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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#31

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 14:56
von Taxine • Admin | 5.958 Beiträge

Was mich am Doppelgänger besonders fasziniert hat, war das „offene Werk“. Man weiß als Leser nie so genau (zumindest wenn man den Roman zum ersten Mal liest), was genau da passiert, was der Doppelgänger ist. Auch die Hast, dieses Rasende darin, der langsame Verfall in den Wahnsinn - das fand ich genial von Dostojewski niedergeschrieben und umgesetzt, natürlich auch in Hinblick auf seine Zeit, denn da war das Romanschreiben als Akt bestimmten Regeln unterworfen, weshalb er für dieses Zweitwerk ja auch so viel Kritik einstecken musste. Ich fand es erstaunlich modern umgesetzt, mit offenen Situationen, in die ich als Leser unheimlich viel hineindeuten konnte und durfte. Daran haben sich einige Schriftsteller modernerer Werke versucht, die dann unbewusst dazu neigen, am Ende doch noch zu erklären und den Leser an der Hand zu nehmen. Dostojewski tut das im „Doppelgänger“ irgendwie überhaupt nicht, weshalb die Deutung von Leser zu Leser auch individuell bleiben kann.

Zitat von Jatman
Ich tu mich bereits schwer beim lesen. Lust an der Geschichte kommt nicht auf.


War irgendwo zu erwarten.
Ich habe den Verdacht oder das Gefühl, dass du ganz einfach keinen emotionalen Zugang zu seinem Werk hast (geht ja vielen so). Du setzt vielleicht auch Maßstäbe zu heutiger Literatur. Du kannst wahrscheinlich alle Romane, die du mal mochtest, heute noch einmal lesen und wirst sie nicht mehr mögen.
Der „Doppelgänger“ wiederum besticht nicht so sehr durch philosophische Tiefe, sondern durch seinen Aufbau, die Idee, die Entwicklung dieses kleineren Romans.

„Der Jüngling“ wiederum bietet viel weniger Stoff zum Nachdenken. Im Grunde kann man als Leser nur darüber reflektieren, was der Jüngling ist, wie er handelt, was um ihn herum geschieht. Tiefe Gedanken sind hier nicht zu finden, wenn auch der Anfang vielversprechend war. Aber jene „Idee“, an die sich der Jüngling klammert, verläuft irgendwo doch im Sande. Hätte Dostojewski nun diese Umsetzung dieser schon von vorne herein etwas fragwürdigen Idee weiter verfolgt, statt sich auf die Intrigen der verschiedenen Familien einzulassen (er hätte diese ja gerne als Nebenstrang weiter belassen können), hätte mir das Werk sicherlich mehr gegeben. So ist es eine nette Geschichte, die einige interessante Aspekte aufweist, aber verhindert, dass ich tieferen Zugang finden kann und sich für mich gedanklich jene Fragen öffnen, die ich bei Dostojewski in seinen großen Romanen immer finde.
Unterschätzt, wie Gerigk sagt, ist der Roman allerdings doch. Er gehört nicht zu den trivialeren Werken, von denen es bei Dostojewski ja auch einige gibt (wie auch bei jedem anderen Schriftsteller), wenn er auch viel Geschwätz enthält. Dass der Jüngling in seiner Art zu erzählen als ein großes Durcheinander von Dostojewski absichtlich so geschaffen wurde, ist sicherlich klar. Der Roman ist seine Antwort auf Rousseaus Bekenntnisse, die er in ihrem Klatsch ablehnte, wo er, wie bei vielen Dingen, auch voreingenommen war.


Was z. B. bei Dostojewski für mich immer anstrengend ist, ist die Eigenschaft so mancher seiner Figuren, immer und immer wieder neu die Demütigung zu suchen, selbst da noch, wo es für alle Beteiligten unangenehm wird (Kellerlochmensch, Stawrogin, Dolgorukij, Dimitri Karamasow und viele, viele andere). Da herrscht ein Zwang vor, unbedingt aufdecken zu wollen, sich selbst zu erniedrigen und auch in anderen Augen unbedingt gespiegelt sehen zu wollen, dass man niedrig gehandelt hat, und das zu einem Zeitpunkt, wo längst alles geklärt und verdaut wurde, zum Zweck einer doch eher fadenscheinigen Selbstreinigung, wobei dann der ganze Jammer von vorne beginnt und keinem mit solchen Geständnissen, die eher aufdringlich, als achtbar wirken, geholfen ist. Dann erscheint mir diese so unabdingbare Ehrlichkeit fehl am Platz, ist einzig falscher Stolz, der keinem nützt.

Dostojewski selbst neigte wohl auch zu solchen Selbstqualen, dieses Zeigen-Wollen eigener Verfehlungen, wenn nur einer zuhört. Die ständige Suche nach einer Person, der sich anvertraut werden konnte, wobei diese dann den ganzen Schwall an Selbstvorwürfen über sich ergehen lassen musste, ob sie es nun wollte oder nicht, ob es nützlich war oder nicht. Und wenn eben kein Geeigneter in der Nähe war, diente das Schreiben einem ähnlichen Zweck, wo er sich den fiktiven Zuhörer schuf und erprobte, wie ehrlich jemand sein müsse, um das Schiller’sche Ideal zu verwirklichen, wieviel Dreck er aus der Seele herausschaufeln müsse, um wieder in der Achtung anderer Menschen zu steigen, die womöglich gar nicht gesunken ist.

Oder der Drang nach Selbstbestrafung ist auch im „Jüngling“ zu ahnen. Nur ein Bsp. aus dem Roman, wobei in seinen anderen Werken natürlich wiederum auch bessere zu finden sind:

Zitat von Dostojewski
'Jetzt gehe ich den Obuchoff-Prospekt hinunter', dachte ich bei mir, 'dann biege ich links ein und mache einen Umweg über die Ssemjonoff-Kaserne, das ist fein; alles ist herrlich. Den Pelz trage ich offen ... Warum nimmt ihn mir niemand ab? Wo sind denn die Diebe? Auf dem Heumarkt soll es Diebe geben, sagt man. Mögen sie nur kommen, ich überlasse ihnen vielleicht meinen Pelz. Wozu brauche ich einen Pelz? Pelz ist Eigentum.


Und so weiter ...

Der Jüngling spricht auch über das Schöne, das Dostojewski in seinen Romanen erschaffen wollte, und ist damit eine typisch dostojewski‘sche Anti-Figur, wenn auch als eine Mischung aus Suchendem und Scheiterndem, einem naiv guten Herz und etwas Dreck auf der gekränkten Seele. Ja, der Jüngling ist Dostojewskis gekränktes Kind, das verzweifelt und in vielerlei Hinsicht naiv nach einem Ausweg sucht. Er sagt:

Zitat von Dostojewski
"Schiller‘sche Idealmenschen gibt es im wirklichen Leben nicht, die hat man sich nur ausgedacht. Dies bisschen Niedrigkeit aber - kann doch schließlich nebensächlich sein, wenn das Ziel erhaben ist! Das lässt sich später alles wieder abwaschen und gutmachen."



Das soll natürlich ironisch klingen, wirkt aber eher verzweifelt. An sich ist diese Figur also doch gut gelungen und ermöglicht Reflexionen.




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zuletzt bearbeitet 09.11.2012 16:11 | nach oben springen

#32

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 16:47
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

"Ich habe den Verdacht oder das Gefühl, dass du ganz einfach keinen emotionalen Zugang zu seinem Werk hast."
Das Gefühl beschleicht mich auch langsam. Damals habe ich die Sachen halt so runtergelesen. Ich wusste damals nichts von seinen philosophischen Dimensionen (mit Ausnahme der religiösen Schiene) und konnte auch keine wahrnehmen. Passt doch eigentlich auch mal wieder zu mir. So erklärt sich auch, weshalb, das Totenhaus, Raskolnokow und die Dämonen meine Favoriten sind. Ich habe diese Dinge ohne den eingebauten Überbau gelesen. War`n halt gute Storys. Und der Großinquisitor ist von mir auch nicht seziert worden. Da gefiel mir die stringente Argumentation des Großinquistors.
Gut dass wir drüber geredet haben. Ich bin von einem Bann erlöst. Dostojewskis Werk ist für mich gestorben. Gerigk hat im Umkehrschluss Recht gehabt: Ein Liebhaber Dostojewskis Werk, wird kaum etwas über ihn oder das Werk lesen. Und ich lese eben eine Menge über die Person und sein Werk.
Du, Taxine, machst da selbstredend offensichtlich eine Ausnahme.


www.dostojewski.eu
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#33

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 18:26
von Taxine • Admin | 5.958 Beiträge

Zitat von Jatman1 im Beitrag #32
"Ich habe den Verdacht oder das Gefühl, dass du ganz einfach keinen emotionalen Zugang zu seinem Werk hast."
Das Gefühl beschleicht mich auch langsam. Damals habe ich die Sachen halt so runtergelesen. Ich wusste damals nichts von seinen philosophischen Dimensionen (mit Ausnahme der religiösen Schiene) und konnte auch keine wahrnehmen. Passt doch eigentlich auch mal wieder zu mir. So erklärt sich auch, weshalb, das Totenhaus, Raskolnokow und die Dämonen meine Favoriten sind.

Ich kann aber durchaus auch nachvollziehen, warum das so ist, dass viele Menschen sich von diesen russisch schweren Emotionen, die gerade bei Dostojewski so gewaltig aufbrechen, überlastet fühlen. Die können einen schon erschlagen und auf die Nerven fallen, wenn der Jammer und das Auf-die-Knie-Sinken Überhand nehmen, was bei Dostojewski oft der Fall ist. Liegt sicher auch an der ständigen Veränderung von Gesellschaft und Geschmack. Mich persönlich spricht eben jene Sinnsuche an, das Tiefergehen in menschliche Abgründe oder die Hinterfragung des "niedrigen Gedankens". Solche Thematiken sind ja durchaus schon häufig und lange durchgekaut, so dass da das Interesse auch abflaut.

Auch drücke ich bei Dostojewski aufgrund meiner Begeisterung und auch Leserliebe durchaus häufiger ein Auge zu, wenn der Stil sich etwas verläuft, gar geschwätzig wird oder zu Genüge die von dir erwähnten Diminutive enthält, wo dann dem Kindchen ein Tränchen über das Gesichtchen läuft, während Väterchen und Mütterchen daneben stehen... usw. Dazu muss allerdings auch wieder gesagt sein, dass Diminutive eine häufig russische Literaturerscheinung sind, da die Verkleinerung oder Verniedlichung bei den Russen wieder eine andere alltägliche Erscheinung in der Sprache ist, wie sie im Deutschen so nicht existiert, vgl. russische Namen und ihre Veränderungen, wenn einer den anderen mag, wenn einer den anderen mit Vatersnamen anredet, usw.)

Ach ja. "Das Totenhaus" wird mich auch noch einmal intensiver beschäftigen. Darin kommt der Mensch Dostojewski in seinen Erfahrungen und Gedanken doch gut zur Geltung.


Zitat von Jatman
Gut dass wir drüber geredet haben. Ich bin von einem Bann erlöst. Dostojewskis Werk ist für mich gestorben. Gerigk hat im Umkehrschluss Recht gehabt: Ein Liebhaber Dostojewskis Werk, wird kaum etwas über ihn oder das Werk lesen. Und ich lese eben eine Menge über die Person und sein Werk.
Du, Taxine, machst da selbstredend offensichtlich eine Ausnahme.


Ja, dein Wissen über sein Leben ist wahrlich gewaltig und deine Sekundärliteraturentdeckungen weiß ich mehr als zu schätzen.
Ich mache hier eine Ausnahme auch nur, weil mich Dostojewski an sich beschäftigt. Gibt viele Werke, wo mich der Schriftsteller nicht interessiert. Gibt auch viele Werke, wo das dann der Fall ist. Gibt auch Phasen, die das bestimmen. Das lässt sich gar nicht so einfach erklären ...




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zuletzt bearbeitet 09.11.2012 18:33 | nach oben springen

#34

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 18:47
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Totenhaus
Habe die Woche gelesen, dass Dostojewski wegen dem Totenhaus z. B. folgenden konkreten Vorwurf hatte. Die Zensur warf ihm vor, das die Darstellung nicht brutal und düster genug sei. Mit seiner Variante bestehe die Gefahr, dass sie nicht abschreckend genug sein könnte. -Echt kein Joke-

Untersuchungen haben ergeben, dass Dostojewski nicht mal die Namen der Protaganisten geändert hat. Sie sind zu großen Teilen in alten Listen gefunden wurden.

Typisch russisch . . . vor kurzem in etwa so bei Anna Seghers gelesen: In Russland ist die Dunkelheit dunkler, Getreide getreidiger, Süßes süßer und Russisches russischer.
Fand ich prima.

Bei Dostojewski machst Du eine Ausnahme. Eigentlich geht das auch nicht anders. Das gegenseitige Durchdringen von Werk und Leben ist kaum noch zu steigern. Und sein Leben weist eben eine Fülle an Außergewöhnlichem und Dramatischem auf, die durchaus zu finden ist, aber wahrlich nicht oft. Letztendlich schließt sich der Kreis: Ich bin über eine Biographie an ihn gelangt, bin in sein Werk eingestiegen und heute eben wieder ausgestiegen und bin so wieder bei der Person. Ist doch eine runde Sache.


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 09.11.2012 18:50 | nach oben springen

#35

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 18:51
von Taxine • Admin | 5.958 Beiträge

Zitat von Jatman1 im Beitrag #34
Totenhaus


Untersuchungen haben ergeben, dass Dostojewski nicht mal die Namen der Protaganisten geändert hat. Sie sind zu großen Teilen in alten Listen gefunden wurden.

Es ist ja eigentlich auch kein richtiger Roman, eher ein Bericht.

Zitat
Typisch russisch . . . vor kurzem in etwa so bei Anna Seghers gelesen: In Russland ist die Dunkelheit dunkler, Getreide getreidiger, Süßes süßer und Russisches russischer.
Fand ich prima.


Ich find's auch prima und passend. Auf den Punkt gebracht. Das Leben lebendiger, die Weite weiter, die Kälte kälter, die Seele seeliger... har har...

Zitat von Jatman
Letztendlich schließt sich der Kreis: Ich bin über eine Biographie an ihn gelangt, bin in sein Werk eingestiegen und heute eben wieder ausgestiegen und bin so wieder bei der Person. Ist doch eine runde Sache.


So passt das schon.




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#36

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 18:55
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

"dass viele Menschen sich von diesen russisch schweren Emotionen, die gerade bei Dostojewski so gewaltig aufbrechen, überlastet fühlen."
Hat mich damals nicht gestört, da habe ich oft "pro forma" gelesen: Angefangen > also auch zum Ende bringen. Unabhängig von Dostojewski. Heute lege ich mit bestem gewissen das Buch nach 30 Seiten weg, wenn es mir nicht gefällt UND! lege auch kein Lesezeichen mehr rein - für später weiterlesen. Habe nie wieder ein solches Buch angefasst.


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 09.11.2012 18:56 | nach oben springen

#37

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 19:00
von Taxine • Admin | 5.958 Beiträge

Zitat von Jatman1 im Beitrag #34
Habe die Woche gelesen, dass Dostojewski wegen dem Totenhaus z. B. folgenden konkreten Vorwurf hatte. Die Zensur warf ihm vor, das die Darstellung nicht brutal und düster genug sei. Mit seiner Variante bestehe die Gefahr, dass sie nicht abschreckend genug sein könnte.-Echt kein Joke-

Natürlich nicht. Dostojewskis Zeit ist ja noch nicht die Gulag-Zeit. Verbannung sollte noch Abschreckung sein, damit die Menschen nicht gegen den Zar und das Land intrigieren (davon abgesehen, dass sie auch nicht einmal andeutungsweise die Ausmaße an Menschenausbeutung und -vernichtung aufwies, wie das später der Fall war). Die Bestrafung musste von vorneherein von etwaigen Plänen abschrecken. Und dann kommt so ein Verbannter, ein Schriftsteller mit leidendem Gesicht, und sagt, dass vieles auch seinen Sinn hätte und einem Menschen diese Erfahrung hilft. Da gucken die dann mit ihrer Zensur und schimpfen, dass hier verharmlost wird. Das ist ja regelrecht ein Aufruf zur Meuterei, der gleichzeitig Seelenwanderung ist.
Hat sich ja erst viel später so eingependelt, dass Verbannung jeden betraf und Paragraphen ausreichten, um Erklärung für alles zu sein, auf jeden Fall: Verrat am Staat. Da durfte dann natürlich keiner mehr über die Gulags reden oder die Umstände dort ansprechen. Das waren dann einfach zu viele und Strafe war keine Abschreckung, sondern eine staatlich ausgeartete Maßnahme gegen Jedermann.




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zuletzt bearbeitet 09.11.2012 19:29 | nach oben springen

#38

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 19:14
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

"gegen jedermann" und heute auch jede Frau. Ich sach nur pussy-riot, ohne jetzt wieder darauf einzusteigen


www.dostojewski.eu
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#39

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 19:16
von Taxine • Admin | 5.958 Beiträge

Ja, das bleibt die nie überwundene Vergangenheit, auch unter Putin, wie ich ja bereits sagte.

Wobei deine Aussage:

Zitat von Jatman
... und heute auch jede Frau

dann allerdings nicht so ganz stimmt, in Bezug auf das "HEUTE".




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zuletzt bearbeitet 09.11.2012 19:21 | nach oben springen

#40

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 19:18
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Wenn man jedoch Zensur und Repression aus der DDR kennt, hat man das verinnerlicht und findet die Zensur zu Dostojewskis Zeiten irgendwie sehr seltsam. Die haben ja auch Sachen mit der Zensur ausdiskutiert. Zensur war keine graue Emminenz, sondern offizieller Teil des gesellschaftlichen Geschehens. Zu Teilen traf das wohl auch auf die Bespitzelung zu. War alles nicht so subversiv aber eben auch keinen Deut besser.


www.dostojewski.eu
zuletzt bearbeitet 09.11.2012 19:21 | nach oben springen

#41

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 19:20
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Vielleicht hat in Deutschland das Subversive Tradition. Bereits Goethe hat in seinen Zeiten als Geheimrat veranlasst, dass die Universitäten mit spitzelnden Kommilitonen ausgestattet wurden.


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zuletzt bearbeitet 09.11.2012 19:21 | nach oben springen

#42

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 19:25
von Taxine • Admin | 5.958 Beiträge

Ich glaube kaum, dass das alleine in Deutschland so war. Früher diente die Zensur von Büchern der Gedankenmanipulation, heute sind es die Medien, die natürlich wesentlich effektiver sind als Bücher, in denen politische Problematiken angesprochen wurden oder, zum Glück für uns heute, so gut verschleiert, dass sie durch die Zensur fanden und einen realen Einblick in die damalige Zeit ermöglichten.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 09.11.2012 19:39 | nach oben springen

#43

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 09.11.2012 21:02
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Anmerkung zum Jüngling
Gerigk sieht in Salingers Fänger im Roggen eine "schöpferische Adaption" Dostojewskijs Jüngling. In Ein Meister aus Russland hat Gerigk dieser Feststellung ein ganzes Essay gewidmet. Ob Dich derartig vergleichende Betrachtungen begeistern können wirst Du ja bald feststellen können in Russen in Amerika.
Der Fänger im Roggen hat mich damals begeistert. Mit sehr viel Freude gelesen. Man muss schon den 7. literarischen Sinn haben, wenn man in der Lage ist, solche Parallelen zu ziehen. Natürlich kam ich beim Lesen des Jünglings nicht drauf.


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#44

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 10.11.2012 11:44
von Jatman1 • 1.157 Beiträge

Ich bin wieder auf dieses Bild gestoßen: in einem Spiegel Special 03/2003
Auch da lautet die Bildunterschrift: Fjodor Dostojewski (i.), Mithäftlinge im sibirischen Lager
Und ich bleib dabei > das ist sehr unwahrscheinlich, dass es stimmt. Werde mal sehen ob die vom Spiegel reagieren, helfen können und auch helfen.


www.dostojewski.eu
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#45

RE: Dostojewski 2

in Die schöne Welt der Bücher 10.11.2012 18:46
von Taxine • Admin | 5.958 Beiträge

Zitat von Jatman1 im Beitrag #44
Ich bin wieder auf dieses Bild gestoßen: in einem Spiegel Special 03/2003
Auch da lautet die Bildunterschrift: Fjodor Dostojewski (i.), Mithäftlinge im sibirischen Lager
Und ich bleib dabei > das ist sehr unwahrscheinlich, dass es stimmt. Werde mal sehen ob die vom Spiegel reagieren, helfen können und auch helfen.


Die Bildunterschrift wird wohl der Ausgabe des Totenbuchs entnommen sein.
Der Widerspruch dieser Bildzuweisung liegt im Alter des angeblichen Dostojewskis, da er ja im Lager sein soll. Oder eben in der Angabe des "sibirischen Lagers", da der Raum überhaupt nicht so wirkt und Dostojewski höchstens zu einem viel späteren Zeitpunkt fotografiert worden sein kann.
Für mich sieht der vermeintliche Dostojewski einfach nicht nach ihm aus.



Und hier noch ein Zitat. Ernst Jünger in "Das abenteuerliche Herz":

"Bei Dostojewski erblicken wir alle Bilder, auch die von leuchtender Deutlichkeit, wie durch einen Spalt."

Hm ...




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 10.11.2012 18:47 | nach oben springen


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