlen" bleibt.
Ich hatte ja schon bei den Galeerensklaven auf den Hintergrund verwiesen, wobei ich auch meine, dass Cervantes sich in seinen verschiedenen Kämpfen und Gefangenschaften (er verlor ja z.B. in der Schlacht von Lepanto seine linke Hand) ein neues Weltbild aneignete, dass dabei einerseits verschiedene Gesetze keine Bedeutung mehr gewinnen, sobald man sich im Krieg befindet, was heißt, dass der Lohn und Erfolg eines Angriffs schnell belanglos werden, wenn man dafür in Kriegsgefangenschaft gerät, dass dabei sogar die Hoffnung auf Amt und Ehre nichts mehr bedeutet, andererseits der Verlust von Gliedmaßen oder andere Wunden den Wert des Lebens neu erkennen lassen. Ich denke, davon ist einiges in den "Don Quijote" eingeflossen.

Zitat von LX.C
Heutzutage würde man Quijote Unzurechnungsfähigkeit attestieren und damit wäre er aus dem Schneider


Auch bei Cervantes will man ihn in diese Ecke drängen, gerade wo er in seinem Denken ja auch über viele Grenzen hinwegschreitet, so z. B. keine Angst vor dem Tod hat, alleine durch die Vorstellung, dass er die Welten wechseln, Tote wieder zurückbringen kann, usw., andererseits finde ich gerade den danebengestellten "Realismus", der die Taten des Don Quijote nicht einfach belässt, sondern auch in seinen Konsequenzen zeigt, wie u.a. die Verfolgung durch die Heilige Brüderschaft, gut umgesetzt.

Die Frage, ob nun eine Tat moralisch aufgewertet werden kann, obwohl sie so viel Schaden anrichtet, lässt sich natürlich einerseits mit klarem "Nein" beantworten, andererseits ist sie doch sehr eindimensional gestellt und in mancher Situation eben nicht so eindeutig oder angebracht, denn nicht immer liegt die Schuld nur beim Junker, und in den unterschiedlichsten Begegnungen ist diese Tat oder Handlung auch völlig verschieden zu betrachten bzw. zu bewerten.




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#49

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 10.01.2010 12:12
von Martinus • 3.194 Beiträge

Liebe Mitleser,

ich kann beide Interpretationsansätze nachvollziehen. Es ist ja auch keineswegs einfach, zu einer gemeinsamen Ansicht zu kommen.

Diese Idealisierung in den Gestalten Homers und Vergils zu suchen, ist ja alleine schon mit Schmunzeln zu betrachten. Platon hat Homer in der Hinsicht kritisiert, dass er sinngemäß sagte, die Götter benehmen sich genauso schlecht (Platon wird wohl untugendhaft gesagt haben)wie die Menschen, deswegen haben die Götter keine Vorbildfunktion. Die Maler, die homerische Helden gemalt haben, haben sich entweder wie Don Quixote blenden lassen, oder wollten sie tugendhaft Gestalten, wie es bei Cervantes steht, damit sie den Menschen als Vorbild dienen. Dieses Ansinnen der Künstler ist an sich genauso gut gemeint wie das Anliegen des Don Quixote. Das goldene Zeitalter der Ritter, natürlich auch eine Verblendung, da stimme ich LX.C zu, aber es geht Don Quixote um dieselbe Idealisierung von Helden wie Amadis, wie die Künstler auch idealisieren wollten. Weiterhin zeigt der Cervantes-Text, dass solche Menschen, die Ideale vertreten eben als Außenseiter gebrandtmarkt werden, weil sie nicht der Gesellschaft konform sind. Wenn ich Ideale herausschreiben würde, z.B. gleichviel Geld für alle, keiner soll arm sein, Millionen braucht kein einzelner, würde man mich auch der Don Quixotterie bezichtigen können. Wenn ich damit zur Bild-Zeitung oder der Süddeutschen gehen würde, kann ich mich vielleicht nirgendwo mehr blicken lassen.. Das ist natürlich von mir etwas überzogen dargestellt, aber, ich denke, darum geht es hier.

Liebeste Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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#50

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 10.01.2010 13:19
von LX.C • 2.691 Beiträge

Don Quijote geht es um die Idealisierung der Helden wie Amadis, die ihm als Vorbild für sein "tugendhaftes" Handeln dienen. Ganz richtig. Dem Autor aber ging es um eine Parodie der Amadisromane, die vom ausgehenden Mittelalter (14. Jh.) bis ins 17./18. Jahrhundert den "Buchmarkt" beherrschten und als Selbstvergewisserung des Adels dienten.

Aus meiner Sicht wird also nicht ein Ideal glorifiziert (wie ihr es in den ritterlichen Gesetzen sehen wollt), dafür lasen die Menschen auch nach Don Quijote weiterhin mit Vorliebe Ritterromane, sondern eine Idealisierung parodiert. Das ist für mich der hermeneutische Ausgangspunkt.


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zuletzt bearbeitet 10.01.2010 13:25 | nach oben springen

#51

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 10.01.2010 14:33
von Taxine • Admin | 5.896 Beiträge

Zitat von Martinus
...ich kann beide Interpretationsansätze nachvollziehen. Es ist ja auch keineswegs einfach, zu einer gemeinsamen Ansicht zu kommen.



So weit sind wir nicht auseinander, ich versuche nur verschiedene Blickwinkel. Dass Don Quijote verblendet ist, dass seine Aktionen oftmals ins Chaos führen, dass steht ja außer Frage. Dass das, was er in die Welt trägt, keinen wirklichen Zweck erfüllt, ist auch klar. Doch, wie gesagt, alles wirkt aufeinander, sowohl die Menschen, als auch die Handlungen.
Auch liegt die Parodie darin, dass der Held hier nicht heldenhaft ist, Don Quijote trägt alle entgegengesetzten Merkmale eines Ritterhelden, wie sie in Ritterromanen beschrieben sind. Er ist zwar tapfer, doch wendet er seine Tapferkeit in völlig falschen Situationen an, er ist schlacksig und dürr, statt aufrecht und ansehnlich, dazu auch noch verrückt, von allen nicht umjubelt, sondern mitleidig als Narr betrachtet. Nur in ihm selbst herrscht diese Veridealisierung, von der es ihm selten gelingt, diese ins Außen zu tragen.
Die Figur des Don Quijote ist bezeichnend für einen Verrückten:
... all unsere Torheiten kommen davon her, dass man den Magen leer und das Gehirn voller Wind hat.
Don Quijote ist ein Antiheld.




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zuletzt bearbeitet 10.01.2010 14:34 | nach oben springen

#52

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 11.01.2010 11:51
von LX.C • 2.691 Beiträge

Mit goldenes Zeitalter meint man übrigens die Antike, ausgehend von der griechischen Antike und Homer, auf den er sich ja auch bezieht. Nun weiß man natürlich nicht, ob Quijote die Antike selbst oder in Anlehnung an die griechische Mythologie eine als Idealzustand betrachtete Phase der Menschheitsgeschichte meint, die für ihn das Rittertum verkörpern könnte? Was meint ihr?


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zuletzt bearbeitet 11.01.2010 11:52 | nach oben springen

#53

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 11.01.2010 12:58
von Martinus • 3.194 Beiträge

Hallo LX.C,

Diese Zeitalter sind Mythische Zeitalter, begonnen mit dem Goldenen bis hin zur niedersten Stufe des Eisernen Zeitalters. Die Abstufung vom goldenen bis eisernen Zeitalter geht einher mit einem kulturellen Abstieg der Menschheit bis zur Entartung (vgl. Hesiog, Werke und Tage, 109-201), Diverse Zeitalter (yugas), Abstufungen gibt es auch in der indischen Mythologie. Dort sind es vier Zeitalter, die sich aufeinanderfolgend verkürzen. Auch hier, wie bei Hesiod eine Dekadenz in der Abfolge der Zeitalter.

Zitat von Mircea Eliade in Kosmos und Geschichte
Der fortschreitenden Zeitverringerung eines jeden neuen yuga entstspricht auf der Ebene des Menschen eine Verringerung der Lebensdauer, die von einer Lockerung der Sitten und einem Abstieg der Intelligenz begleite wird.



Was das goldene Zeitalter betrifft, bezieht sich jedenfalls in dieser Sache Don Quijote nicht auf die antiken mythischen Zeitalter sondern auf die glorreiche Zeit der Ritter wie Amadis (15. Jahrhundert). Don Quijote selbst befindet sich im ehernen (eisernen) Zeitalter. Martinus zitierte schon mal aus dem 20. Kapitel:

Zitat von Cervantes
Freund Sancho, wissen mußt du, daß ich geboren bin, daß ich vom Himmel herab in dieser unser ehernen Zeit das Alter zu rufen, welches man nur das von Gold oder das goldene zu nennen pflegt.



Es ist warscheinlich, dass Cervantes den Hesiod gelesen hat und die Begriffe der Zeitalter übernommen hat.

In gewisserweise behandelt Cervantes auch verschiedene Abstufungen vom Eros: Marcella, das höchste platonische Ideal, und Dorothea, die ihren Diener von einem Abhang herunterstößt, weil der ihr an die Wäsche wollte (28. Kapitel). Die Geschichte von Don Fernando und Dorothea und dem unglücklichen Cardenio ist ein Grundstock heutiger Fernsehsoaps und Liebesromane

Liebe Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 11.01.2010 13:13 | nach oben springen

#54

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 13.01.2010 14:20
von LX.C • 2.691 Beiträge

Zitat von Martinus
In gewisserweise behandelt Cervantes auch verschiedene Abstufungen vom Eros: Marcella, das höchste platonische Ideal, und Dorothea, die ihren Diener von einem Abhang herunterstößt, weil der ihr an die Wäsche wollte (28. Kapitel). Die Geschichte von Don Fernando und Dorothea und dem unglücklichen Cardenio ist ein Grundstock heutiger Fernsehsoaps und Liebesromane


Worin siehst du da die Abstufung? Dorotea wird doch auch als außerordentlich klug und schön bezeichnet und scheint eine Frau von Tugendhaftigkeit zu sein. Und indem sie den Diener den Abhang hinunterstößt ist sie in einer ähnlichen Situation wie Marcela, die Grisóstomo von sich stößt, der sich anschließend das Leben nimmt. Einzig vorzuwerfen hätte Marcela ihrer Rede nach der Dorothea:

"'Und ist die Ehrbarkeit eine der Tugenden, die Leib und Seele am meisten schmücken und verschönern, weshalb soll gerade die sie verlieren, die man um ihrer Schönheit willen liebt, bloß um den zu befriedigen, der nur aus Lust mit aller Kraft und List erreichen will, dass sie sie verliert.'" (Cervantes: Don Quijote von der Mancha, Band I, Hanser, München 2008, S. 128)

Genau dem ist Dorotea ja erlegen, dem Schwindler, der sie mit aller Kraft und List, dem Versprechen der Ehe letztlich, entjungfert und damit entehrt hat. Siehst du darin die Abstufung, auch wenn sie anschließend an Tugendhaftigkeit nicht verliert?

Was die Soap betrifft :P so hätte ich gerne, dass Dorotea und Cardenio zusammenfinden :P Cardenio wiederum scheint mir mal wieder eine Spiegelung Quijotes, ach, von Spiegelbildern wollt ihr ja nichts wissen :P Anders:
Quijote scheint sich zu Cardenio wie die Parodie auf den wahrhaften Gegenstand zu verhalten. Die Spiegelung besteht in meinen Augen darin, dass das ganze Ausmaß Quijotes Lächerlichkeit in Anwesenheit Cardenios sichtbar wird.
Cardenio verhält sich nun aus wahrhaften Motiven ritterlich. Seine Situation ist keine, die der Phantasie entspringt, sondern eine real existierende (im Rahmen der Diegese natürlich). Während Quijote sich im 29. Kapitel wie einstmals Cardenio nackt, ausgemergelt und dem völligen Wahnsinn anheim gefallen wiederfindet, erleben wir Cardenio, den wir vormals in gleicher Situation antrafen, wieder aus seiner Buße zur Ritterlichkeit zurückkehrend, die der wahrhaften Situation Rechnung trägt:

"'werte Frau, gebe sie ihren ehrbaren Absichten eine neue Richtung, ich will es mit den meinen ebenso halten, und rüsten wir uns für ein besseres Los; denn ich schwöre bei meiner Ritterlichkeit und als Christ, ich werde sie nicht im Stich lassen, bis sie Don Fernando angehört; und kann ich ihn mit vernünftigen Worten nicht dazu bewegen, dass er zu dem steht, was er ihr schuldig ist, dann will ich mir die Freiheit nehmen, die mir zusteht als ritterlicher Edelmann, und ihn mit vernünftigen Grund herausfordern, nämlich auf Grund des unvernünftigen Frevels, den er an ihr beging."" (Cervantes: Don Quijote von der Mancha, Band I, Hanser, München 2008, S. 312)

Hier finden wir eines der immer wieder von Quijote angesprochenen Motive - aber aus vernünftigem Grund, das Quijote in seiner durch Literatur heraufbeschworenen Phantasiewelt zu unvernünftigen Taten treibt. Es zeigt sich also, die Ritterlichkeit ist noch nicht ausgestorben! Es bedarf keiner "Spinner" :P die sie wiederbeleben.

Wird die Parodie hier etwa ad absurdum geführt?


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zuletzt bearbeitet 13.01.2010 14:37 | nach oben springen

#55

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 14.01.2010 16:26
von Taxine • Admin | 5.896 Beiträge

Cervantes kreiert überhaupt Frauen von unaussprechlicher Schönheit, wobei eine die nächste überbietet. Daneben steht die Illusion der Dulcinea, die erst durch Sancho Pansa ein Gesicht erhält und dann gar nicht dem entspricht, was der Leser oder Don Quijote erwarten.

Die ideale Frau ist auf jeden Fall die treue, tugendhafte, die sich ihre Tugend ihr Leben lang bewahrt. Der Ruf der Tugend ist das höchste Ideal, deutlich im Kapitel 33, in der Novelle vom törichten Vorwitz zu erkennen. Als Anselmo seinen Freund bittet, die Treue seiner Frau Camila zu erproben, indem er sie verführen soll, sagt dieser so schön:

Zitat von Cervantes
Wenn du also weißt, dass du ein zurückgezogen lebendes, sittsames, uneigennütziges, verständiges Weib hast, was suchst du mehr? Und wenn du glaubst, dass sie aus all meinen Bestürmungen als Siegerin hervorgehen wird, wie sie dies ohne Zweifel tun wird, welch bessere Benennungen willst du ihr nachher beilegen, als sie jetzt schon trägt? Entweder hältst du sie nicht für das, was du sagst, oder du weißt nicht, was du begehrst. Wenn du sie nicht für das hältst, was du sagst, warum willst du sie auf die Probe stellen, wenn nicht deshalb, um alsdann mit ihr als einem schlechten Weibe so zu verfahren, wie es dir etwa in den Sinn kommen wird? Wenn sie aber so tugendhaft ist, wie du glaubst, so ist es ungereimt, mit der Wahrheit selbst eine Probe anstellen zu wollen. Denn dadurch wird sie doch nur in der gleichen Wertschätzung verbleiben wie vorher.


Und noch im Bild:

Zitat von Cervantes
Nun denke dir, Freund Anselmo, dass Camila nach deiner wie nach fremder Schätzung ein Diamant von größter Reinheit ist und dass es unvernünftig ist, das Juwel der Möglichkeit des Zerbrechens auszusetzen; denn wenn es auch in seiner Unversehrtheit bleibt, kann es zu keinem höheren Werte aufsteigen, als den es gegenwärtig besitzt...


... man würde einen Diamanten ja auch nicht erst einmal mit dem Hammer bearbeiten, um seine Reinheit bestätigt zu bekommen. Für Lotario ist klar:

Zitat von Cervantes
So ist auch das brave Weib wie ein Spiegel von glänzendem Kristall, der aber der Gefahr ausgesetzt ist, den Glanz zu verlieren und durch jenen Hauch, der ihn berührt, getrübt und verdunkelt zu werden.


Die Frau sollte wie eine Reliquie behandelt werden "die man verehrt, aber nicht berührt". Sie neigt immer dazu, dass sie schwach wird, wenn man sie in Versuchung führt, eben weil sie Frau ist.

Auch Dorothea und Luscinda entsprechen diesem Bild der Tugend, Treue und stark empfundenen Liebe, Eigenschaften, die erst mit den äußeren Umständen brüchig, aber nicht zerbrochen werden. Darum sind sie vielleicht auch das Ideal der Schönheit.

Ein Stilmittel ist mir häufiger aufgefallen, das Cervantes verwendet. In etwa:
"Sie erschienen ihnen wie Maultiertreiber, und tatsächlich waren sie auch welche!" (mal frei aus dem Gedächtnis formuliert). Solche Beschreibungen treten des Öfteren auf, wo etwas dem Anschein nach erscheint und dann tatsächlich auch so ist, statt dann den Anschein nicht zu bestätigen. Wohl eine damals übliche Darstellungsform.
Er arbeitet auch nicht gerade mit Spannungsbögen, sondern erzählt eine Begebenheit und fügt dann nach und nach alles zum Guten, löst die verzwickten Situationen sozusagen ganz gemächlich auf.

Ich habe ja hin und her überlegt, warum Sancho Pansa seine "Welt" so aufspaltet, dass er einerseits durchaus wahrnimmt, dass Don Quijote verrückt ist, andererseits auf seine Belohnung hofft, die eigentlich ja genauso Illusion ist, wie die gewagten Abenteuer seines Herrn. Das wird nicht nur die Gier sein, die ihn da lockt, sondern auch ein simpler Gefallen daran, mit Don Quijote durch die Gegend zu ziehen. Trotz seines Gejammers, genießt er also die Reise, obwohl er doch Frau und Kinder hat. Es ist wohl eine Art Streben nach Bedeutung und Freude am Abenteuer, durchtränkt mit den damit verbundenen Ängsten und Leiden.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 14.01.2010 16:35 | nach oben springen

#56

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 14.01.2010 17:10
von LX.C • 2.691 Beiträge

Zitat von Taxine
Cervantes kreiert überhaupt Frauen von unaussprechlicher Schönheit, wobei eine die nächste überbietet. Daneben steht die Illusion der Dulcinea, die erst durch Sancho Pansa ein Gesicht erhält und dann gar nicht dem entspricht, was der Leser oder Don Quijote erwarten.



Ich finde, sie entspricht genau dem, was man von Quijote erwartet


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#57

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 14.01.2010 18:17
von Zypresserich • 2.878 Beiträge

Zitat von Taxine

Zitat von Cervantes
So ist auch das brave Weib wie ein Spiegel von glänzendem Kristall, der aber der Gefahr ausgesetzt ist, den Glanz zu verlieren und durch jenen Hauch, der ihn berührt, getrübt und verdunkelt zu werden.


Die Frau sollte wie eine Reliquie behandelt werden "die man verehrt, aber nicht berührt". Sie neigt immer dazu, dass sie schwach wird, wenn man sie in Versuchung führt, eben weil sie Frau ist.


Voll cool ... Nix da! Alles Verblendungsmechanismus-Schläfenlappenzuckungs-Anbaggerunfähigkeitsgeschichten! Ran an die Buletten!, möchte man zurufen Cervantes, Dante (Beatrice), Petrarca (Laura). Aber wo blieben die Literatur die Musik die Gemälde (etc.), würde nur gerammelt?


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#58

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 14.01.2010 19:05
von Taxine • Admin | 5.896 Beiträge

Zitat von LX.C
Ich finde, sie entspricht genau dem, was man von Quijote erwartet



Geniale Aussage! So isses!

Zitat von Zypresserich
Aber wo blieben die Literatur die Musik die Gemälde (etc.), würde nur gerammelt?


Und selbst das ist ja auch kunstvoll und literarisch umgesetzt worden, wäre aber vielleicht nicht so "bahnbrechend" gewesen, hätten diese Urväter an Bewunderung der Frau nicht ihre Spuren gelegt.*




* P.S. Die haben ja alle trotzdem gerammelt. Und nicht zu wenig. Hat scheinbar nicht geschadet! War manchem womöglich gar eine Inspiration, um sich dann in alle illusionäre Bewunderung zu werfen oder sich über die Wirklichkeit dann eben ein Ideal zu erschaffen. Tja ja. Wenn's nicht existiert, wird's halt selbst geformt. Das ist der Vorteil der Kunst.

Ovid war da deutlicher und vielleicht auch realistischer. Der war aber auch älter.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 14.01.2010 19:24 | nach oben springen

#59

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 14.01.2010 19:41
von Zypresserich • 2.878 Beiträge

Zitat von Taxine
P.S. Die haben ja alle trotzdem gerammelt. Und nicht zu wenig.

Klar. Warn ja andere Zeiten, da schrieb man das nicht auf (durfte nicht), das kam ja erst später (dass man deutlicher werden durfte). Man stelle sich nur mal vor, Dante hätte um 1300 geschrieben (schön sonettig), wie er Beatrice auf der Brücke über dem Arno nagelte.
http://media.kunst-fuer-alle.de/img/41/g...-zu-florenz.jpg


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zuletzt bearbeitet 14.01.2010 19:51 | nach oben springen

#60

RE: Miguel de Cervantes Saavedra

in Die schöne Welt der Bücher 15.01.2010 00:32
von Taxine • Admin | 5.896 Beiträge

Naja, durch hundert Blumen haben sie es ja doch alle getan, gerade im Sonett. Man führe einfach zurück und zurück und zurück...

Jedwedes Herz, erfüllt von edlem Triebe, (da fängt's schon an)
und alle Seelen, die dies Lied erfahren,
auf dass sie seinen Sinn mir offenbaren, (na... na, hab ich's nicht gesagt?)
grüß ich im Namen ihres Herrn, der Liebe! (Na klar. Wieder schön beschwichtigen, die Gemüter.)
(Dante Alighieri - "Vita Nova")

Und was nun diese innerlichen Erschütterungen betrifft..., da sollt' man auch mal reflektieren.

Dante ist gut getroffen. Genauso stellt man sich ihn vor. Die Damen haben etwas von Waterhouse.
War das bei Miller, wo er durch die Straßen schlenderte, in denen einst Dante lebte? Na klar, wo er den armen Schlucker loswerden wollte.

(Kleine Abschweifung. Pardon.)




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 15.01.2010 00:54 | nach oben springen


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