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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#46

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 21:22
von Zypresserich • 2.872 Beiträge

@ Zeit (allgemein, weil sie in den letzten Beiträgen erwähnt wurde)

Zitat von Pynchon - Gegen den Tag, Seite 825
"... Weil hinter allen Forschungen über die Zeit, ganz gleich, wie ausgeklügelt oder abstrakt sie sein mögen, die menschliche Angst vor dem Tod steht. ..."


https://zumabgesaegtenast.wordpress.com/...n-hat-ein-ende/
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#47

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 21:32
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Es heißt ja, dass Tiere sich ihres Todes nicht bewusst sind, darum ohne Ängste ihr Leben leben. Gefahr und das Umgehen dieser Gefahr ist eine andere Angst. Sie entsteht nur im Augenblick der Gefahr. Diese benötigen auch keine Religion dazu, um zufrieden zu leben. Der Mensch aber benötigt sie scheinbar, weil die Angst vor dem Tod und besonders die Angst vor dem Leben vorherrschen. Wir plagen uns eigentlich mehr mit dem, was wir nicht wissen und was uns nicht einleuchtet. All das Ungewisse, wobei der Tod da inbegriffen ist. Religion ist damit das Eindämpfen dieser Ängste und der Versuch, auf einer metaphysischen Art und Weise ruhig dahinzuschreiten.
Eigentlich ist alles nur Eindämpfen. Ob Religion oder "Wissen" oder "Wahrheit" oder all diese verschiedenen Überwindungen... Es gilt, im Jetzt und Hier zu schreiten und dafür zu sorgen, dass der Moment einen nicht auffrisst und das Innere im Gleichgewicht schaukelt.



Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 17.07.2008 23:21 | nach oben springen

#48

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 22:05
von Lennie • 829 Beiträge

Ach Kinder, ist das spannend! Und interessant! Solche Nachdenklichkeiten liebe ich gradezu...!

Zitat von Zypresserich
Weil hinter allen Forschungen über die Zeit, ganz gleich, wie ausgeklügelt oder abstrakt sie sein mögen, die menschliche Angst vor dem Tod steht. ..."


Das ist es, meiner Meinung nach, Zypresserich! Genau. Wenn man lange genug bohrt. Da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen.

Wir alle wissen, dass wir sterben werden. Irgendwann. Spät natürlich, so spät wie nur möglich. Aber trotzdem. So hundertpro drumrum werden wir nicht kommen. Und keiner weiss, was danach kommt. Ob überhaupt noch was kommt. Keiner weiss, wie das ist, "Geburt rückwärts" - bis er es selbst erlebt. Und das macht Angst. Alles, was man nicht kennt, macht Angst, das ist ein Urinstinkt, da kann man nicht gegen an.
Vielleicht braucht man deshalb Religion?

Taxine, du sagst, Tiere seien sich ihres Todes nicht bewusst. Das behaupten wir Menschen. Weil wir das alles mit unseren Menschenhirnen denken und vermuten. Mit unseren menschlichen Unzulänglichkeiten. Ohne jeden Beweis. Vielleicht wissen die Tiere schon viel mehr als wir? Woher wissen wir, was sie wissen? Was sie nicht wissen? Was bilden wir uns überhaupt ein? Wir "Krönungen der Schöpfung"??? Wir werden bis zu unserem endgültigen Untergang als Spezies nicht einen Bruchteil von all dem begriffen haben, was es gibt - davon bin ich überzeugt.

Einstein hat mal was gesagt. Das war nicht dumm. Das gefällt mir. Der hat gesagt: "Ich weiss, dass ich nichts weiss." Und das ist schon 'ne Menge. Alles weitere kann man nur vermuten. Vielleicht hoffen. Oder glauben.

Selbst wenn's jetzt bisschen arg naiv klingt: ich glaube nicht, dass es was Schlimmes ist. Was danach kommt. Das erscheint mir einfach nicht logisch. Aus welchem Grund auch? Aus welchem verdammten Grund sollte Tod denn was Schlimmes sein? Etwas, was uns ALLE betrifft? Es ist einfach eine Weiterentwicklung. Und die Angst - die ist normal. Eine Angst vor dem Unbekannten, und der Schmerz der Trennung vom Bekannten.

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#49

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 22:14
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Recht hast du, Lennie. Was wir über die Tierwelt annehmen, ist in etwa das, was eine Maschine in Pieptönen markiert, wenn sie sagt, es lebt oder es ist tot. Wir sehen die Ameisen emsig laufen und schuften und ihre Welt gestalten, und denken, wir als Menschen, hätten mehr Bewusstsein. Alles Annahme.

Aber, dann auch richtig: Wenn wir als Menschen unsere Welt mit unseren Vorstellungen gestalten, so wie wir auch durch unsere Ängste und Depressionen krank werden können, so verursachen wir vielleicht nur unseren Tod, weil wir annehmen, dass wir sterben müssen?
Der Tod ist vielleicht nicht das Ende, sondern ein einfacher Wechsel. Besinnt man sich auf die körperliche Hülle, dann wird es schwierig, sich vorzustellen, dass sie nicht zerfällt. Aber: vielleicht... ich sage nur vielleicht ... ist auch das nur durch das Bewusstsein entfachte Entwicklung.

Was uns vielleicht nicht bewusst ist, außer, dass wir so vieles zu wissen meinen: Dass alles Schwingung ist. Dass das Materielle nur das Gebildete aus dieser Schwingung ist. Da der Mensch aber auf seinen materiellen Blick beschränkt bleibt (und vielleicht werden wir auch hier auf diese Dinge reduziert und daraufhin erzogen, denn Metaphysik hat mit diesen Schwingungen nichts zu tun, es ist eines der Möglichkeiten, die der Mensch sich aufgrund seiner Macht an Bewusstsein und Denken erschaffen kann - ein am Ende natürlich gut gebautes Scheingebilde, so dann höchstens der Reflex dieser Schwingungen), wird er auch sterben und kann sich sein Leben nur so vorstellen, wie er es erfährt... und zwar durch Übermittlung anderer.




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zuletzt bearbeitet 18.07.2008 03:11 | nach oben springen

#50

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 22:15
von Martinus • 3.194 Beiträge
(ich mal dawischen)
Weil eben so viel (Macht)missbrauch mit Religionen geschieht, denke ich auch, es wäre friedlicher, wenn jeder seine eigene Weltvorstellung im Herzen trägt, und manchemal denke ich eben auch, Jesus ist so gestorben, wie andere Menschen auch. Alles andere ist eben Glaube. Das Verderbliche an missverstandener Religion ist Intoleranz. Religion im recht verstandenem Sinn kann natürlich für den einen oder anderen sehr wertvoll sein. Entscheidend für eine Religion ist Friedfertigkeit und nicht das hin-und hergezetere um Dogmen. Friede kann nur von innen kommen, nenne man dieses Religion oder von mir aus Einkehr zu sich selbst, das spielt meines Erachtens keine Rolle.

Liebe Grüße
mArtinus



„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

zuletzt bearbeitet 17.07.2008 22:16 | nach oben springen

#51

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 22:56
von Lennie • 829 Beiträge

Also, dass wir körperlich sterben, ist sicher. Hin ist hin - das können wir vermutlich unterschreiben. Und dass unsere hübschen Körper unappetitlich vergammeln und uns in verblüffend kurzer Zeit gar nicht mehr ähnlich sehen, das ist auch sicher. Jeder Krimischreiber weiss das. Schade zwar (ähem...), aber nun ja. Nicht zu ändern.
Aber wir sind ja nicht nur Körper. Wir sind ja noch was anderes. Energie, Bewusstsein. Spiritualität. All das, was hier u.a. diese nette Unterhaltung möglich macht. "Schwingung", wie du sagst, Taxine. Und was aus alldem wird, nach dem Tod, das wissen wir nicht. Genauso wenig wie wir uns dran erinnern können, wo das vor unserer Geburt alles war. Wir denken, wir nehmen an, dass wir alles im Laufe unseres Lebens so nach und nach entwickelt haben.... aus dem Nichts. Wissen wir das?

Das Drama der Menschen ist, dass sie sich selbst für das non plus ultra halten. Ein fataler Trugschluss, glaube ich. Insgesamt gesehen sind wir nicht mehr als ein Pups im Universum, mit einer machtgeilen Dysfunktion im Gehirn. Kein anderes Wesen hat das, nie gehabt. Alle anderen akzeptieren ihren Platz als einen von vielen in einem gesamten Grossen. Nur der Mensch nicht. Der bildet sich ein, das Recht zu haben, alles, was er mit seinem abstrusen Gehirn zu denken und zu entwickeln in der Lage ist, auch umsetzen zu dürfen. Eine Arroganz sondergleichen! Nicht eine einzige andere Spezies handelt so, aus eigenem Antrieb.
Vielleicht brauchen sie deshalb Religion. Zur Beruhigung. Damit sie sich bewusst besser fühlen können als sie in Wirklichkeit sind.
Hoppla. Jetzt wird's kompliziert....

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#52

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 23:02
von Zypresserich • 2.872 Beiträge

Wollt mal noch grad schnell zwei Sachen anmerken.

@ ascolto: Schön, jemanden gefunden zu haben, der ein bisschen Zen-Sprudelei betreibt. Von daher: Wir sterben nicht, weil wir niemals geboren wurden. Das Bi-Yän-Lu is one of my favourites, wie der Franzose sagt. Zen ist und bleibt einfach die schönste Lüge aller Zeiten. (Eine Hand klatscht? Wap auf die Backe ...)

@ Religion. In meiner kleinen Welt unterscheide ich zwischen Religion und Konfessionen. Konfessionen is wenn ich sach ich bin evangelisch oder islamisch oder orthodox oder wie auch immer. Religion is das wenn ich lateinisch religere bis ich hinter der ersten Zelle gelandet bin, ja, oder sie gar selbst bin und im Äther rumschwirre.

In diesem Sinne
ab in die Rinne des neverending theme.

(@ ascolto als PS: Kennste den, wo der Schüler zum Meister kommt, der ihm halb die Knochen in der Tür bricht, ihn gar nicht erst zu Wort kommen lässt, ihn am Kragen packt und ihn anschreit: "LOS! SAG ES!" Könnt immer wieder drüber lachen.)


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#53

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 23:18
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Kurzes Zurück:

Zitat von Lennie
Kein anderes Wesen hat das, nie gehabt. Alle anderen akzeptieren ihren Platz als einen von vielen in einem gesamten Grossen.


Aber Lennie, wenn du voraussetzt, dass wir eigentlich nichts über die Tierwelt wissen, wie kannst du voraussetzen, dass diese "Arroganz" nicht in anderer Art und "Welt" existiert? Vielleicht ist sie für uns nur nicht spürbar. Woher willt du wissen, dass der Platz immer akzeptiert wird? Jede Welt ist voneinander getrennt und fließt doch ineinander. Trotzdem könnte eine Ameise den Menschen genauso verachten oder seinesgleichen, wie der Mensch.




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#54

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 23:22
von Zypresserich • 2.872 Beiträge

Klar gibt's arrogante Tiere: stolz stolzierende Hirsche in der Brunft. Man muss ihnen nur in die Augen schauen, dann weiß man alles. Sie können einen eben nur nicht anschauen und sagen: "He, Mann, glotz nicht so. Ich bin eben arrogant, ich eben nun mal so toll. Na und? Du doch auch?" Eines Tages werden auch die Hirsche ihr Schweigen brechen und in unserer Sprache zu uns sprechen.


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#55

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 23:29
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Ja, einfach nur den Mensch in das trübe Licht zu rücken, genüget nicht.
Man blicke auf den Lachs, der gegen seine Natur springt. Dieser akzeptiert nicht einmal den Fluss, das einfache Leben. Lieber springt er für den Trieb gegen den Strom, gegen sein Leben, in den Tod.

Leider das alles mal wieder, was bleibt mir, nur aus der menschlichen Betrachtung gesehen... Vielleicht liegt ein ganz anderer Sinn dahinter. Vielleicht sogar ein religöser...



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zuletzt bearbeitet 17.07.2008 23:30 | nach oben springen

#56

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 23:32
von Zypresserich • 2.872 Beiträge

Hätte ich nicht gerade Thunfischsalat gegessen, bekäme ich jetzt Appetit auf Lachs. (das war jetzt off-topic, wie man so schön sagt ...)


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#57

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 23:37
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge

Hm... ich muss sagen, Hirsch hab' ich dagegen noch nie probiert.




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#58

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 23:44
von Zypresserich • 2.872 Beiträge

Hirschragout ist was Feines. Ich lasse allerdings immer die süßen Beeren weg, die man dazu zu kredenzen pflegt. Es grüßt die Religion. Letztendlich landet man doch immer wieder beim (Fr)essen ...


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#59

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 23:54
von Taxine • Admin | 5.881 Beiträge
Nicht erstaunlich. Immerhin wurde gerade dort der eucharistische Leib Christi gereicht... Dazu der Wein. Und schon haben wir den Salat. Oh...



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zuletzt bearbeitet 17.07.2008 23:59 | nach oben springen

#60

RE: Gott, Glaube und Skepsis

in An der Philosophie orientierte Gedanken 17.07.2008 23:59
von Lennie • 829 Beiträge

Stimmt, Taxine. Ich kann nur beobachten und nachdenken. Mit meinen eigenen Unzulänglichkeiten, in denen ich ebenso gefangen bin wie alle anderen. Kann mir Dinge einbilden, zurechtlegen, Rückschlüsse ziehen. Vermuten, dass....

Ameisen sind übrigens hochinteressant! Durchaus möglich, dass sie uns verachten. Sich gegenseitig glaube ich weniger, die kommen mir untereinander recht solidarisch vor. Aber genau weiss man das natürlich nicht. Vielleicht spielen sie ja auch nur Theater und tun so als ob ? Dass uns eine ganz erhebliche Reihe von Tieren verachten, kann ich mir vorstellen. Gut sogar. Ich lese grade sehr viel über Hühner. Bisher dachte ich immer, Hühner sind ziemlich doof. Stimmt gar nicht. Die sind nicht doof. Aber da muss man leider auch erst durch eine Reihe von Artikeln und "wissenschaftliche Tests" drauf gestossen werden... die man eigentlich gar nicht lesen wollte. So kann's einem gehen. Ich glaube nicht, dass ich nochmal eins esse.

Jaja, ich weiss, jetzt kommt sicher gleich wieder jemand und spottet: "Auch Möhren haben eine Seele und schreien aua, wenn du sie aus der Erde ziehst! Dann hör doch gleich ganz auf zu essen!"
Und wenn ein religiöser Sinn dahinter liegen sollte, so müsste man ihn zunächst einmal definieren. Womit wir wieder beim Anfang gelandet wären.... Guten Appetit!

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