Januar, Februar, März 2026
#91
Jana Hensel: Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet"
Zitat
Klappentext
'Das Ende der Demokratie in Ostdeutschland wird kommen. Vielleicht ist es schon da. Wir sollten vorbereitet sein!'
In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun von immer mehr Ostdeutschen mächtig in Zweifel gezogen und droht damit, zu Ende zu gehen - die Demokratie in Ostdeutschland. Scharfsinnig beschreibt Hensel den langen Weg nach rechts, der für viele Ostdeutsche einmal links begann und durch eine wiedervereinte Bundesrepublik führt, die gerade selbst in der tiefsten Krise ihrer Geschichte steckt. Hensel scheut dabei nicht vor harten Wahrheiten zurück, reiht sich nicht in gängige Narrative über den Osten ein und zeigt einmal mehr, dass sie sich seit ihrem Spiegel-Bestseller 'Zonenkinder' eine ganz eigene Perspektive und einen unverwechselbaren erzählerischen Ton bewahrt hat. Geschockt von der eigenen Erkenntnis nimmt sie uns mit auf eine Reise, an deren Ende sie eine Erklärung dafür zu finden hofft, wie es dazu kommen konnte, dass Demokratie für viele Ostdeutsche keine Option mehr ist.
Erscheint im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.
Dafür fehlen mir Kraft und Lust. Wer noch immer nicht begriffen hat, dass die Ossis als einzige die Demokratie ernstnehmen, weil sie wissen, was eine Diktatur ist; ist entweder sehr dumm oder sehr ignorant oder beides. Aber ich habe das Buch nicht gelesen, vielleicht verstehe ich die Intention ja falsch. Nach meiner Erinnerung hat die Autorin mit "Zonenkinder" vor einem Viretljahrhundert ein unfassbar schlechtes und grundfalsches Buch geschrieben. Ihre Biografie samt Berufsleben gibt zu wenig Hoffnung Anlass das vorliegende Buch betreffend.
#92
Im Zusammenhang mit der absurden "Diskussion" um den Start des neuen Organs Ostdeutsche Allgemeine Zeitung meldete sich auch Simon Strauß in der FAZ zu Wort, ohne dass ich das hier kommentieren möchte. Die ganze Causa unterscheidet sich derart unnachahmlich von den üblichen unsachlichen und rein ideolischen Bewertungen des "Mainstreams", dass man nur noch mit der Schulter zucken und sein Kreuz an der Wahlurne an der richtigen Stelle machen kann. Ich aber wurde erinnert an zwei Lektüren vor ein paar Jahren, die mich ungemein erfreuten: Sieben Nächte (2017) und Römische Tage (2019). Dass der Sohn meines Helden Botho Strauß existiert und auch selbst schreibt, erfuhr ich rein zufällig durch die albernen Vorwürfe in der taz, der Autor bediene „mit seiner Ultraromantik die Agenda der Rechten“, welchen unter anderem durch meinen Favoriten Ijoma Mangold widersprochen wurde. Man sieht daran, wie weit schon 2018 die Pervertierung der öffentlichen Meinung durch linksextreme Kulturkämpfer vorangeschritten war; dass man Bezüge zur deutschen Romantik als problematisch empfindet. Wobei anzumerken ist, dass auch die Begrifflichkeit der „Neo-Romantik“ ein einziger anachronistischer Unfug ist; aber die Leute brauchen halt Schubladen. Jetzt hat Simon Strauß ein neues Buch veröffentlicht, ein Sachbuch diesmal:
In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht (2025)
Zitat
Das Glück eines Menschen hängt daran, in der Nähe von anderen zu sein.
Wir leben in Zeiten der Entfernung. Die politischen Lager, die großen Machtblöcke der Welt, die Stadt vom Land – alles entfernt sich voneinander. Umso wichtiger wird der Blick aus der Nähe. Wo ist im Zeichen medial befeuerter Selbstgerechtigkeit noch Gemeinschaft möglich? In seinem ersten Sachbuch findet Simon Strauß eine überraschende Antwort: in der Kleinstadt. Hier begegnen sich die Menschen als Gegenüber, hier müssen Konflikte ausgetragen und Kompromisse gefunden werden. Hier lernt man die Demokratie noch einmal neu kennen.
Was macht ein gutes Zusammenleben aus? Am Beispiel der Kleinstadt Prenzlau erkundet Simon Strauß, wie Gemeinschaft gelingen kann, wann sie scheitert und welche politische Bedeutung es hat, in der Nähe zu sein. Welche Kraft hat der gemeinsame Glaube an einen physischen Ort? Gibt es noch so etwas wie einen geteilten Himmel oder greift inzwischen jeder nur noch nach den eigenen Sternen? Ein Buch, das das Wissen des Autors um die ersten städtischen Bürgerschaften in der Antike mit seiner Neugier für die Probleme unserer Gegenwart verbindet. Seine Beobachtungsgabe mit seiner Begeisterungskraft. Die Bedeutung von Nähe wird hier zuerst emphatisch gedacht – und dann real betrachtet.
»Simon Strauß macht hier Ernst mit der Erkenntnis, dass Gesellschaft immer vor Ort passiert. Das gilt erst Recht für Ostdeutschland. Wer wissen will, wie hier die Menschen ihre Gesellschaft machen, muss dieses Buch lesen.« Heinz Bude
»Die Wahrheit ist immer konkret, aber nie einfach. Simon Strauß gelingt mit seinem sehr persönlichen Buch eine exemplarische Erzählung über ostdeutsche und gesamtdeutsche Lebensverhältnisse seit 1945.« Dirk Oschmann
Was ich in der Leseprobe des E-Books vorschauen konnte, hat mich darüber beruhigt, keinen Provinzschinken bestellt zu haben, was ich aber auch angesichts der ersten Bücher und der Sohnesschaft nicht vermutet hatte. Ich bin gespannt.
Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #92
Dass der Sohn meines Helden Botho Strauß existiert und auch selbst schreibt, erfuhr ich rein zufällig durch die albernen Vorwürfe in der taz, der Autor bediene „mit seiner Ultraromantik die Agenda der Rechten“, welchen unter anderem durch meinen Favoriten Ijoma Mangold widersprochen wurde.
Ähnlich wie die Vorwürfe gegen Houellebecq und Tesson in Frankreich. Das scheint in Europa ein Trend zu sein, diese Einordnung der Romantisierung, sobald nicht der ewige Brei gerührt wird, der gewünscht ist. Ich las von Strauß auf Empfehlung von Salin "Sieben Nächte" und habe auch noch "Zu zweit" herumliegen, ebenso das Gemeinschaftsprojekt "Kein schöner Land". Salin hatte hier bereits einiges Ansprechendes zu der Debatte geschrieben.
Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #90
Da werden wir uns also mit der beruhigenden Kuh- und Nestwärme der eigenen Bubble begnügen müssen und überlassen die erregenden Ausnahmezustände exaltierter Diskurse imaginierten Gegnern, denen wir mit Schild (Firewall) und Schwert (Tastatur) zusammen entgegentreten wie nur je zwei archaische (anarchische?) Geschwister.



Durchaus auch mit übergreifender Empörung zu allen Themen außerhalb des Stalls. Was bleibt uns auch anderes übrig, wo uns die künstlich erzeugte Polemik wohl eher weniger liegt. Aber innerhalb ähnlicher Ansichten gibt es noch die kritischen Auseinandersetzungen en détail. Da wird sicherlich einiges möglich sein.

#95
Eingeschoben:
Martin Bormann (junior): Leben gegen Schatten: gelebte Zeit - geschenkte Zeit , Begegnungen, Erfahrungen, Folgerungen (1996)
Solche Biografien und Lebenswege brachte nur das 20. Jahrhundert hervor: Der älteste Sohn eines der größten Verbrecher überhaupt, orientierungslos nach dem Krieg; Konversion zum Katholizismus, Ordensgeistlicher, Missionar; die ganze Zeit noch Angst, sein Vater würde davon erfahren (er wusste ja noch nicht, dass der lange tot war); dann schwerer Unfall, Entbindung von den Gelübden, Heirat, Lehrer in Hagen; zum Ende Missbrauchsvorwürfe. Was für ein Leben, was für divergierende Erfahrungen! Was bedeutet das für einen Menschen, der seinen Vater nur als liebenden Menschen kennenlernte und von den furchtbaren Verbrechen erst später erfuhr? Kann man dann nur im Galuben weiterleben, ohne verrückt zu werden? Und missbraucht so ein Mensch dann ein Kind sexuell? Das Buch wirft mehr Fragen auf, als es jemals beantworten könnte.
#96
Eingeschoben:
Martin Heidegger: Die Grundbegriffe der Metaphysik. Welt - Endlichkeit - Einsamkeit (Klostermann RoteReihe)
Mal wieder die Kapitel über die Langeweile ...
#97
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Diese Woche daheim so viele Bücher aus der elterlichen Bibliothek in die Scheune verfrachtet, um die Neuzugänge der meinigen drinnen im Haus unterzubringen. Jetzt ist Schluss mit lustig, Buchkaufstopp bis zum 60., sollte ich diesen erleben.
Wieso? Etwas Platz im Regal ist doch noch vorhanden.
Nach solchen Kraftakten sagt man das immer, aber klappen tut es selten, dieses Nicht-Kaufen-Wollen. Versuch macht kluch... Schade, dass der Zoom nicht ausreicht, um zu erkennen, um welche Bücher es sich handelt. Was steht z. B. im oberen rechten Fach? Die Ausgaben sehen relativ einheitlich aus.
Ich habe heute auch etwas herumsortiert und zwei Werke des walisischen Schriftstellers John Cowper Powys in den vorderen, sichtbaren Bereich gerückt. "Glastonbury Romance" hatte ich vor vielen Jahren schon einmal begonnen, dann aber, gut nach der Hälfte, die Geduld verloren, um weiterzulesen. Wahrscheinlich kamen andere Bücher/Interessen dazwischen. Powys schreibt tatsächlich sehr gut, daher werde ich einen weiteren Versuch starten. Das andere Buch ist "Wolf Solent".
Bei der Nietzsche Chronik sind auch die vielen Bilder herrlich, die die Orte zur damaligen Zeit zeigen, Bahnhöfe, vor denen statt Autos noch Kutschen standen, Bergmassive, alte Gasthöfe und Häuser. Diese begleiten den Text wunderbar. Nun habe ich die Zeit erreicht, als Nietzsche aufgrund seiner Schrift "Die Geburt der Tragödie" in Basel keine Studenten mehr bekommt. All das muss ihn sehr belastet haben, wo andere zuvor bezeugten, wie gut er in seinen Vorlesungen war, erkenntlich auch an seinen immer häufiger auftretenden Beschwerden. In der kritischen Ausgabe sämtlicher Briefe lässt sich parallel gut nachvollziehen, wie er das alles erlebt und verarbeitet hat, samt seiner inneren Kämpfe, die zwischen den Zeilen sichtbar werden. Nach den Verrissen und Kritiken hatte er im Grunde Narrenfreiheit und musste sich an keine Regeln mehr halten. Das war dann auch die Geburt des eigentlichen Philosophen.
#99
Zitat von Taxine im Beitrag #98
Wieso? Etwas Platz im Regal ist doch noch vorhanden.Nach solchen Kraftakten sagt man das immer, aber klappen tut es selten, dieses Nicht-Kaufen-Wollen. Versuch macht kluch... Schade, dass der Zoom nicht ausreicht, um zu erkennen, um welche Bücher es sich handelt. Was steht z. B. im oberen rechten Fach? Die Ausgaben sehen relativ einheitlich aus.
Ja, das stimmt.
Neun Umzüge und neunhundert Umräumaktionen haben mich physisch fitgehalten und mental erschöpft. Doch alle Verwünschungen und Schwüre - schon nach dem Muskelkater vergessen.
Links oben sind vor allem Kinder- und Jugendbücher, da wollte ich ja auch schon ewig etwas drüber schreiben. Dann in Masse Bücher aus und zur DDR, Biografien, Erinnerungen, Monografien; mein Vater hatte das gesammelt, für mich ist das zunächst nicht mehr so relevant. Oben rechts die Ausgaben, das sind Marx-Engel-Lenin-Luxemburg; Stalin weiß ich gar nicht mehr, muss ich gucken, wenn ich wieder hinfahre. Ich wollte eigentlich alles wegschmeißen, aber meine Mutter mochte sich nicht trennen, Erinnerungen an ihre liebste Zeit mit ihrem Mann. Zitat von Taxine im Beitrag #98
Ich habe heute auch etwas herumsortiert und zwei Werke des walisischen Schriftstellers John Cowper Powys in den vorderen, sichtbaren Bereich gerückt. "Glastonbury Romance" hatte ich vor vielen Jahren schon einmal begonnen, dann aber, gut nach der Hälfte, die Geduld verloren, um weiterzulesen. Wahrscheinlich kamen andere Bücher/Interessen dazwischen. Powys schreibt tatsächlich sehr gut, daher werde ich einen weiteren Versuch starten. Das andere Buch ist "Wolf Solent".
Da ist nun wirklich lustig und eine merkwürdige Koinzidenz: Ich habe ja meine "englische" Literatur in die neugeschaffenen Lücken meiner Bibliothek daheim gestellt und die Bücher halb rausgezogen, die noch dran sind: Unter anderem und vor allem Powys beide Romane.

Zitat von Taxine im Beitrag #98
Bei der Nietzsche Chronik sind auch die vielen Bilder herrlich, die die Orte zur damaligen Zeit zeigen, Bahnhöfe, vor denen statt Autos noch Kutschen standen, Bergmassive, alte Gasthöfe und Häuser. Diese begleiten den Text wunderbar. Nun habe ich die Zeit erreicht, als Nietzsche aufgrund seiner Schrift "Die Geburt der Tragödie" in Basel keine Studenten mehr bekommt. All das muss ihn sehr belastet haben, wo andere zuvor bezeugten, wie gut er in seinen Vorlesungen war, erkenntlich auch an seinen immer häufiger auftretenden Beschwerden. In der kritischen Ausgabe sämtlicher Briefe lässt sich parallel gut nachvollziehen, wie er das alles erlebt und verarbeitet hat, samt seiner inneren Kämpfe, die zwischen den Zeilen sichtbar werden. Nach den Verrissen und Kritiken hatte er im Grunde Narrenfreiheit und musste sich an keine Regeln mehr halten. Das war dann auch die Geburt des eigentlichen Philosophen.
Ja, die Geburt des Philosophen aus dem Geist der Ignoranz. Wenn ich überlege, wie sehr es einen Normalo wie mich schon schmerzt, wenn man keinerlei Resonanz erfährt in der großen weiten Welt und sich dann imaginiert, dass ein großer Geist wie Nietzsche in 18 Jahren einen Geniestreich nach dem anderen der Welt schenkt und es gibt praktisch keinerlei Reaktion, keine Rezeption, kein Lob; aber auch keinen Widerspruch. Seit Wilamowitz-Moellendorff gibt es ja nicht einmal eine ablehnende Auseinandersetzung, Nietzsche schreibt wirklich ins Blaue, in die Gebirge, in die Zukunft hinein. Kein Wunder also, dass die Stimme auch schriller wird, "größenwahnsinniger", Ich-bezogener; radikaler. Aber es ist und bleibt ein Signum des Extraordinären; dass man keine Familie haben darf, keine Freunde, kein Vaterland, keine Religion etc., wenn man ganz frei und unabhängig sich in neue Sphären vorwagt.
#100
Habe ja die letzten Wochen wieder viel über Indianer gelesen und muss immer wieder schmunzeln, wie wichtig denen Abstammung, Blutlinien, Ethnien, Stamm, Volk etc. sind, vor allem auch die Matrilinearität. Diese politisch korrekt als Native Americans/ First Nations bezeichneten Ureinwohner Amerikas stehen natürlich unter dem besonderen Schutz aller linksliberal-grün-woke-progressiven Milieus, was gerade bei uns in der BRD enorm lustig ist; bedenkt man, dass allein das Beharren auf einer ethnokulturellen Komponente des Staatsvolkes den Verfassungsschutz auf den Plan ruft. Das Konzept der Ethnokulturalität gilt als Verstoß gegen die Menschenwürde und damit als verfassungswidrig, selbst wenn man ausdrücklich betont, dass ethnische Aspekte keinerlei Unterscheidungen hinsichtlich der Rechte und Pflichten eines Staatsbürgers nach sich ziehen. In einem Land übrigens, in dem noch immer knapp 75-80 Prozent der bundesdeutschen Staatsbürger auch ethnisch-kulturell Deutsche sind durch ihre Abstammung; ob sie das wollen oder nicht, so ist der Sachverhalt. Es gibt meines Wissens nach kein anderes Land auf der Welt, dass dem eigenen, historisch gewachsenen Volk so viel Misstrauen entgegenbringt und es am liebsten von seiner Geschichte, Kultur, Biologie befreien möchte. Ein Indianer würde das niemals verstehen, dem ist seine Herkunft und die seines Volkes heilig.
Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #99
Da ist nun wirklich lustig und eine merkwürdige Koinzidenz: Ich habe ja meine "englische" Literatur in die neugeschaffenen Lücken meiner Bibliothek daheim gestellt und die Bücher halb rausgezogen, die noch dran sind: Unter anderem und vor allem Powys beide Romane.


Nun, ich werde wohl mit "Wolf Solent" beginnen. Mal sehen, wie sich der Lesegenuss diesmal ausnimmt. Apropos merkwürdige Koinzidenz: Da fällt mir das Zitat von Justo Navarro ein, das bei Vila-Matas in "Risiken und Nebenwirkungen" genannt wird:„Es gibt Koinzidenzen und Zufälligkeiten, bei denen du vor Lachen stirbst, und es gibt Koinzidenzen und Zufälligkeiten, bei denen du stirbst.“
So dramatisch ist es bei uns natürlich nicht, dafür umso schöner. Falls du eines seiner Bücher lesen willst, können wir uns gerne austauschen.
(Ich denke, zur Nietzsche Chronik mache ich jetzt einmal einen eigenen Ordner auf. Da wird an Gedanken noch viel zusammenkommen.)
Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #100
Es gibt meines Wissens nach kein anderes Land auf der Welt, dass dem eigenen, historisch gewachsenen Volk so viel Misstrauen entgegenbringt und es am liebsten von seiner Geschichte, Kultur, Biologie befreien möchte.
Der Linksradikale hat seit jeher ein Problem mit dem eigenen Staat, aber vor allem mit sich selbst. Und so tut er alles, um seine eigene Wiege zu zerstören und preist No Border und das Multikulti, um die Werte der eigenen Kultur gegen ein verwässertes Vieles (mit, wie wir zunehmend feststellen müssen, dominanter, rückständig religiöser Ausrichtung) einzutauschen. Meistens sind Linke vor allem junge Menschen und Studenten, die noch sehr idealistisch sind und keine Familie haben, denn wer "erwachsen" wird, möchte die Gefahren für seine Familie abwenden und baut auf Sicherheit und Wohlstand im eigenen Land. Diese sind nicht mit der gelebten Willkommenskultur zu vereinen, hinter der die eigene Kultur immer mehr zurückstehen muss, denn der Strom an Migranten kommt, NGO-finanziert, vordergründig des Geldes wegen und nistet sich ein, ohne das jeweilige Land zu lieben oder in diesem tatsächlich mit eigenen Händen etwas aufbauen zu wollen (wie es einst noch die Gastarbeiter taten, die daher auch kaum als Vergleich dienen können). Entsprechend sind es immer die Konservativen, die als einstige Linke irgendwann aufwachen und die Dinge realistischer betrachten. Wer ab einem bestimmten Alter weiter linksgesinnt bleibt, ist in meinen Augen blind der Wirklichkeit gegenüber und hält an falschen Idealen fest.
Ich beziehe mich hier nicht auf die Jahrgänge der Nachkriegsgenerationen, die als Linke, wie wir wissen, einen ganz anderen Grund hatten, gegen ihre Väter zu rebellieren. Diese wurden allerdings nach und nach von einer Masse neuer Linker überrannt, die immer mehr auf Zerstörung und Degeneration setzen, dabei von Wut, Fanatismus, fehlendem Geschichtsbewusstsein und Überempfindlichkeit geleitet sind. Überhaupt alles als „Faschismus“ zu bezeichnen, was nicht ihrer eigenen Aggression entspricht, zeigt schon, mit wem wir es zu tun haben. Die meisten, die dieses Wort als Vorwurf immer so schnell zur Hand haben, wissen wahrscheinlich nicht einmal, für was der Faschismus damals stand. Auch Griechenland ist überwiegend von Linken dominiert und an den Unis erzogen, wobei sich hier sogar noch die kommunistische Partei erhalten hat. Die Tendenzen sind ähnlich wie in Deutschland, wenn auch noch nicht so ausgeprägt, sodass selbst der Linke im kämpferischen Geist hin und wieder die nationalen Werte preist, leider umso weniger Bildung besitzt. Eine Anekdote dazu: Im griechischen Parlament, zu Zeiten Tsipras‘, sprach eine linksorientierte Politikerin, die aber etwas für ihr Land tun wollte, davon, sie wäre eine „nationale Sozialistin“ (sic). Wahrscheinlich gehört sie einer Generation an, die nur die Abkürzung „Nazi“ kennt.
Problematisch bleibt natürlich in Deutschland die Vergangenheit, die Generationen als immer wieder neu aufgeblähtes Schuldgefühl weiter einverleibt bekommen. Während andere Länder mit ihren Morden und Genoziden keinerlei Probleme haben und den Nationalstolz in ihren Flaggen feiern, schluckt das deutsche Volk weiter am Urverbrechen und schämt sich auch 80 Jahre später noch in Grund und Boden. Die Dinge lassen sich natürlich nicht verkleinern, dienen aber heute mehr denn je als reines Scheinargument. Aktuell sind Begriffe wie "Links" und "Rechts" anders zu bewerten und nicht selten reine Schlagwörter, um den Gegner mundtot zu machen. Umso fataler ist es, felsenfest auf einer Seite zu verharren, statt die Dinge neutral zu bewerten und von allen Seiten zu betrachten. Ich denke, darin liegt das größte Problem, dass die Menschen in ihrer Position und Haltung festgefahren sind und alles, was den Anschein einer Gegenposition hat, von vornherein ablehnen, ohne tiefer zu blicken.
Im innigen Wunsch nach Frieden fällt nun, wie ich gesehen habe, in Deutschland wieder die Wahl auf die Linken und Grünen als Gegenpart zur kriegslüsternen Merz-Aufrüstung. Die Menschen lernen nichts und wanken von einem politischen Versprechen zum anderen, das nie erfüllt wird. Frieden werden diese Parteien nicht bringen, das hat die Vergangenheit wohl mehr als deutlich gezeigt, schon gar nicht die Grünen, die zu den größten Kriegstreibern gehören.
#103
Letzte Nacht wieder einmal meiner Schwäche für Rilkes "Stunden-Buch" erlegen, diesmal dem 3. Teil: "Das Buch von der Armut und vom Tode“.
Zitat
Die großen Städte sind nicht wahr; sie täuschen
den Tag, die Nacht, die Tiere und das Kind;
ihr Schweigen lügt, sie lügen mit Geräuschen
und mit den Dingen, welche willig sind.
Nichts von dem weiten wirklichen Geschehen,
das sich um dich, du Werdender, bewegt,
geschieht in ihnen. Deiner Winde Wehen
fällt in die Gassen, die es anders drehen,
ihr Rauschen wird im Hin- und Widergehen
verwirrt, gereizt und aufgeregt.
Zitat
Die Städte aber wollen nur das Ihre
und reißen alles mit in ihren Lauf.
Wie hohles Holz zerbrechen sie die Tiere
und brauchen viele Völker brennend auf.
Und ihre Menschen dienen in Kulturen
und fallen tief aus Gleichgewicht und Maß,
und nennen Fortschritt ihre Schneckenspuren
und fahren rascher, wo sie langsam fuhren,
und fühlen sich und funkeln wie die Huren
und lärmen lauter mit Metall und Glas.
Es ist, als ob ein Trug sie täglich äffte,
sie können gar nicht mehr sie selber sein;
das Geld wächst an, hat alle ihre Kräfte
und ist wie Ostwind groß, und sie sind klein
und ausgehohlt und warten, daß der Wein
und alles Gift der Tier- und Menschensäfte
sie reize zu vergänglichem Geschäfte.
#104
Heute Morgen schwärmt mir meine Physiotherapeutin von vielen Büchern vor, zweie konnte ich nur behalten:
Sebastian Niedlich: Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens: Roman (Der Tod und ich 1)
Zitat
Freunde sind etwas Wunderbares. Und manchmal findet man sie an den ungewöhnlichsten Orten. Martin hätte allerdings darauf verzichten können, am Sterbebett seiner Großmutter die Bekanntschaft des leibhaftigen Todes zu machen. Dieser hat sich eingefunden, um die Seele der alten Dame sicher ins Jenseits zu befördern – und ist begeistert, dass ihn endlich jemand sehen und hören kann. Für ihn steht fest: Martin und er sind dazu bestimmt, beste Freunde zu werden. Schließlich ist er ein echt netter Typ! Und hey: Niemand kann so glaubhaft versichern, dass man weder an Langeweile, noch an einem gebrochenen Herzen sterben kann … Im Laufe der Zeit gewöhnt Martin sich daran, dass der Leibhaftige stets bei ihm auftaucht, wenn er es am wenigsten gebrauchen kann. Doch als er eine ganz besondere Frau kennenlernt, muss er sich eine entscheidende Frage stellen: Macht es überhaupt Sinn zu leben, zu lieben und nach dem Glück zu suchen, wenn am Ende doch immer der Tod wartet?
Zitat
Helena Marino ist die letzte Überlebende des Widerstands, vergessen in Gefangenschaft. Bis sie durch einen Zufall in die Hände von Kaine Ferron gerät, dem erbarmungslosen High Reeve. Eingesperrt auf seinem eisernen Anwesen, will Helena die letzten Geheimnisse des Widerstands wahren, während Kaine versucht, mit alchemistischer Gewalt in ihren Kopf einzudringen. Denn Helena erinnert sich nicht an die letzten Jahre des Krieges. War sie wirklich nur eine einfache Heilerin in den Reihen der Ewigen Flamme? Helena ringt um ihr Überleben – und beginnt zu ahnen, dass Kaine und sie weit mehr verbindet, als ihre Feinde je erfahren dürfen …
Alchemised ist eine düstere Fantasy mit einer epischen Liebesgeschichte.
Ich hoffe, das zweite ist auch richtig; denn es gibt tausende Fantasy-Bücher mit Alchemist im Titel. Aber zur neben den Krimis grassierenden Gattung Fantasy vielleicht später in einem eigenen Aufsatz, denn ich halte das für ein Epochensignum, diese infantile Hinwendung zu irrealen Welten in Film und Literatur. Womit ich nichts gegen das Genre an sich sage, ich habe früher auch Marion Zimmer Bradley gelesen, den Herrn der Ringe (wenn auch viel zu spät, erst nach dem Filmen) oder zuletzt, also vor 15 Jahren, alle zehn Bände vom Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin, der Vorlage zur Serie Game of Thrones. Die digitale Lesprobe jedenfalls ließ mich Abstand nehmen von dieser All-Chemie.
Interessanter und kurzweiliger wohl eher der Tod als Freund. Das ist so typisch neudeutsch schnoddrig geschrieben, das soll so modern und alltäglich sein, so komisch und lustig; wie man solches eben heutzutage versteht. Das kann man hundertfach so lesen in tausenden anderen, aber immer ähnlichen Büchern. Das heißt aber nicht, dass nicht wirklich Kurzweil möglich ist und hin und wieder auch ein Grienen. Mich erinnert das Buch an Stefan Schwarz, dessen Roman Hüftkreisen mit Nancy (2010) mich trotz aller Schwächen zum Wiehern gebracht hat, Der kleine Gartenversager. Vom Glück und Scheitern im Grünen (2019) war sogar noch besser. Es sind halt Nuancen, meist persönlicher Natur, die über den Genuss solcher Bücher leichterer Gangart entscheiden. Die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling fand ich zum Beispiel öde und langweilig, aber ich sah den Autor mal im Fernsehen mit Gitarre und Lesungen zwischendrin, das war unterhaltsam.
#105
Zitat von Taxine im Beitrag #102
Problematisch bleibt natürlich in Deutschland die Vergangenheit, die Generationen als immer wieder neu aufgeblähtes Schuldgefühl weiter einverleibt bekommen. Während andere Länder mit ihren Morden und Genoziden keinerlei Probleme haben und den Nationalstolz in ihren Flaggen feiern, schluckt das deutsche Volk weiter am Urverbrechen und schämt sich auch 80 Jahre später noch in Grund und Boden.
Zur Vergangenheitsbewältigung und zum Umgang mit dem Erbe habe ich schon sehr oft sehr viel geschrieben, natürlich umsonst. Hier nur ein kurzer Bezug:
"10 Millionen Indianer gab es in Nordamerika, als Kolumbus in die Weltgeschichte eintrat; jetzt sind es etwa 230.000. Und da gibt es immer noch allen Ernstes Leute, die sich fragen, ob Amerika einen Genozid an seinen Indianern verübt hätte ...
... nicht viel schlechter wüteten die Spanier: Von den etwa "70 Millionen in Mittel- und Südamerika lebenden Menschen kamen während der spanischen Eroberungen im 16. Jahrhundert (teils durch Kämpfe, vor allem aber durch eingeschleppte Krankheiten) vermutlich über 90 Prozent ums Leben."
Und wir reden von nichts anderem als der Singularität und Nichtvergleichbarkeit des Massenmordes an den europäischen Juden. Man dürfe dieses Verbrechen nicht einordnen, nicht in den Kontext stellen; sonst relativiere man die Schuld. Diesen Irrsinn machen wir nun seit Jahrzehnten mit. Stalins 20 Millionen Opfer; egal; Maos 40–80 Millionen Opfer, egal. Pol Pots 2 Millionen Opfer bei nur 8 Millionen Einwohnern, egal. Die Massaker in Indonesien 1965–1966, denen zwischen 500.000 bis zu 3 Millionen Menschen zum Opfer fielen, egal. Der Genozid in Bangladesch mit 3 Millionen Toten und 10 Millionen Flüchtlingen, egal. Die Liste ließe sich ergänzen, ich erinnere an den Völkermord an den Armeniern mit je nach Schätzung zwischen 300.000 und mehr als 1,5 Millionen Todesopfern zu Tode.
"Einzigartig" am Holocaust unter deutscher Federführung mag die bürokratisch vorbereitete, organisatorisch ausgefeilte und logistisch komplexe Herangehensweise an den industrialisierten Massenmord gewesen sein; im Kontext der Weltgeschichte sind die Deutschen Verbrecher und Massenmörder wie die meisten anderen großen Völker auch. Es wird Zeit, sich dessen zu erinnern und daraus seine Konsequenzen zu ziehen."
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