Dostojewski

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19.10.2012 22:08
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#406
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Nach dem vorhersehbaren Reinfall, brauchte ich vorhersehbare Freude. Also Gerigk statt Nigg.
Etwas gestöbert und quer gelesen in "Russen und Amerika" Der Mann besticht durch seine Klarheit, Folgerichtigkeit, seine Fähigkeit den Leser bei seinen messerscharfen kaskadierenden Abhandlungen nicht auf der Strecke zu lassen, sondern immer mitzunehmen. Ebenso beeindruckt er mit einem Wissen, dass einem jedoch keine Angst bereitet. Wo der Mann denkend entlang marschiert und manchmal auch kurz schlendert, kann man getrost hinterherlaufen. Wie jemand bei Gerigk einfach im Text aussteigen will, kann ich mir nicht vorstellen. Man muss gelegentlich Luft holen. Selbst wenn man intellektuelles Seitenstechen bekommt - hier läuft man bis zum Schluss mit.
Einer der wenigen, bei denen ich nicht die Art "Erfolg" verspüre, wieder etwas vollbracht / gelesen zu haben, sondern es einfach nur bedaure, dass es ein Ende gefunden hat. Der Typ schläfert einen nicht ein. Seine stringenten Darstellungen lassen das Abschleppseil, an dem der Leser hängt ausnahmslos straff sein.
Gerigk rules.


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20.10.2012 17:14 (zuletzt bearbeitet: 25.10.2012 18:37)
avatar  Taxine
#407
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Hi Jatman:

danke für den Hinweis auf diesen Film. "Anna Dostojewskaja, Briefe an ihren Mann".

Zitat von Jatman
Vielleicht führt das auf den Weg:
. "Анна Достоевская. Письмо мужу".
Россия, 2010 г.
Режиссёр: Игорь Нурисламов.

Изображение

"Этот фильм - портрет одной из самых удивительных женщин прошлого века. Анна Григорьевна Сниткина стала женой 45-летнего Фёдора Михайловича Достоевского в возрасте 20 лет и силой своей любви сумела практически излечить мужа от эпилепсии, спасти от долгов и игровой зависимости, родила ему 4 детей и подарила ещё 14 лет счастливой и творчески плодотворной жизни.
В картину включены уникальные игровые реконструкции, снятые в поместье четы Достоевских в Старой Руссе, комментарии исследователей, а также материалы воспоминаний и расшифровок стенографического дневника жены гения.
Фильм раскроет зрителю историю последней любви великого писателя, историю жизни настоящей русской женщины - Анны Достоевской." (с)




Ich habe den kompletten Film hier gefunden:


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20.10.2012 17:43
avatar  Jatman1
#408
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Feine Sache. Aber ohne Russisch-Kentnisse ist es wie Tele-Tubbis auf hohem Niveau für mich.


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20.10.2012 18:13
avatar  Jatman1
#409
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Übrigens, zu dem erwähnten Wladimir Szylkarski "Solowjew und Dostojewski".
Das vorerstige Querlesen hat getäuscht. Diese 70 Seiten haben genügt, um Solowjew im Wesentlichen zu verstehen. Sah ich bisher ja kaum bis keine Sonne. Der war mit fortschreitenden Jahren gar nicht so schlecht drauf. Der hat dazugelernt. Nur Dostojewski hat nicht die Kurve bekommen. Ebenso ist gut nachzuvollziehen, was das wesentliche Problem bei Dostojewskis Slawismus und seinem Messianismus war.
Ist also schwer zu empfehlen.
Was erstaunlich ist - die Abhandlung stammt aus dem Jahre 1946 und ist nahezu frei von Pseudogelaber.
Ich bin positiv überrascht. Mein karges Solowjew-Bild hat sein absolut Negatives verloren. Zum Beispiel hielt er von Dostojewskij Freund Pobedonoszew mal garnichts. Hätte ich nicht gedacht. Die Abhandlung klärt wieso. Und eben mehr.


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20.10.2012 18:22 (zuletzt bearbeitet: 20.10.2012 18:24)
avatar  Taxine
#410
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Zitat von Jatman1 im Beitrag #408
Feine Sache. Aber ohne Russisch-Kentnisse ist es wie Tele-Tubbis auf hohem Niveau für mich.

Ja, wenn der Film ins Deutsche übersetzt wird oder zumindest Untertitel verfügbar sind, dann stelle ich ihn, insofern ich ihn finde, einfach noch einmal ein. Bin aber auch froh, dass das Interesse einer literarisch, filmischen Umsetzung immer noch vorhanden ist.
Ich meine, schon Gide, Thomas Mann, Hesse und co haben sich mit ihm beschäftigt und dennoch bleibt Dostojewski aktuell. Obwohl, anders betrachtet, das in Russland kein Wunder ist. Die feiern eben ihre Helden, bis sie zerplatzen.


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20.10.2012 18:34
avatar  Jatman1
#411
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"Die feiern eben ihre Helden, bis sie zerplatzen."
Wohl wahr. Da scheint man keine Gnade zu kennen und keine Gegenrede zu akzeptieren.
Dazu einige vielleicht interessante Anmerkungen: Hier als auch Hier


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20.10.2012 18:48
avatar  Taxine
#412
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Gruselig. Zitat: "Der nationale Prophet" und "die „heilige Schrift“ des Russentums" - da hätte doch selbst Dostojewski den Kopf geschüttelt (und das will schon etwas heißen, denn er war ja auch nicht ohne Eitelkeit).


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20.10.2012 19:00
avatar  Jatman1
#413
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Dostojewskis theokratische Verblendung scheint eben nicht verschwunden zu sein. Ist aber auch nicht so überraschend. In Russland wird in dieser Richtung ja fleißig geupdated. Ich tu nur sagn tun: pussy riot.


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20.10.2012 19:21
avatar  LX.C
#414
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Warum hat man "Der Großinquisitor" eigentlich aus "Die Brüdern Karamasow" ausgekoppelt? Oder existierte die Erzählung schon vor dem Roman?


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20.10.2012 19:28
avatar  Taxine
#415
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Ich denke, weil es ein für sich stehendes Werk im Werk ist.


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20.10.2012 19:30
avatar  LX.C
#416
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Aber hätte Dostojewski das gutgeheißen? Werke in Werke gibt es viele.


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20.10.2012 19:34 (zuletzt bearbeitet: 20.10.2012 19:43)
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#417
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Ja. "Der Großinquisitor" wirkt eher wie ein eingefügter Essay, der im Grunde nur die Einstellung Iwan Karamasows verdeutlichen soll, aber vor allen Dingen in seiner Kritik (Glaube, Kirche, Mensch) wohl herausgefasst wurde, um darüber zu philosophieren. Ich nehme an, "Der Großinquisitor" wurde als eigenständiges (man könnte sagen: philosophisches) Werk herausgegeben, weil sich viele darüber Gedanken gemacht haben, speziell über diese Passage, schon während, aber besonders auch nach der Zeit Dostojewskis. Ob er das gutgeheißen hätte? Er hätte es, glaube ich, nicht abgelehnt. Er selbst hat für seine Zeitschrift ja auch häufig aus Werken einzelne Passagen herausgegriffen, um sie zu kommentieren und zur Diskussion zu stellen. Außerdem war Dostojewski ja gerade die Hinterfragung wichtig, der er sich im "Großinquisitor" stellt.

Naja ... letztendlich alles Spekulationen meinerseits.


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20.10.2012 19:49 (zuletzt bearbeitet: 20.10.2012 19:51)
avatar  Jatman1
#418
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Wenn es Geld gebracht hätte, sicherlich. Da konnte er nie wählerisch sein, was die Form seiner Veröffenrlichungen anbelangte.
Zudem war Dostojewski bewusst, dass er seine Werke "zusammenstückelte". Er hatte immer Unmengen von Plänen. Und gerade wie es lief, verknüpfte er verschiedene gesammelte Elemente.
Und den Höhepunkt der Verquickung und Überfrachtung bilden unbestritten eh Die Karamasow.
Es ist sicherlich die eigenständigste Auskopplung, derer es ja noch viele weitere gibt. Zudem enthält es nicht etwas Losgelöstes, sondern DEN KERN seines vermeintlichen "Missionierungsauftrages".


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20.10.2012 20:52
avatar  Jatman1
#419
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In Sachen Solowjew. Da stehe ich mal ganz nahe bei Anna D. Sie schreibt in Bezug auf das Vorhaben Dostojewskis zum Optina-Besuch:"Obwohl Solowjow meiner Meinung nach `nicht von dieser Welt` war, würde er doch auf Fjodor achtgeben, falls dieser einen epileptischen Anfall bekam."


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20.10.2012 21:16 (zuletzt bearbeitet: 20.10.2012 21:16)
avatar  Taxine
#420
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Admin

Zitat von Jatman1 im Beitrag #419
In Sachen Solowjew. Da stehe ich mal ganz nahe bei Anna D. Sie schreibt in Bezug auf das Vorhaben Dostojewskis zum Optina-Besuch:"Obwohl Solowjow meiner Meinung nach `nicht von dieser Welt` war, würde er doch auf Fjodor achtgeben, falls dieser einen epileptischen Anfall bekam."



Irgendwie aber auch mal wieder typisch für diese Frau. Sie sagt manchmal Dinge, die so humorig stimmig sind, dass man weiß, dass es ganz ohne Absicht geschah.


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