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Hirngespinste

Austausch zwischen Literatur und Kunst


#181

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 05.02.2012 16:36
von Patmöser • 1.098 Beiträge

Noch ein notwendiger Nachsatz:

Ich habe eine PN an unseren guten Zypresserich geschrieben und mich dort persönlich erklärt. Damit hier dann jeglicher Art von Mißhelligkeiten die Spitze genommen wird.

Möserpat

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#182

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 05.02.2012 16:47
von Patmöser • 1.098 Beiträge

Zitat von Taxine

Sagen wir es einmal so: durch Miller (und die aus seinen Büchern gewonnenen Erkenntnisse und Wandlungen) ist es mir gelungen, meinen "Besitz" auf etwa einen Koffer (plus Bücher und Bilder) zu reduzieren und mein Leben so zu leben, wie ich es für richtig halte, ohne mich durch Ängste einschränken oder durch Orte binden zu lassen. Dies vermittelte mir dieser Schriftsteller nicht durch seine erotischen Passagen, sondern durch alles andere, was daneben und davor und danach stand.



Das wäre dann die Essenz unserer Diskussion!
Du lerntest das von Miller, diese wundervolle Möglichkeit der einkofferigen Existenz.
Ich lernte ähnliches und auf anderen Ebenen dann nun von anderen Dichtern. Letztdendlich kann man auch noch auf den Koffer verzichten...

Aber das sind Lippenbekenntnisse, denn so ohne Koffer, überhaupt ohne Alles zu leben, nur mit sich allein und dann noch gejagt und verfemt, dieses Leben in "Natura" und täglicher Angst gelebt und erlebt, das ist dann schon wieder eine grundlegend andere Geschichte...

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#183

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 05.02.2012 17:03
von Taxine • Admin | 6.076 Beiträge

Zitat von Patmos
Mir geht es um die Dogmatik der beliebigen Instrumentalisierung derjenigen Autoren, die als die unberührbaren Heiligen gelten, oder je nach Geschmäcklichkeiten - zu gelten haben.


Unberührbar oder heilig ist keiner, nur weil er dafür erklärt wurde oder durch Zeit diese Position unter "Kennern" eingenommen hat. Es geht ja doch immer um die eigenen Eindrücke. Ich finde, gerade in der Literatur gibt es keine Allgemeingültigkeit. Wenn mir einer dieser "Unberührbaren" einfach nicht zusagt, dann mag er für die Welt sein, was er ist, bei mir wird ihm kein Platz im Regal zuerkannt. Wer uneingeschränkt lobt und huldigt, nur weil es "sich so gehört", der liest wohl mehr für andere oder scheut sich vor einer ehrlichen Betrachtung seines eigenen literarischen Eindrucks. Es gibt allerdings auch die Fälle, in denen ein "Unantastbarer" sich bewährt und den eigenen Geschmack trifft. Die Krux dabei: man reiht sich mit seiner Begeisterung in den gleichen Kreis an Huldigern, die huldigen, um des Huldigens willen (o wai, was für ein Satz ).

Jeder hat eben seine eigenen Vorlieben. Man verteidigt seine "Heiligen" schließlich ja auch nur, weil man in ihren Werken etwas für sich Wertvolles gefunden hat und nicht begreift, dass ein anderer nicht Gleiches entdecken konnte. Das hat aber nichts damit zu tun, ob jemand unberührbar ist oder nicht. Er wird nur dann für einen selbst "heilig". Wenn ein anderer das nicht so sieht, muss man das in Kauf nehmen.




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 05.02.2012 18:01 | nach oben springen

#184

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 05.02.2012 17:10
von Taxine • Admin | 6.076 Beiträge

Zitat von Patmos
Letztdendlich kann man auch noch auf den Koffer verzichten...



Wenn man erst einmal alles auf einen Koffer reduziert hat, ist dieser Schritt keine zu große Barriere mehr...
Ich meine damit nicht so sehr den völligen Verzicht auf alles, sondern überhaupt die Nicht-Angst, jederzeit, wenn es sein muss, loslassen zu können...




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 05.02.2012 17:14 | nach oben springen

#185

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 05.02.2012 18:12
von Patmöser • 1.098 Beiträge

Zitat von Taxine


Jeder hat eben seine eigenen Vorlieben. Man verteidigt seine "Heiligen" schließlich ja auch nur, weil man in ihren Werken etwas für sich Wertvolles gefunden hat



Hmmm, öhm, naja, nachdenklich Kopfkratz..., ich gestehe es und Asche auf mein müdes Haupt, ich, ich habe durchaus so meine Heiligen. Aber, hier stehe ich und kann nicht anders...



Nun denn, liebes Taxinchen, jetzt wird ein feines Pfeifchen gestopfet und dann eine DVD eingelegt, als immer wieder besonderes Erlebnis:

"Im Morgengrauen ist es noch still"

was für ein wunderschönes russisches (sowjetisches wohl, aber russisch klingt menschlicher) Meisterwerk..., immerhin, dieser Film war einmal für den Oscar nominiert.
(Die Wiki-Beschreibung und die Kritik ist dermaßen flach und Sch..., öde, meine ich, öde.)

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#186

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 05.02.2012 19:05
von Taxine • Admin | 6.076 Beiträge

Zitat von Patmos
Hmmm, öhm, naja, nachdenklich Kopfkratz..., ich gestehe es und Asche auf mein müdes Haupt, ich, ich habe durchaus so meine Heiligen. Aber, hier stehe ich und kann nicht anders...



Da fällt mir ein, was ich dich noch fragen wollte: welche Ausgabe von Scholochows "Der stille Don" hast du? Und wieviele Bände sind das überhaupt??? (Scheint ja mittlerweile wieder umstritten zu sein, ob er nun doch wieder der tatsächliche Autor des Werkes ist oder nicht. Das Werk selbst wiederum steht und spricht für sich. Dann muss ich mir wohl doch ein eigenes Bild davon machen.)




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 05.02.2012 19:09 | nach oben springen

#187

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 05.02.2012 19:21
von Patmöser • 1.098 Beiträge

Einmal die zweibändige Taschenbuchausgabe vom DTV. Wegen des Indenulaubsmitnehmgewichtes!
Und dann noch eine uralte viebändige Ausgabe von 1967, Kultur und Fortschritt Verlag. Diese war mir nicht so geheuer...

Zitat
Scheint ja mittlerweile wieder umstritten zu sein, ob er nun doch wieder der tatsächliche Autor des Werkes ist oder nicht.



Ja, ich las auch davon, weiß nur nicht mehr wo. Ich persönlich glaube, das an diesen Gerüchten "immer etwas dran" war.

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#188

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 05.02.2012 19:31
von Taxine • Admin | 6.076 Beiträge

Zumindest wurde dieses Werk schon häufiger über Ausgaben angesehener Historiker gestellt.
Vielen Dank für die Antwort. Werde mal sehen, was ich so ergattere.




Surreale Vorstellungen
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#189

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 05.02.2012 19:32
von Martinus • 3.195 Beiträge

Scholochow steht unter Plagiatsverdacht.




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)
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#190

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 06.02.2012 19:51
von Zypresserich • 2.893 Beiträge

Zitat von Taxine
... sondern überhaupt die Nicht-Angst, jederzeit, wenn es sein muss, loslassen zu können...

1. psychisch: ja, wenn man es kann. (Mein Papa kann es grad nicht, der muss grad aus seinem Haus raus in eine teilbetreute Alters-Wohnung; der kann nicht mal Ansichtskarten von der Wand abmachen, ohne den Killer zu kriegen, so viel dazu ...)
2. kritisiere ich auch immer in den tollen Schriften z. B. eines Krishnamurti: letztendlich eine Frage des Geldes, gelle?

Muss ... kann ... loslassen ... das sind so Sachen ... Würde ich alles loslassen wollen, krächte mein Junior keinen Führerschein ... verdammt ... also mach ich Kundentermine ... ach, was würd ich so gern endlich den Penner raushängen lassen ... und alles LOSLASSEN ...

zuletzt bearbeitet 06.02.2012 19:52 | nach oben springen

#191

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 06.02.2012 20:40
von Taxine • Admin | 6.076 Beiträge

Zitat von Zypresserich

Zitat von Taxine
... sondern überhaupt die Nicht-Angst, jederzeit, wenn es sein muss, loslassen zu können...



2. kritisiere ich auch immer in den tollen Schriften z. B. eines Krishnamurti: letztendlich eine Frage des Geldes, gelle?

Muss ... kann ... loslassen ... das sind so Sachen ... Würde ich alles loslassen wollen, krächte mein Junior keinen Führerschein ... verdammt ... also mach ich Kundentermine ... ach, was würd ich so gern endlich den Penner raushängen lassen ... und alles LOSLASSEN ...




Inwiefern ist das eine Frage des Geldes? Es ist eine Frage der inneren Einstellung. Du aber redest beim Loslassen von einem selbstzufriedenen und unabhängigen Leben, das dir keinerlei Verantwortung aufbürdet. Ich rede von etwas ganz anderem. Ich rede von Verzicht oder nicht Verzicht. Kann ich (wenn es darauf ankommt) loslassen, was ich besitze oder kann ich es nicht? Die meisten, wenn sie tiefer graben, können und wollen es gar nicht. Sie finden etliche Gründe und Ausflüchte, warum sie es nicht können. Und das ist ja in diesem Sinne auch nicht schlimm.
Aber das es unmöglich ist, das ist Unsinn. Viele wollen eben nicht verlieren, was sie haben und befürchten das, was kommt, wenn sie andere oder neue Schritte gehen.
Man kann mit viel und mit wenig zufrieden sein. Mit wenig ist es einfacher, da man, falls sich die Dinge ändern, auch weniger loslässt, mit mehr ist es schwieriger, weil man sich an materielle Dinge gewöhnt und diese nicht mehr so einfach entbehren will. Beim Loslassen-Können geht es aber eher um die Einstellung, jederzeit mit dem zufrieden zu sein, was man hat, ob es viel oder wenig ist, aber wenn es eben wenig ist, dann nicht daran zu verkümmern.

Loslassen-können ist kein einfacher Prozess (das mit Sicherheit nicht), aber es ist eine innere Wandlung, die, ist sie erfolgt, auf alles anwendbar ist. Damit öffnen sich bestimmte Möglichkeiten, die man vorher, aufgrund von Ängsten, gar nicht bedacht oder überhaupt für umsetzbar gehalten hat. Hat man das begriffen, ergibt vieles keinen Sinn mehr, schon gar nicht Besitz, der einen kettet.

Und hat man das erkannt, dann ist Loslassen eine ganz einfache Bedingung und auch jederzeit möglich, auch dort, wo man ist, auch in dem, was man tut. Das heißt nämlich nicht, alles wegzuwerfen, gerade wenn man z. B. Familie hat. Man hört nur auf, sich an Bedingungen zu klammern. Man fühlt eine innere Befreiung.

Wer aber dennoch immer wieder Gründe anführt, warum alles nicht machbar ist, der braucht die Schuld nicht bei anderen zu suchen, sondern nur in sich selbst.
Und... den Penner heraushängen lassen - das hat rein gar nichts mit Loslassen zu tun. Ich bin mir sogar sehr sicher, dass du so ein Leben nicht einmal im Entferntesten anstrebst. Es gibt nicht viele zufriedene Penner, die jederzeit mit dem übereinstimmen, was sie tun und sind. Die innerliche Freiheit ist etwas ganz anderes und um sie zu finden, muss man sicherlich auch nicht den Ort wechseln oder die Menschen, die man liebt, hinter sich lassen oder ihnen etwas vorenthalten, von dem man meint, dass sie es benötigen. Diese Befreiung findet inmitten von all dem statt… inmitten, nicht ohne... oder wenn es anders wäre oder…




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 06.02.2012 23:37 | nach oben springen

#192

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 06.02.2012 21:56
von Patmöser • 1.098 Beiträge

Loslassen, das Lassen...

weiß nicht... So wie der Mensch seinen ureigenen Weg findet, um nach Hause zu finden, zu gehen, so hat auch jeder sein ganz persönliches Lassen, oder Seinlassen, oder Sein-Lassen zu finden.
Lebenslinien, darüber kann man, vielleicht, überhaupt nicht reden, nur zu-hören, oder zu-schweigen.
Aber ich rede, schreibe und simseliere zur Zeit viel, viel zu viel. Es wird nun Zeit, wieder ein bisschen trauriger zu werden.

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#193

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 06.02.2012 22:43
von Taxine • Admin | 6.076 Beiträge

Zitat von Patmöser
Loslassen, das Lassen...

weiß nicht... So wie der Mensch seinen ureigenen Weg findet, um nach Hause zu finden, zu gehen, so hat auch jeder sein ganz persönliches Lassen, oder Seinlassen, oder Sein-Lassen zu finden.


Das ist unbestreitbar wahr, dennoch denke ich, dass der Prozess, wenn er denn stattfindet, immer der gleiche ist...




Surreale Vorstellungen
zuletzt bearbeitet 06.02.2012 22:50 | nach oben springen

#194

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 07.02.2012 03:54
von Martinus • 3.195 Beiträge

Zitat von Taxine
sondern überhaupt die Nicht-Angst, jederzeit, wenn es sein muss, loslassen zu können...



werte Taxine, wunderbar wie du die Lebensweisheit des Loslassens vertritts. Das ganze könnten wir in drei Worte zusammenfassen: Loslassen ist Freiheit

Zitat von Taxine
Man kann mit viel und mit wenig zufrieden sein. Mit wenig ist es einfacher, da man, falls sich die Dinge ändern, auch weniger loslässt, mit mehr ist es schwieriger, weil man sich an materielle Dinge gewöhnt und diese nicht mehr so einfach entbehren will. Beim Loslassen-Können geht es aber eher um die Einstellung, jederzeit mit dem zufrieden zu sein, was man hat, ob es viel oder wenig ist, aber wenn es eben wenig ist, dann nicht daran zu verkümmern.



Loslassen ist Freiheit, weil wir, wenn wir in der Mentalität des Loslasssens leben, unabhängig von äußeren Gütern, Besitz, materiellen Gütern zufrieden und glücklich sind. Wir sind jederzeit zufrieden, weil wir uns von der Materie innerlich gelöst haben. Dieses Loslösen macht uns frei. Die Zufriedenheit kommt immer aus dem Menschen selbst, nicht aus seinem Besitz.

Zitat von Henry Miller im Koloss...
Kein Mensch kann, ehe er den Frieden erlebt hat, behaupten, er wisse wirklich, was Freude ist. Und ohne Freude gibt es kein Leben, selbst wenn man ein Dutzend Automobile, sechs Butler, ein Schloss, eine Privatkapelle und einen bombensicheren Unterstand besitzt. Wir kranken an unseren Bindungen....



Liebe Grüße
Martinus




„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)
zuletzt bearbeitet 07.02.2012 04:08 | nach oben springen

#195

RE: Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

in Gedanken vom Tag 07.02.2012 17:02
von Zypresserich • 2.893 Beiträge

@ Taxine: Nein, überzeugt mich nicht im Geringsten. Ich bleibe dabei: Loslassenkönnen @ phil (Punkt 2 meiner Ausführungen) ist eine Frage des Geldes (zumindest der Grundsicherung). @ psy siehe 1. meiner Ausführungen. Deine Antwort beinhaltet psy als Antwort auf phil. Aber: man kann ja auch das Loslassen loslassen, und dann ist man bei P.s Ausführungen zu den individuellen Viten. Und zu mir persönlich: den Penner raushängen lassen, würde in meinem Fall letztendlich nur bedeuten, zu dem zu stehen, was ich bin: entkräftet im Hamsterrad oder grundsätzlich aufgrund Disposition, unfähig, genug Geld zu verdienen, dass den Kindern ermöglicht wird, was ihnen gut täte; nix da selbstgefällig, eher wahres Selbst. Leider.

Aber vielleicht sollte ich mal alle üblichen Berufe lassen, loslassen, und plötzlich kann ich fliegen? Bisherige Tests in der Richtung brachten mir allerdings nur Mahnbescheide ein.

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