Gedanken vom Tag - allgemein Nr. 2

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10.11.2010 18:10 (zuletzt bearbeitet: 10.11.2010 18:10)
avatar  LX.C
#196
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Zitat von Taxine
Sicherheit - liegt immer nur in einem selbst. Dort stark und dauernd und ganz ohne Lücken. Und dazu das Zwinkern, dass wenn es kommt, es dann eben kommt...



Ja, wenn das so einfach wäre - passt dann genau heute und die Tage zu meinen Gedanken.


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11.11.2010 16:28 (zuletzt bearbeitet: 11.11.2010 16:35)
avatar  Taxine
#197
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Admin

Es ist mal wieder so typisch und absurd, dass die Menschen ihren Hass personifizieren und einen Einzelnen verantwortlich machen, wo offensichtlich die komplette Organisation versagt hat. Einen Bürgermeister mit Ketchup zu bespritzen, weil er wagt, kein einziges Wort zum Thema verlauten zu lassen, ist lächerlich und dumm. 21 Menschen klagen an… Als ob es in der Welt nichts anderes gibt, dass der Anklage lohnt. Stattdessen wird der allgemeine Frust mal wieder geballt verschleudert und minimalisiert.
Das, was dort auf der Love-Parade geschehen ist, ist schlimm genug, dass aber die Menschen ihren Frust auf einen Menschen projizieren, macht die Sache nicht besser.


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11.11.2010 17:45 (zuletzt bearbeitet: 11.11.2010 17:47)
avatar  Jatman1
#198
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Wenn das z.B. ein Angehöriger gemacht hat, habe ich volles Verständnis. Von der Trauer abgesehen hat der auch WUT. Wut auf den Verantwortlichen. Selbst wenn er nicht schuld ist. Er ist verantwortlich. Der bekommt sein Geld nicht für tatsächliche Arbeit. Seine Arbeit heißt Verantwortung. Der wird er nicht gerecht. Ein Hohn für alle Hinterbliebenen. Als Geschädigter willst du Verantwortung, nicht mal in jedem Fall Sühne. Und der Typ steht da und sagt mit seinem Schweigen sinngemäß: Ich muss auf mich aufpassen. Ihr seid Dreck - keines Wortes von mir wert. Mach doch Euren Scheiß selbst. Ich lasse mich nicht herab, mich auf euer Thema einzulassen. Ihr habt eure und ich habe meine.
So ein Verhalten provoziert Wut und Aggressivität. Dass es "inhaltlich und methodisch" leicht infantil ist, jemand mit Ketchup zu bewerfen ist unbesehen zum Schmunzeln frei gegeben. Wär ich betroffen und müsste diese niederträchtige Ignoranz aushalten, könnte er auch durch mich rot werden - aber nicht mittels Ketchup.

Das Vorgefallene ist nicht rückgängig zu machen. Aber die Folgen sind für alle Betroffenen mit größtmöglichen Anstrengungen zu mildern.

Zitat
Als ob es in der Welt nichts anderes gibt, dass der Anklage lohnt.


Da gibt es vieles. So wir selber: Wir fahren Auto, fliegen in den Urlaub, kaufen Überraschungseier, essen Bananen, das Kilo für 99 Cent und kaufen bei H&M unsere Klamotten. Mit diesem Verhalten ignorieren wir, mit welch sklavischer Ausbeutung wir zu unserem Genuss gelangen. Wir tun nichts. Das Elend muss erst an uns herantreten, dann begreift und fühlt man erst. Und dann ist man eben WÜTEND.


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11.11.2010 19:15
avatar  LX.C
#199
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So viel Dreck im Wein. Warum gibts eigentlich kein deutsches Reinheitsgebot wie beim Bier? Würde den Umsatz bestimmt ungeahnt steigern.


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11.11.2010 19:18 (zuletzt bearbeitet: 11.11.2010 19:19)
avatar  LX.C
#200
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Zitat von Taxine
Es ist mal wieder so typisch und absurd, dass die Menschen ihren Hass personifizieren und einen Einzelnen verantwortlich machen, wo offensichtlich die komplette Organisation versagt hat. Einen Bürgermeister mit Ketchup zu bespritzen, weil er wagt, kein einziges Wort zum Thema verlauten zu lassen, ist lächerlich und dumm. 21 Menschen klagen an… Als ob es in der Welt nichts anderes gibt, dass der Anklage lohnt. Stattdessen wird der allgemeine Frust mal wieder geballt verschleudert und minimalisiert.
Das, was dort auf der Love-Parade geschehen ist, ist schlimm genug, dass aber die Menschen ihren Frust auf einen Menschen projizieren, macht die Sache nicht besser.



Der hat sich aber auch unmöglich benommen. Ein Bürgermeister, ein Verantwortlicher der Stadt, der Verantwortliche für den Apparat der Stadt, kann nicht einfach wegrennen und sich verkriechen wie ein Schisser.
Bedenklich hingegen hat mich gemacht, warum das fertige Gutachten zum Vorfall nun wieder unter Verschluss gehalten wird? Habe ich heute erst gelesen. Das ist doch erstmal wieder höchst absurd oder besser absonderlich.


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11.11.2010 19:35 (zuletzt bearbeitet: 11.11.2010 19:36)
avatar  LX.C
#201
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Und noch ein Gedanke, der mich beschäftigte, die Nacht. Mir war nicht bewusst, wie unpassent, gar falsch die Begriffe Holocaust und Shoah sind. Holocaust, im Alten Testament das Brandopfer, bedeutet die Opferung Isaaks auf dem Scheiterhaufen durch seinen Vater Abraham, die Gott als Beweis seiner Gottesfürchtigkeit forderte, 1. Buch Mose Kapitel 22.
Und Shoah? Shoah ist der hebräischen Bibel zufolge die Gottesstrafe. Nun kennt man aus einschlägiger Shoah-Literatur natürlich, dass Juden die Qualen in den Lagern immer wieder als Gottesstrafe zu deuten suchten. Aber angemessen im Bezug auf die Täter und das Verbrechen scheint dieser Begriff wohl keinesfalls. Nur, welcher Begriff wäre schon angemessen?


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11.11.2010 19:41 (zuletzt bearbeitet: 11.11.2010 19:43)
avatar  LX.C
#202
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Belässt mans bei den tradierten Begriffen und mit Blick auf die Semantik, dann werde ich statt Holocaust zukünftig doch den Begriff Shoah vorziehen = Heimsuchung, Katastrophe, Vernichtung
Wobei Heimsuchung ja auch wieder höchst unpassend ist.


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11.11.2010 20:10
#203
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Zitat von LX.C
Belässt mans bei den tradierten Begriffen und mit Blick auf die Semantik, dann werde ich statt Holocaust zukünftig doch den Begriff Shoah vorziehen = Heimsuchung, Katastrophe, Vernichtung
Wobei Heimsuchung ja auch wieder höchst unpassend ist.



Den Begriff "Holocaust" habe ich schon immer möglichst vermieden, da er seinen Ursprung in einer amerikanischen TV-Serie hat, die 1979 in Deutschland ausgestrahlt wurde. Das erschien mir noch nie der Sache angemessen.

12.11.2010 18:19
#204
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In meiner Lektüre von Leopold v. Schroeders "Indiens Literatur und Cultur" komme ich allmählich zum Ende, und heute stieß ich auf S. 533 auf einen Brief an den Vorbesitzer Dr. phil. Hans Wirtz aus dem Jahr 1897. Geil!
Habe gleich gegooglet, ob über den irgendwas rauszufinden ist. Viel zu finden ist leider nicht: Er wohnte in Mühlheim am Rhein (heute Köln), schrieb seine Diss. in Bonn über "Die westliche Rezension des Ramayana", bestand im Sommersemester 1900 seine Chinesisch-Prüfung und war dann ab 1901 Dolmetscher bei dem Kaiserlichen Gouvernement in Kiautschou. Falls jemand etwas über sein weiteres Schicksal herausfindet, wäre ich neugierig ... (Ob mein Buch auch in China war?)

12.11.2010 19:35
avatar  LX.C
#205
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Zitat von Roquairol

Den Begriff "Holocaust" habe ich schon immer möglichst vermieden, da er seinen Ursprung in einer amerikanischen TV-Serie hat, die 1979 in Deutschland ausgestrahlt wurde. Das erschien mir noch nie der Sache angemessen.



Der Ursprung des Begriffes ist wie gesagt auf auf das Alte Testament zurückzuführen. Der Bezug zur Judenvernichtung wurde mit Chomskys 4teiligen Serie "Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiß" von 1978 hergestellt. Ganz richtig, ein höchst fragwürdiger Bezug.


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12.11.2010 20:17
#206
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Zitat von LX.C


Der Ursprung des Begriffes ist wie gesagt auf auf das Alte Testament zurückzuführen.


So ganz richtig ist das nicht, denn der Begriff ist Griechisch (nicht Hebräisch) und wird eigentlich mit k geschrieben (mit c ist die angelsächsische Schreibweise), er bedeutet soviel wie "ganz verbrennen". Die Religionswissenschaft kennt von je her den Begriff des "holokaustischen Opfers", bei dem das Opfertier ganz auf dem Altar verbrannt wurde. (In der Regel wurden ja nur ungenießbare Teile wie Knochen verbrannt, während das Fleisch von der Opfergesellschaft verzehrt wurde.)

Ein Grund mehr, diesen Begriff nicht auf die Ermordung der Juden anzuwenden.

12.11.2010 23:34 (zuletzt bearbeitet: 12.11.2010 23:35)
avatar  Taxine
#207
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Admin

Zitat von Roquairol
In meiner Lektüre von Leopold v. Schroeders "Indiens Literatur und Cultur" komme ich allmählich zum Ende, und heute stieß ich auf S. 533 auf einen Brief an den Vorbesitzer Dr. phil. Hans Wirtz aus dem Jahr 1897. Geil!
Habe gleich gegooglet, ob über den irgendwas rauszufinden ist. Viel zu finden ist leider nicht: Er wohnte in Mühlheim am Rhein (heute Köln), schrieb seine Diss. in Bonn über "Die westliche Rezension des Ramayana", bestand im Sommersemester 1900 seine Chinesisch-Prüfung und war dann ab 1901 Dolmetscher bei dem Kaiserlichen Gouvernement in Kiautschou. Falls jemand etwas über sein weiteres Schicksal herausfindet, wäre ich neugierig ... (Ob mein Buch auch in China war?)



Du bist auf einen echten Brief gestoßen? Geschäfts- oder Privatbrief?
Das ist ja wirklich der Hammer. Man stellt sich sofort vor, durch wessen Hände und welche Zeiten so ein Buch wohl alles ging...


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13.11.2010 00:14
#208
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Zitat von Taxine


Du bist auf einen echten Brief gestoßen? Geschäfts- oder Privatbrief?



Geschäftsbrief - inhaltlich eher uninteressant und auch noch halb durchgeschnitten, er hatte nur die Rückseite benutzt, um sich Notizen über indische Versmaße zu machen.

14.11.2010 12:31
#209
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Heute habe ich erstmals den zweiten Satz aus der 3. Sinfonie des ponischen Komponisten Henryk Mikołaj Górecki gehört. Unheimlich ergreifend.

Sinfonie der Klagelieder




Vor zwei Tagen ist der Komponist verstorben.†



„Wäre die Erde eine Bank, dann hättet Ihr sie bestimmt schon gerettet!" (Greenpeace)

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24.11.2010 09:32
#210
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Gestern hat Metallica auf ihrer Facebook-Seite neue Fotos gepostet und bekam dazu innerhalb von fünf Minuten über 25.000 Kommentare. Unglaublich ...

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