Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 3

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15.05.2012 12:37
avatar  Krümel
#271
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Zitat von Taxine

Zitat von Krümel

Zitat von Roquairol
Man muss Benn mit Empathie und Emotion lesen, aber gerade nicht mit Verstand.



So verhält es sich doch grundsätzlich mit Lyrik, das schreibt man aus dem Bauch...




Woooaaasss? Mehr... viel mehr...




Ist für mich Bauch, vom Kopf her würde ich dir Statistiken, Analysen und Wahrheiten schreiben. Das einzige was aber mein Verstand bei meinen Gedichten darf, ist ab und an Silbenzählen, ansonsten hat er sich rauszuhalten


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15.05.2012 19:33
#272
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Genau - ist ja alles richtig, was Taxine und Rilke meinen, nur mit Verstand hat das alles nichts zu tun ...

16.05.2012 00:54 (zuletzt bearbeitet: 16.05.2012 01:20)
avatar  Taxine
#273
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Admin

Zitat von Roquairol
Genau - ist ja alles richtig, was Taxine und Rilke meinen, nur mit Verstand hat das alles nichts zu tun ...





Vielleicht wird es mit Walt Whitman sichtbarer:

"In jedem Ding, Gebirge, Baum und Stern - in jeder Geburt und
jedem Leben,
Als Teil von jedem - aus jedem entwickelt - Bedeutung hinter
dem Geprang,
Harrt ungefaltet eine Chiffre mystisch."


(Whitman "Grashalme")


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16.05.2012 11:53
avatar  LX.C
#274
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Ich denke, wenn man den Verstand nicht gebraucht, wird man so manches Gedicht nicht verstehen können - ebenso gilt das für Empathie und Emotion. Doch diese reichen oftmals nicht aus.


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04.07.2012 23:45
#275
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Heute Diskussion zum Fiskalpakt - kaum zu glauben, das alles. Die europäischen Staaten sollen da einen Vertrag unterschreiben, der nie mehr zu kündigen ist, also für alle Ewigkeit gelten soll. Und unter anderem steht dort drin, dass die Staaten ihre Schulden nicht durch Einnahme-Erhöhungen abbauen dürfen. Das bedeutet also konkret, dass es in Zukunft für alle Ewigkeit in Europa verboten sein soll, die Steuern für Reiche zu erhöhen! Unfassbar!

19.08.2012 23:05 (zuletzt bearbeitet: 19.08.2012 23:14)
avatar  Taxine
#276
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Admin

Und hier haben wir also noch einen, der es wagt, auszusprechen. Ich erinnere zunächst an diese Gedanken von Patmos:

Zitat von Patmos

Eigentlich interessiert mich Kafka wenig, ich mochte ihn, ehrlich gesagt, noch nie so besonders. Kafka war schon lange vor Kafka, und das viel besser und Melvillekser, oder Poester, oder Gogolesker. Bei den Deitschen wäre es dann E.T.A.H., und wenn ich dann einmal einen unkakfkaesken Bogen zu Tschechow schlagen darf und an das Krankenzimmer Nr. 6 denke, zum Beispiel, oder einigen anderen Tschechowschen Kleinoden, so empfinde ich den Ausdruck - Kafkaesk irgendwie als Verschlagwortungs - Talmi, als ewiger Hype schleimig äffender Intellektueller.



... oder:

Zitat von Patmos
Mir geht es um die Dogmatik der beliebigen Instrumentalisierung derjenigen Autoren, die als die unberührbaren Heiligen gelten, oder je nach Geschmäcklichkeiten - zu gelten haben.
Und da ist von Shakespeare über Nietzsche bis Kafka, jedenfalls bei mir, kein Kniefall zu erwarten. Oder anders gesagt: Warum sollte ich mich Joyce nur knieend nähern, wenn doch O'Brien...



Und Vollmann nun wieder schreibt so darüber:

Zitat von Vollmann
Das ist alles immer noch schön in den witzigen und nachdenklichen kleinen Stücken Kafkas; der Roman aber hält das nicht aus, und der Leser gar nicht: je genauer er liest, desto schneller wird er dieses Wesen leid, diesen traurigen Tiefsinn, dieses leere Kreisen im syntaktischen Nichts, dieses bodenlose Verlorengehn in keiner Welt. Schwer zu sagen, wer wir damals waren, als wir das mochten; genießen Sie jetzt den Anblick, wenn Dichter von ihren Sockeln fallen, und bedenken Sie vergnügt, was wir alles haben dulden müssen von denen, die uns mit Kafka die Welt erklären wollten. Mit jedem Dichter, den wir vom Sockel holen, auf den die Ausleger ihn gestellt haben, wird die Welt ein bisschen größer und heller.


(Rolf Vollmann "Die wunderbaren Falschmünzer", btb)


Das nenne ich Brüder im Geiste. Da kann mir Vollmann ja nun echt nichts Neues erzählen...


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19.09.2012 08:35 (zuletzt bearbeitet: 19.09.2012 08:36)
#277
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Es ist immer wieder erstaunlich, was in uns drin steckt, in unserem Unterbewusstsein. Ich schreibe aktiv in einer Schreibgruppe. Bei unseren Treffen wird ein Thema gestellt, worüber jeder etwas schreibt. Gedicht oder Prosa. 20 Minuten hat jeder Zeit. Ich finde das faszinierend. Unter einem enormen Zeitdruck etwas zustande bringen - was soll das? Den Zeitdruck spüre ich meistens gar nicht, sondern es stellt sich so ein, dass Gedanken und Ideen einfach in den Fluss kommen. Und das ist der Sinn der Sache. Dieses spontane Schreiben ist eine Übung, aus mir das herauszuholen, was in mir steckt. Vielleicht ist das auch eine gute Übung gegen Schreibblockade. Eine andere Übung, die mich fasziniert, ist, eine Assoziationskette von Wörtern über eine halbe Din A4-Seite aufzuschreiben, dann Wörter herauspicken, daraus ein Gedicht machen. Das geht sehr gut frühmorgens oder nachts.



„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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19.09.2012 12:12
avatar  Krümel
#278
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Ja wenn es fließt, dann läuft alles rund. Bei mir klappt das momentan mit dem Schreiben gar nicht. Ich lasse lieber den Pinsel schwingen


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12.10.2012 14:02
avatar  Taxine
#279
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Admin

Gestern in der Frühe auf einer ansonsten eher ruhigen Straße auf einmal Getöse und laute Stimmen. Als ich auf den Balkon trat, sah ich etliche Menschen, gruppiert um einen Priester. Aus dem Haus wurde ein Sarg getragen, der Leichenwagen fuhr vor und die Menschen begaben sich wohl nach und nach auf die Beerdigung.
Später erfuhr ich dann, dass die Mutter der Nachbarin gestorben ist.
Heute hat sie das ganze Haus gereinigt und "gewaschen" (ein Brauch) und trägt nun ein Jahr lang schwarz.
Seltsam, was einem bei solchen Erlebnissen, ohne dass man direkt Teil daran hat, dennoch so alles durch den Kopf geht.


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25.10.2012 18:51
#280
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Ich war mal in Griechenland, als die herzkranke Tochter der Nachbarin (und Tante) meines Pensionswirts gestorben ist. Das stundenlange Geschrei der Klageweiber war erschütternd und schon sehr bewegend. Ich hätte fast mitgeweint, obwohl ich die Leute kaum kannte ....

07.11.2012 20:18 (zuletzt bearbeitet: 07.11.2012 20:21)
avatar  Taxine
#281
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Admin

Es ist der Hammer. Ein Deja-vu. Die gleiche Abstimmung wie letztes Jahr in Athen. Und wo wir den Elfenbeinturm hatten ... Griechische Politiker, die sitzen in ihm und klappern ihre Sparmaßnahmen-Anträge durch, während draußen im Regen die Menschen protestieren. Und dazu verkünden die im Parlament gerade, dass die Gehälter auch bei den Angestellten im Parlament gekürzt werden und wundern sich dann, dass die drohen, die Leute von der Straße reinzulassen, um das Parlament zu stürmen.
Ein Elfenbeinturm ohne Gleichen.
Da kann man nur den Kopf schütteln.


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07.11.2012 20:50 (zuletzt bearbeitet: 07.11.2012 20:51)
avatar  Taxine
#282
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Admin

Und dann Auszüge aus dem Deutschen Bundestag: Die Merkel: "Ja, man muss den Griechen sagen, dass sie in Schwierigkeiten sind ..." Klingt, als würde sie sich zu einer Gruppe Dreijähriger beugen und erklären: "Ja, du musst dem Jungen sagen, dass er böse war ..."

Die Prognose für Griechenland in Griechenland: Minus. Minus. Minus. Und dann, ist klar: Plus. (Was sonst.) Zahlt nur solange und beutet die Menschen weiter aus. Dann klappt das schon.


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07.11.2012 21:25
avatar  Jatman1
#283
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"Und dazu verkünden die im Parlament gerade, dass die Gehälter auch bei den Angestellten im Parlament gekürzt werden und wundern sich dann, dass die drohen, die Leute von der Straße reinzulassen, um das Parlament zu stürmen."
Der Wahnsinn. Hochdramatisch. Interessant.


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08.11.2012 08:52
#284
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Die logische Grundvoraussetzung für einen echten Wandel wäre, dass erstmal diese korrupte Politikerkaste verschwindet, die den ganzen Mist verursacht hat. Aber dann kommt unser Schäuble wieder und warnt die Griechen, sie sollen es bloß nicht wagen, irgendwelche "Radikalen" zu wählen, sondern brav bei ihren "bewährten" Politikern bleiben (wie vor der letzten Wahl).

Vermutlich hat er Angst, dass sonst auch die Deutschen auf solche "dummen Gedanken" kommen könnten ....

08.11.2012 10:36 (zuletzt bearbeitet: 08.11.2012 10:36)
#285
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Zitat von Roquairol im Beitrag #285


Vermutlich hat er Angst, dass sonst auch die Deutschen auf solche "dummen Gedanken" kommen könnten ....


In Deutschland ist es sowieso schon so, dass die Schere immer enger wird, welche Partei überhaupt noch wählbar ist. Mir kommt das jedenfalls so vor.



„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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