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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#151

RE: Buchvorschläge/Erstes Kapitel

in Buchvorschläge 16.02.2011 19:25
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Vielen Dank, werter Martinus. Sind alles schöne Empfehlungen. Ego-Tunnel und "Die Geiseln" besorge ich mir mal.




Surreale Vorstellungen
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#152

RE: Buchvorschläge/Erstes Kapitel

in Buchvorschläge 21.01.2012 15:04
von Martinus • 3.194 Beiträge

Gold – und Geldgier zerstört Leben.

Blaise Cendrars: Gold – Der Lebensroman General Suters


Es scheint, die Menschheit ist seit Jahrtausenden nicht klüger geworden. Ägyptische Grabräuber raubten die Gräber ihrer Pharaonen aus und begingen damit religiösen Frevel, gefährdeten das Leben ihrer Pharaonen im Jenseits. König Midas ist beinahe verhungert, weil alles zu Gold wurde, was er angefasst hat. Spanier waren hinter dem Gold der Inkas her und hinterließen gewaltige Blutspuren. Mark Twain berichtet, wie Arbeiter in Goldminen für einen erbärmlichen Lohn ausgebeutet wurden und trotzdem kein Gold gefunden haben. Heute geht die Ausbeutung in Deutschland weiter, weil viele Menschen für einen schäbigen Hungerlohn arbeiten müssen, dafür andere sich gierig ihre Taschen voll stopfen. Als Bänker nicht so sehr ans Gold dachten, sondern eher an das Geld, wurde 2008 die Weltwirtschaftskrise verursacht. Der Turbokapitalismus bringt regelrecht Menschen um. Spekulanten treiben Nahrungsmittel in die Höhe, sodass arme Menschen ihre Nahrungsmittel nicht mehr kaufen können. Das Menschen für Goldklumpen, in die man nicht hinein beißen kann, in der Lage sind, fruchtbares Land zu zerstören, davon erzählt die Lebensgeschichte des Generals Johann August Suter, der im Jahre 1834 in die USA kam, in Kalifornien fruchtbaren Boden schuf. Nachdem in einer seiner Sägereien Gold gefunden worden war, wurde sein Besitz, die fruchtbaren Böden, sein "Klein-Helvetien" gänzlich zerstört, weil ein jeder aus aller Welt daherkam, und nach Gold buddelte. Auf diese Weise wurde General Suter, der der reichste Mann in Amerika gewesen war, zum Ärmsten seiner Landsleute. Der französische Autor Blaise Cendrars hat die Lebensgeschichte dieses Schweizer Generals im Jahre 1925 aufgeschrieben, diese Lebensgeschichte mit „Gold“ betitelt. Für Stefan Zweig war die Tragik des General Suter sogar eine Sternstunde der Menschheit wert. Eigentlich war es doch eine der düstersten Stunden, die nackte elende Wahrheit, das Gold und Geld vielen Menschen den Verstand kostet.

Liebe Grüße
mArtinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 21.01.2012 15:05 | nach oben springen

#153

RE: Buchvorschläge/Erstes Kapitel

in Buchvorschläge 24.03.2012 16:15
von Martinus • 3.194 Beiträge

Martina Weber: Zwischen Handwerk und Inspiration, Uschtrin-Verlag

Ein Buch für Leute, die schon Gedichte schreiben, die noch keine schreiben, aber gerne schreiben möchten, die gerne wissen möchten, was ein gutes Gedicht ausmacht, warum der Reim Herz mit Schmerz schlecht ist, auch für Leute, die gerne Gedichte lesen.

Textbeispiele zu Herz / Schmerz

Katastrophal:
Du bist mein Herz
befrei mich von Schmerz!
Meine Sehsucht nach dir ist groß.


Schönes Beispiel:
Aber dein Herz ist ein Wirbekwind.
Dein Blut rauscht wie mein Blut -
Süß
An Himbeersträuchern vorbei.

(Else Lasker-Schüler aus "Mein Liebeslied")

(Textbeispiele Seite 74 / 75, Katrin Fellner: "MITSCHWINGEN WIEDERHALL Möglichkeiten und Ziele eines Lyrik-Lektorats"


Hier steht alles drin, sei es über Regeln und Regellosigkeit, Zeilenumbruch, Zeilenstil, Metaphern, Arten von Metaphern, Synästhesie, Reime und andere Klangelemente u.a.
Ein schöner Aufsatz der Lektorin Karin Fellner, die u.a. mit einigen Mythen aufräumt, ein Gedicht sei eine Inspiration und man könne ein Gedicht einfach so aus dem Nichts herunterschreiben. Eine andere Mythe, die immer wieder auftaucht, man könne ein Gedicht nicht objektiv beurteilen. Doch man kann. Das Buch empfiehlt Verlage, die Lyrik veröffentlichen, auch interesante Webseiten, Anthologien und vieles mehr. Ich habe das Buch noch gar nicht zu Ende gelesen, aber es scheint mir unentbehrlich zu sein. Am Ende gibt es Tipps zum ersten Gedichtband, Verlagsverträge u.ä. Der Utschtrin-Verlag verlegt verschiedene Handbücher für Autoren und Interessenten der Branche.

Liebe Grüße
mArtinUs




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 28.03.2012 07:42 | nach oben springen

#154

RE: Buchvorschläge/Erstes Kapitel

in Buchvorschläge 16.05.2012 11:16
von LX.C • 2.672 Beiträge

Drei Monate in Sowjet-Russland, aus dem 1. Kapitel: "Wahrheit über Sowjet-Russland"

Zitat
Da alles, was man an Geschriebenem und Gedrucktem bei sich führt, vor dem Verlassen des Landes der Wetscheka zur Kontrolle vorgelegt werden muss, und da man mit diesem Material dann drei Grenzen zu passieren hat, ehe man wieder daheim ist, stellen die Notizbücher, die man bei sich trägt, natürlich hohle Attrappen vor. Das Wesentliche, ob es nun günstig oder ungünstig für eines der drei Länder lautet, verbirgt man ängstlich im Gedächtnis, um es vor Unverstand, Spitzeln und Grenzbehörden zu schützen. Dieser Zustand der geistigen Notwehr ist es, der allmählich jenen seelischen Druck, jene spezifische Moskauer Psychose erzeugt, die schwerer zu ertragen ist als alle anderen Nöte, die man in Russland am eigenen Leibe erfährt. Der bare Selbsterhaltungstrieb, die Revolte des guten Gewissens fälscht und entstellt dir das Bild der Wahrheit, das zu enthüllen du unter das große rätselhafte Volk des Ostens gekommen bist.

Immer wieder erklärte man mir: Was wir hier brauchen, sind Leute mit Phantasie; keine kleinen klebrigen Matter-of-fact-Gehirne, deren Horizont auf den Dunstkreis um ihre Nase beschränkt ist. Ich machte den einen und den anderen der so zu mir sprach, darauf aufmerksam, dass die Führer der Bolschewiki es ja heftig leugnen, ihr Ziel sei die Utopie – und dass dieser oft wiederholte Wunsch nach phantasiebegabten Fremdlingen doch die Suggestion einschließe: der Betrachter möge durch das Werdende hindurch des leuchtenden Ziels der Utopie gewahr werden, es nie aus den Augen verlieren. Und so ist es auch. Aus den Theorien der Führenden, der Gläubigen, der sich Opfernden, durch all den entsetzlichen Wust der halb und ganz vernichteten Möglichkeiten, durch das unsägliche Wirrsal der Widersprüche, des Provisorischen wie des überhaupt nie zu Verwirklichenden, den Widerstreit von papierner Verordnung und blutigem Daseinskampf, durch die Resultate der erbarmungslosen Kriege, der Blockade, der Sabotage durch die inneren Feinde hindurch das schon Verwirklichte zu erfühlen und zu erblicken – dies ist und bleibt das Wesentliche in Sowjet-Russland. Was man erfährt sind indes Bruchteile von Bruchteilen.

Ich suchte in Russland eine Religion und fand eine Partei. Eine Partei aber, die allerdings eine große Idee, die größte vielleicht, die Menschen je gedacht haben, mit allen Mitteln der proletarischen Macht und sogar der diplomatischen Schlauheit durchzusetzen bestrebt ist. [...]
Wer aus den Bolschewiki Teufel macht, der ist ein Verbrecher, wer aus ihnen Engel macht, ein Narr. Es sind lebendige Menschen, in Gefängnissen, im Exil hart geschmiedete Gehirne, gestählt durch Gefahren, gewaltige, für das Leiden der Unterdrückten offene Herzen, die selber am tiefsten unter der Notwendigkeit leiden, nun wiederum ihrerseits andere unterdrücken zu müssen.

Wie verhält es sich mit dem, der ohne einer Partei anzugehören, aus Menschheitsdrang, aus innerer Bedrängnis – wenn auch mit ausgesprochen bürgerlichem Auftrag nach Russland fährt? Mein seelisch gerichteter Kommunismus ist durch die russische Prüfung unversehrt mit mir nach Deutschland zurückgekommen. […] Da mein Menschheitsideal das herrschaftslose Beisammenleben in voller Freiheit auf Erden bedeutet, darf ich, aus diesem Gesichtswinkel gesehen, den Kommunismus wohl als eine Stufe zu diesem Ziel, mehr noch seiner Durchführbarkeit als seiner baren Theorie nach, einer Kritik unterwerfen. […]

„Freiheit ist ein Vorurteil der Intellektuellen.“ Dies steht irgendwo bei Lenin zu lesen. Wenn man nun, in einem Zustand der äußersten persönlichen Unfreiheit von einer Übergangszeit sprechen hört, einer zeitlich beschränkten Diktatur des Proletariats, die eine zeitlich abgeschlossene Diktaturperiode der imperialistischen, kapitalistischen Bourgeoisie ablösen soll und nach der sich alles in eitel Liebe und Gleichheit auflösen wird – wenn man die abgestandene Sentimentalität von den Enkeln, „die es einst besser haben werden“, aus dem Munde der konsequent und konkret denkenden Führer der Bolschewiki zu hören bekommt: dann kann man darauf ruhig erwidern: ihr gebraucht hier die Phrasen von 1914. Es gibt keine Übergangszeit, weil eine Zeit eine andere, keine Übergangsaktion, weil eine Aktion eine andere Aktion gebiert und so fort. Ebenso wenig gibt es Enkel; denn jeder Enkel ist seinerseits wieder Großvater. Es gibt nur einen ewigen Fluss der Dinge, und es gibt jawohl eine verhängnisvolle Verantwortung für die Gegenwart, den blutvoll schrecklichen Augenblick.

Ihr selbst wisst es am besten, welche Schlagfertigkeit des Gewissens vonnöten ist, will man die Herrschaft einer Idee aufrichten. Es ist also nicht am Platze, von der allumfassenden Wahrheit zu sprechen, die nur aus den opalnen Fernen der Utopie herüberschimmert, und die nur das phantasiebegabte Auge zu erkennen mag. Dasselbe Auge, das das Erreichbare betrachtet, muss hart und kühl die Ursache der Widerstände zu ergründen suchen. Wenn sich der Bolschewismus im Flusse befindet, so gibt es eherne Hinternisse, welche sich aus seinem eigenen Wesen emporrecken und seinen Lauf behindern.
[…]
Aus Gegenwärtigem, Künftigen, aus der Gesinnung und der Leidensfähigkeit der Massen, aus meinem Gefühl, meinem Verstand, der Erfahrung meines ganzen Lebens, die mir Theorien, Menschen, Ergebnisse durchleuchtet, muss mir die Wahrheit über Sowjet-Russland erstehen. Ich setze mich hin, um mein Buch zu schreiben. Gott helfe mir.



Holitscher, Arthur: Drei Monate in Sowjet-Russland, S.Fischer, Berlin 1921, S.15-21.


Die Urheberrechte für Arthur Holitschers Werke sind letztes Jahr ausgelaufen. Vielleicht kann man ja auf eine Neuauflage hoffen.


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 16.05.2012 11:19 | nach oben springen

#155

RE: Buchvorschläge/Erstes Kapitel

in Buchvorschläge 01.01.2015 11:23
von LX.C • 2.672 Beiträge

"Auch in Bollerup, Nachbarn, gibt es Ereignisse, die niemand sich entgehen lassen darf, und am allerwenigsten eine Lesung von Alma Bruhn-Feddersen. Kaum war bekannt, dass die Bauerndichterin sich zu einer Lesung aus ihren gesammelten, wenn auch noch nicht veröffentlichten Werken bereiterklärt hatte, waren die Karten auch schon ausverkauft. Zu lange hatte sie in selbstgewähltem, ein wenig drohendem Schweigen gelebt, zu ungeduldig war man in Bollerup, zu erfahren, warum sie sich entschlossen hatte, aus ihrer umdünsteten Einsamkeit heraus- und vor die Öffentlichkeit zu treten."

Lenz, Siegfried: Die Bauerndichterin, in: Der Geist der Mirabelle, DTV, München 2001, S. 80.


Herrlich, wie sich die Geschichte aufschaukelt und eskaliert, man krümmt sich am Ende vor Lachen. Herrlich auch, wie ich zu diesem Buch gekommen bin. Wie die Jungfrau zum Kinde. Auf einem Weihnachtsmarkt stand neben einem Glühweinstand ein Korb mit Büchern auf der Erde. Zum Mitnehmen oder Lesen beim Glühwein, stand auf einem Zettel, der dabei lag.


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Prekrasnogo dnja tebje. Do vstretschi. Poka!
zuletzt bearbeitet 01.01.2015 11:26 | nach oben springen

#156

RE: Buchvorschläge/Erstes Kapitel

in Buchvorschläge 28.01.2015 16:23
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
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