Januar, Februar, März 2026
#91
Jana Hensel: Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet"
Zitat
Klappentext
'Das Ende der Demokratie in Ostdeutschland wird kommen. Vielleicht ist es schon da. Wir sollten vorbereitet sein!'
In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun von immer mehr Ostdeutschen mächtig in Zweifel gezogen und droht damit, zu Ende zu gehen - die Demokratie in Ostdeutschland. Scharfsinnig beschreibt Hensel den langen Weg nach rechts, der für viele Ostdeutsche einmal links begann und durch eine wiedervereinte Bundesrepublik führt, die gerade selbst in der tiefsten Krise ihrer Geschichte steckt. Hensel scheut dabei nicht vor harten Wahrheiten zurück, reiht sich nicht in gängige Narrative über den Osten ein und zeigt einmal mehr, dass sie sich seit ihrem Spiegel-Bestseller 'Zonenkinder' eine ganz eigene Perspektive und einen unverwechselbaren erzählerischen Ton bewahrt hat. Geschockt von der eigenen Erkenntnis nimmt sie uns mit auf eine Reise, an deren Ende sie eine Erklärung dafür zu finden hofft, wie es dazu kommen konnte, dass Demokratie für viele Ostdeutsche keine Option mehr ist.
Erscheint im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.
Dafür fehlen mir Kraft und Lust. Wer noch immer nicht begriffen hat, dass die Ossis als einzige die Demokratie ernstnehmen, weil sie wissen, was eine Diktatur ist; ist entweder sehr dumm oder sehr ignorant oder beides. Aber ich habe das Buch nicht gelesen, vielleicht verstehe ich die Intention ja falsch. Nach meiner Erinnerung hat die Autorin mit "Zonenkinder" vor einem Viretljahrhundert ein unfassbar schlechtes und grundfalsches Buch geschrieben. Ihre Biografie samt Berufsleben gibt zu wenig Hoffnung Anlass das vorliegende Buch betreffend.
#92
Im Zusammenhang mit der absurden "Diskussion" um den Start des neuen Organs Ostdeutsche Allgemeine Zeitung meldete sich auch Simon Strauß in der FAZ zu Wort, ohne dass ich das hier kommentieren möchte. Die ganze Causa unterscheidet sich derart unnachahmlich von den üblichen unsachlichen und rein ideolischen Bewertungen des "Mainstreams", dass man nur noch mit der Schulter zucken und sein Kreuz an der Wahlurne an der richtigen Stelle machen kann. Ich aber wurde erinnert an zwei Lektüren vor ein paar Jahren, die mich ungemein erfreuten: Sieben Nächte (2017) und Römische Tage (2019). Dass der Sohn meines Helden Botho Strauß existiert und auch selbst schreibt, erfuhr ich rein zufällig durch die albernen Vorwürfe in der taz, der Autor bediene „mit seiner Ultraromantik die Agenda der Rechten“, welchen unter anderem durch meinen Favoriten Ijoma Mangold widersprochen wurde. Man sieht daran, wie weit schon 2018 die Pervertierung der öffentlichen Meinung durch linksextreme Kulturkämpfer vorangeschritten war; dass man Bezüge zur deutschen Romantik als problematisch empfindet. Wobei anzumerken ist, dass auch die Begrifflichkeit der „Neo-Romantik“ ein einziger anachronistischer Unfug ist; aber die Leute brauchen halt Schubladen. Jetzt hat Simon Strauß ein neues Buch veröffentlicht, ein Sachbuch diesmal:
In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht (2025)
Zitat
Das Glück eines Menschen hängt daran, in der Nähe von anderen zu sein.
Wir leben in Zeiten der Entfernung. Die politischen Lager, die großen Machtblöcke der Welt, die Stadt vom Land – alles entfernt sich voneinander. Umso wichtiger wird der Blick aus der Nähe. Wo ist im Zeichen medial befeuerter Selbstgerechtigkeit noch Gemeinschaft möglich? In seinem ersten Sachbuch findet Simon Strauß eine überraschende Antwort: in der Kleinstadt. Hier begegnen sich die Menschen als Gegenüber, hier müssen Konflikte ausgetragen und Kompromisse gefunden werden. Hier lernt man die Demokratie noch einmal neu kennen.
Was macht ein gutes Zusammenleben aus? Am Beispiel der Kleinstadt Prenzlau erkundet Simon Strauß, wie Gemeinschaft gelingen kann, wann sie scheitert und welche politische Bedeutung es hat, in der Nähe zu sein. Welche Kraft hat der gemeinsame Glaube an einen physischen Ort? Gibt es noch so etwas wie einen geteilten Himmel oder greift inzwischen jeder nur noch nach den eigenen Sternen? Ein Buch, das das Wissen des Autors um die ersten städtischen Bürgerschaften in der Antike mit seiner Neugier für die Probleme unserer Gegenwart verbindet. Seine Beobachtungsgabe mit seiner Begeisterungskraft. Die Bedeutung von Nähe wird hier zuerst emphatisch gedacht – und dann real betrachtet.
»Simon Strauß macht hier Ernst mit der Erkenntnis, dass Gesellschaft immer vor Ort passiert. Das gilt erst Recht für Ostdeutschland. Wer wissen will, wie hier die Menschen ihre Gesellschaft machen, muss dieses Buch lesen.« Heinz Bude
»Die Wahrheit ist immer konkret, aber nie einfach. Simon Strauß gelingt mit seinem sehr persönlichen Buch eine exemplarische Erzählung über ostdeutsche und gesamtdeutsche Lebensverhältnisse seit 1945.« Dirk Oschmann
Was ich in der Leseprobe des E-Books vorschauen konnte, hat mich darüber beruhigt, keinen Provinzschinken bestellt zu haben, was ich aber auch angesichts der ersten Bücher und der Sohnesschaft nicht vermutet hatte. Ich bin gespannt.
Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #92
Dass der Sohn meines Helden Botho Strauß existiert und auch selbst schreibt, erfuhr ich rein zufällig durch die albernen Vorwürfe in der taz, der Autor bediene „mit seiner Ultraromantik die Agenda der Rechten“, welchen unter anderem durch meinen Favoriten Ijoma Mangold widersprochen wurde.
Ähnlich wie die Vorwürfe gegen Houellebecq und Tesson in Frankreich. Das scheint in Europa ein Trend zu sein, diese Einordnung der Romantisierung, sobald nicht der ewige Brei gerührt wird, der gewünscht ist. Ich las von Strauß auf Empfehlung von Salin "Sieben Nächte" und habe auch noch "Zu zweit" herumliegen, ebenso das Gemeinschaftsprojekt "Kein schöner Land". Salin hatte hier bereits einiges Ansprechendes zu der Debatte geschrieben.
Zitat von Yorick Ruthenus im Beitrag #90
Da werden wir uns also mit der beruhigenden Kuh- und Nestwärme der eigenen Bubble begnügen müssen und überlassen die erregenden Ausnahmezustände exaltierter Diskurse imaginierten Gegnern, denen wir mit Schild (Firewall) und Schwert (Tastatur) zusammen entgegentreten wie nur je zwei archaische (anarchische?) Geschwister.



Durchaus auch mit übergreifender Empörung zu allen Themen außerhalb des Stalls. Was bleibt uns auch anderes übrig, wo uns die künstlich erzeugte Polemik wohl eher weniger liegt. Aber innerhalb ähnlicher Ansichten gibt es noch die kritischen Auseinandersetzungen en détail. Da wird sicherlich einiges möglich sein.

#95
Eingeschoben:
Martin Bormann (junior): Leben gegen Schatten: gelebte Zeit - geschenkte Zeit , Begegnungen, Erfahrungen, Folgerungen (1996)
Solche Biografien und Lebenswege brachte nur das 20. Jahrhundert hervor: Der älteste Sohn eines der größten Verbrecher überhaupt, orientierungslos nach dem Krieg; Konversion zum Katholizismus, Ordensgeistlicher, Missionar; die ganze Zeit noch Angst, sein Vater würde davon erfahren (er wusste ja noch nicht, dass der lange tot war); dann schwerer Unfall, Entbindung von den Gelübden, Heirat, Lehrer in Hagen; zum Ende Missbrauchsvorwürfe. Was für ein Leben, was für divergierende Erfahrungen! Was bedeutet das für einen Menschen, der seinen Vater nur als liebenden Menschen kennenlernte und von den furchtbaren Verbrechen erst später erfuhr? Kann man dann nur im Galuben weiterleben, ohne verrückt zu werden? Und missbraucht so ein Mensch dann ein Kind sexuell? Das Buch wirft mehr Fragen auf, als es jemals beantworten könnte.
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